Kirsten Munk

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Kirsten Munk, Gemälde von Jacob van Dort auf Schloss Rosenborg

Kirsten Munk (* 6. Juli 1598; † 19. April 1658 in Boller bei Horsens, Jütland) war von 1615 bis 1630 die zweite Ehefrau des dänischen Königs Christian IV.

Leben[Bearbeiten]

Kirsten Munk war die einzige Tochter des dänischen Adligen Ludvig Munk (1537-1602) und der Ellen Marsvin (1572–1649). Ihr Onkel Peder Munk war bis 1608 Reichsmarschall. Kirstens Mutter war eine der größten Landbesitzer in Jütland. Sie vermittelte die Bekanntschaft ihrer Tochter mit Christian IV. Im Jahr 1615 wurde Kirsten Munk in morganatischer Ehe die zweite Ehefrau des dänischen Königs. Als nicht ebenbürtig konnte sie nicht Königin werden, doch ihre Mutter setzte durch, dass der König sie – wenn auch ohne öffentliche kirchliche Trauung – heiratete, so dass sie einen Ehevertrag erhielt und eine Witwenversorgung zugesichert bekam. Der abergläubische König ließ auch den Termin für den Brief, in dem er Kirsten zu seiner Frau erklärte, von seinem Hofastrologen berechnen.[1] In den folgenden 14 Jahren bekam sie zwölf Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten.

Kirsten wurde als intelligente und unabhängige Persönlichkeit beschrieben. Sie begleitete den König auf seinen Reisen und auch während der Teilnahme Dänemark im Dreißigjährigen Krieg ins Feld. Ihr politischer Einfluss auf ihn nahm zu, was ihr Gegnerschaft im Adel erwachsen ließ. 1627 wurde sie zur Gräfin von Schleswig-Holstein erhoben.

1627/28 begann sie eine Beziehung zu Otto Ludwig Rheingraf zu Salm, den sie 1626 als Söldnerführer in Christians Heer kennengelernt hatte, und entfernte sich immer mehr vom König. Nachdem sie ihm am 10. November 1628 den Zugang zu ihrem Schlafzimmer verweigerte, kam es zum Bruch zwischen dem Paar. Kirsten verließ Kopenhagen und versuchte, ihrem Geliebten nach Schweden zu folgen. Christians Abneigung gegen sie scheint durch seine neue Mätresse, Kirsten Munks ehemalige Bedienstete Vibeke Kruse, gefördert worden zu sein, unter deren Einfluss er sich weigerte, ihre 10 Monate später geborene jüngste Tochter anzuerkennen. Dabei ist es aber recht wahrscheinlich, dass die Beziehung mit Vibeke von Ellen Marsvin eingefädelt wurde und Kirsten selbst davon wusste.[2] 1630 ließ er sich von Kirsten scheiden und sie musste endgültig den Hof verlassen. Sie lebte auf den Gütern ihrer Mutter in Rosenvold und Boller praktisch unter Hausarrest, während ihre Kinder unter Vibekes Obhut blieben. Die Jüngste, Dorothea Elisabeth, den kasserede frøken (das abgelehnte Fräulein) genannt, wurde ihrer Großmutter übergeben. 1636 wurde sie in eine Klosterschule nach Köln geschickt, wo sie zum Katholizismus konvertierte und 1646 Nonne wurde.

Kirstens wiederholte Gnadengesuche an den König wurden abgelehnt. Erst auf dem Sterbebett ließ Christian IV. wieder nach ihr senden, aber sie erschien zu spät in Kopenhagen. Ihre Kinder dagegen blieben in der Nähe ihres Vaters und erhielten eine ausgezeichnete Ausbildung. Die Töchter Kirsten Munks verheiratete Christian IV. als 15-jährige mit mächtigen dänischen Adligen, Mitgliedern des dänischen Reichsrats, die er durch der Ehe mit seinen Töchter enger an sich binden wollte. Die „Partei der Schwiegersöhne“, eng verbunden mit dem 1647 verstorbenen Kronprinzen Christian,[3] übte in den letzten Lebensjahren Christians IV. die tatsächliche Macht im Lande aus. Kurz nach seinem Tod 1648 wurde Kirstens Ehe mit dem verstorbenen König und die eheliche Geburt aller ihrer Kinder einschließlich der Jüngsten legitimiert. Vibeke Kruse, gegen die Kirstens Kinder und Schwiegersöhne schon seit langem opponierten, dagegen wurde umgehend vom Hof entfernt und starb nur wenige Wochen nach dem König.

Nach Corfitz Ulfeldts Sturz und Flucht nach Schweden unterstützte sie angeblich Karl X. Gustavs Invasion in Dänemark finanziell. 1657 wurden ihr und ihren Kindern dafür von der dänischen Regierung der Titel der Grafen von Schleswig-Holstein entzogen. Als sie Anfang 1658 erkrankte, wurde ihrer Tochter Leonora Christina Ulfeldt nicht erlaubt, sie zu besuchen. Doch nach ihrem Tod wurde ihre Leichnam in das schwedisch besetzte Odense überführt und in der Sankt Knudskirche mit großer Pracht beigesetzt.

Nachkommen[Bearbeiten]

  • zwei Totgeburten 1616 und 1617
  • Anna Cathrine (* 10. August 1618 Frederiksborg; † 20. August 1633), verlobt mit Reichshofmeister Frants Rantzau (1604–1632)
  • Sophie Elisabeth (* 20. September 1619 Skanderborg; † 29. April 1657), heiratete am 10. Oktober 1634 Christian von Pentz (1600–1651)
  • Leonore Christine (* 8. Juli 1621 Frederiksborg; † 16. März 1698 Kloster Maribo), heiratete am 9. Oktober 1636 in Kopenhagen Corfitz Ulfeldt
  • Waldemar Christian (* 26. Juni 1622 Frederiksborg; † 26. Februar 1656 Lubin), Graf von Schleswig-Holstein
  • Elisabeth Augusta (* 28. Dezember 1623 Kronborg; † 9. August 1677), heiratete am 27. Oktober 1639 in Kopenhagen Hans Lindenov
  • Friedrich Christian (* 26. April 1625; † 17. Juli 1627)
  • Christiane (* 15. Juli 1626 Haderslevhus (Hansborg); † 6. Mai 1670), heiratete am 6. November 1642 in Kopenhagen Hannibal Sehested
  • Hedwig (* 15. Juli 1626 Haderslevhus (Hansborg); † 5. Oktober 1678 Kristianstad), heiratete am 6. November 1642 in Kopenhagen Ebbe Ulfeldt
  • Marie Cathrine (* 29. Mai 1628; † 1. September 1628)
  • Dorothea Elisabeth (* 1. September 1629 Kronborg; † 18. März 1687 Augustinerkloster in Köln), seit 1646 Nonne

Letztes Kind wahrscheinlich nicht von Christian

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.rosenborgslot.dk/

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Gregersen: Ellen Marsvin (1990), S. 53
  2. Sune Dalgaard / Renate Böje / Kl.-J. Lorenzen-Schmidt: Ein bißchen über Wiebeke Kruse, Übersetzung aus dem Dänischen 2007/2009 – Neue Erkenntnisse zur Herkunft, Familie und dem Leben der Wiebeke Kruse
  3. Klaus-J. Lorenzen-Schmidt: Wiebke Kruse – eine holsteinische Bauerntochter?