Kimbanguistenkirche

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Kimbangisten in Portugal feiern Neujahr am 25. Mai 2013 in einem Vorort von Lisbon.

Die Kimbanguistenkirche (offizielle Bezeichnung: Eglise de Jésus-Christ sur la terre par son envoyé spécial Simon Kimbangu, kurz: E.J.C.S.K.) ist eine afrikanische, unabhängige, christliche Kirche. Ihre Mitgliederzahl wird zwischen ein und acht Millionen Gläubigen geschätzt. Nach eigenen Angaben zählt sie zwölf Millionen Mitglieder, davon fünf Millionen im Kongo.

Sie wurde nach dem Tod Simon Kimbangus von seinen Anhängern gegründet, die ihn als Propheten betrachten. Ihre Entstehung ist vor dem Hintergrund der brutalen belgischen Kolonialherrschaft zu sehen, doch beruht ihre Eigenart eher auf den spirituellen Bedürfnissen unterdrückter Menschen, als auf politischer Rebellion.

1959 wurde sie von den Kolonialbehörden Belgisch-Kongos offiziell registriert. 1969 wurde sie mit Unterstützung der Herrnhuter Brüdergemeine der Schweiz in den Ökumenischen Rat der Kirchen aufgenommen, als erste der afrikanischen unabhängigen Kirchen.

Die Kimbanguistenkirche bejaht ganz ausdrücklich die afrikanische Religiosität und Kultur, was sich in Struktur und Organisation niederschlägt. Das religiöse Handeln greift auf traditionelle Formen der Heilkunde (Trance, Beschwörung, Inkarnation) zurück. Die Kirche ist pazifistisch ausgerichtet. Eine große Rolle spielt die Musik, nicht nur in der Liturgie: die Kirche unterhält zwei Symphonieorchester und pflegt den Chorgesang.

Kirchenoberhaupt ist heute (2012) Papa Simon Kimbangu Kiangani, ein Enkel des Gründers. Er residiert in Nkamba, dem Geburtsort des Gründers, der dort mit seinen drei Söhnen (die ebenfalls nahezu göttliche Verehrung genießen) in einem Mausoleum vor der Kathedrale beigesetzt ist.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Asch: L'église du prophète Kimbangu. De ses origines à son role actuel au Zaire (1921–1981); Paris: Karthala, 2000 (19831); ISBN 2865370690
  • Heinrich Balz: Weggenossen am Fluss und am Berg – Von Kimbanguisten und Lutheranern in Afrika; Neuendettelsau: Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, 2005; ISBN 3-87214-612-2
  • Marie-Louise Martin: Kirche ohne Weisse. Simon Kimbangu und seine Millionenkirche im Kongo; Basel: F. Reinhardt, 1971
  • Hermann Schulz: Afrika südlich der Sahara. Anmerkungen zum kulturellen und religiösen Pluralismus; in: Die Brücke. Zeitschrift für Schule und Religionsunterricht im Land Bremen, Heft 2/1997 (Online-Ressource)
  • Werner Ustorf: Inkulturation des Evangeliums; in: „De Kennung“ Zeitschrift für plattdeutsche Gemeindearbeit, 11 (1988), S. 5–31; ISSN 0722-0776
  • Andrea Böhm: "Freude, schöner Götterfunken", über das Sinfonieorchester der Kimbanguisten in Kinshasa; Zeit-Magazin, Ausgabe 48 vom 19. November 2009
  • Claus Wischmann und Martin Baer: "Kinshasa Symphony", Dokumentarfilm über das Orchester der Kimbanguisten in Kinshasa, Deutschland 2010, 95 Minuten, Produktionsfirma "Sounding Images", Berlin
  • FAZ vom 28. September 2010, Seite 31: Marsch zur Musik (Orchestre Symphonique Kimbanguiste)[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte, Suhrkamp Verlag 2012. ISBN 978-3518423073, S.173-187
  2. FAZ vom 28. September 2010, Seite31: Marsch zur Musik