Kilinochchi (Distrikt)

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Distrikt Kilinochchi
கிளிநொசசி மாவட்டம்
කිලිනොච්චි දිස්ත්‍රික්කය
Lagekarte des Distrikts
Provinz: Nordprovinz
Verwaltungssitz: Kilinochchi
Fläche: 1.279 km²
davon Landfläche: 1.205 km²
davon Binnengewässer: 74 km²
Einwohner: 112.872
Bevölkerungsdichte: 94 Ew./km²

Der Distrikt Kilinochchi (Tamil கிளிநொசசி மாவட்டம் Kiḷinocaci māvaṭṭam, singhalesisch කිලිනොච්චි දිස්ත්‍රික්කය kilinocci distrikkaya) ist ein Distrikt in der Nordprovinz Sri Lankas. Er hat eine Fläche von 1.279 Quadratkilometern und 112.872 Einwohner (Volkszählung 2012). Hauptort ist Kilinochchi. Fast alle Einwohner sind Sri-Lanka-Tamilen. Der Distrikt Kilinochchi gehörte zu den von 1983 bis 2009 vom Bürgerkrieg in Sri Lanka betroffenen Gebieten.

Geografie[Bearbeiten]

Der Distrikt Kilinochchi gehört zur Nordprovinz Sri Lankas. Er grenzt im Norden an den Distrikt Jaffna und im Süden an die Distrikte Mullaitivu und Mannar. Im Westen liegt die Küste der zwischen Sri Lanka und Indien gelegenen Palkbucht.

Landschaft bei Kilinochchi

Mit einer Fläche von 1.279 Quadratkilometern (davon 1.205 Quadratkilometer Land und 74 Quadratkilometer Binnengewässer) ist der Distrikt Kilinochchi nach den Distrikten Colombo und Jaffna der drittkleinste Distrikt Sri Lankas.[1] Der Großteil des Distriktgebiets gehört zur Region Vanni, die den Nordteil der Hauptinsel umfasst. Außerdem umfasst der Distrikt Kilinochchi einen kleineren Teil der Jaffna-Halbinsel, die durch die Lagune von Jaffna vom Rest Sri Lankas getrennt ist. Der Elefantenpass, der wichtigste Zugang zur Jaffna-Halbinsel, gehört zum Distrikt Kilinochchi.

Das Terrain des Distrikt Kilinochchi ist gänzlich flach und wird größtenteils landwirtschaftlich genutzt. Im Westen und Süden hat der Distrikt Kilinochchi Anteil an den ausgedehnten Wäldern der Vanni-Region. 1985 bestanden 39 Prozent des Distriktgebiets aus Ackerland und 28 Prozent aus Wald.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Kriegsschäden im Distrikt Kilinochchi (2010)

Das Gebiet des heutigen Distrikts Kilinochchi stand historisch unter dem Einfluss Jaffnas, war aber lange Zeit äußerst dünn besiedelt. Erst 1936 wurden im Rahmen eines Kolonisierungsprogramms mit dem Ziel, den Bevölkerungsdruck auf der dicht besiedelten Jaffna-Halbinsel zu lindern, die Siedlungen Kilinochchi und Paranthan gegründet.[3] Als eigenständiger Distrikt besteht Kilinochchi seit 1984. Zuvor hatte das Gebiet zum Distrikt Jaffna gehört.

Der Distrikt Kilinochchi gehört zu den Gebieten, die von tamilischen Separatisten als Teil eines unabhängigen Staates Tamil Eelam eingefordert wurden. Der Distrikt war von 1983 bis 2009 vom Bürgerkrieg in Sri Lanka betroffen. Die Stadt Kilinochchi stand von 1990 bis 1996 sowie erneut von 1998 bis zur Endphase des Bürgerkrieges unter der Kontrolle der Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE). Nach der Eroberung Jaffnas durch die srilankische Armee diente Kilinochchi als De-facto-Hauptstadt der von der LTTE kontrollierten Gebiete. Der zum Distrikt Kilinochchi gehörige Elefantenpass, der den strategisch wichtigen Zugang zur Jaffna-Halbinsel bildet, war während des Bürgerkriegs mehrfach zwischen LTTE und Regierungstruppen umkämpft.

