Kirow
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Kirow
Киров
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Kirow (russisch Ки́ров; früher Wjatka, russisch Вя́тка; davor Chlynow, russisch Хлы́нов) ist die Gebietshauptstadt der Oblast Kirow in Russland und hat 473.695 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1]
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Geografie [Bearbeiten]
Die Stadt liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und am schiffbaren Fluss Wjatka (Nebenfluss der Kama und damit im Einzugsbereich der Wolga). Kirow ist knapp 900 km östlich von Moskau sowie 22 km westlich von der benachbarten Stadt Kirowo-Tschepezk gelegen.
Das Stadtgebiet von Kirow ist verwaltungstechnisch in vier Bezirke (Rajons) gegliedert, außerdem sind der Stadtverwaltung acht ländliche Bezirke mit insgesamt 135 Ortschaften unterstellt[2].
Geschichte [Bearbeiten]
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Die Stadt wurde erstmals in Urkunden des Jahres 1374 erwähnt. Sie wurde ursprünglich als Außenposten namens Chlynow (Хлынов) während der Feldzüge von Nischni Nowgoroder Siedlern gegen Städte der Goldenen Horde gegründet. Stadthistoriker gehen davon aus, dass die Gründung bereits Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte. Wie es für russische Grenzortschaften der damaligen Zeit üblich war, entstand in Chlynow eine Festung nach Art eines altrussischen Kremls mit einer etwa zwei Meter hohen Umfriedungsmauer.
Im 14. und 15. Jahrhundert stellte das Gebiet am Fluss Wjatka, von dem auch Chlynow später seinen noch bis 1934 gültigen Namen erhielt, ein politisch vergleichsweise autonomes Gebilde im Besitz des Nischni Nowgoroder Fürstentums dar. Nach einem Feldzug von Truppen des Moskauer Großfürsten Iwan III. im Jahr 1489 kam Chlynow endgültig an das Großfürstentum Moskau. Noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts, als Moskowien Reste der ehemaligen Goldenen Horde (darunter das nahe gelegene Khanat Kasan) eroberte, stellte Chlynow einen wichtigen Grenzposten dar. Zugleich entwickelten sich dort Handwerke sowie Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Im 17. Jahrhundert wurde Chlynow darüber hinaus erstmals als Verbannungsort für in Ungnade gefallene Adlige und später für unliebsame politische Aktivisten genutzt. Diese Funktion behielt es noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein.
1781 wurde die Stadt, die bereits Ende des 17. Jahrhunderts als der größte Ort im Nordosten des europäischen Teils Russlands galt, offiziell in Wjatka (Вятка) umbenannt. 1796 wurde das Gouvernement Wjatka gebildet.
Im Verlauf des Russischen Bürgerkrieges in den 1920er-Jahren kam es in Wjatka zu schweren Zerstörungen, da das Gouvernement aufgrund seiner verkehrstechnisch günstigen Lage an wichtigen Eisenbahnlinien stark umkämpft war. Am 7. Dezember 1934 erhielt die Stadt ihren jetzigen Namen nach dem Staatsmann Sergei Kirow, der knapp eine Woche zuvor einem Mord zum Opfer gefallen war. Zeitgleich wurde sie Hauptstadt der auf dem ehemaligen Territorium des Gouvernements Wjatka (Sergei Kirow war hier, in der Stadt Urschum, aufgewachsen) neu gebildeten Region Kirow (russisch Ки́ровский край/Kirowski krai), die zwei Jahre später – unter Ausgliederung Udmurtiens – in Oblast Kirow umbenannt wurde.
In der Stadt Kirow bestanden die beiden Kriegsgefangenenlager 101 und 307 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[3] Dem Lager 307 zugeordnet waren die beiden Kriegsgefangenenhospitäler 3007, Wolosniza, und 3171, Chalturin.
1991 gab es Versuche, die Stadt wieder in Wjatka umzubenennen, der Name setzte sich jedoch im Alltag nicht durch.
