Kirche (Bauwerk)

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Speyerer Dom, die größte noch erhaltene romanische Kirche der Welt
Kirche in Suceava, Rumänien
Pfarrkirche Wörth an der Donau, dreischiffige Basilika

Unter einer Kirche oder einem Kirchengebäude wird ein durch eine christliche Glaubensgemeinschaft zum Gebet, zur Andacht und zum Gottesdienst genutztes Bauwerk verstanden. Ausgehend von der etymologischen Bedeutung des griechischen Wortes kyriake („dem Herrn gehörend“) gelten Kirchen als Gotteshäuser. Zusammen mit den Bauwerken anderer Religionen werden Kirchenbauten übergreifend als Sakralbauten bezeichnet.

Überblick[Bearbeiten]

Die Kirche ist der zentrale Ort des Gottesdiensts der römisch-katholischen, alt-katholischen, orthodoxen, iroschottischen, anglikanischen und der evangelischen Gemeinden. Nach kanonischem Recht ist es “ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht auf freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben.“[1] Es dient der Versammlung der Glaubensgemeinschaft, der gemeinsamen Andacht und der Spendung und dem Empfang von Sakramenten und Sakramentalien. Auch weltliche Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen finden teilweise in Kirchengebäuden statt.

Durch den Akt der Kirchweihe wird der Kirchenraum der Kirchengemeinde zum liturgischen Gebrauch übergeben. Diese findet beispielsweise auch nach einer größeren Renovierung statt.

Während die meisten katholischen Kirchen tagsüber offenstehen, sind viele Kirchengebäude anderer Konfessionen außerhalb der Gottesdienste verschlossen. Die Initiativen „Offene Kirche“ verschiedener evangelischer Landeskirchen wollen dem entgegenwirken und laden die Gemeinden ein, auch unter der Woche ihre Gotteshäuser zum Gebet zu öffnen.

Begrifflichkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten]

Pfarrkirchen, im Protestantismus auch Gemeindekirchen genannt, sind die Hauptkirchen einer Pfarrei oder Kirchengemeinde. Weitere Kirchen und Kapellen einer Pfarrei dienen der Einzelfunktion, so die Friedhofskapelle – mancherorts auch als „Aussegnungshalle“ bezeichnet –, und die Filialkirche einer Gemeinde, die einer Pfarrei zugeordnet ist. Das Gebiet einer Kirchengemeinde oder Pfarrei beruht in der Regel auf historischen politischen Gemeindegrenzen, in größeren Städten auf einem Stadtteil oder einem Stadtbezirk. Die Volkskirchen folgen in diesem Sinne dem Parochialprinzip, Freikirchen kennen diese Regelung nicht. Einer Kirche sind meistens weitere administrative oder soziale Einrichtungen, wie etwa ein Pfarramt oder Schulen, zugeordnet. Sie liegen in der Nachbarschaft oder auf dem Kirchengelände.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Die Kirche eines Klosters kann Klosterkirche, Abteikirche, Prioratskirche oder Münster (von lat. monasterium, „Kloster“) genannt werden. Der Begriff Münster wird dabei für manche Kathedralen, Pfarrkirchen und Klosterkirchen gleichermaßen verwendet.

Stiftskirche[Bearbeiten]

Eine Stiftskirche gehört zu einem Stift, das sich von einem Kloster dadurch unterscheidet, dass es von Stiftsherren bzw. -damen (Regularkanonikern bzw. Kanonissen) bewohnt wird.

Kathedrale[Bearbeiten]

In der katholischen und den orthodoxen Kirchen tragen Bischofskirchen den Titel einer Kathedrale. Von der Spätantike bis ins hohe Mittelalter wurde in der Westkirche häufig neben die Kathedrale eine Taufkapelle (Baptisterium) gebaut.

Dom[Bearbeiten]

Domkirchen sind wegen ihrer Größe und Gestaltung besonders herausragende, meist bischöfliche Kirchengebäude.

Münster[Bearbeiten]

Münster dient als Bezeichnung für eine Kloster-, Stifts- oder Domkirche.

Basilika[Bearbeiten]

Als Basilika werden einerseits frühchristliche mehrschiffige Sakralbauten der Spätantike bezeichnet. Daneben stellt Basilika auch einen von der katholischen Kirche für besondere Kirchengebäude verliehenen Ehrentitel (→ Basilika (Titel)) dar, wobei zwischen den sechs altehrwürdigen Basilicae maiores und den derweilen über 1500 Basilicae minores zu unterscheiden ist.

