Kirche von Østerlars

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Grundplan

Die Østerlars Kirche (dänisch Østerlars Kirke) ist eine im romanischen Stil bebaute Rundkirche in Østerlars, einem Ortsteil von Gudhjem, auf der dänischen Insel Bornholm.

Sie ist die größte von insgesamt vier Rundkirchen auf Bornholm. Die anderen sind die Kirche von Nylars, Sankt-Ols-Kirche und Ny Kirke. Die Kirche wurde ursprünglich nach dem Schutzheiligen St. Laurentius von Rom (dänisch Sct. Lars) benannt und erstmals am 30. August 1332 in einem Dokument an den päpstlichen Stuhl erwähnt. Um 1600 hatte man dem Namen ein „Øster“ vorangestellt, um sie deutlich von der Nylars Kirche zu unterscheiden, sie heißt seitdem Østerlars Kirche (östlich der Nylars Kirche).[1][2]

Die Kirche hat jährlich 120.000 Besucher.[3][4][5]

Bauwerk und Geschichte[Bearbeiten]

Es wird angenommen, dass die Kirche um 1150 gebaut wurde, eine genaue Datierung ist nicht bekannt.

Die Rundkirche wurde als Wehrkirche errichtet, die der Bevölkerung im Gefahrenfall als Zufluchtsstätte diente. Aufgrund der geografischen Lage der Insel Bornholm war die Bevölkerung besonders räuberischen Angriffen von See her ausgesetzt, die in der Zeit insbesondere von den Wenden ausgingen, welche um die Vorherrschaft im südlichen Ostseeraum gegen Dänen und Deutschen kämpften.

Die Rundkirche ist von einer festungsartig verstärkten Außenmauer umschlossen (ca. 16 Meter im äußeren Durchmesser). Das ca. 2,15 Meter starke Mauerwerk besteht in der Außen- und Innenfront aus Granitstein, der Zwischenraum wurde mit Kies und Erde aufgefüllt. Der Innenraum der Rundkirche hat einen Durchmesser von 13,2 Metern. Die Decken- und Dachlasten werden von der Außenmauer und dem ringförmigen, offenen Zentralpfeiler aufgenommen (ca. 6 Meter im äußeren Durchmesser).

(Die Zentralpfeiler der drei anderen Bornholmer Rundkirchen sind Aufgrund ihrer geringen Baugrößen im Durchmesser deutlich kleiner und geschlossen. Der Innendurchmesser der Nylars Kirche beträgt 11 Meter.)

Das Bauwerk besteht aus drei Ebenen. Die unterste Ebene bildet den Kirchenraum (das Rundschiff). Die beiden oberen Stockwerke sind nur durch enge, gut zu verteidigende Aufgänge erreichbar. Die zweite Etage diente als Schutzraum für die Bevölkerung und in Friedenszeiten als Lagerraum für die Bauern. Die dritte Ebene war für die Verteidigung gegen Angreifer ausgestaltet. Eine Rekonstruktion von Charles Christensen von 1939 zeigt die Østerlars Kirche als Wehrkirche, die obere (dritte) Ebene hat einen umlaufenden Wehrgang und darüber erhoben sich zwei weitere Plattformen.

Das charakteristische Kegeldach erhielt die Rundkirche erst im späten Mittelalter. Auch die sieben schweren Stützpfeiler wurden erst später dem Gebäude zur Stabilisierung hinzugefügt. Sie sind erstmals in Skizzen im dänischen Atlas von dem dänischen Historiker Peder Hansen Resen, etwa 1675 dargestellt. Nach [6] sollen die Stützpfeiler das Mauerwerk durch die zusätzliche Last des hinzugefügten Kegeldaches mit abstützen. Die heutige Gebäudestruktur ist in drei Querschnitten und einem Längsschnitt im Detail dargestellt.[1][2]

Auf dem Kirchhof, etwa 20 Meter westlich der Kirche, befindet sich der Glockenturm, der zunächst die Verteidigung der Anlage unterstützen sollte.

Sonarmessungen ergaben einen Hinweis auf einen 12,5 m langen und 2 m hohen Raum unter der Kirche, doch untersagt der Kirchenrat bis heute weitergehende Untersuchungen. Dieser Befund gibt Anlass für Spekulationen, dass sich dort der verlorene Schatz der Tempelritter befinden könnte.[7]

Kircheninnenraum[Bearbeiten]

Die Kanzel ist eine Renaissancearbeit von 1595. Die Orgel stammt von Marcussen und Sohn in Åbenrå. Das Altarbild ist ein Schnitzwerk aus der Renaissance von etwa 1600.[2][8]

Fresken[Bearbeiten]

Am Mittelpfeiler der Rundkirche befinden sich Kalkmalereien, die 1889 entdeckt und von Professor Kornerrup restauriert wurden. Sie sind etwa um 1350 entstanden. Der Bildfries zeigt die Lebensabschnitte Christi mit der Verkündung der Mariä und die Darstellung des Jüngsten Tages mit den Verlorenen, dem Teufel und dem Rachen der Hölle.[2]

Obere Stockwerke[Bearbeiten]

Die Ringmauer des Innenraums des 3. Stockwerks musste ursprünglich die Außenmauer der Wehrkirche gewesen sein, um die herum ein offener Wehrgang verlief. Die Balken über dem Innenraum waren vermutlich Teil des flachen Daches, das als Aussichtsplattform genutzt wurde. Die Öffnungen in der Innenmauer waren vermutlich Lichtöffnungen oder Schießscharten. Die Öffnungen im Boden des äußeren Wehrganges deuten darauf hin, dass sie dem Wasserablauf des nach oben hin offenen Ganges dienten.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arne Rohde: Sct-Laurentius-Kirche. Øesterlars, Bornholm. Rønne: Kieffer, 1929.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b [1] (PDF; 3,4 MB), Øster Larskirke, Bornholms Østre Herred (Östliche Grafschaft), Nationalmuseet, København, Seiten 383-431.
  2. a b c d e C. Nepper-Christensen, St. Laurtentius Kirche, Kurzgefasste Darstellung der Østerlars Rundkirche, Østerlars Kirchengemeinde, 2009.
  3. Østerlars Kirke
  4. bornholm.info
  5. Rainer Ocker: Rundkirche von Østerlars
  6. Hans Klüche, Bornholm, Goldstadt-Reiseführer, 1993.
  7. [2], Bornholm-Ferien.
  8. Destination Bornholm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Østerlars Kirke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

55.17138888888914.961666666667Koordinaten: 55° 10′ 17″ N, 14° 57′ 42″ O