Kindelsberg

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Kindelsberg
Kindelsberg von der Hüttentalstraße (HTS) aus gesehen

Kindelsberg von der Hüttentalstraße (HTS) aus gesehen

Höhe 618,1 m ü. NN [1]
Lage bei Kreuztal; Kreis Siegen-Wittgenstein, Nordrhein-Westfalen (Deutschland)
Gebirge Rothaargebirge
Koordinaten 50° 59′ 23″ N, 8° 0′ 14″ O50.98988.0039277777778618.1Koordinaten: 50° 59′ 23″ N, 8° 0′ 14″ O
Kindelsberg (Nordrhein-Westfalen)
Kindelsberg
Besonderheiten Ringwallanlage Kindelesberg
Bergbauwüstung Altenberg
Kindelsbergturm (Aussichtsturm)
Kindelsberg-Sendeanlage
Lage des Kindelsbergs in der Region
Kindelsbergturm, 1906
Kindelsbergturm, 2007
Blick vom Kindelsbergturm nach dem Sturm Kyrill in Richtung Kreuztal, 2009

Der Kindelsberg bei Kreuztal im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein ist ein 618,1 m ü. NN[1] hoher Berg des Rothaargebirges.

Der weithin sichtbare Berg gilt als Wahrzeichen von Kreuztal und ist nach dem Hohen Wald (656,2 m) der zweithöchste des Stadtgebiets. Auf seinem Gipfel, der von einer Wallanlage umgeben ist, stehen der 22 m hohe Kindelsbergturm als 1907 eingeweihter Aussichtsturm und in dessen Nähe ein Sendeturm. Der Berg ist seit dem 19. Jahrhundert beliebtes Wander- und Ausflugsziel mit oft eindrucksvoller Fernsicht vom Turm.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Kindelsberg ist ein südwestlicher Ausläufer des Rothaargebirges, das zum Rheinischen Schiefergebirge gehört. Er erhebt sich im Nordteil des Siegerlands als Teil des Naturparks Rothaargebirge im Stadtgebiet von Kreuztal zwischen dessen Stadtteilen Littfeld (Nordwesten), Krombach (Westen) und Eichen (Westsüdwesten), der Kreuztaler Kernstadt (Süden), dem Stadtteil Ferndorf (Südsüdosten) sowie den Hilchenbacher Stadtteilen Dahlbruch (Südosten) und Müsen (Osten); einige Kilometer nordöstlich liegt der Kirchhundemner Gemeindeteil Silberg. Die Grenze zu Hilchenbach verläuft rund 600 m nordöstlich seines Gipfels, auf dem ein trigonometrischer Punkt (617,9 m) liegt. Südlich des Bergs fließt der Ferndorfbach, westlich die Littfe.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Kindelsberg gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Süderbergland (Nr. 33), in der Haupteinheit Rothaargebirge (mit Hochsauerland) (333) und in der Untereinheit Westrothaarhöhen (333.4) zum Naturraum Brachthäuser Hohe Waldberge (333.40).

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Nördlich des bewaldeten Kindelsbergs liegt das Naturschutzgebiet Grubengelände und Wälder bei Burgholdinghausen (CDDA-Nr. 163392; 1991 ausgewiesen; 1,38 km² groß) mit dortigem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Grubengelände Littfeld (FFH-Nr. 4914-303; 42 ha) und südöstlich das NSG Loher Tal (CDDA-Nr. 318746; 1986; 82 ha). Bis auf seine nordöstlichen Hochlagen reicht das Landschaftsschutzgebiet Rothaargebirge (SI) (CDDA-Nr. 555550027; 299,42 km²).[2]

Ringwallanlage Kindelesberg[Bearbeiten]

Der Kindelsberg ist guter Nährboden für allerlei Sagenbildungen, was besonders auf die Ringwallanlage aus grauer Vorzeit zurückzuführen ist, deren ursprüngliche Bedeutung man wohl mehr erahnte als kannte. Wohl auch daher fanden auf dem Berg viele Sänger- und Turnfeste statt.

Einer Sage nach soll sich auf dem Kindelsberg einstmals eine Ritterburg, die Kindelsburg, befunden haben. Es sind noch Reste einer Wallanlage vorhanden. Aus alten Bruchsteinmauern und Erdwällen wurde eine Ritterburg, manche glaubten sogar römische Wallanlagen zu erkennen. Schließlich wurden noch die alten Kelten bemüht. Auf einer 1981 am Turm angebrachten Tafel wird sogar noch ein angeblich über Jahrhunderte besuchter Wallfahrtsort zur „Kindesverehrung“ (vom Namen „Kindelsberg“ hergeleitet) postuliert.