Kirchen nach sonstigem Zweck[Bearbeiten]

In Verbindung mit Einrichtungen oder Sonderzwecken spricht man auch von Wallfahrtskirchen, Spitalkirchen, Krankenhauskapellen, Autobahnkirchen oder Votivkirchen. Als Profilkirche bezeichnet man eine Kirche, die einem thematisch eng definierten Zweck dient, etwa als Jugendkirche, Zentrum für Meditation und Spiritualität oder als Seelsorgezentrum für Trauernde. Kleine und häufig privat errichtete Kirchengebäude werden als Kapellen bezeichnet. Freikirchliche Gemeinden verwenden manchmal auch den Namen Kapelle, Betsaal oder Bethaus. Einen Sonderfall stellen die sogenannten Simultankirchen dar, die von Gemeinden zweier oder mehrerer Konfessionen genutzt werden.

Architekturgrundformen[Bearbeiten]

Evangelische Johanniskirche in Frankfurt-Bornheim, eine barocke Saalkirche

Der christliche Kirchenbau nach dem frühzeitlichen und mittelalterlichen Ideal folgt vier Grundrissen. Ein Großteil der Kirchengebäude bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts entspricht einem dieser Grundschemen, im modernen Kirchenbau gibt es seitdem eine große Vielfalt an Bauformen.

  • Die Basilika ist die wichtigste Grundform des frühen und mittelalterlichen Kirchenbaus, dessen Innenraum durch Säulenreihen in mehrere Längsschiffe getrennt ist. Am häufigsten sind drei Längsschiffe ("dreischiffige Basilika"), bei denen das mittlere höher ist als die beiden Seitenschiffe und in der Wandzone, die die Höhendifferenz zu den Seitenschiffen darstellt, eigene Fenster besitzt. Fünfschiffige Basiliken sind sehr viel seltener und sind meist besonders prachtaufwendig. Die frühchristlichen Kirchen lehnten sich noch stark an die antike Basilika an, im Mittelalter wurde sie zur Kreuzbasilika mit einem Querhaus weiterentwickelt.
  • Die Hallenkirche ähnelt der Basilika, ihre Längsschiffe sind allerdings von gleicher oder annähernd gleicher Höhe und unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt, weil das Mittelschiff über keine eigenen Fenster verfügt, während das Dach der Basilika "abgetreppt" ist.
  • Die Saalkirche ist ein einschiffiges Kirchengebäude, das aus einem einzigen, saalartigen Raum, meist mit eingezogenem Chor, besteht.
  • Beim Zentralbau sind die Hauptachsen gleich lang, daraus ergeben sich unter anderem kreisförmige, ovale, quadratische und kreuzförmige Grundrisse. Der Zentralbau ist in Westeuropa vor allem in Italien verbreitet und wird sehr häufig bei östlich-orthodoxen Kirchen angewendet.
  • Bei einer Querkirche durchschneidet die Hauptachse vom (West-)Eingang zum Altar die längere Seite der Kirche. Kanzel oder Altar befinden sich entsprechend auf der Mittelachse des Schiffs. Querkirchen sind vor allem in den protestantischen Regionen der Niederlande, Deutschlands und der Schweiz anzutreffen.

Die architektonischen Hauptteile eines traditionellen europäischen Kirchenbaus sind der Chor (Altarhaus), das Querhaus und das Langhaus. Die Fassade verfügt oft über einen Turm oder zwei Türme. Das Langhaus ist in der Regel mehrschiffig, d.h. es verfügt über ein Mittelschiff und zwei oder vier Seitenschiffe. Im Kreuzungsbereich zwischen Quer- und Langhaus befindet sich die Vierung.

Kirchenbauten waren im Mittelalter in der Regel nach Osten ausgerichtet („geostet“), d.h. der Hauptaltar liegt in Richtung des mittleren Aufgangspunktes der Sonne. Diese Orientierung (von Orient = Osten) symbolisiert einerseits den Erlöser Jesus Christus, der wie der Sonnenaufgang das Licht des Glaubens bringt. Zum anderen bezieht sich die Orientierung auf die von Europa aus gesehene Lage Jerusalems im Osten. Eine bedeutende Ausnahme ist der Petersdom in Rom, er ist „gewestet“. Das Prinzip der Ostung hielt sich in der Neuzeit nicht durch,[2] bei Zentralbauten spielte es ohnehin meist keine Rolle.

