Kieferstädtel

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Kieferstädtel
Wappen von Kieferstädtel
Kieferstädtel (Polen)
Kieferstädtel
Kieferstädtel
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Landkreis: Gliwice
Fläche: 11,68 km²
Geographische Lage: 50° 17′ N, 18° 32′ O50.28333333333318.533333333333Koordinaten: 50° 17′ 0″ N, 18° 32′ 0″ O
Höhe: 250 m n.p.m
Einwohner: 1853
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 44-153
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SGL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Kędzierzyn-KoźleGliwice
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Fläche: 116,24 km²
Einwohner: 8641
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 74 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2405063
Verwaltung (Stand: 2008)
Bürgermeister: Czesław Jakubek
Adresse: ul. Rynek 19
44-153 Sośnicowice
Webpräsenz: www.sosnicowice.pl

Kieferstädtel, polnisch Sośnicowice ([sɔˈɕnitsovʲitsɛ]) ist eine Stadt im Powiat Gliwicki (Landkreis Gleiwitz) in der polnischen Woiwodschaft Schlesien und zählt rund 1700 Einwohner. Sie ist Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde, die seit 2013 offiziell zweisprachig ist (Polnisch und Deutsch).

Geografie[Bearbeiten]

Kieferstädtel liegt an der Klodnitz und der Birawka am Westrand des Oberschlesischen Industriegebiets, etwa 8 km südwestlich der Stadtmitte von Gliwice (Gleiwitz).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Jakob
Das Barockschloss
Nepomukstatue

Bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Besitz- und Zehntverzeichnis des Bistums Breslau Liber fundationis Episcopatus Vratislawiensis (um 1305) wurde Kieferstädtel als Soßnessowitz bezeichnet. Gegründet wurde die Ortschaft aber wahrscheinlich vom Oppelner Herzog Wladislaus I. im 13. Jahrhundert, wurde von Kolonisten besiedelt und erhielt damals wahrscheinlich das Stadtrecht. Seit dieser Zeit war Kieferstädtel auch Parochie. Auch wenn die Stadt im 14. Jahrhundert als Hauptort eines Kreises, bzw. Landes bezeichnet wird, ging die wirtschaftliche Entwicklung nur langsam voran und Kieferstädtel hatte eher die Bedeutung eines Marktortes mit einem Ring. Zudem erlebte Kieferstädtel schwere Verwüstungen in den Hussitenkriegen, so dass der Ort erst 1506 als oppidum, also als Stadt erwähnt wurde.[2][3]

1526 fiel die Stadt wie das ganze Gleiwitzer Land direkt an die Habsburger. Die Stadt nahm das Aussehen eines Handwerker- und Ackerbürgerstädtchens an und ihre Bebauung wurde durch einen Erdwall geschützt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein gehörte Kieferstädtel den Oppelner Herzögen, danach ging die Stadt in den Besitz verschiedener Rittergeschlechter, derer von Seidlitz, Trach von Brzezie, der Grafen von Praschma, der Grafen von Hodlitz und der Grafen von Chorinsky über. Bald darauf fasste die Reformation in der Stadt Fuß, worauf die Pfarrkirche 1555 von den Protestanten übernommen wurde, in deren Händen sie bis 1679 verblieb. Mit der Gegenreformation der Habsburger wurde die Stadt wieder rekatholisiert.

Nachdem die Stadt im Dreißigjährigen Krieg 1626 verwüstet worden war, versuchte Kaiser Leopold I. durch die Verleihung des Jahrmarkt- und Wochenmarktrechts 1677 den Aufschwung der Stadt zu beschleunigen. Doch machte der Siebenjährige Krieg (1756–1763) jeglichen Wiederaufbau zunichte, da die Stadt niedergebrannt wurde. An der staatlichen Zugehörigkeit Kieferstädtels änderte dieser Krieg nichts – es blieb wie der Großteil Schlesiens seit 1742 preußisch. Dem erneuten Wiederaufbau war das Aussetzen der Akzise förderlich – wirtschaftlich bedeutend wurden Handwerk, Handel und Viehmärkte, nicht zuletzt dank der Handelsstraße KrakauTroppau. Den Wohlstand machte schließlich 1768 ein großer Stadtbrand endgültig zunichte, von dem sich die Stadt lange nicht erholte und schließlich 1808 das Stadtrecht endgültig verlor.[4]

Der Stadtbrand ließ auch die uralte Kiefer in der Ortsmitte verkümmern, die an den Ortsnamen erinnerte und im folgenden Jahrhundert durch eine Statue des Heiligen Johann von Nepomuk ersetzt wurde. Der alte Ortsname, der sich auf das polnische Wort für Kiefer (sosna) zurückführen lässt, unterlag in der Stadtgeschichte vielen kleineren Änderungen und im Jahre 1789 setzte sich die Bezeichnung Kieferstädtel endgültig durch. Auch das Stadtwappen greift die Etymologie des Ortsnamens auf und ist seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen.

