Kirche in Not

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Das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not (früher: Kirche in Not/Ostpriesterhilfe) ist eine Stiftung päpstlichen Rechts. Papst Benedikt XVI. erhob das vormalige Werk päpstlichen Rechts am 7. Dezember 2011 zu einer Stiftung.[1] Das Hilfswerk wurde 1947 in Tongerlo in Belgien gegründet.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte der Prämonstratenser P. Werenfried van Straaten in Belgien und den Niederlanden Hilfe für die deutschen Nachbarn. Vierzehn Millionen Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten strömten in die vier Besatzungszonen, in denen es zu wenig Unterkünfte, zu wenig Nahrung und Kleidung gab. P. Werenfried rief zur Versöhnung mit den ehemaligen deutschen Kriegsgegnern auf. Er bat um Nahrungsmittel und Kleidung, um den Deutschen in ihrer Not zu helfen. Dass er anfangs vor allem Speck bei den flämischen Bauern sammelte, trug ihm den Namen „Speckpater“ ein.

1951 fand im niederländischen Hilversum zum ersten Mal ein Kongress "Kirche in Not" statt, der ab 1952 bis 1995 jährlich in Königstein im Taunus abgehalten wurde. Vertreter der unterdrückten und verfolgten Kirche - vor allem hinter dem Eisernen Vorhang - berichteten hier über die Lage der Kirche in ihren Ländern.[3]

1952 begann die Hilfe für die verfolgte Kirche in Osteuropa. Heute hilft das Werk in mehr als 140 Ländern, in denen die Kirche verfolgt wird oder nicht genügend Mittel für ihre seelsorgerischen Aufgaben hat.

Kirche in Not ist ein pastorales Hilfswerk. Es hilft vor allem bei der Aus- und Weiterbildung von Seminaristen und Priestern, beim Bau und der Renovierung von Ausbildungsstätten und Kirchen, beim Übersetzen und Verlegen der Bibel und christlicher Literatur und bei der Ausstrahlung christlicher Rundfunkprogramme.

Radiosender 1991 im Augustputsch in Moskau[Bearbeiten]

Am 19. August 1991 sprach Boris Jelzin vor dem Weißen Haus in Moskau von einem Panzer aus zu den Bürgern. Zurück im Parlament sagte er zu den Abgeordneten „Jetzt brauche ich ein Radio“. Als Sprecher und Führer des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten brauchte er, um möglichst viele Menschen zu erreichen, ein Sprachrohr für die demokratische Bewegung. Zu aller Erstaunen gab der Abgeordnete Viktor Aksiutsjik bekannt, dass er die Ausstattung für einen Radiosender besitze. Kirche in Not hatte für die Gründung einer gemeinsamen Rundfunkstation der katholischen und orthodoxen Kirche die nötigen Geräte nach Moskau geschmuggelt, obwohl das Kommunikationsministerium die Lizenz verweigert hatte. Mit einem Lastwagen der Kantine des Parlaments wurden die Sendegeräte aus einer Lagerhalle unter Lebensmitteln versteckt in das Parlamentsgebäude geschafft und von Ingenieuren installiert. So konnte Boris Jelzin per eigenem Radio die Moskauer Bevölkerung um Hilfe bitten. Er bedankte sich, indem schon im nächsten Monat die Sendeerlaubnis erteilt wurde.[4]

Aktuelle Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 erhielt Kirche in Not 9,2 Millionen Euro an Spenden.[5] Seit Bestehen des Werkes konnte Kirche in Not die Seelsorge der Kirche weltweit mit mehr als drei Milliarden Euro unterstützen (Stand 2007). Damit gehört P. Werenfrieds Werk zu den großen Spendenorganisationen in Deutschland. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat Kirche in Not das Spenden-Siegel verliehen. Kirche in Not sieht auch eine seelsorgliche Aufgabe seinen Mitarbeitern und Spendern gegenüber. So erscheint der Rundbrief „Echo der Liebe“ als Organ geistlicher Verbundenheit und intensiver Gebetsgemeinschaft mittlerweile in einer Auflage von mehr als 600.000 Exemplaren in sieben Sprachen. Das Hilfswerk unterstützt das Online-Magazin kath.net mit 10.000 bis 20.000 Euro pro Jahr.[6]