Sonderbauformen[Bearbeiten]

Es gibt eine Reihe von Sonderbauformen, die sich sowohl architektonisch als auch in der Nutzung von der gängigen Bauweise unterscheiden;

  • Bettelordenskirchen folgen in Größe und Gestaltung dem Armutsideal der Bettelorden und haben in der Regel einen Dachreiter, keinen Turm.
  • Bei Chorturmkirchen erhebt sich der Turm, oft als Glockenturm, über dem Chorraum.
  • In einer Doppelkirche sind zwei Kirchenräume räumlich voneinander getrennt.
  • Emporenkirchen basieren oft auf der Bauform der Basilika, in der eine Empore den Raum über den Seitenschiffen und unter dem Obergaden einnehmen kann.
  • Eisenkirchen sind aus vorgefertigten Bauelementen aus Wellblech oder Gusseisen gefertigt.
  • Felsenkirchen sind aus dem Felsen geschlagene Kirchen. In den Fels gehauene Kirchen nennt man auch Höhlenkirchen.
  • Die Kettenkirche ist noch vereinzelt in Süddeutschland, Österreich und Südtirol anzutreffen. Zum Namen hat die Form des Fassadenschmucks von Kirchen, die dem heiligen Leonhard geweiht sind, geführt. Die Kirchen werden entweder dauerhaft oder in einem Ritus am 6. November mit eisernen Ketten umspannt.
  • Von einer Kirchenburg spricht man, wenn die Kirche von eigenen Verteidigungsanlagen, etwa Mauern und Türmen, umgeben ist. Eine mit vergleichsweise einfachen Wehrvorrichtungen ausgestattete Kirche nennt man dagegen Wehrkirche.
  • Notkirchen und Barackenkirchen sind provisorische Sakralgebäude. Die Kirchen eines solchen Typus entstanden in Zeiten wirtschaftlicher Not, nach Kriegen oder als Interimskirche während der Gemeindeaufbauphase. Die sogenannte Zeltmission nutzt provisorische Zeltkirchen zur Evangelisation.
  • Die Ovalkirche verfügt über einen ovalen Grundriss und kann als Längskirche (auch: in „Eiform“) oder Querkirche angelegt sein.
  • In einer Querkirche ist die Querausrichtung des Innenraumes stärker betont als die Längsrichtung.
  • Die Rundkirche ist eine Form des einfachen Zentralbaus und diente früher als Tauf-, Grab- oder Wehrkirche. Etwaige Anbauten sind nicht Bestandteil des eigentlichen Kirchenraumes.
  • In England, Elsass und Norddeutschland sind Rundturmkirchen verbreitet, deren Bauweise dem Langbau entspricht.
  • Stabkirchen oder „Mastenkirchen“ sind Holzkirchen, die in Skandinavien während der Übergangszeit von der heidnischen Religion zum Christentum im 12. und 13. Jahrhundert gebaut wurden.
  • In einer Wegekirche ist der Kirchenraum als Weg nach vorn, zum Altar hin ausgerichtet.
  • Winkelkirchen bestehen aus zwei Seitenschiffen, die im rechten Winkel zueinander stehen. Altar oder Kanzel eines solchen Gebäudes befinden sich im Winkel.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühchristentum[Bearbeiten]

Römisches und Byzantinisches Reich[Bearbeiten]

Künstlerische Darstellung aus dem 12. Jahrhundert der Apostelkirche in Konstantinopel

Nach den Christenverfolgungen im Römischen Reich, die unter Kaiser Diokletian ihren Höhepunkt erreichten, leiteten das Toleranzedikt des Galerius und die Mailänder Vereinbarung zwischen den zwei römischen Kaisern Konstantin und Licinius die Konstantinische Wende ein, wodurch das Christentum legitimiert und schließlich von Theodosius I. zur Staatsreligion des Römischen Reiches ernannt wurde. Mit staatlicher finanzieller Unterstützung entstanden zahlreiche neue Kirchen vor allem in Rom und Konstantinopel, der Trierer Dom und die Grabeskirche in Jerusalem. Erstmals entstand eine eigenständige sakrale Architektur des Christentums, dessen Gebetsräume in früherer Zeit lediglich einen provisorischen Charakter besaßen und Gottesdienste meist in Privaträumen abgehalten wurden.[3]

