Kibri

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ehemaliges Verwaltungsgebäude in Schopfloch

Die Kindler & Briel GmbH (Kibri) war einer der ältesten Hersteller von Spielwaren in Württemberg. Der Unternehmenssitz befand sich von 1895 bis 2007 in Böblingen, von 2007 bis 2010 in Schopfloch. Im Juli 2010 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das hessische Unternehmen Viessmann Modellspielwaren aus Hatzfeld (Eder) übernahm im Jahr 2010 alle Rechte an der Marke Kibri von der Kibri GmbH und führt die Marke seither weiter.

Geschichte bis 2000[Bearbeiten]

1895 bis 1945[Bearbeiten]

Die Firma wurde 1895 in Böblingen unter dem damaligen Namen Kindler und Briel von Wilhelm Kindler sen. (1864–1916) und Adolf Briel gegründet und stellte ursprünglich nur Metallspielzeug her. Artikel aus anderen Materialien stammten in der Regel von Zulieferern. Produziert wurden zahlreiche Spielwaren, vornehmlich aus Blech, unter anderem für Puppenstuben und Kaufmannsläden sowie Zubehör für Modelleisenbahnen. Der erste Standort des Unternehmens befand sich bis zum Großbrand 1973 in der Böblinger Karlstraße.
Nach dem Tode des Firmengründers Wilhelm Kindler sen. im Jahre 1916 übernahm sein Sohn Wilhelm Kindler jun. (1888–1941) die Geschäftsführung. Nach dem Tode von Wilhelm Kindler jun. übernehmen sein Sohn, Paul Kindler, sowie dessen Schwager Rudolf Gußmann die Geschäftsführung.[1]

Bei Sammlern alter Modelleisenbahnen besonders geschätzt sind die zwar relativ einfach aus Blech konstruierten, aber durch geschickte Formen- und Farbwahl sehr wirkungsvollen Bahnhöfe, Stellwerke, Bahnübergänge und andere Zubehöre für die Modellbahnen der Spuren 1, 0 und 00 der Jahre 1930 bis 1940 und 1949 bis 1955. Neben den Blecherzeugnissen gab es auch ein Brücken- und Rampen-Bausystem aus Holz sowie kleine Tunnel mit bemalten Holzportalen, einer Papphülle und einem Auftrag aus einem Gips-Leim-Gemisch (in den Kibri-Katalogen seinerzeit als Plastik bezeichnet).

Kaufmannsladen um 1960

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Kibri bereits ab 1948/49 weiter. Es existieren Kibri-Gebäude, die offensichtlich kurz nach dem Krieg aus Dosenblech produziert wurden und die charakteristische Dosendeckelprägung aufweisen. Die Nachkriegsgebäude waren zunächst mit dem Stempel „Kibri – made in US-Zone Germany“ gemarkt. Ab ca. 1952 wurde der Stempel „Kibri – made in West Germany“ verwendet. Es ist auffällig, dass viele alte Gebäude aus dieser Zeit heute über Online-Auktionen in den USA gefunden werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die hier stationierten amerikanischen Soldaten Kibri-Produkte kauften und bei der Heimkehr in die USA mitnahmen. In den Jahren 1954 und 1955 gab es Kibri-Kataloge in englischer Sprache, teilweise sogar mit Preisangaben in US-Dollar.

Kibri baute die Blech-Gebäude und Holz-Tunnel vor dem Krieg mit kleinen Abweichungen, insbesondere in der Farbgebung, auch für das Trix Express-Sortiment sowie nach dem Krieg für das Spur-0-Sortiment der Firma Fleischmann.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde die Metallbearbeitung langsam durch die Kunststoff-Spritzgusstechnik ersetzt. Wie bei den anderen Herstellern wurde Polystyrol verwendet. Kibri wurde neben Faller zu einem der bedeutendsten Hersteller von Modellbahnzubehör. Eines der bekanntesten Kunststoff-Modelle der Firma Kibri war ab 1959 das Tanklager - aus Kibriteilen zusammengesetzt. Das komplette Tanklager bestand aus 5 einzelnen Bausätzen, die bis 1972 auch als Fertigmodelle angeboten wurden.[2]

1973 stoppte ein Brandanschlag auf die Böblinger Fabrik die Produktion; doch 1975 wurde in Böblingen-Hulb ein Neubau errichtet.

Das Kibri-Firmenarchiv ist bei dem Großbrand des Stammwerkes 1973 durch Brandstiftung zerstört worden. Daher ist man heute auf alte Kataloge und Sammlungen angewiesen, um die Geschichte der Firma Kibri nachzuzeichnen. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1995 hat Kibri eine Festschrift herausgegeben, die einen Überblick vermittelt. Außerdem hat Kibri einen Nachdruck des Kataloges 1937 fertigen lassen, in dem das gesamte damalige Sortiment abgebildet ist.

