Kit Car

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Caterham Seven
Cateram Seven Rahmen
Burton Kit Car auf 2CV-Basis
Bugatti (Kit Car)

Bei einem Kit Car (zu deutsch Bausatzauto) handelt es sich um einen Bausatz („Kit“)[1] das zu dem Bau eines Fahrzeugs benutzt wird oder um ein Komplettfahrzeug (fully-build form), das aus einem Bausatz entstanden ist. Ziel ist es, entweder ein seltenes, teures Fahrzeug optisch nachzubauen (v. a. teure Oldtimer oder Supersportwagen[2]), oder ein gänzlich individuelles Fahrzeug zu erschaffen. Fahrzeuge dieser Art sind insbesondere in Großbritannien sehr beliebt.

Geschichte[Bearbeiten]

Thomas Hyler-White verfasste bereits 1900 eine Anleitung zum Selbstbau eines Fahrzeugs, auf der Basis des Benz Velo, in der Zeitschrift The English Mechanic. Als Vater der modernen „Kit-Car-Industrie“ wird Derek Buckler bezeichnet, der ab 1949 Sportwagen herstellte. Die Entwicklung der ersten Fiberglas-Karosserien ab 1953 (u.a. Jensen 541) führte zu einer Kit-Car-Industrie.[3][4] Förderlich für die Kit-Car-Industrie in Großbritannien war eine spezielle Steuergesetzgebung, die Eigenbauten steuerlich günstiger stellte als fertig montierte Fahrzeuge.

Zulassungsverfahren[Bearbeiten]

Durch die europaweite Vereinheitlichung der Allgemeinen Betriebserlaubnis ist das Zulassungsverfahren seit 1998 durch die ECE-Homologation vereinfacht.[5] Die Fahrzeuge werden – wenn der bisherige Fahrzeugrahmen beibehalten wird – als Umbau des Ursprungsfahrzeugs und damit mit dessen Baujahr zugelassen. Wird der Fahrzeugrahmen verändert, gilt dies als Neuzulassung und damit sind die aktuell gültigen Bestimmungen zu beachten. Für die Zulassung in Deutschland ist für Fahrzeuge ohne EG-Übereinstimmungserklärung eine Einzelbetriebserlaubnis erforderlich. Üblicherweise erwirkt der Kit-Car-Hersteller eine nationale Musterzulassung, die von den Zulassungsbehörden anerkannt wird. Die Konformität des Fahrzeuges mit der Musterzulassung wird lediglich einmalig beim TÜV geprüft werden und verursacht nur geringe Kosten.

Der Markt und die Hersteller[Bearbeiten]

In Großbritannien gilt Lotus Cars mit insgesamt über 21.000 verkauften Exemplaren (über 9100 Lotus Elan und 8300 Lotus Europa) als größter Kit-Car-Hersteller. Caterham Cars folgt mit dem Nachbau des Lotus Seven in 13.500 Exemplaren. TVR, diverse Nachbauten des VW-Buggy und Pilgrim Cars mit dem Modell Sumo folgen in den Verkaufszahlen.[6]

In Deutschland war in den 1970er Jahren der auf dem VW Käfer basierende VW-Buggy in Deutschland sehr beliebt. Heute sind so genannte Replikas, beispielsweise des Porsche 356, auf Basis des VW Käfer populär. Ebenso dient auch die Citroën 2CV („Ente“) bis heute als Basis für Kit Cars; u.a. Hoffmann 2CV Cabrio und Lomax.

In den 1980er Jahren wurde der Pontiac Fiero eine Basis für den Aufbau moderner Kit Cars. Dieses Fahrzeug eignet sich durch sein Mittelmotorkonzept und seinen Stahlrohrrahmen (mit aufgesetzter Kunststoffkarosserie) für den Aufbau von Nachbauten italienischer Sportwagen. Es wurde sogar von dem amerikanischen Pontiac-Händlernetz ein Fiero mit einer Karosserie vertrieben, die sehr dem Ferrari 308 GTB angelehnt war.