1853 erhielt der Ort im Landkreis Tost-Gleiwitz sein Stadtrecht wiederverliehen und langsam fasste auch wieder die Industrie in Form eines Eisenwerks in der Stadt Fuß. Bereits 1830 war der Ring und die Hauptstraßen Ratiborer und Gleiwitzer Straße gepflastert worden.[4] Die Eingemeindung des Gutsbezirkes des Schlosses und des südlich vorgelagerten Dorfes Pohlsdorf (heute Polska Wieś) ließ das Stadtgebiet auf seine heutige Größe anwachsen.[5]

In der Reichspogromnacht 1938 wurde die hölzerne Bebauung des kleinen jüdischen Friedhofes südöstlich von Kieferstädtel niedergebrannt. Damals lebten aber wohl keine Juden mehr in der Stadt – 1844 hatten sie noch 93 der 926 Einwohner ausgemacht und ein eigenes Bethaus besessen.[6] Am 27. Januar 1945 wurde Kieferstädtel von der Roten Armee besetzt – Zerstörungen hatten vor allem die Westseite des Rings und das Schloss aufzuweisen, die ausgebrannt waren.

Darauf war es als Sośnicowice Teil Polens und verlor noch im selben Jahr erneut sein Stadtrecht. Trotz seiner Nähe und wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Großstadt Gliwice konnte Sośnicowice seine Unabhängigkeit behaupten, erhielt 1996 wieder das Stadtrecht und wurde Sitz einer Stadt- und Landgemeinde. Heute ist die Gemeinde von Leichtindustrie und Landwirtschaft geprägt und profitiert mit dem Autobahnanschluss Kleszczów-Sośnica von der Nähe zur A4. Trotzdem nimmt die Einwohnerzahl der Stadt ab, während die der Gemeinde ansteigt.

Zweisprachige Ortsnamen[Bearbeiten]

Am 10. Oktober 2013 wurden in der Gemeinde amtliche deutsche Ortsnamen für sechs der neun Ortsteile eingeführt[7], nachdem vorher bereits Ortsbefragungen darüber durchgeführt wurden. Somit erhielt der Ort zusätzlich den deutschen Ortsnamen Kieferstädtel und ist damit zweisprachig. Am 11. Dezember 2013 wurden zudem zweisprachige Ortsschilder aufgestellt.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen von Kieferstädtel nach dem jeweiligen Gebietsstand (ab 1855 inkl. Gutsbezirk), die neueren Zahlen beziehen sich nur auf die Stadt ohne Gemeinde:[9]

Jahr Stadt
1783 370
1817 519
1840 827
1844 926
1855 1.039
1861 1.118
Jahr Einwohner
1885 1.602
1910 1.170
1933 1.947
1939 2.130
2002 1.804
2006 1.715

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1993 besteht eine Partnerschaft mit der deutschen Stadt Linden in Hessen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das spätbarocke Schloss wurde um 1755 für Karl von Hoditz errichtet und in U-Form angelegt. Bei diesem Neubau wurden allerdings die Fundamente des mittelalterlichen Vorgängerbaus ausgenutzt. Das Äußere ist eher schlicht gehalten und mit Barock- und Rokokoverzierungen geschmückt.
  • Aus dem Jahre 1447 stammt die spätgotische Pfarrkirche St. Jakobus in der Stadtmitte. 1680 brannte sie aus und erhielt ihre heutige Gestalt beim Wiederaufbau von 1786 bis 1794. Den Bau leitete Baumeister Hainze und nutzte dabei die alten Fundamente der Kirche für den Neubau. Den Frontturm bekrönt seitdem eine barocke Haube. Im Innern erhielt die Kirche eine bis heute erhaltene spätbarocke Ausstattung. Neben dem Seiteneingang befindet sich ein Sühnekreuz aus Sandstein.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Theodor von Pelchrzim (* 9. Oktober 1816; † 15. Januar 1892) – preußischer Major und Schriftsteller

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sośnicowice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Kieferstädtel. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 715.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Vgl. Alfons Hayduk: Das siebenhundertjährige Kieferstädtel. In: Oberschlesien im Bild. Nummer 8, 1932 (Digitalisat)
  3. Vgl. sosnicowice.pl; abger. am 17. August 2008
  4. a b Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 (Digitalisat)
  5. Vgl. territorial.de; abger. um 20. März 2008
  6. Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 (Digitalisat)
  7. Polnisches Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung: Liste der Gemeinden nach Artikel 12 des Gesetzes vom 6. Januar 2005 über nationale und ethnische Minderheiten sowie die Regionalsprache (PDF-Datei; 294 KiB)
  8. Zweisprachige Ortsschilder in Kieferstädtel
  9. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1783: [1] – 1840, 1844, 1845: [2] – 1817, 1855, 1861: [3] – 1885: [4] – 1910: [5] – 1933, 1939: [6] – 2002, 2006: [7]