Kirschessigfliege

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Drosophila suzukii
Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), Männchen

Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
Familie: Taufliegen (Drosophilidae)
Gattung: Drosophila
Art: Drosophila suzukii
Wissenschaftlicher Name
Drosophila suzukii
(Matsumura, 1931)

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ist eine Art aus der Familie der Taufliegen (Drosophilidae) und ist eng mit Drosophila melanogaster verwandt. Sie ist in Südostasien beheimatet und wurde 1931 von Shonen Matsumura erstbeschrieben. In Japan wurde sie bereits 1916 von T. Kanzawa[1] beobachtet. In den 1930er Jahren wurde Drosophila suzukii in Japan, Korea und China nachgewiesen,[1] 1980 in Hawaii,[2] im August 2008 in Kalifornien, Oregon, Washington, British Columbia und Florida, 2010 in South Carolina, North Carolina, Louisiana, Utah, Michigan und Wisconsin. Im gleichen Zeitraum wurde sie auch in mehreren europäischen Ländern festgestellt; 2009 in Spanien, Frankreich, Italien[3] und Slowenien, 2011 in der Schweiz, Österreich und Deutschland.[4][5][6]

Die Art gilt in der Landwirtschaft als Schädling, da sie die reifenden Früchte von Kirschen, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pfirsichen, Pflaumen, Nektarinen, Aprikosen, Trauben und anderen schädigt. Durch ihre enorm schnelle Vermehrung, können große Schäden verursacht werden. Der kurze Generationszyklus der Kirschessigfliege macht sie zu einem mit heutigen Insektiziden schwer bekämpfbaren Insekt[7]

Merkmale[Bearbeiten]

Wie andere Mitglieder der Taufliegen-Familie, ist Drosophila suzukii klein, etwa 2 bis 3,5 mm in der Länge und 5 bis 6,5 mm in Spannweite und sieht ihren Verwandten sehr ähnlich. Ihr Körper ist gelb bis braun gefärbt mit dunkleren Streifen auf dem Bauch und sie hat rote Augen. Das Männchen hat einen deutlichen dunklen Fleck nahe der Spitze jedes Flügels. Die Weibchen haben keine gefleckten Flügel. Das Weibchen hat einen langen, scharfen, gezähnten Eiablageapparat. Mit diesem ritzen sie die Früchte auf und legen die Eier hinein.

Die Larven sind weiß und zylindrisch und werden 3,5 mm lang. Im Gegensatz zur verwandten Essigfliege, die in erster Linie von faulenden oder gärenden Früchten angezogen wird, leben die Larven von Drosophila suzukii von frischen, reifen Früchten. Die Eiablage erfolgt unter die weiche Haut und die Larven schlüpfen und entwickeln sich in der Frucht.[8]

Lebensweise[Bearbeiten]

Eiablage und Schadbild
Puppe auf einer Kirsche

Die Kirschessigfliege bevorzugt gemäßigtes Klima. Temperaturen von 30 °C schränken die Aktivitäten und über 32 °C auch die Vermehrung ein. Damit sind große Teile Europas für eine Ansiedlung geeignet. Eine Einschränkung der Entwicklung dürfte es lediglich in sehr heißen Gebieten Südeuropas und in Teilen Nordeuropas geben. Die Lebensdauer von Drosophila suzukii variiert unter den Generationen stark; von wenigen Wochen bis zu 10 Monate. Jährlich sind in Japan bis zu 15 Generationen zu beobachten. In Mitteleuropa wird nicht mit einer so hohen Anzahl von Generationen gerechnet.