Aus der römischen Architektur wurden die Basilika mit mehreren Längsschiffen, Säulen mit Kapitellen, Kolonnadenhof (Atrium) und Apsis gegenüber dem Eingang übernommen. Die Bauform der Basilika ist einerseits neutral, da auch Gerichts- und Marktgebäude ähnlich aussahen, hatte zuletzt andererseits aber auch dem Kult der vergöttlichten Kaiser gedient und machte insofern die Ablösung des Kaiserkultes durch die neue Religion sichtbar. Die Tonnengewölbe vieler römischer Bauten wurden durch Flachdächer, meist in Kassettierung, ersetzt. Der Kirchturm war zunächst freistehend (Campanile) und wurde erst in späterer Epoche dem Baukörper angegliedert. In etwas späteren Kirchengebäuden setzte sich ein eingefügtes Querschiff durch, das die Basilika vor der Apsis beschnitt und ein kreuzförmiges Grundschema ergab. In frühchristlichen Basiliken in Rom liegt die Frontseite der Kirche im Osten und die Apsis im Westen.

Der frühchristliche Sakralbau verzichtete weitgehend auf Dekorierung und Zierwerk. Die Theologen der Alten Kirche orientierten ihre Haltung in den ersten Jahrhunderten n. Chr. vornehmlich am Bilderverbot des Dekaloges und standen künstlerischen Tätigkeiten, namentlich der Kirchenmalerei, durchaus feindlich gegenüber. Malereien mit neutestamentlichen Motiven wurden erst ab dem 4. Jahrhundert verwendet,[3] auch das Kreuz gewann als zentrales christliches Motiv erst nach dem Konzil von Ephesos im Jahre 431 zunehmend an Bedeutung.

Der frühen Kirche im Zentralbau war noch eine Basilika oder ein Atrium angegliedert. Erste Rundkirche auf dem Gebiet des Römischen Reiches war die von 372 bis 402 erbaute Basilika San Lorenzo in Mailand. Mitte des 5. Jahrhunderts entstand in Rom mit Santo Stefano Rotondo ein Rundbau mit drei konzentrischen Kreisen, in die ein griechisches Kreuz eingeschrieben war. Ein weiterer wichtiger Zentralbau aus dieser Zeit ist San Vitale in Ravenna.

Mit dem Konzil von Ephesos begann die Spaltung zwischen den Ostkirchen und der römisch-katholischen Kirche. Kuppelbasiliken und Kreuzkuppelkirchen (Markusdom in Venedig) dominierten als Architekturstil der byzantinischen Glaubensrichtung. In Konstantinopel, als wichtigstem christlichem Zentrum des Ostens, entstanden bedeutende Kirchengebäude; der am 28. Juni 550 geweihte Neubau der Apostelkirche zeichnete ebenso wie Santo Stefano Rotondo im Grundriss das griechische Kreuz nach. Weiterhin entstand von 532 bis 537 n. Chr. die Hagia Sofia als Hauptkirche der altorientalischen und später byzantinischen Kirche. Beide Gebäude sind Kuppelbasiliken, also Basiliken mit Zentralbaucharakter.

Als stilistisch eigenständig wird der kleine Zentralbau betrachtet, der sich ab den vierten Jahrhundert n. Chr. verbreitete. Er war auf geometrische Grundformen reduziert, etwa kreisförmig, quadratisch oder oktogonal und war anstatt einer Gemeindekirche eine Memoria an einem Heiligtum, ein Baptisterium oder Mausoleum.[3]

Franken[Bearbeiten]

Südseite der Kirchenruine des frühchristlichen Klosters von Ardpatrick, Irland

Die mit der Völkerwanderung verbundene Verbreitung des Christentums in germanische, fränkische und gotische Gebiete führte zu einer neuen Auslegung des Kirchenbaus. Die Architekturkenntnisse der nord- und mitteleuropäischen Stämme Europas waren vergleichsweise gering, so dass der Holzbau das wichtigste Element der Sakralarchitektur wurde. Die Stabkirchen, die heute vor allem noch in Skandinavien erhalten sind, stammen aus dieser Epoche. Größere Kirchengebäude aus Stein, wie der Vorgängerbau der Kathedrale von Reims, wurden zur Zeit Chlodwigs I. gegen Ende des 5. Jahrhunderts errichtet. Der gängige Typus für größere Kirchenbauten war die mehrschiffige und schnörkellose Basilika, Zentralbauten wurden nur selten und in kleiner Ausführung errichtet.

