Kipfenberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kipfenberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Kipfenberg
Kipfenberg
Deutschlandkarte, Position des Marktes Kipfenberg hervorgehoben
48.94944444444411.395378Koordinaten: 48° 57′ N, 11° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Eichstätt
Höhe: 378 m ü. NHN
Fläche: 81,43 km²
Einwohner: 5607 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85110
Vorwahl: 08465
Kfz-Kennzeichen: EI
Gemeindeschlüssel: 09 1 76 138
Marktgliederung: 16 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 2
85110 Kipfenberg
Webpräsenz: www.kipfenberg.de
Bürgermeister: Rainer Richter (SPD)
Lage des Marktes Kipfenberg im Landkreis Eichstätt
Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Regensburg Landkreis Kelheim Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Ingolstadt Haunstetter Forst Adelschlag Altmannstein Beilngries Böhmfeld Buxheim (Oberbayern) Denkendorf (Oberbayern) Dollnstein Egweil Eichstätt Eitensheim Gaimersheim Großmehring Hepberg Hitzhofen Kinding Kipfenberg Kösching Lenting Mindelstetten Mörnsheim Nassenfels Oberdolling Pollenfeld Pförring Schernfeld Stammham (bei Ingolstadt) Titting Walting Wellheim WettstettenKarte
Über dieses Bild

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Kipfenberg Burg und Stadt von NW.JPG

Kipfenberg ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der geographische Mittelpunkt Bayerns liegt etwa 500 m östlich von Kipfenberg. Vor 2000 Jahren führte der Limes, mittlerweile Weltkulturerbe, exakt durch den Ortskern.

Ortsteile[Bearbeiten]

Ortsteil Einwohner
Kipfenberg 1709
Arnsberg 325
Attenzell 241
Biberg 348
Böhming 599
Buch 174
Dunsdorf 188
Grösdorf 356
Hirnstetten 179
Irlahüll 250
Kemathen 036
Krut 065
Oberemmendorf 110
Pfahldorf 431
Schambach 060
Schelldorf 564

Außerdem gehören folgende Ortschaften bzw. Weiler und Einöden zur Gemeinde: Birkthalmühle, Böllermühle, (Arnsberg-)Schloßhof und Regelmannsbrunn.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche in Böhming auf den Fundamenten des römischen Numeruskastells

Im Bereich des Ortes wurde ein Hockergrab aus der Zeit von 1800 bis 1200 v. Chr. gefunden. Ebenfalls im Bereich des Ortes überquerte der römische Grenzwall Limes das Altmühltal. Im Ortsteil Böhming befand sich ein römisches, 232/33 durch die Alamannen zerstörtes und 1898 entdecktes und ausgegrabenes Numeruskastell.

Auf dem Plateau des Michelsberges wurde um 330 eine germanische Gauburg gegründet.[2](Burgstall Michaelsberg) Später stand dort die heute nur noch in den Fundamenten vorhandene Michaelskirche. An ihr wurde 1756 eine Einsiedlerklause errichtet, die, inzwischen verwaist, 1819 abgebrochen wurde.

Kriegergrab von Kemathen: Aus der Zeit um 420 stammt das Einzelgrab eines etwa 30-jährigen Anführers der Gruppe "Friedenhain-Prestovice" (mutmaßliche "baiovarii") mit germanischen und römischen Grabbeigaben, das 1990 bei Straßenbauarbeiten im Ortsteil Kemathen entdeckt wurde.[3]

Beim ehemaligen Kipfenberger Bahnhof wurde ab 1901 ein Reihengräberfeld mit mehr als 104 Bestattungen aus dem 4. bis 7. Jahrhundert ausgegraben.

Zwischen 1183 und 1188 wurde in Böhming vom Eichstätter Bischof Otto eine Kirche geweiht (die heutige Kirche von Böhming ist ein Neubau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts); 1186 bestätigte Papst Urban III. den Besitz des Eichstätter Domkapitels in Bemingen. Um 1198 erscheinen in Urkunden Ortsadelige von Pemmingen.