Es ist aber auch möglich, dass sich der Name von Berg des Christuskindleins ableitet und später wegen der langen Schreibweise auf Kindelsberg verkürzt wurde.[3]

1998 erschien eine vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe herausgegebene Ausarbeitung von Philipp R. Hömberg auf der Basis von unveröffentlichten Unterlagen des Bodenforschers Heinz Behagels aus dem Jahr 1933. Danach befanden sich etwa zwei Meter vor der heutigen Wallkrone Reste einer bis zu drei Meter breiten Trockenmauer als Bestandteil der ehemaligen Wallfront. Zwischen der Mauer und dem Graben befand sich ein eingeebneter Streifen („Berme“). Im Burginneren fand man Holzkohlenreste und rot gebrannten Lehm, vermutlich die Reste eines verbrannten Holzbaus.

Bergbauwüstung Altenberg[Bearbeiten]

Zwischen dem Kindelsberg und dem nordöstlich benachbarten Ziegenberg (521,1 m) befinden sich die Überreste einer mittelalterliche Siedlung, die Bergbauwüstung Altenberg; dort steht wenige Meter nordöstlich einer Waldweg- und Straßenkreuzung (486,1 m51.0007361111118.0184722222222) mit Parkplatz ein hölzerner Aussichtsturm.

An diesem Bergsattel wurde, wie Ausgrabungen aus den Jahren 1970 bis 1981 belegen, im Hochmittelalter Eisenerz abgebaut. Da das Müsener Revier, das Gebiet um den Kindelsberg und der benachbarten Martinshardt in Hilchenbach, zu den wichtigsten im Siegerland zählten, ist die Gegend von zahlreichen Stollen durchzogen. Bekanntester ist der Kaiser-Wilhelm-Erbstollen, welcher in der unmittelbaren Innenstadt von Kreuztal beginnt und sich bis weit unter den Berg erstreckt.

Kindelsbergturm[Bearbeiten]

Turmvorgeschichte[Bearbeiten]

Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in Deutschland die ersten Aussichtstürme, deren Gestalt zunächst an mittelalterliche Warten erinnerten. Später gab es auch einfache Holz- und Eisenkonstruktionen. Eine starke „Seh-Sucht“ und das Verlangen nach ungezähmter Natur löste zu der Zeit einen „Aussichtsturm-Boom“ aus. Es entstanden imposante Denkmäler, die an große Tage deutscher Geschichte erinnern sollten, wie die „Kaiser-Wilhelm“- und „Bismarck“-türme. Auch im Siegerland entstanden damals erste Aussichtstürme und -kanzeln. So wurde 1888 der Gilbergturm bei Siegen-Eiserfeld errichtet, 1892 folgte der Gillerturm bei Hilchenbach-Lützel und 1896 der Rabenhainturm bei Siegen-Volnsberg.

Turmentstehung und -beschreibung[Bearbeiten]

Seit 1896 wurde über den Bau eines Aussichtsturms auf dem Kindelsberg gesprochen. 1904 konstituierte sich ein Bauausschuss aus Mitgliedern des Sauerländischen Gebirgsverein (SGV). Dieser ließ 1905 einen älteren Plan für einen Holz- oder Eisengerüstturm fallen und entschied sich für einen Bruchsteinbau. Der Grundstein für den Kindelsbergturm wurde am Himmelfahrtstag 1906 gelegt. Planung und Bauleitung oblagen dem Siegener Stadtbaurat Scheppig.

Alle Baumaterialien mussten mit Ochsen- und Pferdefuhrwerken auf den Berg gekarrt, die Bruchsteine in der Nähe aus einem felsigen Bergrücken herausgebrochen werden. Die Kosten wurden hauptsächlich durch Spenden aufgebracht. Am 26. Mai 1907 fand die Einweihung unter großer Teilnahme der Bevölkerung statt.

Der Turm war von einer eisernen „Laterne“ gekrönt und am Fuße von einem überdachten Rundgang mit kleinem Aufenthaltsraum umgeben. Zur besseren Betreuung der Wanderer wurde in den 1950er Jahren an Stelle einer kleinen Schutzhütte ein Blockhaus aus Fichtenstämmen mit Bruchsteinsockel errichtet. Da auch dieses den Ansprüchen der vielen Besucher bald nicht mehr genügte, wurde es in den Jahren 1968/69 zu einem großen, „in seiner Architektur am Blockhausstil der Alpenländer orientierten“ Rasthaus erheblich erweitert. Mit dem zweiten Bauabschnitt wurde 1971 der Neubau vollendet. Dieser ist nun nicht mehr nur ein Wanderheim, sondern respektables Gästehaus für Wanderer und Touristen.

