Khoekhoegowab

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Khoekhoegowab

Gesprochen in

Namibia, Botswana und Südafrika
Sprecher 250.000

Namibia: um 176.000
plus 16.000 Haiǁom
Botswana: 200 bis 1.000
Südafrika: um 56.000

Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Minderheitensprache in Namibia
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-3:

hgm (Haiǁom), naq (Nama)

Das Khoekhoegowab (veraltet bekannt als Nama beziehungsweise Damara oder auch Damara-Nama, ganz veraltet als Hottentottisch) ist die Sprache der Nama, Damara, und Haiǁom, und geografisch und nach Sprecheranzahl die meistverbreitete Khoisan-Sprache. Sie gehört zur Khoe-Sprachfamilie. Khoekhoegowab wird in Namibia, Botswana und Südafrika von etwa 250.000 Menschen (Ethnologue, 1998) gesprochen.

In Namibia ist es eine Nationalsprache. In Südafrika wird es anerkannt, ist dort jedoch anders als Afrikaans, Englisch und neun dort gesprochenen Bantu-Sprachen nicht offiziell. In ISO 639-3 werden die zwei Dialekte Nama (naq) und Haiǁom (hgm) unterschieden. Die Sprache ist nahe verwandt mit dem sterbenden Korana und den ausgestorbenen Sprachen der Khoikhoin am Kap.

Geografische Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung der Sprache Nama in Namibia.

Nama hat etwa 250.000 Sprecher in Namibia, Südafrika, und einige wenige in Botswana.

Dialekte[Bearbeiten]

  • Damara
  • Sesfontein Damara
  • Namidama
  • Zentraldamara
  • Nama
  • Gimsbok Nama
  • Haiǁom
  • Korana
  • Xiri

Laute[Bearbeiten]

Mit acht Vokalen und 31 Konsonanten hat das Nama ein für Khoisansprachen schlichtes Lautinventar (vergleiche die 128 des ǃXóõ). Von den 31 Konsonanten sind 20 Schnalzlaute.

Es gibt fünf Vokalqualitäten (a, e, i, o, u), von denen drei (ã, ĩ, ũ) nasaliert werden können. Die Vokale können lang oder kurz sein, es gibt zahlreiche Doppellaute (Diphthonge): [əi ae əu ao ui oa oe] und nasal [ə̃ĩ ə̃ũ ũĩ õã]. [ə] ist phonemisch /a/. Es gibt drei Töne: steigend, flach, fallend – den ersten und letzten schreibt man meistens aus mit á bzw. à, der mittlere wird nur selten geschrieben.

Konsonanten[Bearbeiten]

Nicht-Schnalzlaute[Bearbeiten]

/p/ wird [β] ausgesprochen und /t/ zwischen Vokalen als [ɾ].

bilabial alveolar velar glottal
Plosiv p ~ β t ~ ɾ k ʔ
Affrikate t͡s k͡x
Frikativ s x h
Nasal m n

Schnalzlaute[Bearbeiten]

Die Schnalzlaute (Klicks) können dental, lateral, alveolar oder palatal sein, sie können von Plosiven, aspirierten Plosiven, Plosiven mit Glottisschlag, Nasalen und aspirierten Nasalen begleitet werden (also 4 [Schnalzpositionen] x 5 [Begleiter] = 20 [mögliche Schnalzlaute]).

Die behauchten Schnalzlaute werden oft als Affrikaten (kombinierte Verschluss- und Reibelaute) ausgesprochen. Das bedeutet, dass /kǀˣ/ von [kǃʰ] bis [kǃx] ausgesprochen werden kann.

