Kirnitzsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kirnitzsch
Křinice
Vorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt
Kirnitzsch3.JPG
DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Tschechien, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Elbe → Nordsee
Quelle im Böhmischen Niederland in Tschechien westlich von Studánka
50° 54′ 42″ N, 14° 33′ 4″ O50.91174861111114.551168055556490
Quellhöhe 490 m n.m.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in Bad Schandau in die Elbe50.91666666666714.16116Koordinaten: 50° 55′ 0″ N, 14° 9′ 36″ O
50° 55′ 0″ N, 14° 9′ 36″ O50.91666666666714.16116
Mündungshöhe 116 m ü. NHNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 374 m
Länge 45 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 140 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Abfluss am Pegel Kirnitzschtal[1]
AEo: 154 km²
Lage: 3,5 km oberhalb der Mündung
NNQ (04.06.2005)
MNQ 1912/2009
MQ 1912/2009
Mq 1912/2009
MHQ 1912/2009
HHQ (20.07.1981)
267 l/s
623 l/s
1,43 m³/s
9,3 l/s km²
13,2 m³/s
59,3 m³/s
Linke Nebenflüsse Rotes Floß
Rechte Nebenflüsse Zeidlerbach, Weißbach, Heidelbach
Durchflossene Stauseen Obere Schleuse
Kleinstädte Bad Schandau
Einwohner im Einzugsgebiet 2266 (Stand: 1999)
im Kirnitzschtal

Die Kirnitzsch, in Böhmen früher auch Kirnischt genannt[2] (tschech. Křinice) ist ein rechter Nebenfluss der Elbe, der in seinem Lauf Tschechien und den Freistaat Sachsen passiert.

Geographie[Bearbeiten]

Die Kirnitzsch, früher und heute noch dialektal auch Kirnscht oder Kirnsch genannt, entspringt im Lausitzer Bergland in Böhmen westlich des Dorfes Studánka (Schönborn) und durchfließt auf ihrem Lauf nach Westen die Stadt Krásná Lípa (Schönlinde). Hinter dem Dorf Kyjov (Khaa) bahnt sie sich ihren Weg in engen Schluchten durch die Sandsteinfelsen der Böhmischen Schweiz, das wildromantische Tal ist auch als Khaatal (Kyjovske údoli) bekannt.

An der Stelle des nach 1945 abgerissenen Ortes Hinterdaubitz (Zadní Doubice) mündet der Grenzbach Weißbach in die Kirnitzsch, die ab dieser Stelle die Grenze zwischen Tschechien und Sachsen bildet. Im weiteren Verlauf wird die Kirnitzsch bei der Oberen Schleuse erstmals angestaut, so dass Kahnfahrten auf dem Bach stattfinden können.

Am Ende der Kirnitzschklamm standen früher die Häuser des Grenzdorfes Hinterdittersbach (Zadní Jetřichovice) und der Einschicht Kirnscht (Křinice). Auch diese Orte bestehen nicht mehr. Die Kirnitzsch fließt nun in die Sächsische Schweiz, wo sie in der Niederen Schleuse nochmals gestaut werden kann. Kurz darauf gelangt die Kirnitzsch in das enge Kirnitzschtal. Durch dieses fließt sie etwa 45 Kilometern bis zum Lichtenhainer Wasserfall. Nach weiteren acht Kilometern mündet sie in der Stadt Bad Schandau in die Elbe. Auf diesen letzten Kilometern fährt auch die Kirnitzschtalbahn im Tal parallel zur Kirnitzsch.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert wurde der Fluss für die Holzflößerei genutzt und dafür mehrfach künstlich angestaut. Die Kirnitzsch war einer der wichtigsten Floßbäche der Sächsischen Schweiz. Auf der 25 Kilometer langen Triftstrecke konnten große Holzmengen aus nur schwer erschließbaren Gebieten der hinteren Sächsischen Schweiz kostengünstig und zeitsparend an das Elbufer in Bad Schandau gebracht werden. Am Ausschwemmplatz wurde das vier bis fünf Meter lange Holz dann auf Schiff oder Floß verladen und weiter nach Dresden verschifft. Der wichtigste Abnehmer in dieser Zeit war damals der Sächsische Hof, der das Holz als Brennmaterial und ab dem 18. Jahrhundert auch für die Meißner Porzellanmanufaktur benötigte.

Bereits im 16. Jahrhundert hatte der Landesherr das Hoheitsrecht auf die Kirnitzschflößerei und erließ strenge Floß-Regeln. 1582 wurden dem sächsischen Kurfürsten mit einem Abkommen erlaubt, 80 Jahre lang Holz aus der böhmischen Herrschaft Hainspach abzuholzen und zu flößen. So entstanden wahrscheinlich um 1567 die Obere Schleuse, vor 1612 die Niedere Schleuse und zahlreiche Floßteiche auf böhmischer Seite.

Wehranlage an der Neumannmühle

Im 19. Jahrhundert wurde die Flößerei schließlich durch den Straßentransport verdrängt und auch das Flößen auf der Kirnitzsch eingestellt.