Beim ländlichen Kirchenbau im Fränkischen Reich, insbesondere bei den weitverbreiteten Eigenkirchen, überwog die turmlose Saalkirche mit einem geosteten, eingezogenen quer-rechteckigen oder quadratischen Chor. Statt eines Glockenturms wurde ein Dachreiter aufgesetzt. Ursprünglich waren dies überwiegend Holzbauten auf Steinfundamenten, die bei Verfall in Stein (meist Feldsteine) erneuert/umgebaut wurden bei Beibehaltung des Standortes. Der Chor wurde vielfach später überwölbt und mit einem Chorturm ausstaffiert, der gelegentlich auch als Wehrturm ausgebaut wurde (Chorturmkirche). Diese frühen Kirchenbauten erinnern sehr stark an Kirchen, wie sie im 6. und 7. Jahrhundert in Irland und Schottland üblich waren. Die iro-schottischen Wandermönche brachten diesen Baustil auf das europäische Festland, als sie mit der Missionierung des Frankenreiches im 6. Jahrhundert begannen.

Nachdem Bonifatius die Kirchenorganisation des fränkischen Reiches im Auftrag des Papstes nach römischem Vorbild neu organisiert hatte verdrängte er den irisch-fränkischen Kirchenbaustil und ließ neue Kirchen nur noch in Form der römischen Basilika mit Querschiff und Apsis errichten.

Britische Inseln[Bearbeiten]

In der angelsächsischen Architektur überwogen wie bis zum 7./8. Jahrhundert in Mitteleuropa einfache Holzkonstruktionen (Beispiel Greensted), seltener wurden Sakralbauten aus Bruch- und Backsteinen errichtet. Lange hielten sich archaische Formen im Bereich der iro-schottische Kirche, die sich auch in ihren Organisationsformen von der römischen Kirche auf dem Festland unterschied.

Goten[Bearbeiten]

Anders als der Kirchenbau nördlich der Alpen entwickelte sich die ostgotischen Sakralarchitektur. Ab 476 erlangten die Ostgoten die Herrschaft über Italien, die Westgoten übersiedelten größtenteils nach Spanien und verschmolzen mit der einheimischen Bevölkerung zu einer Ethnie. Sie adaptierten nicht nur am stärksten die römische und byzantinische Baukunst, sondern orientierten sich kulturell wie politisch an der ehemaligen Großmacht Rom. In diesem Zeitraum, insbesondere in der Hochphase des 5. und 6. Jahrhunderts, entstanden in Mittel- und Südeuropa rund 1.200 gemauerte Sakralbauten größerer Art und rund 280 Kathedralen, der Großteil davon im heutigen Italien und Frankreich.[4]

Siehe hierzu:

Vorromanik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vorromanik

Der Beginn der Vorromanik wird entweder auf die Dynastie der Merowinger um 500 oder auf die Karolingische Renaissance am Hofe Karls des Großen im späten 8. Jahrhundert angesetzt. Die karolingische Architektur zielte bewusst auf die Nachahmung der römischen Architektur. Aus der frühchristlichen und der byzantinischen Architektur wurden zahlreiche Elemente übernommen, wobei sich nach Einführung einiger Neuerungen ein eigener Stil ergab. Die Form der Basilika wurde variiert und ergänzt. Die Apsis wurde zum Chor ausgestaltet, unter diesem wurden Krypten angelegt, und der Aufschwung der Heiligenverehrung erforderte zusätzliche Altäre in Kirchen. Darüber hinaus wurde das Westwerk entwickelt, eine dem Kirchenraum vorgelagerte Eingangshalle. Zur Zeit der Ottonen wurden die Innovationen der karolingischen Epoche weiter entwickelt. Insbesondere die räumliche Gliederung wurde durch Säulen und Nischen harmonisiert, die Basilika wurde tendenziell vergrößert, ebenso die Krypta, für die ein eigener Raum (Hallenkrypta) oder bis zu zweistöckiger Anbau errichtet wurde.[3]