Im Jahre 1976 erschienen erstmals Baumaschinenmodelle im Maßstab 1:87, welche unter dem Slogan „Kibri hat die Besonderen“ jahrelang beworben wurden. Für Aufsehen sorgte Kibri Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre mit seinen Großkranmodellen; unter anderem gab es ab 1990 ein Modell des Gottwald AMK 1000, welcher seinerzeit der leistungsstärkste Autokran der Welt war.

Geschichte ab 2000[Bearbeiten]

Krise, Übernahme und Rettung[Bearbeiten]

Im Jahre 2005 geriet Kibri in finanzielle Schwierigkeiten, da der bisherige Geschäftsführer, Klaus Sick, mit 60 Jahren in Rente gehen wollte. Da aber seine Nachfolge nicht geklärt war und auch die Gesellschafter untereinander sich über das weitere Vorgehen nicht einig waren (es gab mehrere Gesellschafter mit unterschiedlicher Interessenlage), kürzten die Banken die Kreditlinien. Um die Firma zumindest noch 2006 am Leben zu erhalten, entschied sich Klaus Sick, für ein weiteres Jahr Geschäftsführer zu bleiben; am Jahresende 2006 ging er aber endgültig in den Ruhestand. Nach langem Hin und Her wurde zum Jahresbeginn 2007 ein neuer Geschäftsführer bestellt.

Übernahme durch die Firma RiRe[Bearbeiten]

Am 4. September 2007 wurde die Übernahme von Kibri durch die Wuppertaler Firma RiRe Maschinen – ebenfalls in der Modellbaubranche tätig – bekannt gegeben. Alle 50 Kibri-Mitarbeiter sollten übernommen werden. Die Verwaltung wurde im Dezember 2007 von Böblingen nach Schopfloch bei Freudenstadt verlagert, wo sich bis dahin ein Zweigbetrieb befand. Die seitherigen Werksanlagen in Böblingen wurden verkauft. Franz Josef Roos, Geschäftsführer von RiRe Maschinen, wurde zum weiteren Geschäftsführer von Kibri bestellt. Mit dem Umzug nach Schopfloch ging eine 112 Jahre lange Ära von Kibri in Böblingen zu Ende.

Durch die Übernahme von Kibri durch RiRe ergaben sich für den Endverbraucher folgende Neuerungen:

  • Online-Direktbestellungen bei Kibri (diese waren bis dahin nur dem Fachhandel vorbehalten)
  • wöchentlicher stattfindender Werksverkauf am Freitagvormittag. Dieser wurde Ende 2009 endgültig eingestellt.
  • Eine Clubmitgliedschaft, welche die Teilnahme an Modellbauwettbewerben ermöglichte. Mit der Clubmitgliedschaft waren außerdem ein kostenloser Bezug der Kataloge und Preisnachlässe auf das Modellsortiment möglich.

Am 27. September 2008 fand anlässlich des „Tags der Gemeinde“ in Schopfloch erstmals eine Betriebsbesichtigung für die Öffentlichkeit mit Fabrikverkauf statt.

Produktionsverlagerung und Übernahme[Bearbeiten]

Verlagerung der Produktion nach Ungarn[Bearbeiten]

Seit November 2009 wurden Kibri-Modelle in einem ungarischen Werk der Viessmann Modellspielwaren GmbH produziert.[3] Anfang Februar 2010 wurde die vollständige Übernahme der Maschinen und Werkzeuge durch Viessmann und die Verlagerung nach Ungarn und Rumänien bekannt gegeben. Den Mitarbeiter am Standort Schopfloch war zuvor bereits gekündigt worden.[4]

Übernahme durch Viessmann Modellspielwaren GmbH[Bearbeiten]

Seit Februar 2010 gehört Kibri als Marke vollständig zur Viessmann Modellspielwaren GmbH im hessischen Hatzfeld (Eder). Damit endete 115 Jahre nach der Firmengründung die Existenz als eigenständiges Unternehmen.[5] Vom 9. bis 11. April 2010 fand anlässlich der Schließung der Werksanlagen in Schopfloch ein Lagerverkauf statt.

Insolvenz von Kibri[Bearbeiten]

Am 20. Juli 2010 beantragte die Kibri GmbH in Schopfloch beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz.[6] 2011 wurde das Unternehmen aufgelöst.

Heutiges Sortiment[Bearbeiten]

Das Sortiment umfasst Polystyrol-Bausätze für Gebäude und Modelleisenbahnzubehör in den Maßstäben H0, N und Z sowie Modelle von Straßen- und Schienenfahrzeugen im Maßstab H0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Salzmann, Rudolf Gußmann: 100 Jahre Kibri 1895–1995. Herausgeber: Kibri Spielwarenfabrik GmbH, Böblingen, 1995
  2. www.modelleisenbahnfan.de – Produktbeschreibung
  3. Kraftakt in Sachen Kibri - Viessmann übernimmt die Produktion in Ungarn
  4. Kibri macht in Schopfloch dicht. Südwestpresse, 2. Februar 2010
  5. Viessmann Pressemitteilung, 25. Januar 2010 (PDF; 920 kB)
  6. Kibri bleibt bestehen (PDF; 131 kB) Pressemitteilung der Viessmann Modellspielwaren GmbH, 19. August 2010