Kindfrau

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Kindfrau oder Lolita sind Begriffe für Mädchen oder Frauen, die sowohl Merkmale der Kindlichkeit als auch der geistigen und körperlichen Reife tragen oder sich entsprechend darstellen oder dargestellt werden, um dadurch erotische Attraktivität zu gewinnen.

Während Kindfrau als Ausdruck der Synthese von Kind und Frau zu verstehen ist, hat die Bezeichnung Lolita (als Koseform des Vornamens Dolores) ihren Ursprung im gleichnamigen Roman Vladimir Nabokovs, in dem sich der Protagonist in die 12-jährige „Lolita“ verliebt.

Fiktion und Realität[Bearbeiten]

Kindfrau ist ursprünglich ein Begriff für reale Personen, doch handelte es sich oft um Figuren in der Dichtung. Anzunehmen ist sogar, dass die Idee einer Kindfrau am mythologischen Bild der Nymphe orientiert ist.

Zwar gibt es Frauen, deren kindliche Körpermerkmale in besonderer Weise erhalten bleiben, und bei frühreifen Mädchen tritt oft eine Überlagerung der jeweils kindlichen und reifen Merkmale auf, doch finden sich Kindfrauen vor allem als Produkte geschickter Darstellung von Frauen oder Mädchen in verschiedenen Medien.

Kindfrauen in den modernen Medien[Bearbeiten]

Im Medium Roman brauchte es lediglich die Phantasie des Autors, der die Kindfrau schuf. Ob sich der Leser Effi Briest als junge, aber erwachsene Frau oder als mädchenhaft vorstellt, bleibt jedem selbst überlassen.[1] In seinem als Übersetzung aus dem Französischen getarnten Werk Die Barrisons, das die Schicksale einer Tänzerinnengruppe behandelt, setzt sich Anton Lindner parodistisch mit dem Phänomen auseinander. Als Motiv taucht die Liebe zu Kindfrauen wiederholt in den Romanen des Spätwerks von Arno Schmidt auf (Zettels Traum, Abend mit Goldrand, Julia, oder die Gemälde).

Im Zeitalter des Fernsehens ist es jedoch nötig, dass konkrete Personen präsentiert werden. Es kommt zu einer regelrechten Vermarktung von Frauen und Mädchen, die auf lolitahaftes Verhalten trainiert und mit den Mitteln von Kosmetik, Photographie und Film entsprechend dargestellt werden. Der Begriff Lolita verdrängt hier zunehmend den der Kindfrau.

Zurück zur – inzwischen noch überzogeneren – Fiktion geht der Lolitakult im Rahmen der Lolicon-Kunst in Japan.

„Lolitamacher“ und ihre Modelle[Bearbeiten]

In der Vermarktung des Lolitalooks gibt es Spezialisten, die gezielt jungen Frauen und Mädchen das Image einer Kindfrau verschaffen, beispielsweise Jacques Bourboulon (Fotograf) und David Hamilton (Fotograf und Filmemacher).

In Lolita-Rollen begannen einige Jungschauspielerinnen und Fotomodelle in den 1970er und 1980er Jahren ihre Karriere, unter anderen Nastassja Kinski, Lara Wendel oder Dawn Dunlap. Beispiele aus den 1990er Jahren sind Jane March und Dominique Swain. Ein in den 1960er und 1970er Jahren durch „Twiggy“ angestoßener Trend zeichnete sich zudem durch besondere Schlankheit von Fotomodels aus.

Kleidermode[Bearbeiten]

Neben dem Effekt, dass das lolitahafte Verhalten von Mädchen und jungen Frauen imitiert wird, bildet sich ein bestimmter Kleidungsstil, mit dem das Bild der Kindfrau assoziiert wird. Man spricht hier vom Lolitatyp und vom Lolitalook, die aber nichts mit der Lolita-Mode aus Japan zu tun haben.

Rezeption[Bearbeiten]

Fotografie

Film

Belletristik

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea Bramberger: Die Kindfrau. Lust, Provokation, Spiel. Matthes und Seitz,München 2000, 2002. ISBN 3-88221-286-1
  • Sina Aline Geissler: Der Lolita-Komplex. Heyne, München 1993. ISBN 3-453-06506-9
  • Beate Hochholdinger-Reiterer: Vom Erschaffen der Kindfrau. Braumüller, Wien 1999. ISBN 3-7003-1243-1
  • Alexandra Lavizzari: Lulu, Lolita und Alice – Das Leben berühmter Kindsmusen. Ebersbach, Berlin 2005. ISBN 3-934703-93-3
  • Marianne Sinclair: Hollywood Lolita. Der Nymphchen-Mythos. Plexus, London 1988, 1989. ISBN 0-85965-130-4

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Effi Briest