Romanik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Romanik

Um 1000 bis 1200 nach Christus verbreitete sich der romanische Stil in Europa. Politische und wirtschaftliche Stabilität führten zu einer neuen Blütezeit. Obwohl der Begriff Romanik namentlich auf die Tradition römischer Baukunst verweist, stellt der Architekturstil eine Entwicklung mitteleuropäischer Baukunst dar und setzt die Ansätze der karolingischen und ottonischen Architektur fort. Die romanische Baukunst wirkt sehr voluminös und massiv. Typisch sind Rundbögen, ein vergrößertes kompaktes Westwerk, Türme in runder oder oktogonaler Form sowie Würfelkapitelle auf den Säulen. In frühromanischer Epoche finden sich flache Kassettendecken, später dann Kreuzgratgewölbe. Die Raumweite vergrößert sich erheblich, vor allem die Basilika wird mit Chorumgang, Kapellenkranz und erweiterter Stützenweite neu dimensioniert. Skulpturen und Glasmalerei werden formenreicher und zeigen epischere Motive. Ein Zierelement der romanischen Baukunst ist die Zwerggalerie.

Gotik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gotik

Die Gotik entstand um 1140 in der Île-de-France und hielt sich nach der Verbreitung in ganz Europa am längsten in Großbritannien. Sie grenzte sich deutlich von der Kompaktheit der Romanik ab und bediente sich im großen Umfang der Symbolik und Allegorie. Es wurden erstmals Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler verwendet, so dass auf massive Mauern als statisches Trageelement verzichtet werden konnte. Fensterflächen wurden durch diesen Vorteil erheblich vergrößert und bewirken eine hellere und freundlichere Atmosphäre im Innenraum. Der Längsbau wurde aufgebrochen und in die Vertikale gestreckt, Pfeiler wurden geschmälert. Auch Kirchtürme wurden erhöht und traten deutlich aus dem Baukörper heraus. Als herausragendes Werk dieser Epoche wird die gotische Kathedrale gesehen.[5]

Nachgotik, Renaissance[Bearbeiten]

Mit dem Bau der Kathedrale von Orléans wurde 1601 begonnen
Hauptartikel: Nachgotik

Im 15. und 16. Jahrhundert wirkten sich der ethische und gesellschaftliche Wandel des Humanismus und der Reformation auf den Kirchenbau aus. Tendenziell bediente man sich noch der Formensprache der Gotik, versuchte aber mit gestalterischen Mitteln vom Stil abzugrenzen. Die Standardform der Basilika trat zurück und man wendete sich vermehrt der Hallenkirche und der Saalkirche zu. Durch weitgehenden Verzicht auf den Einsatz von Fiale und Wimperg wurde die gotische Bausprache wesentlich vereinfacht und der Raum wurde – im Sinne der Vorstellungen der Renaissance – einheitlicher. Die klassischen Elemente der Renaissance, etwa Säulen und klassische Kapitelle, ergänzten oft eine gotischen Formensprache.

Im protestantischen und reformierten Bereich, wo die Wortverkündigung einen zentralen Stellenwert einnahm, entstanden zunehmend Predigtkirchen als Sonderform von Hallenkirchen, in denen die Blick- und Hörrichtung der Gemeinde auf den Verkündigungsort, die Kanzel, konzentriert wird.

Barock[Bearbeiten]

Hauptartikel: Barock

Zwischen 1545 und 1563 verfasste die katholische Kirche das Konzil von Trient und leitete die Gegenreformation ein. Der Katholizismus versuchte seit ca. 1540, den Protestantismus durch Diplomatie, staatliche Repression und eine missionarische Rekatholisierung zurückzudrängen. In dieser Situation entwickelte sich aus dem Manierismus der Barock, der sich ab 1575 von Italien aus in Europa und mit der Kolonialarchitektur auch in den europäischen Kolonien in Übersee verbreitete.

