Klösterlein Zelle

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Klosterkirche (Südseite)

Klösterlein Zelle ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherren-Kloster im Auer Ortsteil Zelle in Sachsen.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Nähe des Zusammenflusses von Zwickauer Mulde und Schwarzwasser im westlichen Erzgebirge stifteten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Meinheringer das Augustiner-Chorherren Kloster Zelle an der Mulde im Bistum Naumburg (Cellam [...] iuxta fluvium Mulda). Am 7. Mai 1173 beurkundete Kaiser Friedrich I. in der Reichsstadt Goslar auf Bitten Markgraf Ottos von Meißen, Meinhers I. von Werben und Dudos von Meineweh die Gründung des, dem Heiligen Andreas - ein Andreaskreuz ziert das Wappen der Meinheringer - und der Heiligen Dreifaltigkeit geweihten Klosters. Vom Stifter erhielt es 60 Neubruch-Hufen im Pleißenland. Während der Kaiser die gestifteten Hufen dem Kloster zu freiem Eigen übertrug, verzichtete der Bischof von Naumburg auf den Bischofszehnt über auf diesen.[1] Damit sind die 60 Hufen in den Dörfern Schlema, Aue, Bockau und Lauter zu lokalisieren, in denen das Kloster später Pfarreirechte innehatte.

Weil es über bescheidene Anfänge nicht hinaus kam, wurde das Kloster meist "Klösterlein" genannt. Nach der Gründung des Klosters Grünhain 1230 trat es noch mehr in den Hintergrund. Im deutschen Bauernkrieg wurde es 1525 geplündert und dann 1527 im Zuge der Reformation aufgelöst und für 800 Gulden an den sächsischen Kurfürsten verkauft. Seitdem wurde es als Rittergut genutzt. Ein 1994 gegründeter Förderverein hat sich Erhaltung und Sanierung der Klosterkirche zur Aufgabe gesetzt.

Nach der Auflösung des Klosters wurde die Klosterkirche mit den eingepfarrten Dörfern Zelle und Niederschlema und dem neu geschaffenen Rittergut 1533 Filialkirche von Oberschlema. Nach 324 Jahren wurde dieses Tochterverhältnis 1857 gelöst und ein neues mit der Kirchgemeinde Aue eingegangen. Durch die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark angestiegene Bevölkerungszahl ergab sich in Zelle der Wunsch, eigenständiges Kirchspiel zu werden. Am ersten Adventssonntag 1879 wurde der erste evangelisch-lutherische Pfarrer von Klösterlein-Zelle in sein Amt eingeführt. Nachdem Zelle 1897 nach Aue eingemeindet und die Bevölkerungszahl erneut stark gestiegen war, wurde die ehemalige Klosterkirche zu klein. Als 1914 die neu erbaute Friedenskirche eingeweiht wurde, verlor sie ihre Funktion als Zeller Pfarrkirche und wird seitdem als Begräbniskapelle benutzt.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Klosterkirche mit Umriss des Putzritzgemäldes auf der Ostseite
Erbbegräbnis für das Rittergut Klösterlein

Die frühere Klosterkirche wurde mehrfach baulich verändert und ist das einzige erhaltene Klostergebäude. Sie war ursprünglich der Jungfrau Maria geweiht. Heute wird sie von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Aue-Zelle für Gottesdienste, Bestattungen und Konzerte genutzt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Kirche ersetzte einen Vorgängerbau aus Holz und wurde seit der Auflösung des Klosters als Pfarrkirche der Gemeinde Zelle benutzt. Das Gebäude erhielt sein jetziges Aussehen nach einer umfassenden Erneuerung 1758, bei der es verlängert und erhöht wurde. Die Kirche wurde bis 1900 mehrfach restauriert und wird seit ihrer Ablösung durch die neue Zeller Friedenskirche 1914 als Begräbniskirche benutzt. 1948 wurde unter der Orgelempore eine Parentationshalle eingerichtet. 1998 wurden Dach, Dachreiter und Glockenstuhl komplett saniert. Die neue Wetterfahne ist mit SOLI DEO GLORIA / 1173 * 1998 bezeichnet. Nach der Rekonstruktion aller Türen und Fenster 1999 wurde von 2000 bis 2002 die Außenfassade saniert. Von 2002 bis 2004 wurde der Innenraum grundlegend erneuert. Von 2005 bis 2006 wurden Orgel und Kronleuchter überholt.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten]

Der Putzbau mit geradem Ostschluss ist mit einem Walmdach gedeckt. Der Dachreiter hat eine barocke Haube. Die Holzdecke im Innern ist flach. An drei Seiten befinden sich Emporen. Die Ostwand ist mit einer Nische, die seitlich mit vermutlich spätromanischen Figuren bemalt ist, und Resten von Wandmalereien versehen. Ein möglicherweise romanischer Hostienschrank ist mit einem Schachbrettmuster bemalt. An der Nordseite befindet sich eine barocke Patronatsloge. Die reich profilierte Brüstung ist mit zwölf gemalten Darstellungen aus dem Leben Christi versehen. Altarretabel und geschnitzte Kanzel aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden im 19. Jahrhundert zu einem Kanzelaltar zusammengefügt. Der Kanzelkorb ist mit Relieffiguren Christi und der Evangelisten gestaltet. Auf dem mit dem Erlöser bekrönten Schalldeckel befinden sich geschnitzte Engelsfiguren. Die Tafelbilder sind seitlich mit Darstellungen aus der Passionsgeschichte versehen. An Stelle der Kanzel hing früher ursprünglich vermutlich das große Kreuzigungsgemälde auf der Rückseite des Kanzelaltars.

