Kirche St. Catharinen (Westensee)

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Die Catharinenkirche von Norden mit (von rechts) der Ahlefeldtschen und der Bosseer Kapelle. Links die Sakristei.

Die St.-Catharinen-Kirche ist die Kirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Westensee (Schleswig-Holstein).

Geschichte[Bearbeiten]

Blick zum Altar

Die Kirche stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes im Mittelalter. Sie wurde als Filiale des Klosters Neumünster gegründet. Das aus Feldsteinen errichtete Langhaus aus dem 13. Jahrhundert sah vermutlich ursprünglich den Feldsteinkirchen von Ratekau und Flemhude ähnlich.[1] Wenig später wurde es durch einen das Kirchenschiff überragenden gotischen Backsteinchor ergänzt, angeblich mit Geld aus einem Schatzfund zwischen den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern Emkendorf und Brux. Zu dieser Zeit war die der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Kirche eine Wallfahrtskirche mit fünf Vikarien und einem Jahrmarkt am Catharinentag, dem 25. November. Wohl 1505 wurde der Westturm angefügt.

Epitaph von Daniel Rantzau

Nach der Reformation wurden die Besitzer der umliegenden Güter Patrone der Kirche. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließen sich die Gutsherren der Güter Bossee, Deutsch-Nienhof, Emkendorf, Schierensee, Klein Nordsee und Westensee Logen in der Kirche errichten. Diese Logen befanden sich ursprünglich im Chor. Ursprünglich wurden die adligen Gutsbesitzer auch in der Kirche beigesetzt. Das größte Grabmal ist das des dänischen Feldherrn Daniel Rantzau südlich des Chorbogens. Außerdem sind drei Grabplatten von adligen Gutsbesitzerpaaren aus dem 16. Jahrhundert erhalten und an der Südwand des Kirchenschiffs angebracht: von Daniel Rantzaus Eltern, Godske (†1564) und Margaretha Rantzau (†1540) von Nienhof, seinen Großeltern, Tonnies (†1533) und Drude Rantzau (†1540), sowie von Jürgen und Lucia von Ahlefeldt, die jedoch in Stellau beigesetzt sind. 1691 ließ Bendix von Ahlefeldt anlässlich des Todes seiner Frau die erste von sechs Grabkapellen an die Kirche anbauen. Später wurden er selbst (†1701), sein Sohn Hans Heinrich und dessen Ehefrau dort beigesetzt. Bis 1851 errichteten sich auch die Besitzer der anderen Güter solche Begräbniskapellen. Sogar die Sakristei diente zwischenzeitlich diesem Zweck.[2] Heute werden diesen Kapellen allerdings nicht mehr für Grablegungen benutzt. Als letzte wurde 1953 Diana von Reventlow-Criminil, die sogenannte Halliggräfin von Südfall, in der Familienkapelle beigesetzt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden alle beweglichen Kunstgegenstände wie ein Taufbecken aus Bronze gestohlen und die 1503 von den Rantzaus auf Nienhof gestiftete Orgel zerstört. Das damals von den Schweden zerschlagene Epitaph des königlich-dänischen Feldherrn Daniel Rantzau wurde aus den Bruchstücken und einem Grabstein von 1840 als Deckplatte 1918 rekonstruiert.

1753 wurde das Pastorat mit allen Kirchenbüchern durch Brandstiftung vernichtet. Im 1754 von Sonnin errichteten neuen Pastorat war Matthias Claudius 1813 auf der Flucht vor den Franzosen zu Gast. Die Kirche wurde in dieser Zeit stark vernachlässigt. Baufälligkeit machte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts notwendig, den Chor durch Stützpfeiler von außen und Balken von innen zu stabilisieren. Gleichzeitig wurden die schmalen gotischen Fenster erweitert und die bemalten Scheiben durch schlichtes Glas ersetzt.

In den 30er Jahren wurde aus den in eine Empore integrierten Überresten der Renaissancekanzel ein Kanzelkorb rekonstruiert. 1956/57 wurde die Kirche renoviert. Dabei wurde der Barockaltar durch den frühneuzeitlichen Schnitzaltar ersetzt und die ursprüngliche Balkendecke im Kirchenschiff freigelegt. In den 1970er Jahren machten Mauerrisse im Chor eine erneute Renovierung notwendig. Die im 19. Jahrhundert errichteten Stützpfeiler erhielten eine neue Füllung. Im Inneren der Kirche wurden die Emporen und Gutsgestühle aus dem Chor entfernt und Zuganker zur Bausicherung eingezogen. Dabei wurde die Orgel durch einen Neubau ersetzt. Die Gutslogen wurden an den Eingang des Kirchenschiffs verlegt und auch die Kanzel erhielt ihren heutigen Platz.

Die evangelische Kirchengemeinde Westensee gehört zum Kirchenkreis Altholstein. Zur Kirchengemeinde gehören neben Westensee Felde, Kleinvollstedt, Emkendorf, Rodenbek und Schierensee. In Felde und Kleinvollstedt befinden sich Kapellen aus dem 20. Jahrhundert.

Ausstattung[Bearbeiten]

Altar

Von dem spätgotischen Schnitzaltar existiert nur noch der Mittelschrein mit einer Kreuzigungsdarstellung, getragen von einer Predella mit einer Abbildung des Passahmahls aus dem 18. Jahrhundert. Der schlichte, halbkugelförmige Taufstein aus Granit stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Außerdem befindet sich im Chor ein fünfsitziges Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert vor einer Nische mit spätgotischer Rankenwerk-Ausmalung.

Patronatslogen

Zwischen Kirchenschiff und Chor befinden sich ein Triumphkreuz mit spätgotischem Corpus und die Kanzel, deren erneuerter Korb noch Schnitzelemente von 1560 enthält. An der Nordwand des Kirchenschiffs sind ein Holzepitaph des 1579 mit seiner Frau und zwei Töchtern an der Pest verstorbenen Pastors Balthasar Oldeneiken, sowie zwei Bilder, die nacheinander Altarbilder des 1957 entfernten Barockaltars waren, eine Abendmahlsdarstellung aus dem 18. Jahrhundert, ferner eine Kopie der Beweinung Christi von Jürgen Ovens (Original 1675), angebracht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Beseler: Kunsttopographie Schleswig-Holstein, Neumünster 1974, S. 654-656
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 965-966
  • Paul von Hedemann: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee; Kiel 1889
  • Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994²

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994², S. 34ff; siehe auch Wegweiser durch St. Catherinen
  2. Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; S. 52f

54.2756666666679.9013055555556Koordinaten: 54° 16′ 32″ N, 9° 54′ 5″ O