Der 15 Kilometer lange Flößersteig von Bad Schandau am Kirnitzschufer flussaufwärts vorbei am Lichtenhainer Wasserfall bis zur Neumannmühle rekapituliert heute anhand von Dokumentationstafeln das Gewerbe der Flößer und die Geschichte von Objekten der direkten Umgebung. Unterhalb des Kuhstalls, etwa zwei Kilometer vor der Felsenmühle, kreuzt dieser Wanderweg die Alte Straße, die im 15. Jahrhundert die Burg auf dem Neuen Wildenstein mit dem Stammschloss Hohnstein auf einer Strecke von etwa 16 Kilometer verband.

Wasserqualität[Bearbeiten]

Die Wasserqualität der Kirnitzsch wird durch einige Abwasserpilze und einen nicht unwesentlichen Stickstoffgehalt verringert. Beispielsweise gelangen im Oberlauf des Dorfbaches – ein Zulauf der Kirnitzsch – kommunale Abwässer der Siedlung Altendorf in den Bach und zunehmendes Düngen auf den umliegenden Rapsfeldern gelangt über den Boden ins Wasser.

Im Unterlauf der Kirnitzsch sind somit zu viele Nährstoffe wie Nitrat und Phosphat unterwegs, so dass der Fluss durch den Nährstoffgehalt nur noch die schlechteste Gewässergüteklasse erreicht. Dazu kommt, dass durch die Wasserstauung hinter dem Wehr der Oberen Schleuse Sauerstoffmangel im Sediment besteht und organische Stoffe und Umweltgifte nicht abgebaut werden, so kommt es in diesem Abschnitt zu einer schlechten Wasserqualität.

Obere Schleuse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Obere Schleuse

Die Obere Schleuse im Kirnitzschtal wurde 1567 angelegt, um für die Holzflößerei benötigtes Wasser anzustauen. Beim Öffnen der Schleuse ergoss sich eine Wasserwelle in die Kirnitzsch, auf der bis zu 11 m lange Baumstämme flussabwärts transportiert werden konnten. Eine andere Möglichkeit zum Abtransport des Holzaufkommens aus dem engen Tal bestand nicht. Das Holz konnte so bis zur Elbe geflößt werden. Die ursprüngliche Anlage bestand bis zum Jahre 1816 aus Holz und wurde von 1816 bis 1817 durch eine steinerne Staumauer ersetzt. Die heutige Schleuse wurde 1931 errichtet und steht als technisches Denkmal unter Schutz. Der Stausee ist etwa 700 m lang und an der Staumauer 7 m tief.

Am 25. Mai 1879 begann mit einem hölzernen Kahn der Fahrbetrieb für die „Sommerfrischler“ auf der Oberen Schleuse. Die Idee zur Einrichtung einer Bootsfahrt hatten der Hinterhermsdorfer Oberförster Hermann Schlegel und die Mitglieder des „Vaterländischen Gebirgsvereins Saxonia“, aus diesem Grund wurde der erste Kahn auf den Namen „Saxonia“ geweiht. Im darauf folgenden Jahr kam wegen der großen Beliebtheit ein zweites Boot hinzu. Nur während der beiden Weltkriege fand der Kahnbetrieb nicht statt. Bis vor den Zweiten Weltkrieg lag die Verantwortlichkeit beim Gebirgsverein – ab 1952 bei der Gemeinde Hinterhermsdorf. Bis ins Jahr 1964 wurde hier noch Holz geflößt, erst danach diente diese Anlage ausschließlich dem Tourismus.

Die Fahrzeit beträgt etwa 20 Minuten. Die Wassertemperatur steigt auch im Hochsommer nicht über 8 °C. Über die Wintermonate ist das Wasser nicht angestaut, so dass der Fluss in seinem ursprünglichen Bett fließt. Heute besuchen jährlich 45.000–60.000 Gäste die Obere Schleuse.

Niedere Schleuse[Bearbeiten]

Die Niedere Schleuse

Die Niedere Schleuse 50° 54′ 47″ N, 14° 20′ 3″ O50.9131514.33429280 bietet einen Einblick in die vergangenen Flößerzeit. Mit ihrer 32 Meter breiten Staumauer konnte sie auf der mittlerweile versandeten Staulänge von 750 Metern etwa 28.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten. Ihre Wasserpforte in der Schleusenmitte und das kleine Wehr sind heute noch funktionstüchtig und werden durch Einschieben von Versatzhölzern vor allem beim Einsetzen der Schneeschmelze als Hochwasserschutz genutzt. Dazu werden, wie auch beim Flößen, Floßhaken eingesetzt, deren Aufbewahrungsort der hölzerne Aufbau darstellt. Von 1985 bis 1993 rekonstruierten Waldarbeiter die zerfallene Anlage und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur Denkmalpflege. Überlegungen, die Staustufe Niedere Schleuse auszubauen, wurden zugunsten der in der Kirnitzsch lebenden Tierwelt verworfen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

verkehrliche Erschließung[Bearbeiten]

