Halbstarres Luftschiff

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Halbstarre Luftschiffe sind Luftschiffe mit einem Teilskelett. Dieses besteht oft aus einem festen Kiel entlang der Längsachse. Diese Bauweise wird Kielluftschiff genannt. Das Teilskelett kann jedoch auch aus einer Skelettstruktur im Inneren der Hülle bestehen.

Die Italia in Stolp, 1928

Prinzip[Bearbeiten]

An der Struktur sind Gondel, Motoren und z. T. auch das Leitwerk befestigt bzw. integriert. Die Struktur hat die Aufgabe, die Gewichtskräfte von Gondel, Motoren und Nutzlast aufzunehmen und deren Einleitung in die Hülle durch die Verteilung auf die gesamte Länge des Luftschiffes zu verbessern. Der Übergang zwischen halbstarren Luftschiffen und Prallluftschiffen ist fließend. Gerade bei einigen kleinen Typen lässt sich nicht eindeutig bestimmen, ob es sich nur um eine langgestreckte Gondelstruktur, oder bereits um einen Kiel handelt.

Die aerodynamische Form der Hülle wird wie bei Prallluftschiffen durch einen Gasüberdruck innerhalb der Hülle erzeugt. Volumenänderungen des Traggases werden durch so genannte Ballonetts ausgeglichen.

Mit dieser Bauweise können größere Luftschiffe gebaut werden, als es mit der Prallluftschiffbauweise möglich ist. Bisher wurden halbstarre Luftschiffe mit einem maximalen Volumen von 35.000 m³ erfolgreich konstruiert und betrieben.[1] Der begrenzende Faktor für die Größe und die Fahr- bzw. Flugeigenschaften von Luftschiffen ist die Stabilität der Hülle. Sie wird durch das Teilskelett erhöht. Eine Weiterführung der Hüllenaussteifung führt zum Starrluftschiff.

Geschichte[Bearbeiten]

Am weitesten fortgeschritten war der Bau von halbstarren Luftschiffen zur Zeit des Ersten Weltkriegs und zwischen den beiden Weltkriegen wohl in Italien. Dort tat sich vor allem die Staatswerft SCA hervor. Ihr bekanntester Angehöriger und Leiter war der spätere General Umberto Nobile. Unter seiner Leitung entstanden bekannte Kielluftschiffe wie die:

  • T 34 „Roma“, Anfang der 1920er
  • N 1 „Norge“ erreichte 1926 den Nordpol
  • N 2 7000 m³-Schiff, gebaut in der Luftschiffhalle in Augusta (Sizilien)
  • N 3 ein Kielluftschiff im typischen Nobile-Stil (fotografisch belegt)
  • N 4 „Italia“ scheiterte 1928 in der Arktis
  • N 5 war ein Projekt für ein 55 000 Kubikmeter-Kielluftschiff, dessen Bau mehrmals unterbrochen und 1928 aufgegeben wurde
  • Das Marineluftschiff No. 6 wurde 1925 von Nobile für Japan gebaut, und stieg dort am 6. April 1927 erstmals auf. Im Herbst 1927 ging es, nachdem es in einen Taifun über dem Pazifik geraten war, verloren. Daraufhin hätte der Kommandant Fuiyoshi beinah Harakiri begangen.

Auf anderen Werften und in anderen Ländern entstanden ebenfalls bekannte halbstarre Luftschiffe:

  • "Pax" gebaut von Severo in Frankreich 1902, verbrannte beim ersten Aufstieg in der Luft.
  • Forlanini F.1 "Leonardo da Vinci", Italien, 3265 m³, 40 PS, erster Aufstieg: 1909, am 1. Februar 1910 irreparabel beschädigt
  • Forlanini F.2 "Città del Milano", Italien, 11 500 m³, 2×85 PS, erster Aufstieg: 1913, am 9. April 1914 bei Como zerstört
  • M.1, Italien, erster Aufstieg 1912, 83 m, lang, 17 m, Durchmesser, 2x 250 PS Fiat SA.76-4 Motor mit je einer Luftschraube, Nutzlast: 3800 kg, zuerst beim Heer, dann bei der Marine, 164 Fahrten, 1924 außer Dienst gestellt
  • M.2, "Città di Ferrara", Italien, erster Aufstieg 1913, Hülle identisch mit M.1, 83 m lang, 17 m Durchmesser, 4×125 PS auf zwei Luftschrauben, Nutzlast 3000 kg, Geschw.: 85 km/h, Marine Schiff, Stationiert in Jesi, am 8. Juni 1915 von österreichischem Flugboot abgeschossen
  • Siemens-Schuckert I (1911)
  • "Gigant" (Länge: 114 m) wurde bis 1912-15 in Russland gebaut und zerbrach während seiner Jungfernfahrt am 10. Februar 1915 in der Luft. Das Schiff wurde wieder instand gesetzt, jedoch nie wieder mit Gas gefüllt.[2]
  • Das "Luftschiff von Veeh", (bzw. Veeh1 oder "Stahlluftschiff") wird von Albert Paul Veeh aus Apolda in Düsseldorf in den 1910ern gebaut.
  • einige Luftschiffe von August von Parseval:
  • Typ Groß-Basenach (5 Luftschiffe des preußischen Militärs)
  • Zodiac V10 für die französische Marine 1930 fertiggestellt
  • einige halbstarre Luftschiffe der russischen Luftschifffahrt
  • Le Jaune“ („Der Gelbe“) – erste Fahrt: 13. November 1902, Frankreich
  • SR.1 (M-Klasse-Schiff) von Italien für England 1918 gebaut, 12.500 m³, 83 m lang, 17 m Durchmesser, 9 Mann Besatzung, interner Kiel aus dreieckigem Stahlrohr-Gitterträger
  • RS-1 war das einzige halbstarre amerikanische Militärluftschiff, das in den USA gebaut wurde. Hersteller war Goodyear, Jungfernfahrt: 1926.
  • Raab-Katzenstein 27 - erste Fahrt: 4. Mai 1929
  • die sowjetische UdSSR-W6 Ossoawiachim (1934-1938) geht ebenfalls auf Nobile zurück.
  • Luftffisch – (mit „ff“) unbemanntes Versuchsluftschiff der TU Berlin

Gegenwart[Bearbeiten]

Der einzige zur Zeit (Stand 2008) fliegende halbstarre Luftschifftyp ist der Zeppelin NT. Er besitzt im Gegensatz zu den Kielluftschiffen eine große Dreiecksträgerstruktur im Inneren der Hülle.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bock, J.K./Knauer, B.: Leichter als Luft: Transport- und Trägersysteme. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 2003, ISBN 3-86180-139-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bock/Knauer: Leichter als Luft: Transport- und Trägersysteme, S. 31.
  2. Rosebud's WWI an Early Aviator Image Archiv http://www.earlyaviator.com