Wie auch in der Profanarchitektur war der Barock eine Hochphase der Bauaktivität, im Mittelpunkt stand die repräsentative Darstellung des Gebäudes und der neuen theologischen Dogmen. Ausgehend von der Formensprache der Renaissance, wurde sie im Barock überproportional gesteigert. Kuppeln und Kapitelle wurden mit überwallenden Dekor und Gesimsen bereichert und Stuckfiguren gingen in perspektivische Deckenfresken über. Eine barocke Kirche wurde erstmals als Gesamtkunstwerk angesehen und der Kirchenraum konzeptionell vereinheitlicht. Der Langbau trat gegenüber dem Zentralbau zurück, oft wurden beide Bautypen kombiniert. Trotz der dynamischen Formen wurde ein Ausdruck der Strenge gewahrt. Die Gewölbe, die schon in der Gotik Verwendung fanden, wurden zu Muldengewölben und Spiegelgewölben mit rechteckigen und runden Grundriss staffiert. Ein Novum ist außerdem die Stichkappe, ein parallel zum Langbau laufendes Gewölbe, meist mit Nischen für Fensterflächen. Die ausladende Dekoration in floraler Ornamentik und mythologischen Motiven steigert sich um 1720 zur Stilepoche des Rokoko. In der späten Phase des Barock und Rokoko entstanden, vor allem in Süddeutschland, kleinere Saalkirchen.

Der Protestantismus bevorzugte in dieser Epoche Querkirchen, um alle Gottesdienstteilnehmer möglichst nahe bei Kanzel und Altar zu platzieren. Eine neue Entwicklung der reformierten Kirche war der Kanzelaltar.[6]

Klassizismus und Historismus[Bearbeiten]

Klassizistische Kirche La Madeleine, Paris

Mit der Französischen Revolution begann 1789 die Auflösung absolutistischer Herrschaftsformen in Europa, womit auch die ausschweifende Epoche des Barock endete. Zum Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich die Ideen und Ideale der Aufklärung. Mit den Säkularisationen zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor der Kirchenbau seine vorrangige Stellung in der Architektur und die ehemals meinungsbildende Elite der Kleriker und Aristokraten traten in den Hintergrund. Es führte zu einer Phase, in der mehrere Baustile auf der Basis der Klassik parallel existierten, deren Ausdrucksformen schon seit der Renaissance verwendet wurden. Diese Stile werden heute als Klassizismus zusammengefasst. Im Kirchenbau verzichtete man auf die Ostung und band sie in das städtebauliche Gesamtbild ein. Kirchen dienten als Blickfang großer Straßenachsen, der insbesondere durch Kuppeln und Türmen verstärkt wurde. Schlanke, scharf geschnittene Grundrisse ersetzten die verspielten Formen des Barock. Säulen nach römisch-hellenistischen Vorbild bildeten einen Portikus oder eine Kolonnadenreihe. Der mit dem Klassizismus eng verwandte Historismus bezieht sich noch stärker auf die Antike, teilweise werden Gebäudeformen schlicht kopiert. Die Kunstbewegung der Romantik und der protestantische Klerus knüpften ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wieder an Formen der Gotik, Romanik und Renaissance an und auch der aufkeimende Nationalismus bemüht sich um eine Architektur der nationalen Identität. Ein besonderes Merkmal dieser Epoche ist der „Export“ der klassizistischen und historistischen Stile. Im Zuge des Kolonialismus bauten Kolonialbehörden und Missionare weltweit Kirchen nach europäischen Vorbildern.[7]

Moderne[Bearbeiten]

Hauptartikel: Moderner Kirchenbau
Nevigeser Wallfahrtsdom von Gottfried Böhm in Velbert

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte die Wissenschaft und Technik große Fortschritte, die bildende Kunst löste sich von den Ideologien der Vergangenheit und die neuen Baumaterialien Glas, Eisen, Stahl und Beton wurden in der Architektur verwendet. Die Baustoffe und Konstruktionen wurden schon seit Beginn des Jahrhunderts genutzt, aber weitgehend mit historisierenden und klassizistischen Fassaden verkleidet. Die Erfindung der Statik lässt eine exaktere Berechnung des Bauwerks zu und der Stahlskelettbau ermöglichte eine effizientere Bauweise. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Sakralbauten realisiert, die heute nach kunsthistorischen Kriterien als modern gelten, die Hochphase begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Der moderne Sakralbau entwickelte eine enorme Vielfalt, so dass bestimmte Richtungen, Tendenzen und regionale Unterschiede in der Gesamtheit nur schwer zu bestimmen sind. Dennoch lassen sich einige grundliegende Merkmale definieren: tragender Baustoff ist meist Beton, die Fassade ist schnörkellos. Die klassischen Bauformen, etwa der Basilika, rücken in den Hintergrund und werden oft als unregelmäßige Grundrisse adaptiert. Nahezu jeder Architekturstil im Zeitrahmen der Moderne wurde auch im Sakralbau angewendet.[3] Auch erleben die Anforderungen an einen modernen Kirchenraum mit der Zeit einen Wandel. Die Bedürfnisse und Anforderungen der Kirchengemeinden nach einem lebendigen Miteinander in ihrer Kirche erfordern die Berücksichtigung zusätzlicher Nutzungswünsche wie Versammlungen, Lesungen, Konzertveranstaltungen und drücken sich in neuen Gestaltungskonzepten aus – dem „multifunktionalen Kirchenraum“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Listen