Allerdings ist der Turm nicht mehr in seiner ursprünglichen Form zu sehen. In den 1980ern wurde beispielsweise die offene Aussichtsplattform durch einen kleinen, geschlossenen Rundgang ersetzt. Das damalige Aussehen lässt sich nur noch auf älteren Emblemen der Krombacher Brauerei erahnen, da Berg und Turm Bestandteil des Firmenemblems sind.

Auf dem Kindelsbergturm befindet sich eine kleine Sendeanlage (s. u.). Am 17. Mai 2007 wurde das 100-jährige Bestehen des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Turms gefeiert.

Kindelsberg im Winter, von der Martinshardt aus gesehen, 2000

Aussichtsmöglichkeit[Bearbeiten]

Vom Kindelsbergturm schaut man hinab auf die den Berg umgebenden Ortschaften mit der Kreuztaler Kernstadt. Außerdem fällt der Blick ins Siegerland mit dem jenseits davon liegenden Westerwald (Süden) und Rothaargebirge (Nordosten) und hinüber zum Ebbegebirge (Nordwesten). Bei günstigem Wetter blickt man bis zum knapp 65 km südwestlich gelegenen Siebengebirge (Westsüdwesten) bei Bonn.

Kindelsberg-Sendeanlagen[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Knapp 60 m nordöstlich des Kindelsberggipfels steht ein in den 1990er Jahren errichteter Sendeturm des Westdeutschen Rundfunks (WDR), der lange Zeit als wichtiger Umsetzer für analoges Fernsehern diente.

Bis zur Einstellung des Betriebes am 12. November 2007 sendeten hier drei analoge TV-Programme . Das Erste Programm (ARD) wurde im VHF-III-Band und im UHF-Band gesendet. Die TV-Sendeanlagen der Bundespost/Deutsche Telekom befanden sich jedoch am Aussichtsturm und wurden mittlerweile demontiert. Übrig blieb nur das UKW-Hörfunkprogramm des WDR 5, welches sich auf dem Turm des WDR befindet, und Richtung Süden sendet. Andere Hörfunkprogramme werden vom Sender Siegen-Giersberg gesendet. Auf Frequenzkarten des WDR wird das Programm WDR 5 dem Sender Giersberg zu geordnet mit dem Vermerk das es sich jedoch auf dem Kindelsberg befindet.

Am Sendeturm befinden sich noch Antennen für Mobilfunk, Richtfunkstrecken und Funkstrecken zu weiteren Mobilfunk-Sendeanlagen. Der Kindelsbergturm hingegen wurde, bis auf die Versorgung von T-Mobile, weitgehend von Antennen befreit.

Von beiden Türmen besteht Sichtkontakt zu der Sendeanlage auf der Nordhelle (DVB-T, DAB, UKW) und dem Sender Ederkopf (UKW, DAB). Daneben sind die ehemaligen Sender Lüdenscheid (ehemals analog ZDF und WDR3) und nach Süden dem Fernmeldeturm Siegen-Süd (ehemals DAB) zusehen. Der Sender Siegen-Giersberg (UKW, DVB-T, DAB) liegt tief versteckt hinter den Bergen.

Analoges Radio[Bearbeiten]

Vom Sendeturm auf dem Kindelsberg wird derzeit nur analoges Radio (UKW) gesendet:

Frequenz 
[MHz]
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
[kW]
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
97,6 WDR 5 WDR_5___ D395 1 D (150°-190°) H

Wandern und Sport[Bearbeiten]

Der Kindelsberg ist für Wanderer gut erschlossen. Unterhalb des Gipfels befindet sich ein Wanderparkplatz, von dem aus ein steiler asphaltierter Weg zum Turm führt. Der Parkplatz selbst ist über eine schmale Privatstraße vom Kreuztaler Ortsteil Littfeld kommend zu erreichen. Seit 2007, zum 100-jährigen Turmbestehen, gibt es den Kindelsbergpfad, ein zertifizierter Wanderweg, auf dem man auf 14,6 km[4] Länge an 24 Informationsstationen vorbeilaufend die Gegend erkunden kann[5].

Am 8. September 2007 wurde der Kindelsberglauf, der Teil der Rothaar-Laufserie ist, zum 25. Mal vom TV Eichen ausgerichtet. Die Strecke führt von Eichen hinauf auf den Berg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Kindelsberg – Von Sagen und Legenden umwoben, auf h-bensberg.de
  4. Der Kindelsberg, auf kindelsberg.de
  5. Kindelsbergpfad mit GPS-Daten, auf ich-geh-wandern.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Capelle: Wallburgen in Westfalen-Lippe. Herausgegeben von der Altertumskommission für Westfalen, Münster 2010, ISSN 09396-4745, S. 23 Nr. FBW13 (Frühe Burgen in Westfalen Sonderband 1).

Weblinks[Bearbeiten]