Die begatteten Weibchen suchen nach reifen Früchten für die Eiablage. Sie haben einen mit dornenartigen Zähnen besetzten Raspelapparat am Ende des Abdomens, mit dem sie die Fruchthaut beschädigen, um anschließend ihre Eier in die Frucht zu legen. Pro Tag kann ein Weibchen 7 bis 16 Eier legen. Je Frucht werden 1 - 3 Eier, insgesamt 300 - 400 Eier abgelegt, womit Drosophila suzukii ein sehr großes Entwicklungspotenzial hat. Aus der hohen Zahl resultieren enorme Vermehrungsraten und eine schnelle Ansiedlung, die eine starke Schädigung der Früchte in kurzer Zeit möglich machen.[5] Nach zwei Tagen beginnen die geschlüpften Larven im Inneren der Frucht zu fressen. Die Vollendung einer Generation ist bereits innerhalb von 8 bis 14 Tagen möglich. Die Verpuppung kann in oder außerhalb der Frucht erfolgen.

Die Kirschessigfliege überwintert (der Großteil der weiblichen Tiere) als erwachsenes Insekt in einem frostfreien Unterschlupf. Im Frühjahr werden die Tiere bei etwa 10 °C aktiv.

Wirtspflanzen[Bearbeiten]

Die Fliege befällt Früchte von Wild- und Kulturobstarten mit dünner Schale und stellt daher ein bedeutendes Risiko für Weichobstarten wie Steinobst und Beerenobst dar. Hauptsächlich wird die Süßkirsche befallen, aber auch Pfirsich, Nektarine, Marille, Pflaume, Heidelbeere, Stachelbeere, Brombeere, Himbeere, Erdbeere und Weinbeere. Weitere mögliche Wirtspflanzen sind Holunder, Maulbeere, Hartriegel, Kaki, Feige, Melonen, Apfel und Nashi-Birne. Äpfel und Nashi-Birnen werden von der Kirschessigfliege nur befallen, wenn die Schale bereits geschädigt ist. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate und guten Anpassungsfähigkeit kann sich das Wirtspflanzenspektrum noch erweitern.[5]

Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Der asiatische Raum ist die ursprüngliche Heimat der Art. Erst in den letzten Jahren (ab 2008) wurde ein Auftreten in Nordamerika und Kanada und in Europa in Spanien, Frankreich, Italien und im Jahr 2011 in der Schweiz, Österreich und Deutschland festgestellt. Die großräumige Verbreitung erfolgt vermutlich durch den Import befallener Früchte. Eine lokale Ausbreitung von einigen Kilometern ist durch die Fliegen selbst möglich.

Von der Europäischen und Mediterranen Pflanzenschutzorganisation (EPPO) wurde Drosophila suzukii als ein Schadorganismus eingestuft, von dem eine große pflanzenschädigende Gefahr für den europäischen Obst- und Weinbau ausgeht. Drosophila suzukii findet in Europa für die Etablierung weitreichende ideale Lebensräume, obwohl dies in nördlichen Bereichen auch vom Vorhandensein von Überwinterungsplätzen im Umfeld menschlicher Behausungen abhängt.[9]

Schadbild[Bearbeiten]

Der Befall an den Früchten zeigt sich durch kleine Beschädigungen und eingedrückte weiche Flecken an der Oberfläche. Der Schaden wird durch eine oder mehrere Maden (Larven) verursacht, die das Fruchtfleisch fressen. Befallene Früchte beginnen sehr schnell um die Fraßstelle herum zu verfallen. Aufgrund der sehr schnellen Entwicklung können z. B. bei Kirschen vom Befall nach der Eiablage bis zum Kollabieren der Früchte nur zwei bis drei Tage vergehen. Zudem können nach Befall Sekundärinfektionen durch Pilze oder Bakterien zu einer weiteren Qualitätsverschlechterung (Fäulnis) beitragen.[5][10]

In Südfrankreich (bei Erdbeeren bis 80 %), der Schweiz und in Italien wurden bereits bei verschiedenen Kulturen beachtliche Schäden durch Drosophila suzukii verursacht (im Trentino bei Kirschen (bis zu 90 %) und an Tafeltrauben und in Südtirol an den Sorten Vernatsch und Lagrein).