Vor dem Altar befinden sich zwei oval mit Ährenschmuck besetzte Marmorgrabplatten für den Rittergutsbesitzer Carl Erdmann von Brandenstein und dessen Frau aus den 1820er Jahren. Nordöstlich unter dem Chor ist der Eingang zu einer ausgemalten Gruft aus dem 18. Jahrhundert. An der Schmalseite im Norden befindet sich eine Engelsfigur, gegenüber ein Kelch, seitlich Draperien.

Die kleine 14-registrige Orgel von Johann Gotthilf Bärmig (1814–1899) war zunächst in der alten Auer Nikolaikirche eingebaut und wurde vor deren Abriss 1895 nach Zelle verkauft.[2]

Putzritzgemälde[Bearbeiten]

Kopie des Putzritzgemäldes in der Friedenskirche Aue-Zelle

1881 legten Restauratoren bei einer Putzerneuerung an der Ostwand der Kirche ein farbiges sgraffito-ähnliches Putzritzgemälde frei, das heute zu den ältesten und wertvollsten Kunstwerken Sachsens zählt. Es stellt (wahrscheinlich) Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Maria mit dem Jesuskind und einen Bischof mit Heiligenschein dar und wird auf das Jahr 1230 datiert.[3] Im Zuge der Auflösung des Klosters war das 2,23 m hohe und 2,15 m breite Gemälde überputzt worden und blieb dadurch der Nachwelt erhalten. Aus restauratorischen Gründen und durch den Einsatz des Heimatforschers Siegfried Sieber[4] wurde es 1934 abgenommen und in Dresden wiederhergestellt.

Bis auf eine Auslagerung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gemälde von 1937 bis 1967 im Städtischen Museum Aue ausgestellt und war seit dessen Auflösung in der St.-Annen-Kapelle des Freiberger Doms zu sehen. Von etwa 2007 bis 2011 befand sich das Original im Kloster Altzella. Im Jahr 2011 war das Bild in der Landesausstellung Sachsen-Anhalt Naumburger Meister zu sehen. Danach beschloss die sächsische Landesregierung eine denkmalgerichte Restaurierung, mit der sich im Jahr 2012 eine Studiengruppe der Hochschule für Bildende Künste Dresden befasst. Im Jahr 2013 soll das Sgrafffitobild in der Zeller Kirche einen Ehrenplatz im Innenraum erhalten. Das Klösterlein wird dazu mit einer Alarmanlage und einer Klimaautomatik ausgestattet.[4] Eine von Heinz Beck 1967 angefertigte Kopie ist im Vorraum der Friedenskirche (Aue-Zelle) zu besichtigen.

Außenanlage[Bearbeiten]

Die Kapelle ist von einem Friedhof umgeben, der sich in nördliche Richtung ausdehnt. An der Westseite der Anlage befindet sich das Grab von Carl Erdmann Kircheis. Im Erbbegräbnis für das Rittergut Klösterlein an der Ostseite liegen u. a. dessen Schwiegersohn und Nachfolger Wilhelm Röll und dessen Frau Pauline begraben.

Rittergut Klösterlein[Bearbeiten]

Rittergut Klösterlein um 1860

Das heutige Büro- und Gewerbehaus Am Bahnhof 11 ging aus dem Vorwerk des 1527 aufgelösten Klosters hervor. Das repräsentative Herrenhaus wurde nach einem Brand 1816 von Johann Traugott Lohse wieder aufgebaut. Der zweigeschossige Putzbau hat ein hohes Mansardenwalmdach und stehende rundbogige Dachfenster. Die Fassade ist streng symmetrisch gegliedert und war ursprünglich mit zwei Segmentbogenportalen versehen, von denen das rechte zugesetzt wurde. Das starke Mauerwerk und die unregelmäßigen Gewölbe der hinteren Räume im Erdgeschoss und das zweijochige Kreuzgratgewölbe im Keller stammen vermutlich vom Vorgängerbau. Die Stuckdecken im Obergeschoss sind aus der Zeit der Erbauung erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Petermann: Wertvolle Befunde am Klösterlein Zelle, Aue, 1996
  • Günter Kavacs und Norbert Oelsner: Die Kirche des "Klösterlein Zelle" zu Aue. Baugeschichtliche Beobachtungen und historische Einordnung. In: Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen 2002, ISSN 0943-2132, S. 104-121.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Sachsen: II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München 1998, S. 880f.
  • Richard Steche: Klösterlein. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 8. Heft: Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. C. C. Meinhold, Dresden 1887, S. 19.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klösterlein Zelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Codex Diplomaticus Saxoniae regiae. I.A Urkunden der Markgrafen von Meißen 2. Bd., Nr. 397.
  2. Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Schneeberg (1902), S. 236
  3. Aue, Mosaiksteine der Geschichte, Seiten 16-18
  4. a b Blick Magazine. Willkommen im Erzgebirge – Das Urlaubs- und Freizitmagazin der Region:Ein Kunstwerk kehrt 2013 zurück. Heft 41, 2012, S. 98.

50.59805555555612.693055555556Koordinaten: 50° 35′ 53″ N, 12° 41′ 35″ O