Kikan Kahen Densha

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Kikan Kahen Densha
Versuchszug 1 (GCT01-01 bis -03)
Der erste Versuchszug auf einer Testfahrt auf der Yosan-Linie (Mai 2003)
Der erste Versuchszug auf einer Testfahrt auf der Yosan-Linie (Mai 2003)
Anzahl: 1 (3 Wagen)
Hersteller: GCT01-1: Kawasaki HI
GCT01-2: Kinki Sharyo
GCT01-3: Tokyu Car Corporation
Baujahr(e): 1998
Ausmusterung: 2006
Spurweite: variabel
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h (Shinkansen)/
130 km/h (konventionelle Strecken)
Stromsystem: 25 kV / 50 Hz (Shinkansen)/
20 kV / 50 Hz (konventionelle Strecken)
Stromübertragung: Oberleitung
2 Stromabnehmer
Zugsicherung: DS-ATC
Kikan Kahen Densha
Versuchszug 2 (GCT01-201 bis -203)
Der zweite Versuchszug bei einer Testfahrt auf der Yosan-Linie (März 2012)
Der zweite Versuchszug bei einer Testfahrt auf der Yosan-Linie (März 2012)
Anzahl: 1 (3 Wagen)
Baujahr(e): 2006
Spurweite: variabel
Länge: Triebköpfe: 23.075 mm
Mittelwagen: 20.500 mm
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h (Shinkansen)/
130 km/h (konventionelle Strecken)
Stromsystem: 25 kV / 50 Hz (Shinkansen)/
20 kV / 50 Hz (konventionelle Strecken)
Stromübertragung: Oberleitung
2 Stromabnehmer
Zugsicherung: DS-ATC
Kikan Kahen Densha
Versuchszug 3 (GCT03)
Anzahl: 1 (4 Wagen)
Baujahr(e): 2014
Spurweite: variabel
Stromsystem: 25 kV / 50 Hz (Shinkansen)/
20 kV / 50 Hz (konventionelle Strecken)
Stromübertragung: Oberleitung
2 Stromabnehmer

Der Kikan Kahen Densha (jap. 軌間可変電車, dt. „Zug mit wechselbarer Spurbreite“), auch Gauge Change Train oder Free Gauge Train (フリーゲージトレイン, Furī Gēji Torein), ist ein Versuchszug für das japanische Hochgeschwindigkeitsnetz mit umspurbaren Fahrwerken.

Geschichte[Bearbeiten]

Das konventionelle japanische Eisenbahnnetz hat auf Grund der Topografie Japans mit vielen Bergen und engen, kurvenreichen Schluchten eine Kapspurbreite von 1067 mm. Das Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsnetz wurde hingegen in Normalspur errichtet. Aus diesem Grund mussten die „Mini-Shinkansen“, Yamagata-Shinkansen und Akita-Shinkansen, die auf bestehenden konventionellen Eisenbahnstrecken entstanden, auf 1435 mm umgebaut werden. Um diesen Aufwand für den Infrastrukturausbau zukünftig vermeiden zu können, begann man im Jahr 1994 mit dem Gauge Change Train-Projekt.[1] Seit 1994 wurden rund 32 Mrd. Yen (ca. 300 Mio. €) in das Gauge Change Train-Projekt investiert (Stand 2012)[2]

Das Konzept des Kikan Kahen Densha ist vergleichbar mit dem spanischen Talgo, z. B. der RENFE-Baureihe 120. Bislang wurden drei Versuchszüge gebaut. Der erste Zug war von 1998 bis 2006 im Einsatz, der zweite von 2006 bis 2013. Ab 2014 soll der dritte Versuchszug die Technologie zur Serienreife bringen, um anschließend die Entwicklung und Konstruktion von Serienfahrzeugen beginnen zu können. Neben dem geplanten Einsatz der Kikan Kahen Densha auf der Nagasaki-Route der Kyūshū-Shinkansen voraussichtlich ab 2023 wäre eine weitere Einsatzmöglichkeit z. B. der langfristig geplante südliche Abschnitt der Hokuriku-Shinkansen.

1. Versuchszug (1998–2006)[Bearbeiten]

Der Bau des ersten Versuchszugs wurde im Oktober 1998 abgeschlossen. Er bestand aus zwei Triebköpfen und einem Mittelwagen und war auf eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h auf Shinkansen-Strecken und 130 km/h auf konventionellen Strecken ausgelegt. Die Entwicklung des Versuchszuges erfolgte durch das Railway Technical Research Institute (RTRI), der Bau wurde von einem Konsortium aus Kawasaki Heavy Industries, Kinki Sharyo und Tokyu Car Corporation durchgeführt.