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner | Nowowjatsk |
|---|---|---|
| 1897 | 25.008 | |
| 1939 | 143.558 | 3.411 (Wjatski) |
| 1959 | 252.416 | 19.401 |
| 1970 | 332.503 | 26.408 |
| 1979 | 389.533 | 31.866 |
| 1989 | 440.240 | 37.880 |
| 2002 | 457.578 | |
| 2010 | 473.695 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Die in den 1930er-Jahren entstandenen Siedlungen städtischen Typs Wjatski und Lessosawodskoi wurden am 28. März 1955 zur Stadt Nowowjatsk vereinigt und diese am 1. November 1989 nach Kirow eingemeindet.
Wirtschaft [Bearbeiten]
Seit dem frühen 20. Jahrhundert gilt Kirow als wichtige Industriestadt mit heute insgesamt rund 16.000 Unternehmen. Die größten Betriebe gibt es in den Bereichen Maschinen- und Gerätebau, Elektrotechnik, Elektronik, mikrobiologische Industrie, Holzverarbeitung, Lebensmittel- und Leichtindustrie. Überregional bekannt ist auch die traditionelle Spielzeugherstellung (Dymkower Tonfiguren), die im heutigen Kirow etwa seit dem 16. Jahrhundert betrieben wird.
Verkehr [Bearbeiten]
Kirow ist über die Fernstraße „Wjatka“ an das russische Fernstraßennetz angeschlossen. Es hat darüber hinaus einen Bahnhof an der Transsibirischen Eisenbahn, einen Binnenhafen an der Wjatka sowie einen Flughafen namens Pobedilowo.
Seit 1943 hat Kirow ein Obusnetz. Eine Straßenbahn wurde 1943 zwar gebaut, aber nicht in Betrieb genommen.
Kultur und Bildung [Bearbeiten]
Kirow ist Sitz mehrerer Hochschulen und Universitäten sowie der Regionalregierung für das Verwaltungsgebiet Oblast Kirow. Es hat mehrere Theater und Museen (u. a. zu den Schriftstellern Grin und Saltykow-Schtschedrin).
Weiterführende Bildungseinrichtungen [Bearbeiten]
- Fakultät der Staatlichen Juristischen Akademie Moskau
- Fakultät des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie
- Filiale der Universität der Russischen Akademie für Bildungswesen
- Filiale des Geisteswissenschaftlich-Ökonomischen Instituts Moskau
- Filiale des Instituts für ökonomische Außenbeziehungen, Ökonomie und Recht in Sankt Petersburg
- Institut für soziale Entwicklung und Landeskunde
- Staatliche Medizinakademie Kirow
- Staatliches Medizininstitut Kirow
- Staatliche Landwirtschaftliche Akademie
- Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität
- Staatliche Universität
- Technische Universität
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Siedlce, Polen
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Alexei Borowitin, Skispringer
- Oksana Domnina, Eistänzerin
- Alexander Galizki, Schachkomponist
- Matwei Gussew, Astronom
- Marija Issakowa, Eisschnellläuferin
- Olga Kuragina, Leichtathletin
- Alexei Kusmitschow, Manager
- Alexander Miltschakow, Politiker
- Alexei Radakow, Karikaturist
- Pawel Schabalin, Bergsteiger
- Iwan Schefer, Eistänzer
- Jekaterina Schichowa, Eisschnellläuferin
- Wladimir Senilow, Komponist
- Alexei Sitnikow, Eistänzer
- Julija Slobina, Eistänzerin
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Webseite der Stadtverwaltung
- ↑ Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977.
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Webseite der Stadtverwaltung (russisch)
- Stadtportal (russisch)
- Kirow auf mojgorod.ru (russisch)
- Deutsches Lehrmittel- und Kulturzentrum Kirov
- Chё: Musikalischer Werbekurzfilm für Kirow (Wiatka) mit der Gruppe Rodnopolissy (5:36, auf Youtube)
Verwaltungszentrum: Kirow
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