Kibeho

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kibeho ist ein kleiner Ort in den hohen Bergen im südwestlichen Ruanda in der Provinz Gikongoro, rund 20 km von der burundischen Grenze entfernt. An dem Ort kam es während des Völkermordes von 1994 und am 22. April 1995 zu Massaker.

Wallfahrtsort[Bearbeiten]

1934 wurde eine Pfarre in Kibeho gegründet und der Jungfrau Maria geweiht. Ab November 1981 soll es zu Marienerscheinungen gekommen sein, die „nyina wa jambo“ (Mutter des Wortes) soll sich offenbart und zur Umkehr, Buße und Versöhnung aufgerufen haben. 1988 gab Bischof Augustin Misago seine Erlaubnis für die Marienverehrung und Kibeho wurde zu einem Wallfahrtsort, zum „Lourdes von Ruanda“, entwickelt. Im Jahre 2001 wurden die Marienerscheinungen von der römisch-katholischen Kirche in Rom anerkannt - es war die erste anerkannte Marienerscheinung in Afrika. Kibeho ist der einzige, vom Vatikan anerkannte Wallfahrtsort in Afrika. Der Ort galt als ein Wahrzeichen für den Siegeszug des Katholizismus in Afrikas christlichstem Land.

Massaker von Kibeho[Bearbeiten]

Als das Töten begann während des Völkermordes von 1994, dem innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Menschen zum Opfer fielen, strömten viele Menschen nach Kibeho, da sie sich an einem Wallfahrtsort sicher wähnten. Am 14. April begann das Massaker von Kibeho, zunächst an den 15.000 Flüchtlingen, die im vermeintlich sicheren Sanktuarien-Areal Schutz suchten. Später auch in den Sanktuarien, im Internat Marie Mercie wurden 82 Schüler im Speisesaal der Schule niedergemetzelt. Es dauerte zwei Tage bis alle zu Tode gehackt, erschossen oder zum Teil lebendig verbrannt waren. Zeugen beschuldigen Lehrer, Priester und Nonnen die Morde unterstützt zu haben. Es kam zu Prozessen des Schuldirektor Emmanuel Uwayezu[1] und des Bischof Augustin Misago. Beide wurden freigesprochen, Prozess-Beobachter werteten die Freisprüche auch als Zeichen, dass die Kagame-Regierung das Verhältnis zur katholischen Kirche nicht weiter belasten wollte.[2]

Massaker im Flüchtlingslager[Bearbeiten]

Kibeho war ein Flüchtlingslager für aus dem Kongo repatriierte Ruander, die nach dem Völkermord geflohen waren, darunter auch viele Génocidaires. Am 18. April 1995 wurde das Lager von der Ruandischen Armee abgeriegelt. Am 22. April 1995 erfolgte ein gewaltsamer Ausbruchsversuch der Génocidaires, infolgedessen zahlreiche Lagerinsassen ums Leben kamen. Am 23. April wurde die Zahl der Toten im Lager zunächst auf 8000 geschätzt, die Angabe wurde jedoch bald auf 2000–4000 verringert. Später wurde die Zahl der Toten offiziell mit 400 Personen angegeben, inoffiziell wurden 4.050 Tote gezählt. Viele der Toten waren nicht mit Schusswaffen, wie sie die ruandische Armee verwendet, sondern mit Macheten, der typischen Waffe der Génocidaires, getötet worden. Außerdem wurden viele Menschen zu Tode getrampelt oder erdrückt. Die UNO, die mit Hilfe ihres Hohen Flüchtlingskommissars die Flüchtlinge hätte beschützen müssen, hat sie willentlich den Massakern überlassen, die anwesenden UNO-Soldaten (United Nations Assistance Mission for Rwanda) spielten bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen um das Lager Kibeho nur die Rolle von zum Nichtstun verurteilten Beobachtern.

Dass sich unter den Flüchtlingen die Täter des Völkermords (Génocidaires) versteckt hielten, hinter Frauen und Kindern verschanzt - war die offizielle Rechtfertigung für das Massakers im Kibeho-Flüchtlingslager, begangen durch die Regierungstruppen.[3] Der Massenmord im Flüchtlingslager markierte einen Wendepunkt in der Politik der Regierung von Paul Kagame. Deren Anspruch, das ganze Volk zu repräsentieren verlor mit dem Gemetzel seine Glaubwürdigkeit.

Bibliographie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clergyman linked to Rwandan genocide seized in Italy, CNN, October 25, 2009
  2. Michael Bitala: Bisher höchster katholischer Würdenträger wegen Genozids vor Gericht: Freispruch für Bischof im Völkermord-Prozess in Ruanda, Süddeutsche Zeitung vom 16. Juni 2000, abgerufen via AG Friedensforschung am 29. Dezember 2014
  3. Hans Christoph Buch: 20 Jahre nach Völkermord in Ruanda Die Waisen vom Vormittag, SZ vom 6. April 2014

-2.636291666666729.546777777778Koordinaten: 2° 38′ S, 29° 33′ O