Kirnitzschtalstraße und Kirnitzschtalbahn am Beuthenfall (2011)

Im Zusammenhang mit der Etablierung der Flößerei entstanden bereits im 16. Jahrhundert Pfade und schmale Fahrwege im Tal der Kirnitzsch. Mitte des 16. Jahrhunderts bestand mindestens ein durchgehender Fahrweg von Bad Schandau zur Mittelndorfer Mühle. Wilhelm Leberecht Götzinger gab Anfang des 19. Jahrhunderts an, dass sich die frühen „Schweizreisenden“ bereits von Bad Schandau bis zur Haidmühle fahren lassen konnten. Der stetige steigende Gästestrom in die Hintere Sächsische Schweiz erforderte den Ausbau der alten Flößerwege, die in ihrem Verlauf mehrmals die Kirnitzsch querten. So wurde 1825 vom Amt Hohnstein die heutige Straße ausgebaut als „Kuhstallchausee“ von Bad Schandau bis zum Kuhstall errichtet. Die Straße wurde 1872-74 begradigt und verbreitert. Heute führt sie als Staatsstraße S 165 von Bad Schandau nach Hinterhermsdorf. Dabei verlässt die Straße kurz hinter der Buschmühle das Tal der Kirnitzsch.

Um den Fremdenverkehr zu fördern kamen bereits um 1870 erste Pläne zum Bau einer Pferdebahn durch das Kirnitzschtal auf. 1893 wurde das „Executiv-Comite zum Bau und Betrieb einer Straßenbahn mit Motorantrieb von Schandau über den Lichtenhainer Wasserfall bis zur Kirnitzschschänke“ gegründet. Es sollte eine entsprechende Strecke von Bad Schandau über den Lichtenhainer Wasserfall zur Kirnitzschtalschenke in Hinterdittersbach an der sächsisch-böhmischen Grenze errichtet werden. Gebaut wurde letztendlich aber nur die Strecke zum Lichtenhainer Wasserfall. Die ursprünglich geplante Streckenführung wurde aus Kostengründen auch später nicht realisiert. Am 27. Mai 1898 (Pfingstsamstag) verkehrte dann der erste Zug auf der neuen Kirnitzschtalbahn. Die Gleise der Bahn wurden auf der bestehenden Straße verlegt.

Mühlen und Mahlwesen[Bearbeiten]

An dem Elbzufluss wurden lange mehr als 16 Mühlen (vorwiegend Sägemühlen, aber auch Papiermühlen) betrieben. Eine der ältesten Mühlen im Kirnitzschtal ist die Niedermühle zu Hinterhermsdorf.

Weitere ehemalige Mühlen [3]:

sowie an den Nebenbächen

  • Obere Mühle Hinterhermsdorf (im Heidelbachtal)
  • Dorfmühle Hinterhermsdorf (am Dorfbach)
  • Gnauckmühle Saupsdorf (am Räumichtbach)
  • Rölligmühle Saupsdorf (am Räumichtbach)
  • Räumichtmühle Saupsdorf (am Räumichtbach)
  • Waldmühle Saupsdorf (am Waldmühlenbach)
  • Richtermühle Saupsdorf (am Waldmühlenbach)
  • Niedermühle Ottendorf (am Ottendorfer Dorfbach)
  • Pietschmühle Ottendorf (am Ottendorfer Dorfbach)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wieland Büttner: Die Buschmühle im Kirnitzschtal. In: Petra Binder (Hrsg.): Vom Berg zum Tal – Wasser, die zur Elbe fließen. Landkalenderbuch für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge 2009. Schütze-Engler-Weber-Verlag, Dresden 2008, S. 94–94, ISBN 978-3-936203-11-0.
  • Andreas Laube: Die Errichtung der Verkehrswege und die Beförderung von Reisenden im Kirnitzschtal von Schandau nach dem Großen Wasserfall. In: Petra Binder (Hrsg.): Auf Straßen, Schienen und Wegen. Landkalenderbuch 2011 für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge. Schütze-Engler-Weber-Verlag, Dresden 2010, S. 130–138, ISBN 978-3-936203-14-1
  • Manfred Schober: Flößerei auf der Kirnitzsch. In: Petra Binder (Hrsg.): Vom Berg zum Tal – Wasser, die zur Elbe fließen. Landkalenderbuch für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge 2009. Schütze-Engler-Weber-Verlag, Dresden 2008, S. 23–28, ISBN 978-3-936203-11-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirnitzsch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil I 2009. Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, 2012, S. 106, abgerufen am 20. Januar 2013 (PDF, deutsch, 5,22 MB).
  2. Messtischblatt Nr. 86 Hinterhermsdorf, herausgegeben vom Reichsamt für Landesaufnahme, Landesaufnahme Sachsen 1935 Digitalisat auf www.fotothek.de
  3. Mühlen in der Sächsischen Schweiz