In den 2000er Jahren wurde der Toyota MR2 als Basis für den Ferrari 360 sowie Ferrari F430 verwendet.[7]

Aktueller Stand[Bearbeiten]

Die Preisunterschiede zwischen den Bausätzen von Kit Cars[8] und deren fertigen Varianten werden durch die Kosten des Zusammenbaus um ein vielfaches übertroffen. Das Motiv, heute ein Kit Car zu bauen, entspringt mehr der Freude am „Schrauben“ und der Möglichkeit, ein Unikat als Fahrzeug zu besitzen. Waren früher Kit Cars in der Tat eine ökonomische Alternative, sind sie heute ein teurer Spleen einer eingeschworenen Fangemeinde. Erschwerend kommt heute hinzu, dass eine Reihe von sicherheits- und umweltrelevanten Zulassungsbedingungen die Entwicklung und den Vertrieb von Kit Cars erheblich verteuern.

Gegenwärtige Bausätze sind meist Repliken von bekannten und teuren Oldtimern im Maßstab 1:1, die in Werkstätten eigenständig montiert werden können.[9] Diese Nachbauten verschiedener bekannter, älterer Autotypen werden in der Regel als nicht komplettierter Bausatz, d. h. mit getrenntem Chassis (Fahrgestell) und Karosserie, erworben. Sie erscheinen äußerlich wie das Original. Anstelle des sonst üblichen „Blechkleides“ für die Karosserie werden vom Hersteller in der Regel polyesterharzgetränkte Glasfasermatten zur Fertigung verwendet.[10]

Auf der technischen Seite kann der Interessent an derartigen Fahrzeugen eine deutliche Abweichung vom Original vernehmen. Die Komponenten wie Motor, Getriebe, Achsen etc. werden aktuellen, meist gebrauchten Kraftfahrzeugen entnommen und vor dem Umbau oftmals technisch aufgearbeitet, d. h. verschlissene Teile werden ausgewechselt. Dem Oldtimer-Enthusiasten ermöglichen die Kit Cars somit den Besitz von Fahrzeugen, die im Original finanziell unerschwinglich wären. Abgesehen davon sind echte Oldtimer häufig nur begrenzt alltagstauglich.

Urheberrecht[Bearbeiten]

Die Formgebung eines PKW fällt in der Regel auch unter das Urheberrecht. Ein Fahrzeug, das „nachgebaut“ werden soll und dessen Erstvorstellung weniger als 70 Jahre zurückliegt, bedarf daher der Zustimmung des Herstellers. Manche Hersteller, beispielsweise Ferrari, gehen gerichtlich gegen Nachbauten vor.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kit cars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bestehend aus Fahrwerk und Karosserie, exkl. Motor, Getriebe, Achsen. Vgl. Bausatz für Pilgrim Sumo[1].
  2. Begehrte Nachbauten der Kit-Car-Szene sind u.a. AC Cobra, Ford GT40 und Lamborghini Countach.
  3. Steve Hole: A-Z of Kit Cars. S. 7.
  4. Steve Hole zählt über 1500 verschiedene Modelle von 1949 bis 2012.
  5. Vgl. auch 2007/C 68/04, Amtsblatt der Europäischen Union.
  6. Steve Hole: A-Z of Kit Cars. S. 284. (Stand Juni 2012)
  7. dnaautomotive.com 3sixty (abgerufen am 5. August 2014)
  8. Etwa 4000 £ beispielsweise für den Bausatz Thruxton GT200 (Stand Juni 2012)
  9. Gemäß einer von Ingo Stüben ausgewerteten Umfrage von fast 600 Kit-Car-Eigentümern in den USA, England und Deutschland liegt der Zeitaufwand für die Montage je nach Modell und Status des erworbenen Halbfertigproduktes zwischen 100 und 1500 Stunden. Veröffentlicht in: Bausatzkraftfahrzeuge (Kit Cars) als ein Beispiel technischer Freizeit- und Mobilitätsinnovation, Tectum Verlag, Marburg 2000. ISBN 978-38288-1004-4.
  10. Für die polyesterharzgetränkte Glasfaser wird meist die Kurzbezeichnung GFK verwendet. Dieses GFK findet große Anwendung im Bootsbau. Rümpfe von Sportbooten oder Kanus werden aufgrund der einfachen Verarbeitungsmöglichkeit fast ausschließlich aus diesem Material gefertigt. Als kalthärtendes Medium mittels Zusatz (Härter) bietet GFK dem Anwender die Möglichkeit, Bauteile mit relativ geringem Aufwand in einer Form frei zu gestalten.
  11. "Gewerbliche Nutzung" eines Ferrari-Formel-1-Nachbaus untersagt, abgerufen 26. April 2013, Ferrari untersagt Oldtimer-Nachbau selbst bei Ferrari-Rahmen und -Motor, abgerufen 26. April 2013.