Begleiter affrizierte Klicks 'scharfe' Klicks Schreibweise
(mit "ǃ")
dental alveolar postalveolar palatal
Plosiv <ǃ> oder <ǃg>
Aspirierter Plosiv kǀˣ kǁˣ kǃˣ kǂˣ <ǃx> oder <ǃk>
Nasal ŋǀ ŋǁ ŋǃ ŋǂ <nǃ> oder <ǃn>
Stimmlos nasal mit
verzögertem Hauchlaut
ŋ̊ǀʰ ŋ̊ǁʰ ŋ̊ǃʰ ŋ̊ǂʰ <ǃh>
Plosiv mit Glottisschlag kǀʔ kǁʔ kǃʔ kǂʔ <ǃ’> oder <ǃ>

Grammatik[Bearbeiten]

Das Nama hat eine Subjekt-Objekt-Verb-Wortfolge.

Nama im Alltag und offiziellen Bereich[Bearbeiten]

In Namibia, wo Nama eine Nationalsprache ist, kann man Nama an der Universität von Namibia studieren. Sowohl in Namibia als auch in Südafrika kann man Rundfunksendungen auf Nama hören. Es sind auch Wörterbücher Nama-Englisch und Englisch-Nama erschienen. Die Sprache ist nicht vom Aussterben bedroht. Einige Übersetzungsbeispiele:

Deutsch Khoekhoegowab
bitte toxoba
danke aio
vielen Dank kai aios
Bruder ǃgâsab
Eins ǀgui
Zwei ǀgam
Drei ǃnona
Vier haka
Fünf koro
Fenster mûǂui doas
Feuer ǀaes
gut (Adj.) ǃgâi-a
gut (Adv.) ǃgâise
schlecht ǁgâi-a
guten Morgen ǃgâi ǁgoas
guten Abend / gute Nacht ǃgâi ǃoes
guten Tag / auf Wiedersehen ǃgâi tsés
Haus oms
gestern ǁari
heute nétsé
morgen ǁari
Junge axab, ǀgoab, darob
Mädchen axas, ǀgoas, daros, ǂkhamkhoes

Beispiel: eine Fabel (aus Hagman 1977)[Bearbeiten]

Xam-i ke ’a ǀúrún hòán tì kàó’ao káísep ’a ǀaísa, ǀóm ̊ǁxáí, xápú kxáó, tsií ǃháése ra ǃxóés ǃ’áróma.

Tsií maátsekám ̊ǁóakas hòásàp ke ǂxam xam-à ǃárop ǃnaa ǂ’oá tsií ̊ǁ’iip tì ǀaísìpà síí kèrè ǀnoóku náú ǀúrún ǀxáa. Tsií maá tsèes hòásàp ke ̊ǁ’iipà kèrè ’óa-ǀxií tàn’aose. Tsií nee ǂhòas ke ǀúrún ǃhúùp hòárákap ǃnaa kè ̊ǁnàúhè tsií ǂ’ánhè ’ií xam-i ’a ǀúrún tì kàó’ao ǃxáisà. Tsií maá tsèes híí’ap kèrè ’óa-ǀxií tàn tsiís kxáóǃáa ’oos ke ̊ǁ’iip tì ̊ǁuusà kèrè koápi "tíí ’óátse! ǀóm ǃnórótse! xápú kxáótse! ǀóm ̊ǁxáítse! ’áore kxòetse!" tí.

Xapes ke ǀúí tsekám ̊ǁóaka kxàí-máá tsiíp ke ǂxam xam-à kàrósn ’oo ǃxóóǀxáapi "ǀóm ̊ǁxáítse! ǀóm ǃnórótse! xam ̊ǁ’oatse! xápú kxáótse!" tí, ǃxóóǀxáapi tóá tsií kè míí "am’aseta ke ra ǂóm saáts maá ǀúrún hòán xaa ’a ǀaísa ǃxáisà. Maá tsèes hòásàts ke saátsà ǂ’oá ǃárop ǃnaa tsií ’óa-ǀxií tsií ra ̊ǁaute ’am’asets saátsà ’a ǀúrún tì kàó’ao ǃxáisà. Xape, tíí ’óátse! ǀúí tsèets ke nìí ǂ’oá ǃárop ǃnaa. Tsií ǂ’oá tsiíts ǃárop ǃnaa ra ǃuumaa híí’ats ke ǂxarí xuuróp ǂhanúse ra ǃúu ǃxoótì ǃnaa ǂnùa tànásepà nìí mùu. Tsií, tíí ’óátse! ǀóm ̊ǁxáítse! ǀóm ǃnórótse! xápú kxáótse! ̊ǁnaá ǂxarí xuuróp ǀxáats kàrà ǀhaó’ú tsèes ̊ǁnaás ’áís ke sóresà nìí ǂaa ’óa-ǀxií tamats hàa híí’a. ̊ǁnaá xuuróp tì ǀ’òns ke "kxòep" tí ra ǂaíhè.[1]

Der Löwe ist der König aller Tiere, weil er sehr stark ist, mächtig in der Brust, schlank in seiner Taille und schnell läuft.

Jeden Morgen ging der junge Löwe in den Wald, um seine Kraft mit der anderer Tiere zu vergleichen. Und jeden Tag kehrte er als Sieger zurück. Diese Nachricht war in der ganzen Tierwelt zu hören und wohlbekannt: dass der Löwe der König der Tiere sei. Jeden Tag, an dem er siegreich nach Hause kam, lobte ihn seine Mutter: „Mein Sohn! Mächtig im Nacken! Mächtig in der Brust! Ein richtiger Mann!“

Aber eines Morgens, als der junge Löwe gerade aufgestanden war und sich reckte, lobte sie ihn „Mächtig in der Brust! Mächtig im Nacken! Mit Löwenarmen! Schlank in der Taille!“, hörte auf, ihn zu loben, und sagte: „Wirklich, ich bin sicher, du bist der Stärkste unter allen Tieren. Jeden Tag gehst du in den Wald und kehrst zurück, und zeigst mir, dass du wahrhaftig der König der Tiere bist. Aber, mein Sohn, eines Tages wirst du in den Wald gehen. Und während du im Wald umhergehst, wirst du ein kleines Ding sehen, das aufrecht geht und dessen Kopf auf den Schultern sitzt. Und, mein Sohn! Mächtig in der Brust! Mächtig im Nacken! Schlank in der Taille!, an dem Tag, an dem du diesem kleinen Ding begegnest, an diesem Tag wird die Sonne untergehen und du wirst nicht zurückgekehrt sein. Der Name dieses kleinen Dinges lautet ‚Mensch‘.“

Verschriftlichung[Bearbeiten]

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen des Khoekhoegowab geht auf Georg Friedrich Wreede zurück. Das erste Druckwerk in der Nama-Sprache war Luthers Katechismus, der vom protestantischen Missionar Franz Heinrich Kleinschmidt am 29. Juni 1855 in Scheppmansdorf (heute Rooibank) mit einer Auflage von 300 Exemplaren herausgebracht wurde.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilfried Haacke, Eliphas Eiseb: Khoekhoegowab Dictionary. Gamsberg Macmillan, Windhoek 2002, ISBN 99916-0-401-4.
  •  Wilfried Haacke, Eliphas Eiseb: Khoekhoegowab–English/English–Khoekhoegowab. Gamsberg Macmillan, Windhoek 1999, ISBN 99916-0-172-4.
  •  Roy S. Hagman: Nama Hottentot grammar. Indiana University, Bloomington 1977.
  •  Sigrid Schmidt: Märchen aus Namibia, Volkserzählungen der Nama und Dama. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 978-342-400684-1.
  •  Reinhard Friedrich: Verjagt, verweht, vergessen. Gamsberg Macmillan, Windhoek 2010, ISBN 978-3-941602-27-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nama folktale. Cornell University, archiviert vom Original am 15. Juli 2008, abgerufen am 8. Oktober 2013 (khoekhoegowab/englisch).
  2. Walter Moritz, "Die Anfänge des Buchdrucks in Südwestafrika/Namibia", Gutenberg-Jahrbuch, Vol. 1979 (1979), S. 269–276