Im Anschluss an die Präsentation in Tokio im Januar 1999, wurde der Zug zunächst auf der San’in-Hauptlinie bei maximal 100 km/h getestet. Im April 1999 wurde der Zug in die USA verschifft, wo er bis Januar 2001 für Hochgeschwindigkeitstests im Transportation Technology Center in Pueblo, Colorado stationiert war. Dabei erzielte er eine maximale Höchstgeschwindigkeit im Dauerbetrieb von 246 km/h, legte ca. 600.000 km zurück und vollbrachte ca. 2000 Umspurungen.[3]

Ab Mai 2003 war der Zug wieder in Japan, wo er auf der Yosan-Linie Tests absolvierte. Diese endeten im Jahr 2006, als er vom zweiten Versuchszug abgelöst wurde. Alle Wagen GCT01-01 bis -03 des ersten Versuchszuges sind erhalten und abgestellt.

2. Versuchszug (2006-2013)[Bearbeiten]

Ursprünglich sollte der zweite Versuchszug bereits im Jahr 2004 fertiggestellt werden, wurde aber erst 2006 ausgeliefert. Im Mai 2007 wurde er offiziell der Presse vorgestellt. Der zweite Versuchszug basiert auf der Shinkansen-Baureihe E3 und verfügt neben den beiden Triebköpfen GCT01-201 und -203 über einen regulären Passagier-Mittelwagen mit 36 Sitzplätzen (GCT01-202).

Nachdem der zweite Versuchszug zunächst auf konventionellen Strecken getestet wurde, war er ab Juni 2009 auf der Kyushu Shinkansen im Testbetrieb, wo er bei einer Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h betrieben wurde.[4]

2011 wurde die Garnitur mit leichteren Drehgestellen ausgestattet, um eine höhere Laufruhe bei Kurven mit Radien kleiner als 600 m zu erreichen. Ab August 2011 war der Zug nachts auf der Yosan-Linie bei maximal 130 km/h unterwegs, um Ausdauertests durchzuführen. Bis September 2013 hat der zweite Versuchszug so insgesamt rund 100.000 km Laufleistung erbracht.

Die Erfahrungen mit dem zweiten Versuchszug flossen in die Entwicklung des Nachfolgemodells durch JTRI ein, mit dem die Technologie zur Serienreife gebracht werden soll.

3. Versuchszug (ab 2014)[Bearbeiten]

Im Laufe des fiskalischen Jahres 2014 soll ein dritter Versuchszug auf Kyūshū zum Einsatz kommen. Ziel ist es die automatische Umspurtechnologie zur Serienreife zu bringen, um ab 2017 in die Entwicklung von Serienfahrzeugen für die Nagasaki-Route der Kyūshū-Shinkansen einsteigen zu können.[5] Bei der rund 110 km langen Nagasaki-Route, die voraussichtlich im Jahr 2023 in Betrieb gehen soll, werden rund 66 km zwischen den Bahnhöfen Takeo Onsen und Nagasaki als normalspurige Voll-Shinkansen-Strecke ausgebaut. Auf den verbleibenden 45 km zwischen Takeo Oasen und Shin Tosu, wo der Anschluss an die Kagoshima-Route hergestellt wird, soll hingegen die bestehende Kapspur-Strecke weitergenutzt werden.[6]

Für die Testfahrten des dritten Versuchszuges wurde am Bahnhof Shin-Yatsushiro auf der Kagoshima-Route der Kyūshū-Shinkansen eine Umspuranlage errichtet, so dass er dort von der Shinkansen auf die kapspurige Kagoshima-Hauptlinie wechseln kann. Der Vier-Wagen-Zug hat eine goldfarbige Grundlackierung mit je einem dunkelroten Streifen an Dach und Seitenschürzen. Im Februar 2014 wurde der von Kawasaki HI hergestellt Zug an JR Kyūshū überführt.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.pref.niigata.lg.jp/HTML_Article/574/271/sankousiryou,0.pdf
  2. Asahi Shinbum: New GCT train hampered by speed, weight problems. Mai 2012 (englisch)
  3. RTRI QR 2003 Vol. 44 No. 1 News
  4. 下関で車輪幅の変換試験を公開 フリーゲージ電車 Kyodo News vom 29. April 2009. Zugriff am 14. Dezember 2001. (Japanisch)
  5. Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus: Über die Free Gauge Train-Techonologie (PDF, japanisch)
  6. Regierung der Präfektur Nagasaki: Free Gauge Train (japanisch)
  7. Foto von der Überführung