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf van Bühren Kirchenbau in Renaissance und Barock. Liturgiereformen und ihre Folgen für Raumordnung, liturgische Disposition und Bildausstattung nach dem Trienter Konzil, in: Operation am lebenden Objekt. Roms Liturgiereformen von Trient bis zum Vaticanum II, hrsg. von Stefan Heid, Berlin 2014, S. 93-119 Volltext online
  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Ferdinand Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76388-4.
  • Johann Hinrich Claussen: Gottes Häuser oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen. Vom frühen Christentum bis heute. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60718-9.
  • Renate Dürr (Hrsg.): Kirchen, Märkte und Tavernen. Erfahrungs- und Handlungsräume in der Frühen Neuzeit. Klostermann, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-465-03413-9.
  • Emanuel Gebauer: Fritz Schaller. Der Architekt und sein Beitrag zum Sakralbau im 20. Jahrhundert. (= Stadtspuren 28), Köln 2000, ISBN 3-7616-1355-5. (Entschlüsselt im Exkurs „Das Thing – Ein Gegenstand der Kirchengeschichte?“ die Theologie von Rudolf Schwarz („Vom Bau der Kirche“, Würzburg 1938) und beschreibt für die Nachkriegszeit vor allem die Organisation / Reform des kath. Kirchenbauwesens sowie dessen „Popularisierungsbeitrag“ moderner Bauformen in der Gesellschaft Westdeutschlands nach 1945.)
  • Ludwig Klasen: Grundriss-Vorbilder von Gebäuden aller Art. Abth. XI. Kirchliche Gebäude. Baumgartner, Leipzig 1889.
  • Edward R. Norman: Das Haus Gottes. Die Geschichte der christlichen Kirchen. Bassermann, München 2005, ISBN 3-8094-1822-6.
  • Hugo Schnell (Hrsg.): Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft. Schnell + Steiner, München/Regensburg 1947–, ISSN 0027-299X (Homepage)
  • Ernst Seidl (Hg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010572-2.
  • Peter Wick: Die urchristlichen Gottesdienste. Entstehung und Entwicklung im Rahmen der frühjüdischen Tempel-, Synagogen- und Hausfrömmigkeit. 2. Aufl. Stuttgart 2003, ISBN 3-17-018107-6.
  • Kerstin Wittmann-Englert: Zelt, Schiff und Wohnung. Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne. Lindenberg 2006, ISBN 3-89870-263-4.
  • Martin Schieder: "L’architecture religieuse catholique en Europe centrale", in: "Le XVIIIe siècle, hrsg. von Thomas W. Gaehtgens und Krzysztof Pomian, L’Histoire artistique de l’Europe", hrsg. von Georges Duby, Michel Laclotte und Philippe Sénéchal, Paris 1998, S. 219–225.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Römisch-Katholisches Kirchenrecht; can. 1214 CIC
  2. Die ältesten Kirchen standen frei auf Plätzen, oft Marktplätzen, oft schräg zum Straßengitter. Nach dem Mittelalter verdichtete sich die Bebauung in den Städten, so dass sich die Kirchen stärker in Blöcke oder gar Straßenfronten einfügen mussten, oft unter Aufgabe der Ostung.
  3. a b c d e Wilfried Koch: Baustilkunde; Wissen Media Verlag, Gütersloh 2005; ISBN 3-577-10457-0
  4. Koch; Gütersloh 2005 (s.o.); 60f.
  5. Kirchbau.de: Gotischer Kirchenbau
  6. Kirchbau.de: Barocker Kirchenbau
  7. Kirchbau.de: Klassizistischer Kirchenbau

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kirche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kirchengebäude – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien