Kirchschlag in der Buckligen Welt

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Kirchschlag in der Buckligen Welt
Wappen von Kirchschlag in der Buckligen Welt
Kirchschlag in der Buckligen Welt (Österreich)
Kirchschlag in der Buckligen Welt
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wiener Neustadt-Land
Kfz-Kennzeichen: WB
Fläche: 57,77 km²
Koordinaten: 47° 30′ N, 16° 18′ O47.50305555555616.296111111111417Koordinaten: 47° 30′ 11″ N, 16° 17′ 46″ O
Höhe: 417 m ü. A.
Einwohner: 2.890 (1. Jän. 2014)
Postleitzahlen: 2812, 2853, 2860
Vorwahl: 02646
Gemeindekennziffer: 3 23 14
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
2860 Kirchschlag in der Buckligen Welt
Website: www.kirchschlag.at
Politik
Bürgermeister: Josef Freiler (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
15
5
1
15 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Kirchschlag in der Buckligen Welt im Bezirk Wiener Neustadt-Land
Bad Erlach Bad Fischau-Brunn Bad Schönau Bromberg Ebenfurth Eggendorf Felixdorf Gutenstein Hochneukirchen-Gschaidt Hochwolkersdorf Hohe Wand Hollenthon Katzelsdorf Kirchschlag in der Buckligen Welt Krumbach Lanzenkirchen Lichtenegg Lichtenwörth Markt Piesting Matzendorf-Hölles Miesenbach (Niederösterreich) Muggendorf Pernitz Rohr im Gebirge Schwarzenbach Sollenau Theresienfeld Waidmannsfeld Waldegg Walpersbach Weikersdorf am Steinfelde Wiesmath Winzendorf-Muthmannsdorf Wöllersdorf-Steinabrückl Zillingdorf Wiener Neustadt NiederösterreichLage der Gemeinde Kirchschlag in der Buckligen Welt im Bezirk Wiener Neustadt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Kirchschlag und nördliche Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Kirchschlag an der Grenze zu Ungarn, um 1780 (Josephinische Landesaufnahme)
Kirchschlag im 17. Jahrhundert, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer
Burgruine vom Ort aus gesehen

Kirchschlag in der Buckligen Welt ist eine Stadtgemeinde und ein Passionsspielort im Bezirk Wiener Neustadt-Land in Niederösterreich mit 2890 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Kirchschlag in der Buckligen Welt liegt im Industrieviertel in der südöstlichen Ecke von Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 57,96 km². 41,67 % der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende sieben Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Aigen (491)
  • Kirchschlag in der Buckligen Welt (1546)
  • Lembach (271)
  • Stang (256)
  • Straß (44)
  • Thomasdorf (21)
  • Ungerbach (292)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Aigen, Kirchschlag, Lembach, Stang und Ungerbach.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ortsname Kirchschlag lässt in der Stammsilbe „-schlag“ erkennen, dass es sich hier um ein noch ungerodetes Waldgebiet gehandelt hat, das erst geschlägert werden musste, während die Vorsilbe „Kirch-“ darauf hinweist, dass die Siedlung auf Initiative der Kirche, höchstwahrscheinlich des Stiftes Reichersberg, entstanden ist. Erst urkundliche Erwähnung: 1246/1255 als Castrum Kryslag

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.

Später unter den Römern lag das heutige Kirchschlag dann in der Provinz Pannonia.

Die Stadt Kirchschlag in der Buckligen Welt ist ein geschichtlich sehr bedeutender Ort, was vor allem auf seine Lage an der Ostgrenze des alten deutschen Reiches zurückzuführen ist, welche die stark befestigte Siedlung immer wieder als Bollwerk des Abendlandes gegen die von Osten anstürmenden Feinde in Erscheinung treten ließ. Bezeichnenderweise wird der Ort noch in Dokumenten des 18. Jahrhunderts als „Granizfeste“ bezeichnet.

Kirchschlag wird erstmals 1246 und 1255 urkundlich genannt, als ein Gefolgsmann des ungarischen Königs Bela IV. „sub castro“ Kryslag den Tod fand. In der Folgezeit stand die Burg im Brennpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen und die Besitzverhältnisse änderten sich häufig.

Im Jahre 1651 erbaute Hans Christoph von Puchheim am Kirchschlager Hauptplatz ein Herrenhaus (Hofhaus) im Stil der Renaissance. Nach seinem Tod 1657 kam Kirchschlag an den Grafen Nikolaus Pálffy, der über seine Mutter Eva Susanne von Puchheim Erbansprüche geltend machen konnte. Die Pálffy gehörten zu den wenigen Adelsgeschlechtern Ungarns, die dem Hause Habsburg stets die Treue hielten. Ihre weitaus größeren Besitzungen lagen allerdings in Ungarn, so dass ihr Interesse für die vereinigten Grundherrschaften Kirchschlag-Krumbach relativ gering war; dennoch behielten sie diese bis zur Aufhebung des Untertanenverhältnisses (1848).

Im Laufe seiner Geschichte wurde Kirchschlag oft von feindlichen Heeren heimgesucht, so z. B. 1250, 1254, 1271 und 1482 von den Ungarn, 1532 und 1683 von den Türken, 1605 von den Haiduken unter Stephan Bocskai, 1621 von den räuberischen Horden des Gábor Bethlen, 1703 von den Kuruzen, 1805 und 1809 von den Franzosen (Koalitionskriege) und 1921 von ungarischen Freischärlern. An das Gefecht vom 5. September 1921, das im Zusammenhang mit der Besetzung des Burgenlandes von Ungarn her in den Ort eingedrungene Banden einer Kompanie des österreichischen Bundesheeres lieferten, erinnert heute noch ein Kriegerdenkmal bei der Zöbernbachbrücke nahe der Pfarrkirche. Bei diesem Gefecht waren zehn Soldaten des Bundesheeres und 21 ungarische Freischärler gefallen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges betrat die Rote Armee am Karfreitag 1945 in Kirchschlag erstmals altösterreichischen Boden.

Am 12. Dezember 2002 wurde die Marktgemeinde Kirchschlag zur Stadtgemeinde erhoben.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren wurden im Zuge der Gemeinde- und Schulreform die bis dahin eigenständigen Gemeinden Aigen, Lembach, Stang und Ungerbach mit Kirchschlag zusammengelegt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Religion[Bearbeiten]

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 94,1 % der Einwohner römisch-katholisch und 1,0 % evangelisch. 1,5 % sind Muslime, 1,1 % gehören orthodoxen Kirchen an. 1,4 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
67,20 %
(-4,31 %p)
26,76 %
(+1,99 %p)
6,03 %
(+2,31 %p)
2005

2010


Der Gemeinderat besteht aus 21 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl vom 14. März 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

Bürgermeister seit 1945[Bearbeiten]

1945 Karl Koglbauer
1945–1946 Karl Pichler
1946–1947 Franz Pichler
1947–1955 Josef Ungerböck
1955–1972 Karl Baueregger
1972–1985 Alois Dopler
1985–1999 Gottfried Schwarz
1999–2013 Franz Pichler-Holzer
2014– Josef Freiler [2]

Wappen[Bearbeiten]

Verleihung: 1988

Blasonierung:
„Im roten Schild über grünem Erdreich eine gequaderte, zinnenbekrönte silberne Stadtmauer mit mächtiger Toranlage, geöffneten goldenen Torflügeln und hochgezogenem goldenen Fallgitter; die Toranlage flankiert von zwei ebenfalls mit Zinnen bekrönten silbernen Türmen, zwischen ihnen ein von Blau und Rot geteilter Schild, oben aus der Teilungslinie wachsend ein rechtsgewendeter aufsteigender silberner Löwe; der Schild gehalten von einem goldenen Engel, der seine Flügel über die beiden Türme ausbreitet.“

Das Kirchschlager Marktwappen geht auf ein Marktsiegel zurück, das ungefähr in derselben Zeit, also Mitte 15. Jahrhundert, entstanden sein dürfte. Eine zeitgenössische Abbildung findet sich im Gewölbe der spätgotischen Kirchschlager Pfarrkirche (Wappenschlussstein im Chor, bezeichnet 1480). Das Wappen zeigt eine Ortsbefestigung mit mächtiger Toranlage und zwei Türmen, darüber ein Engel, der das Wappen der Herren von Pottendorf in Händen hält. Die Pottendorfer waren von Anfang 14. Jahrhunderts bis zum Aussterben im Mannesstamm 1488 Inhaber von Schloss und Herrschaft Kirchschlag. Sie dürften das dem Wappen zugrunde liegende Siegel dem Markt als Amtssiegel verliehen haben. Kirchschlag spielte in den Ungarnkriegen des Spätmittelalters als Grenzfeste und später in der Zeit der Türkenkriege als Fluchtort eine wichtige Rolle. Die im Wappen dargestellte Befestigung mit der mächtigen, offen stehenden Toranlage wird dahingehend interpretiert, dass Kirchschlag als Grenzfestung und Fluchtort allen Bewohnern der Umgebung bei Feindesgefahr offen stand. Schützend breitet der Engel seine Flügel über den Markt und die in seinen Mauern Zuflucht suchenden Menschen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Kirchschlag in der Buckligen Welt

Die Kapellmeister Josef Piribauer und Werner Hlavka gründeten 1971 die Marktkapelle Kirchschlag in der Buckligen Welt - heute Stadtkapelle Kirchschlag. Sie bestand aus 30 Männern und 4 Frauen.[3] Seit 1973 besteht eine musikalische Freundschaft mit der Stadtkapelle Kőszeg, und die Kapelle spielt jedes Jahr beim Weinlesefest Köszeg.

Ortsbildgestaltung[Bearbeiten]

Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Kirchschlag 2010 mit einer Silbermedaille in der Kategorie Stadt ausgezeichnet.

Bauwerke und Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Südansicht der Pfarrkirche mit dem monumentalen Wandgemälde des hl. Christophorus
  • Pfarrkirche Hl. Johannes der Täufer:
Nach einem Brand im Jahr 1459 wurde die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche weitgehend in der heutigen Form in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Der vorgestellte Westturm stammt aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. 1797 trug man die baufällige spätgotische Turmspitze ab und ersetzte sie durch eine barocke Blechhaube. Südseitig im ersten Joch des Langhauses befindet sich ein monumentales Wandgemälde des hl. Christophorus, das um 1500 entstand.[4]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Passionsspiele (alle 5 Jahre, zuletzt 2010)
  • Stadtfest
  • Zeltfeste und Bälle der Vereine
  • Advent am Schlossberg
  • Moto Cross Staatsmeisterschaftslauf
  • Abend in Schräglage
  • Faschingsumzug am Faschingsdienstag

Sport[Bearbeiten]

  • Freibad
  • Fußballplätze
  • 4 Tennisplätze
  • Volleyballplatz
  • Eislaufplatz
  • Modellflugplatz
  • Asphaltstockanlage
  • umfangreiches Rad- und Wanderwegenetz
  • Motocross-Strecke (MSC Kirchschlag)
  • Modellautobahn
  • USC Kirchschlag

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In der Großgemeinde Kirchschlag gibt es ca. 200 landwirtschaftliche Betriebe (davon ca. 80 im Nebenerwerb) und ca. 100 Klein- und Mittelbetriebe, welche für ca. 1000 Arbeitsplätze sorgen. Weiters gibt es: 2 praktische Ärzte, 1 Zahnarzt, 2 Tierärzte, 1 Gynäkologe, 1 Apotheke, 2 Banken, 2 Tankstellen und 14 Gastronomiebetriebe.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Postamt
  • Katholische Kirchen
  • Praktische Ärzte
  • Zahnarzt
  • Frauenarzt
  • Tierärzte
  • Bezirksstelle des Roten Kreuzes
  • Freiwillige Feuerwehren

Bildung[Bearbeiten]

  • NÖ Landeskindergarten Kirchschlag
  • Volksschule Kirchschlag
  • Hauptschule Kirchschlag
  • Polytechnische Schule
  • Musikschulverband Bucklige Welt - Süd

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ernst Zickero (1829–1897), studierte Medizin, Buch Kirchschlag und seine Denkwürdigkeiten, Träger des „Goldenen Verdienstkreuzes“
  • Otto Pfeiffer (1850–1937), Kenner des Gartenbaues, Landschaftsbild-Maler, Obmann des Verschönerungsvereines
  • Johann Ritter (1868–1937), Zeichner, Zeichnungen der Buckligen Welt, Marterl- und Grabkreuz-Schnitzereien
  • Karl Baueregger (1919–1975), Uhrmachermeister und Politiker, 1955 bis 1970 Bürgermeister von Kirchschlag

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirchschlag in der Buckligen Welt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Gemeinde Kirchschlag
  3. Zeitung: Bote aus der Bruckligen Welt
  4. Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Niederösterreich südlich der Donau. Teil 1. A bis L. Bundesdenkmalamt (Herausgeber), Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-365-8, Seite 951ff.