Kipfenberg ist 1266 erstmals urkundlich erwähnt; ein Ortsadeliger namens Rudegus de Kipphenberc fungierte als Zeuge bei einer Gerichtsangelegenheit. Die Burg und der Ort wurden 1301 an das Hochstift Eichstätt veräußert. 1352 wurde Kipfenberg Markt; gleichzeitig wurde der Ort, bisher Filiale von Gelbelsee, eigenständige Pfarrei. Die Pfarrkirche war noch in der Mitte des 15. Jahrhunderts die heutige Kapelle St. Georg; der – 1859 aufgelassene – Friedhof wurde 1616 von der Försterstraße hierher und damit vor die Mauern des Ortes verlegt. Für 1541 ist erstmals eine Schule in Kipfenberg nachgewiesen, die der Ortspfarrer Leonhard Kraus als Lateinschule betrieb. Ab 1500 lag Kipfenberg im Fränkischen Reichskreis. 1627 wurde die heutige, in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete Pfarrkirche nach dreijährigem Umbau neu eingeweiht. 1632 bis 1634 wütete die Pest im Ort, den 1634 die Schweden verwüsteten.

1803 bis 1805 gehörte Kipfenberg dem infolge der Säkularisation neu gebildeten Fürstentum Salzburg-Toskana an. Nach dessen Aufhebung fiel der Ort 1806 an das Königreich Bayern. 1808 wurde das Landgericht Kipfenberg zum Altmühlkreis, 1827 zum Regenkreis. Seit 1837 war Kipfenberg mittelfränkisch. 1869 wurde ein Krankenhaus errichtet (heute eine neurologische Fachklinik). 1898 wurde die Lokalbahn Eichstätt–Kinding als Schmalspurbahn dem Verkehr übergeben; später auf Normalspur umgestellt, wurde sie in den 1970er Jahren aufgegeben. Mit der Kreisgebietsreform 1972 kam die Großgemeinde Kipfenberg zusammen mit dem neu gebildeten Landkreis Eichstätt nach Oberbayern.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Grösdorf eingegliedert. Am 1. April 1971 kamen die ehemaligen Gemeinden Arnsberg, Attenzell, Biberg, Böhming, Buch und Irlahüll hinzu. Am 1. Januar 1972 folgten Dunsdorf, Hirnstetten, Oberemmendorf und Pfahldorf.[4] Die Eingliederung von Schelldorf rundete am 1. Januar 1974 den Reigen der Eingemeindungen ab.[5]

Politik[Bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat von Kipfenberg hat 20 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Jahre Name Partei
1996-2014 Rainer Richter SPD
2014- Christian Wagner SPD

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein goldener Wagenkipf.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Burg und Pfarrkirche
Kipfenberg, St. Georg
Geographischer Mittelpunkt von Bayern
  • Die mittelalterliche Burg Kipfenberg. Die Burg befindet sich in Privatbesitz und ist nicht zu besichtigen. In einem Wirtschaftsgebäude der Burg ist das Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg mit dem integrierten Limes-InfoPoint untergebracht.
  • Kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, zwischen 1458 und 1480 errichtet, möglicherweise 1624 bis 1627 völlig neu errichtet (gegliederte Holzdecke um 1624; Taufstein und Weihwasserschale aus dem gleichen Jahr; Beichtstühle von 1626), mit Spät-Rokoko-Einrichtung (1760-1765 drei neue Altäre; Treppenturm-Anbau und Kanzel - von Joseph Anton Breitenauer - kurz nach 1768); klassizistische Stuhlwangen (frühes 19. Jahrhundert). Außer einem Hl. Sebastian aus dem späten 15. Jahrhundert Figurenschmuck des Barocks. Grabsteine des 16. bis 18. Jahrhunderts
  • Filialkirche St. Georg, noch 1458 als Pfarrkirche bezeichnet. Um 1594 verlängert, 1612 erneute Bauphase. Hochaltar von 1628 mit Altarblatt aus dem späten 17. Jahrhundert. Zwei Seitenaltäre von 1617 bzw. 1692. Barockorgel von 1732 vom Nürnberger Orgelbauer Adam Ernst Reichard (1670-1756), original erhalten. Innen und außen Grabsteine des 17. bis 19. Jahrhunderts zumeist aus Kalkstein. Glocke von 1842.
  • In der Evangelischen Christuskirche Orgel des Straubinger Orgelbauers Anton Ehrlich von 1864.
  • Ehemaliger Brauereigasthof Krone (früher Zum Kranz) des 16./17. Jahrhunderts am Marktplatz, seit 2006 Bürger- und Kulturzentrum, mit dreigeschossigem Erker.
  • Michelsberg, sich zungenförmig von Süden her gegen Kipfenberg vorschiebend, mit steilen Dolomitfelsen an der Ost- und Westseite (gesicherter Steig). Auf der Höhenplatte Gräben, Wälle und die Grundmauern der Michaelskapelle (1983 archäologisch ergraben).
  • Martersäule von 1613 am Aufgang zum Friedhof, gestiftet von Melchior Jobst von Grösdorf
  • Martersäule von 1617 unterhalb des Kipfenberger Skilifts zum Gedächtnis an einen "durch ein Roß erdrukhten" Augustin Simmon aus Enkering.

In den Ortsteilen:

  • In Irlahüll Kath. Pfarrkirche Mariä Heimsuchung, romanischer Turmunterbau, 1466 neues Langhaus (spätgotisch), 1686-87 Turmumgestaltung mit hohem, achtseitigen Spitzhelm, 1742 Instandsetzung der Kirche (Langhaus-Neubau?), Barockisierung durch Franz Xaver Horneis und 1752 neue Konsekration; Barocker Hochaltar von 1742 mit spätgotischer Madonna (1470/80), Seitenfiguren der hll. Petrus und Paulus um 1500; Seitenaltäre von 1742 mit jüngeren Bildern; innen und außen Grabsteine des 18. Jahrhunderts; an der Friedhofsmauer Reste einer Sakramentsnische aus der Werkstatt von Loy Hering
  • In Kemathen die Dorfkirche Hl. Familie, im Neubau von 1967 barocker Altar (um 1700) mit vier gewundenen Säulen und einem Altarblatt "Tod des hl. Josef", aus der 1965 abgerissenen Vorgängerkirche
  • In der Nähe der Burg Kipfenberg, an der Verbindungsstraße Kipfenberg – Gelbelsee, weist seit 1980 ein Gedenkstein auf den geographischen Mittelpunkt Bayerns hin.
  • in Grösdorf die Karstquelle Grüntopf ist ein Naturdenkmal am nördlichen Ortsrand.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Kipfenberg

Kultur[Bearbeiten]

Eines der ältesten Brauchtümer im Kipfenberger Fasching ist der Fasenickl mit eindrucksvollen Kostümen. Der Spitzname der Kipfenberger ist Goaßhenker.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Limesfest, Kipfenbergs historisches Volksfest, wird jedes Jahr um den 15. August (Mariä Himmelfahrt) veranstaltet. Auch der Osterbrunnen, der jedes Jahr vor dem Osterfest auf dem Marktplatz aufgebaut wird, ist sehenswert.

Anfang Oktober findet der „Altmühltalerer Lammabtrieb“ im Ortsteil Böhming statt. Auch der Day of Bike, der örtliche Mountainbike-Marathon im September, hat sich in den letzten Jahren zu einem Besuchermagnet entwickelt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Kipfenberg liegt an der stillgelegten Bahnstrecke Eichstätt–Beilngries. Der Gemeindeteil Irlahüll wird vom Irlahülltunnel der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München, dem fünftlängsten in Betrieb befindlichen Eisenbahntunnel in Deutschland, unterquert.

Durch die Gemeinde verlaufen folgende Radfernwege:

Bildung[Bearbeiten]

  • Kindergarten
  • Volksschule
  • Volkshochschule
  • Katholisches Bildungswerk
  • Pfarr- und Gemeindebücherei

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Mader (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Mittelfranken. II. Bezirksamt Eichstätt, München 1928, Nachdruck München und Wien: R. Oldenbourg Verlag 1982, S. 162-190
  • Elmar Ettle (Texte): 550 Jahre Pfarrei Kipfenberg. 350 Jahre Weihe der Pfarrkirche, Eichstätt: Brönner & Daentler KG (1977)
  • Elmar Ettle: Oh heiliger Salvator hilff. Die Kipfenberger Wallfahrt nach St. Salvator in Bettbrunn. 1979
  • Peter Böhm u. a.: Kastell Böhming 181 - 1981. 1800 Jahre, Böhming 1981
  • Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg (Faltblatt o. J.)
  • Heimatmuseum Kipfenberg (Faltblatt o. J.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kipfenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kipfenberg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Zeittafel im Römer und Bajuwaren Museum in Kipfenberg.
    Sigmund Benker, Geschichte Frankens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Band 1;Band 3, S. 51
  3. Karl Heinz Rieder, Kemathen - Der erste echte Bajuware
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 456.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 598.