Kiel-Holtenau

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54.37277777777810.14194444444415Koordinaten: 54° 22′ 22″ N, 10° 8′ 31″ O

Holtenau
Stadt Kiel
Höhe: 15 m
Fläche: 5,91 km²
Einwohner: 5194 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1922
Postleitzahl: 24159
Vorwahl: 0431
Karte

Lage von Holtenau in Kiel

Karte von Holtenau und Umgebung von 1898

Kiel-Holtenau (dänisch: Holtenå) ist ein Stadtteil von Kiel.[1] Kiel-Holtenau befindet sich am Endpunkt des Nord-Ostsee-Kanals an der Kieler Förde (Ostsee) und ist bekannt für seine große Schleuse für Seeschiffe und als Standort des Kieler Flughafens. Nördlich von Kiel-Holtenau befindet sich der Olympiahafen in Kiel-Schilksee.

Wahrzeichen Holtenaus sind neben Schleusen und Kanal der Leuchtturm Holtenau und der Tiessenkai. Ein weiteres beliebtes Gebäude ist das Kanal-Packhaus. Die Holtenauer Hochbrücken sind zwar unübersehbar, weisen aber nicht mehr die Besonderheiten der ersten Kanalhochbrücke von Friedrich Voß auf, von der nur noch kleinste Reste vorhanden sind.

Geschichte[Bearbeiten]

In alten Urkunden finden sich die Bezeichnungen Olthena oder Altena. Möglicherweise bezeichnet die Wortendung -a das spätere Wort au, denn nicht zuletzt zeigt der Name Levensau, dass aus dem Nordischen stammende Bezeichnungen durchaus in Gebrauch waren. Der Zusammenhang mit dem heutigen Holtenau ist ungeklärt.

Seit dem 15. Jahrhundert finden sich sichere Informationen über das Bauerndorf Holtenau. Das Dorf gehörte erst zum Gut Knoop, dann zum Gut Seekamp, das dort im 17. Jahrhundert am Ort der heutigen Dankeskirche einen Meierhof errichtete. Da die Siedlung nördlich der Levensau lag, gehörte sie zu Schleswig. Der Großteil der Stadt Kiel gehört zu Holstein.

Der Bau des Alten Eider-Kanals im Süden des Dorfes und dessen Fertigstellung 1779 hatte nur geringen Einfluss auf den Ort.

1791 wurde im Gutsbezirk Seekamp und damit auch in Holtenau die Leibeigenschaft aufgehoben. Ab 1867 gehörte Holtenau zum Kreis Eckernförde und zählte um die 400 Einwohner.

Der 1895 fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Kanal (später Nord-Ostsee-Kanal) veränderte nicht nur das Gesicht Holtenaus fundamental, sondern führte durch die Schaffung von neuen Behörden für den Kanalbetrieb, den Zuzug von Händlern und Fachpersonal, der Schaffung notwendiger Infrastruktur wie der Kanalbrücke und der Kanalfähre zu einer neuen Bebauung, die den dörflichen Charakter zurückdrängte. Zu dieser Zeit hatte Holtenau knapp 1.100 Einwohner.

Wie an der gesamten Kieler Förde wurden auch in Holtenau Befestigungsanlagen errichtet (Fort Holtenau), die jedoch nie zum Einsatz kamen und nach dem Ersten Weltkrieg geschleift wurden. 1913 wurde Holtenau zur Keimzelle des kaiserlichen Seefliegerwesens, aus dem später die Marinefliegerei hervorging. 1916/17 war Gunther Plüschow, einer der berühmtesten Frontflieger im Ersten Weltkrieg und in der Marinegeschichte als „Flieger von Tsingtau“ bekannt, Kommandant der Seefliegerstation.[2]

Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Monarchie brachten auch den vorläufigen Abzug der Marine und der Seeflieger. Als Holtenau 1922 nach Kiel eingemeindet wurde, zählte man über 3.000 Einwohner.

In den 1920er Jahren kam es nach der Eingemeindung auch zu einer Veränderung des Holtenauer Ortsbildes durch den vollständigen Abriss der Holtenauer Festungsanlagen (Fort Holtenau), die dem Schutz der Festung Friedrichsort als zentraler Kieler Festung und damit der Förde als Kriegshafen dienten, und dem Bau eines Flugplatzes. 1928 wurde der Flugplatz Kiel-Holtenau in Betrieb genommen, der im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht zu seiner heutigen Größe ausgebaut wurde.

