Kirche St. Cyrill und Method (Prag)

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Kirche St. Cyrill und Method
Innenraum

Die St.-Cyrill-und-Method-Kirche (Kostel sv. Cyrila a Metoděje, bis 1945 "Karl Borromäus-Kirche"), ist eine Orthodoxe Kirche in der tschechischen Hauptstadt Prag und ein Symbolort des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Die Kirche befindet sich in der Prager Neustadt im früheren Stadtteil Zderaz in der Nähe des Karlsplatzes. Sie wurde 1730–1736 von Kilian Ignaz Dientzenhofer gebaut. Im Gegensatz zu anderen Prager Barockkirchen wirkt ihr Baustil monumental und zeigt nicht deren zum Teil glanzvolle Ausgestaltung.

Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die Kirche ist heute ein Symbolort des tschechischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. In der damaligen Karl Borromäus-Kirche verbargen sich die Widerstandskämpfer, die am 27. Mai 1942 das Attentat auf den Stellvertreter des Reichsprotektor im Protektorat Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich, verübt hatten.[1] Am 17. Juni 1942 waren die Attentäter nach zahlreichen Verhören verraten worden. Am nachfolgenden Tage wurde die Kirche auf Befehl des Generalmajors der Polizei und Kommandeurs der Waffen-SS, Karl von Treuenfeld, von SS-Einheiten in der Stärke von rund 700 Mann großflächig abgeriegelt. Wenig später begann ein SS-Kommando das Gotteshaus zu stürmen.

Einer der am Sturm beteiligten SS-Angehörigen, Fritz Swoboda, schilderte einem Mitgefangenen in einem US-Gefangenenlager zwei Jahre später, wie der Sturm vor sich ging. Nachdem die Aufforderung, sich zu ergeben, von den Attentätern mit Flüchen und dem Absingen der tschechischen Nationalhymne beantwortet worden war, wurde die Kirche zunächst von anliegenden Gebäuden aus beschossen, wobei auch MG zum Einsatz kamen. Nach einem längeren Feuergefecht und dem Eindringen des deutschen Kommandos in das Kircheninnere waren bereits drei der Fallschirmspringer tot. Die Kämpfe verlagerten sich nun in die Krypta der Kirche, wohin sich die noch lebenden vier Fallschirmspringer zurückgezogen hatten. Nachdem die SS mit Hilfe der lokalen Feuerwehr Tränengas eingeleitet und die unterirdischen Räume des Gotteshauses zu fluten begonnen hatte, nahmen sich schließlich alle noch lebenden Attentäter aufgrund der Aussichtslosigkeit ihrer Lage das Leben. Die Kampfhandlungen hatten insgesamt sieben Stunden gedauert.[2]

Als Reaktion auf das Attentat hatten die Geheime Staatspolizei und die SS bereits am 10. Juni das Dorf Lidice dem Erdboden gleichgemacht. Alle männlichen Bewohner waren erschossen, die Frauen und Kinder in Konzentrationslager gebracht worden. Verantwortlich für diese Aktion war ebenfalls Karl von Treuenfeld.

In der Krypta der Kirche befindet sich heute ein Museum zur Erinnerung an das Attentat auf Reinhard Heydrich.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die Kirche beherbergt eine große Orgel, die 1864 von dem Orgelbauer Josef Prediger (Albrechtice) mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal erbaut worden war, und in den Jahren 1898-1899 von dem Orgelbauer Emanuel Štěpán Petr (Prag) erweitert wurde. Das Instrument hat heute 61 Register auf drei Manualen und Pedal.[3]

I. Manual C–f3
Principal 16’
Bordun 16’
Principal 8’
Kryt hrubý 8’
Fléta harmonická 8’
Salicional 8’
Viola alta 8’
Roh lesní 8’
Kvinta 51/3
Oktáva 4’
Fléta harmonická 4’
Roh kamzíkový 4’
Oktáva 2’
Granddoublet II 51/3
Kornet IV 4’
Mixtura VI 22/3
Cymbel III 2’
Trompeta 8’
II. Manual C–f3
Bordun 16’
Principal 8’
Portunal 8’
Kryt jemný 8’
Kvintadena 8’
Fléta koncertní 8’
Harmonika 8’
Viola di Gamba 8’
Dolce 8’
Oktáva 4’
Fléta koncertní 4’
Houslovka 4’
Pikola 2’
Tercie 11/3
Progressi IV 22/3
Klarinet 8’
III Schwellwerk C–f3
Kryt líbezný 16’
Principal houslový 8’
Fléta rourková 8’
Aeolina 8’
Vox coelestis 8’
Fléta rourková 4’
Fugara 4’
Doublet II 22/3
Oboe 8’
Vox humana 8’
Šalmai 8’
Pedalwerk C–d1
Kontrabass 32’
Principalbass 16’
Subbas 16’
Violonbas 16’
Salicetbas 16’
Kvintbas 102/3
Oktavbas 8’
Bordun 8’
Violoncello 8’
Salicet 8’
Kvinta 51/3
Doublet II 51/3
Bombardon 32’
Pozoun 16’
Fagot 16’
Klarino 8’

Ruhestandshaus[Bearbeiten]

Südlich der Karl Borromäus-Kirche hatte Kilian Ignaz Dientzenhofer zusammen mit Paul Ignaz Bayer 1730–1736 ein Altersheim für römisch-katholische Priester errichtet. Dieses Ruhestandshaus, das Haus Nr. 9 wurde 1783 im Zuge der Josephinischen Reformen aufgehoben und beherbergte seit der Teilung der Karls-Universität Prag 1882 in eine deutsch- und eine tschechischsprachige Universität die Tschechische Technische Universität Prag bis diese einen Neubau am Karlsplatz in Prag bezog.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Miroslav Ivanov: Das Attentat auf Heydrich, aus dem Tschechischen von Hugo Kaminsky, mit 44 Abbildungen und 6 Karten, Augsburg 2000, ISBN 3 8289 0393 2
  2. Felix Römer: Kameraden. Die Wehrmacht von innen. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05540-6, S. 405f.
  3. Nähere Informationen zur Orgel, mit Übersetzung der Registerbezeichnungen

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St.-Cyrill-und-Method-Kirche (Prag) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.07583333333314.416944444444Koordinaten: 50° 4′ 33″ N, 14° 25′ 1″ O