King’s African Rifles

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Ein Unteroffizier und drei Soldaten der K.A.R. (1902)

Die King’s African Rifles waren ein in Ostafrika unter britischer Kolonialherrschaft gebildetes Infanterieregiment. Aufgestellt wurden sie im Jahr 1902, um die bestehenden Kolonialtruppen zu zentralisieren und daraus Synergieeffekte in Bezug auf Versorgung und Ausbildung zu erzielen. Die Einheit bestand bis zur Unabhängigkeit der ostafrikanischen Staaten in den 1960er Jahren. Es war sowohl für Militär- wie auch Sicherheitsfunktionen zuständig.

Organisation[Bearbeiten]

Das Regiment der King's African Rifles (KAR) wurde zum 1. Januar 1902 aus den bestehenden Central African Rifles, Uganda Rifles und East Africa Rifles gebildet. Gegliedert war es in sechs Bataillone:

  • 1st (Central Africa): 8 Kompanien (vorher 1st Central African Rifles)
  • 2nd (Central Africa): 6 Kompanien (vorher 2nd Central African Rifles)
  • 3rd (East Africa): 8 Kompanien, davon eine berittene mit Kamelen zum Einsatz im Jubaland (vorher East African Rifles)
  • 4th (Uganda): 9 Kompanien (vorher der afrikanische Teil der Uganda Rifles)
  • 5th (Uganda): 4 Kompanien (vorher der indische Teil der Uganda Rifles); 1905 aufgelöst
  • 6th (Somaliland): in den Folgejahren aus ausgehobenen Somaliern aufgestellt

Die indischen Truppenteile waren als Ausbilder und als zuverlässige Kämpfer nötig, bis die Zuverlässigkeit der Einheimischen sichergestellt war. Stationiert waren sie im gesamten damals britischen Gebiet Ost- und Zentralafrikas.

1902 unterstanden 104 Europäer, 4.579 einheimische Unteroffiziere und Mannschaften.

Ordensband der King's African Rifles Distinguished Conduct Medal

Die Uniformen der indigenen Mannschaften waren Shorts und Hemd in Khaki und Wickelgamaschen (puttees), Reithosen (breeches) für die Kameltruppe. Dazu wurde ein roter Fes mit schwarzem Quast getragen, der im Kampfeinsatz durch einen in Khaki gehaltenen ersetzt wurde. Auf den Schulterstücken befanden sich die Insignien „K.A.R.“, wobei im Kampfeinsatz die Bataillonsnummer am Fes hinzugefügt wurde. Die Einheiten in Nyasa und später Britisch-Somaliland (6th) trugen leicht abweichende Uniformen, die dem regionalen Charakter Rechnung trugen. Die Uniformen der Offiziere entsprachen dem bei den Briten in Ägypten üblichen Muster, im Einsatz war ab 1907 der Tropenhelm üblich.

Als Bewaffnung war zunächst der Martini-Henry-Karabiner, Kaliber .45 ausgegeben worden, bald ersetzt durch die .303 Lee-Metford bzw. Lee-Enfield-Gewehre. Mannschaften waren zusätzlich mit einem Hackmesser ausgestattet.[1]

Einsätze[Bearbeiten]

Zwischen 1902 und 1914 kamen die KAR hauptsächlich bei „Polizeiaktionen“ gegen unbotmäßige Einheimische zum Einsatz.[1]

Jahr Ursache
Stämme
beteiligte Truppen
1902 Atonga in West-Nyasa verweigerten Steuerzahlung 100 Mann 1st KAR
1902 Überfall auf eine Baustelle durch Kipsiki 300 Mann 3rd KAR
1902 Kikuyu (Maruka) ermordeten 5 indische Händler 115 Mann 3rd KAR, 60 Polizisten, 300 Dienstverpflichtete
1902 2. Feldzug gegen den Warrior Mullah. 5 Kompanien KAR (bis 1904). Verstärkung der örtlichen Truppen.
1903 Kamelilo im südöstlichen Nandi-Gebiet; Überfälle je 30 4th und 5th KAR, mit MG. Später verstärkt auf 650 Mann und 700 „freundliche“ Nandi
1903/4 4. Feldzug gegen den Warrior Mullah. 550 Mann in der Kolonne von Berbera
1904 Kikuyu (Iraini und Embu) 135 3rd KAR, 60 Polizisten, 300 Dienstverpflichtete
1905-6 Vorgehen gegen die Nandi, die gegen die Enteignung ihres besten Landes aufbegehrten je 6 Kompanien 1st und 3rd KAR, 200 bewaffnete Polizisten
1907 Kämpfe zwischen den Kitosh und Kabara 35 Mann 3rd KAR; 1908 verstärkt auf: 323 Mann mit MGs, Polizisten
1910 Ausbruch der Stoick aus ihrem Reservat 68 Mann mit MG
1911 Ermordung eines Siedlers bei Marakwet 98 1st KAR, 53 3rd KAR
1912 Überfälle der Turkana-Nomaden 63 1st KAR, 42 3rd KAR, 2 MGs
1914 Überfälle der Mareham auf KAR-Posten 150 1st KAR, Kamelkompanie

Ab 1914[Bearbeiten]

C-Kompanie, 7th. Mogadishu 1941

Bataillone wurden während der Weltkriege umgegliedert oder neu gebildet.

  • 5th (Kenya) Battalion [1916-1963]
  • 6th (Tanganyika Territory) Battalion [1917-1961]
  • 7th (Kenya) Battalion [1952-1956]
  • 11th (Kenya) Battalion [1941-1946, 1956-1963]
  • 26th (Tanganyika Territory) Battalion [1939-1961]
  • 71st (Somali) Battalion [1942-1945]
  • 72nd (Somali) Battalion [1942-1945]

Das Regiment kämpfte im Ersten Weltkrieg gegen die deutschen Truppen Paul von Lettow-Vorbecks in Deutsch-Ostafrika. 1918 hatte KAR eine Mannschaftsstärke von 33.348, bestehend aus 1.193 britischen Offizieren, 1.497 Unteroffizieren und 30.658 Afrikanern.

KAR-Soldaten sammeln Waffen der besiegten Italiener am Wolchefit-Paß (Sept. 1941)

Das Regiment kämpfte auch gegen Italien bei der Befreiung von Abessinien 1941 und gegen Japan in Birma während des Zweiten Weltkriegs.

Es wurde danach auch während des Malaiischen Aufstands eingesetzt.

Das Regiment wurde aufgeteilt, als die beteiligten Territorien die Unabhängigkeit erhielten. Ein ehemaliger afrikanischer Sergeant in den KAR war der spätere Diktator von Uganda (reg. 1971-79) Idi Amin Dada.

Die einzelnen Bataillone wurden in folgende der neuen Einzelstaaten überführt:

Weiteres[Bearbeiten]

In den King’s African Rifles dienten unter anderem der spätere Diktator Ugandas Idi Amin, der britische Schriftsteller Roald Dahl, der Vater Richard Dawkins' und Hussein Onyango Obama, Barack Obamas Großvater väterlicherseits.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edwin Herbert: Risings and Rebellions 1919-1939. Foundry Books, Nottingham 2007, ISBN 1-9015-4312-9, S. 81ff.
  • H. Moyse-Bartlett: The King's African Rifles: A Study of Military History of East an Central Africa. Aldershot 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Edwin Herbert: Risings and Rebellions 1919-1939. Foundry Books, Nottingham 2007, ISBN 1-9015-4312-9, S. 81ff.