Von 1934 bis 1945 war Holtenau erneut Standort von Einheiten der Reichs- bzw. Kriegsmarine sowie einer Seenotstaffel der Luftwaffe. Im Zweiten Weltkrieg blieb Holtenau trotz des Marinestandorts und einem zeitweiligen U-Bootbau der Werft Deutsche Werke Kiel (DWK) im Bereich des Schleuseneingangs verhältnismäßig verschont von den Luftangriffen auf Kiel, die im Sommer 1944 ihren Höhepunkt erreichten. Dies wird vor allem auf die strategische Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals zum Verlegen von Marineschiffen der Westalliierten im sich anbahnenden Kalten Krieg mit der Sowjetunion nach dem Weltkrieg zurückgeführt.[3]

1956 wurde Holtenau Standort der Bundesmarine, die Marineflieger auf dem Fliegerhorst stationierte, wie etwa von 1958 bis 2012 das Marinefliegergeschwader 5.

1997 wurden Teile des Holtenauer Stadtteilgebiets nach Altenholz umgemeindet. Im Gegenzug wurden Teile des Altenholzer Gemeindegebiets Kiel-Pries zugeschlagen.[4]

Bildung[Bearbeiten]

Im Zentrum des Ortes befindet sich die Grundschule Holtenau, ehemals Grund- und Hauptschule Holtenau[5]. Bereits im Jahr 1741 wurde die Holtenauer Schule erwähnt. Das jetzige Schulgebäude entstand 1961.[6] Nördlich vom Flughafen Kiel im Schusterkrug 5 am ehemaligen Standort der Förderschule „Emil-Nolde-Schule“[7] befindet sich heute die Kindertagesstätte[8] der Lernwerft GmbH – Club of Rome Schule Kiel, die ihren Sitz im Kieler Stadtteil Friedrichsort hat. Die nächstgelegenen anderen Schularten sind im Nachbarort Altenholz ein Gymnasium und in Kiel-Friedrichsort eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe.

Kultur und Religion[Bearbeiten]

Kirchlich wurde Holtenau bis 1895 von der Kirchengemeinde Dänischenhagen betreut. Dann wurde in Holtenau eine eigenständige evangelisch-lutherische Gemeinde gegründet. Zwei Jahre nach ihrer Gründung wurde die auf einer Anhöhe oberhalb des Kanals befindliche Dankeskirche eingeweiht. Ihr Name drückt die Dankbarkeit für den 1895 vollendeten Bau des Nord-Ostsee-Kanals aus. Beim Bau des Kieler Flugplatzes wurde die Höhe des Kirchturms von 52 Meter auf 26 Meter reduziert.[9]

Seit 1926 ist Holtenau Standort der Seemannsmission, die im Ort zwei Seemannsheime betreibt. Auch eine evangelische dänische Gemeinde findet sich am Ort.

Die frühere katholische Elisabethkirche wurde 2003 aufgrund niedriger Besucherzahlen im Verhältnis zu den jährlichen Unterhaltungskosten profaniert und 2006 zu einem Architektenbüro umgebaut.[10][11]

In Holtenau sind der TuS Holtenau und der FC Holtenau 07 beheimatet.

Söhne und Töchter der ehemaligen Gemeinde[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Holtenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landeshauptstadt Kiel: Die Bevölkerung in den Kieler Stadtteilen 2010
  2. www.mkkiel.de Marinekameradschaft Kiel: Die Marinestadt Kiel von Albert Nitzschke, ergänzt von Klaus Schotte Abgerufen: 25. März 2009
  3. Schleswig-Holsteinischer Heimatbund, Magazin vom 6/2000, Artikel von Markus Oddey: Bomben auf Kiel, S.8 ff
  4. Hans-G. Hilscher, Dietrich Bleihöfer: Kieler Straßenlexikon. 5. Auflage, Landeshauptstadt Kiel, Kiel 2012. (Online, PDF-Datei, 2,16 MB)
  5. Grund- und Hauptschule Holtenau, Kiel
  6. Schulchronik
  7. Emil-Nolde-Schule, Förderschule, Kiel
  8. Kindergarten und Kinderkrippe der Lernwerft
  9. Kirche. Holtenau-Info, abgerufen am 3. September 2010.
  10. Kieler Kanal-Kirche wird Architekten-Büro. Nordelbische Evangelisch-lutherische Kirche, abgerufen am 3. September 2010.
  11. Sankt Elisabeth