Bekämpfung[Bearbeiten]

Drosophila suzukii ist fähig, gesunde Früchte kurz vor der Ernte zu befallen. Diese Eigenheit macht sie zu einem schwer zu bekämpfenden Insekt. Unmittelbar vor der Ernte kann kein Insektizid mehr eingesetzt werden, so dass nur direkte Hygienemaßnahmen verbleiben, wie das Entfernen und Vernichten aller Früchte aus der Anlage durch tiefes Vergraben (30 cm) im Boden, um die Population zu verringern. Zur Vernichtung ist das Kompostieren nicht geeignet. Das rechtzeitige vollständige engmaschige Einnetzen ist eine weitere Maßnahme, sofern das bei der Kultur möglich ist. Zur Reduktion der Fliegenpopulation können Fangfallen, gefüllt mit einer Fangflüssigkeit (Apfelessig als Lockmittel und zusätzlich noch eine Gelbtafel im Inneren des Behälters), eingesetzt werden. Sie dienen gleichzeitig zur Befallsfeststellung. Zur Chemischen Bekämpfung steht im Weinbau das Pflanzenschutzmittelwirkstoff Spinosad zur Verfügung (zugelassen seit April 2014).[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirschesigfliege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Drosophila – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Kirschfruchtfliege, AGES, Wien [3]
  • Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (European and Mediterranean Plant Protection Organization (EPPO)) [4]
  • A New Pest Attacking Healthy Ripening Fruit in Oregon, October 2009, online: pdf
  • Spotted Wing Drosophila (Fruit Fly) Pest Alert, 2011, Ministry of Agriculture, British Columbia, engl. [5]
  • Bilder Drosophila suzukii, EPPO [6]
  • Kurt de Swaaf, Invasion der gefräßigen Winzlinge, derStandard, 22. September 2011 [7]
  • Drosophila suzukii Kirschessigfliege: Ein Schadorganismus der EPPO Alert List online: pdf
  • Faltblatt zur Kirschessigfliege online: pdf
  • Species Drosophila suzukii [8]
  • Peter Baufeld, Gritta Schrader, Jens-Georg Unger, Die Kirschessigfliege - Drosophila suzukii - Ein neues Risiko für den Obst- und Weinbau, Journal für Kulturpflanzen, Bd. 62, Nr. 5 (2010) online: pdf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kanzawa, T. 1939 Report. Translated from Japanese by Shinji Kawaii
  2. Walsh, D. Press Release, Washington State University. 2009
  3. Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) auch in Südtirol gefunden, Südtiroler Wein- und Obstbau, Juli/August 2011, S 242
  4. Drosophila suzukii (Diptera: Drosophilidae): Spotted wing drosophila. European and Mediterranen Plant Protection Organisation. Januar 2010. [1]
  5. a b c d Peter Baufeld, Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) – eine ernstzunehmende Gefahr für den Obst- und Weinbau Europas, Südtiroler Obst- und Weinbau, Juli/August 2011, S. 240–242
  6. Martin Hauser, Stephen Gaimari & Martin Damus, Drosophila suzukii new to North America, FLY TIMES, ISSUE 43, October, 2009, Plant Pest Diagnostics Branch, California Department of Food & Agriculture, 3294 Meadowview Road Sacramento, California 95832, USA.
  7. http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_veroeff/faltblaetter/Drosophila%20suzukii.pdf
  8. Martin Hauser, A historic account of the invasion of Drosophila suzukii (Matsumura) (Diptera: Drosophilidae) in the continental United States, with remarks on their identification, Pest Manag Sci 2011; 67: 1352–1357, 17 April 2011, Society of Chemical Industry.
  9. Drosophila suzukii Kirschessigfliege: Ein Schadorganismus der EPPO Alert List (PDF)
  10. Spotted Wing Drosophila (Fruit Fly) Pest Alert, 2011, Ministry of Agriculture, British Columbia, engl. [2] engl.
  11. Überregionale Mitteilung Nr. 5 vom 6. August 2014 des staatlichen Weinbauinstituts Freiburg, abgerufen am 6. August 2014.