Durch die abgeschirmte Lage des Distrikts war die Tsunami-Katastrophe 2004 in Kilinochchi weniger verheerend als an der Ostküste Sri Lankas. In dem Distrikt kamen 30 Menschen ums Leben, 1250 Häuser wurden durch die Flutwelle zerstört.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Demografie[Bearbeiten]

Kinder an einem Hindu-Schrein im Distrikt Kilinochchi

Nach der Volkszählung 2012 hat der Distrikt Kilinochchi 112.872 Einwohner. Gemessen an der Einwohnerzahl ist er nach Mullaitivu und Mannar der drittkleinste Distrikt Sri Lankas. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 94 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Durchschnitt Sri Lankas von 323 Einwohnern pro Quadratkilometer.[5]

Die Einwohnerzahl des Distrikts Kilinochchi unterlag während des Bürgerkriegs durch Tod, Flucht und Vertreibung deutlichen Schwankungen. 1981, im Jahr der letzten Volkszählung vor Kriegsausbruch, lebten im Gebiet des heutigen Distrikts Kilinochchi 91.764 Menschen. Während des Kriegs stieg die Einwohnerzahl durch Binnenflüchtlinge deutlich an: Schätzungen der Distriktsverwaltung zufolge erreichte sie 2006 mit 197.037 ihren Höhepunkt. Durch die Kämpfe in der Endphase des Bürgerkriegs wurde ein großer Teil der Einwohner vertrieben: Für 2009 werden nur noch 23.625 Einwohner angegeben.[6] Seit Ende des Kriegs hat sich die Einwohnerzahl durch die Ansiedlung von Binnenflüchtlingen seitens der Regierung wieder konsolidiert. Nach der Volkszählung 2012 sind 94 Prozent der Einwohner des Distrikts Kilinochchi wiederangesiedelte Flüchtlinge.[7]

Ethnien und Religionen[Bearbeiten]

Der Distrikt Kilinochchi gehört zum tamilischen Siedlungsgebiet im Norden Sri Lankas. Nach der Volkszählung 2012 sind 98,5 Prozent der Einwohner des Distrikts Tamilen (davon 97,0 Prozent Sri-Lanka-Tamilen und 1,5 Prozent indische Tamilen). Singhalesen (0,9 Prozent) und Moors oder tamilischsprachige Muslime (0,6 Prozent) stellen nur kleine Minderheiten.[8]

In religiöser Hinsicht ist der Distrikt Kilinochchi mehrheitlich hinduistisch mit einer signifikanten christlichen Minderheit. Nach der Volkszählung 2012 sind 82,5 Prozent der Distriktbevölkerung Hindus, 16,0 Prozent Christen (davon 10,6 Prozent Katholiken und 5,4 Prozent andere), 0,8 Prozent Buddhisten und 0,6 Prozent Muslime.[9]

Lokalverwaltung[Bearbeiten]

Der Vorsteher des Distrikts trägt den Titel District Secretary. Der Distrikt ist in vier Divisionen (DS Divisions) unterteilt, die jeweils einem Divisional Secretary unterstehen. Die Divisionen teilen sich weiter in insgesamt 95 GN Divisions, denen jeweils ein Grama Niladhari (Dorfhauptmann) vorsteht.[10]

Division Hauptort Fläche[11] Einwohner[12] Bevölkerungs-
dichte
Kandavalai Kandavalai 318 km² 23.003 000000000000072.000000000072 Ew./km²
Karachchi Kilinochchi 358 km² 61.137 000000000000171.0000000000171 Ew./km²
Pachchilaipalli Pallai 164 km² 8.510 000000000000052.000000000052 Ew./km²
Poonakari Poonakari 439 km² 20.225 000000000000046.000000000046 Ew./km²

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Department of Census and Statistics: Statistical Abstract 2010. Chapter I - Area and Climate. 1.1. Area of Sri Lanka by Province and District. (PDF; 44 kB)
  2. Northern Provincial Council: Statistical Information 2010, S. 54. (PDF; 28,7 MB)
  3. Chelvadurai Manogaran: Ethnic Conflict and Reconciliation, Honolulu: University of Hawaii Press, 1987, S. 90–91.
  4. Asian Development Bank: Assessment of the Tsunami Recovery Implementation in Kilinochchi and Mullaitivu Districts. (PDF; 77 kB)
  5. Department of Census and Statistics: Census of Population and Housing 2011. Enumeration Stage February - March 2012. Population of Sri Lanka by District. (PDF; 1,8 MB)
  6. Northern Provincial Council: Statistical Information 2010, S. 42. (PDF; 28,7 MB)
  7. Department of Census and Statistics: Migrant population by reason for migrating according to district.
  8. Department of Census and Statistics: Population by ethnic group according to districts, 2012.
  9. Department of Census and Statistics: Population by religion according to districts, 2012.
  10. Department of Census and Statistics: Number of GN by DS. (MS Excel; 25 kB)
  11. Department of Census and Statistics: Land area by province, district and D.S. division. (PDF; 175 kB)
  12. Department of Census and Statistics: Population by sex, agre and district according to Divisional Secretary's Division, 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Distrikt Kilinochchi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien