Khyber Pakhtunkhwa

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خیبر پختونخوا
Khyber Pakhtunkhwa
Basisdaten
Hauptstadt: Peschawar
Status: Provinz
Fläche: 74.521 km²
Einwohner: 21.706.054 (2006)
Bevölkerungsdichte: 291,3 Einw./km² (2006)
Regierungschef: Amir Haider Khan Hoti (Februar 2012)[1]
ISO 3166-2: PK-KP
Karte
Sindh Belutschistan Islamabad Stammesgebiete unter Bundesverwaltung Kypher Pakhtunkhwa Punjab Gilgit-Baltistan (de-facto Pakistan - von Indien beansprucht) Siachen-Gletscher: de-facto unter Kontrolle der indischen Streitkräfte (von Pakistan als Teil von Gilgit-Baltistan beansprucht) Asad Jammu und Kaschmir (de-facto Pakistan - von Indien beansprucht) de-facto Indien (von Pakistan beansprucht und als "von Indien verwaltetes Jammu und Kaschmir" bezeichnet) de-facto China (von Indien beansprucht) de-facto China (von Indien beansprucht) Iran Turkmenistan Usbekistan Afghanistan Tadschikistan Indien Nepal ChinaLage in Pakistan
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Khyber Pakhtunkhwa (Urdu ‏خیبر پختونخوا‎), von 1901 bis 2010 Nordwestliche Grenzprovinz (englisch North-West Frontier Province, NWFP) ist eine Provinz Pakistans. Sie ist überwiegend von Paschtunen bevölkert. Große Teile der Provinz gehörten einst zu Afghanistan. Die Hauptstadt von Khyber Pakhtunkhwa ist Peschawar. Khyber Pakhtunkhwa und die Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (FATA) werden von den Afghanen Ost-Afghanistan oder auch Paschtunistan genannt.

Geographie[Bearbeiten]

Kundol-See

Khyber Pakhtunkhwa grenzt (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten) an Gilgit-Baltistan (die früheren Nordgebiete), das teilautonome Asad Kaschmir, an die Provinz Punjab – mit der es das Hauptstadtterritorium Islamabad umschließt –, an die Stammesgebiete unter Bundesverwaltung sowie an Afghanistan. Mit einer Fläche von 74.521 km² ist Khyber Pakhtunkhwa die flächenmäßig kleinste Provinz Pakistans. Während sich die Ebene um die Provinzhauptstadt Peshawar auf ca. 340 m ü. M. erstreckt, ist der höchste Gipfel der Provinz, der Tirich Mir, auf 7750 m hoch. Die westlichen Gebiete an der Grenze zu Afghanistan sind sehr trocken mit spärlicher Vegetation; die zentralen und östlichen Berggebiete hingegen gehören bereits zum subtropischen kontinentalen Hochland, mit schneereichen Wintern, kühlen Sommern sowie Winter- und Sommerregen. Im Tiefland um Peshawar erreicht die Temperatur im Juni/Juli hingegen bis zu 45 °C.

Khyber Pakhtunkhwa ist die waldreichste Provinz Pakistans. Gemäß dem Forest Sector Master Plan von 1993 sind 17 % der Fläche bewaldet (Pakistan: 4,8 %), während 15 % landwirtschaftlich genutzt werden (Pakistan: 23 %). Diese offiziellen Zahlen werden von Experten jedoch bezweifelt, da eine Abholzung der Wälder nach wie vor rasch voranschreitet. Mehrere Berichte kamen denn auch zum Schluss, dass der Wald in den zugänglichen Gebieten von Khyber Pakhtunkhwa ohne drastische Maßnahmen bis ins Jahr 2025 verschwunden sein wird. Häufigste Arten sind unter den Nadelbäumen Himalaya-Zeder, Tränen-Kiefer, Pinus roxburghii, Pindrow-Tanne, Pinus excelsa und Pinea smithiana. Häufigster Laubbaum ist die Walnuss.

Im Norden der Provinz liegt der Chitral-Gol-Nationalpark, in dem seltene Bergtiere, wie die Schraubenziege geschützt werden.

Administration[Bearbeiten]

Gebietsaufteilung:

In ihrer heutigen Form besteht Khyber Pakhtunkhwa seit 1901, als sie von der britischen Besatzungsmacht den Namen North-West Frontier Province erhielt (welcher besonders bei der Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen unbeliebt war). Administrativ ist die Provinz in 24 Distrikte unterteilt: Distrikte in Khyber Pakhtunkhwa.

Daneben umfasst die Provinz 25.700 km² sogenannte Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (FATAs – Federally Administered Tribal Areas), in denen weder Provinz- noch Staatsregierung viel Einfluss haben. Diese FATAs werden gegenüber dem Staat durch einen Politischen Agenten vertreten.

Im Februar 2009 unterzeichnete die Administration in Peschawar eine Vereinbarung, wonach im Distrikt Malakand künftig die Scharia angewandt wird.[2] Im April 2009 folgte der Distrikt Swat.[3][4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

1998 lebten 17,7 Mio. Menschen in Khyber Pakhtunkhwa. Seit 1950 hat sich die Bevölkerung beinahe vervierfacht. Die heutige Wachstumsrate liegt bei 2,82 % pro Jahr, was die höchste Rate in ganz Pakistan darstellt. Über 83% aller Menschen leben im ländlichen Raum, bei einer Bevölkerungsdichte von 238 Personen/km² (nach dem Punjab die zweithöchste Pakistans). Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt 8 Personen. Die Analphabetenrate von Männern liegt bei 49 %, von Frauen bei 81 %. Pashtu wird von 73,9 % der Bevölkerung (1998) gesprochen, gefolgt von Hindko (18 %) in der Region Hazara, wobei viele Leute auch die Nationalsprache Urdu sprechen. 1998 bezeichneten sich 99,4 % der Bevölkerung von Khyber Pakhtunkhwa als Muslime.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Zeit der britischen Herrschaft stellte die North-West Frontier die Außengrenze des Britischen Weltreichs dar. Sie wurde im November 1901 als North-West Frontier Province durch Lord Curzon gebildet. Die größte Konzentration von Einheiten der British Indian Army befand sich hier, an der Grenze nach Afghanistan. Die Briten befürchteten, dass Russland von dort zum Angriff um die Vorherrschaft in Zentralasien, dem Great Game, antreten würde. Aus diesem Grund begannen hier die Anglo-Afghanischen Kriege.

Die Überschwemmungskatastrophe in Pakistan 2010 war für dieses Gebiet die schlimmste Überschwemmung seit 1929. Viele Häuser wurden weggespült, Brücken und Straßen stark beschädigt, Vieh ist teilweise ertrunken und die Ernten wurden weitgehend zerstört.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Khyber Pakhtunkhwa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bombenanschlag in Pakistan. In: Der Standard. 27. Februar 2012, abgerufen am 29. Februar 2012.
  2. Tagesschau:Scharia-Recht gilt künftig im Nordwesten Pakistans (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  3. Scharia im Swat-Tal
  4. Pakistan: Scharia im Swat-Tal durchgesetzt
  5. World Vision: World Vision Deutschland bittet um Spenden für Flutopfer in Pakistan. Aktion Deutschland Hilft, 3. August 2010, archiviert vom Original am 17. August 2010, abgerufen am 17. August 2010.