Sitz der internationalen Zentrale ist Königstein im Taunus. Dort werden Hilfsanträge aus aller Welt geprüft und die Spendenmittel vergeben. Mit der Umwandlung ernannte Papst Benedikt XVI. den Präfekten der Kongregation für den Klerus, Mauro Kardinal Piacenza, zum Präsidenten der Stiftung. Geschäftsführender Präsident ist seit dem 1. Dezember 2011 Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Geistlicher Assistent ist Pater Martin Barta.[1] Zuvor war der chilenische Schönstatt-Pater Joaquin Alliende Präsident des Gesamtwerkes gewesen.

In derzeit siebzehn Ländern ist das Werk mit nationalen Sektionen vertreten. Sie informieren über die Lage der Kirche, wo sie in Not ist, und rufen zur Hilfe auf. Die deutsche Sektion hat ihren Sitz in München. Ihre Geschäftsführerin ist Karin Maria Fenbert, Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. August 2014 der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. 2007 feierte Kirche in Not sein 60-jähriges Bestehen. Die deutsche Sektion beging dieses Jubiläum mit mehreren Veranstaltungen, unter anderem mit einem Festgottesdienst im Kölner Dom mit Kardinal Joachim Meisner und einem gemeinsamen Festakt im Maternushaus, an dem auch Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos und der israelische Erzbischof Elias Chacour teilnahmen.[7]

Beichtmobil[Bearbeiten]

Kirche in Not betreibt seit 2004 das weltweit einzige „Beichtmobil“. Es war zunächst ein zum Beichtstuhl umgebauter VW-Bus (T4, Baujahr 1996), dessen Innenraum als Raum für den Empfang des Bußsakraments ausgestattet wurde. 2013 wurde es durch ein Nachfolgefahrzeug (T5, Baujahr 2012) ersetzt. Das Mobil steht unter der Schirmherrschaft des Bischofs von Eichstätt; es steht den Pfarreien und geistlichen Gemeinschaften kostenlos zur Verfügung und kommt auch bei Großveranstaltungen zum Einsatz.

Ebenfalls mobil sind die schwimmenden Kirchen, die in Brasilien auf dem Amazonas oder in Russland auf dem Don und der Wolga zum Einsatz kommen. Ziel ist es, den Gläubigen den Sakramentenempfang zu ermöglichen oder mit einem Priester zu sprechen und seelsorgerischen Rat einzuholen.

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b „Kirche in Not“ wird päpstliche Stiftung Website Radio Vatikan. Abgerufen am 11. Dezember 2011.
  2. Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 39 vom 28. September 2013, Seite 20
  3. Vgl., Grulich, Rudolf, Seit 60 Jahren veranstaltet „Kirche in Not“ Kongresse, http://www.kirche-in-not.de/downloads/2011-rudolf-grulich-ueber-die-geschichte-der-kongresse-kirche-in-not.pdf (abgerufen am 9. Dezember 2013)
  4. Zum Augustputsch in Moskau vor 20 Jahren, „Jetzt brauche ich ein Radio“, Dr. Wolfgang Stingl in "Mitteilungen aus Königstein", Heft 3 - 2011, S. 26 ff
  5. Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen - Prüfbericht zur Zuerkennung des DZI Spenden-Siegels für Kirche in Not/Ostpriesterhilfe Deutschland e.V., München.. Website Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen. Abgerufen am 3. Dezember 2012.
  6. Fromme Texte, rauhe Sitten und beste Kontakte nach Rom, Vorarlberger Kirchenblatt, 22. März 2009
  7. Radio Vatikan: 60 Jahre „Kirche in Not“, 4. Februar 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Andere Beiträge[Bearbeiten]