Klappenschrank

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Klappenschrank für 50 Fernsprechteilnehmer (um 1900)
Klappenschrank für 15 Leitungen

Klappenschrank ist die Bezeichnung für eine Fernsprech-Handvermittlungseinrichtung. Bis zur vollständigen Automatisierung des Fernsprechnetzes wurden Klappenschränke dazu benutzt, die Sprechverbindung zwischen zwei Fernsprechteilnehmern herzustellen. Dazu war jeder Sprechstelle eine Klinke und ein Elektromagnet mit einem einfachen Klappenmechanismus zugeordnet. Jeder Fernsprechapparat war zur damaligen Zeit mit einer Ortsbatterie ausgestattet. Wollte jemand ein Ferngespräch führen, betätigte er den Kurbelinduktor an seinem Fernsprechapparat. Damit erzeugte er einen Wechselstrom, der „seinen“ Elektromagneten am Klappenschrank zum Anzug brachte. Dadurch wurde eine metallische Klappe freigegeben, die herunterfiel und damit dem Fräulein vom Amt den Verbindungswunsch mitteilte. Diese verband ihr Sprechzeug über die Klinke des Anrufers mit dessen Fernsprechapparat. Was nun ablief, war in Deutschland von der Reichstelegraphenverwaltung mittels Dienstanweisung genau geregelt:

  • Amt: Hier Amt, was beliebt?
  • Teilnehmer: Wünsche mit Nummer 44 zu sprechen

Wenn der gewünschte Teilnehmer frei war:

  • Amt: Bitte rufen
    (Die Vermittlungskraft stellte mittels eines Schnurpaares die Verbindung zum B-Teilnehmer her)

Andernfalls:

  • Amt: Schon besetzt, werde melden wenn frei
  • Teilnehmer: Verstanden

Das Gesprächsende teilte der Anrufende der Vermittlungskraft durch erneutes Betätigen des Kurbelinduktors mit. Die Vermittlungskraft trennte die Verbindung und brachte die Klappe per Hand wieder in die Ausgangslage.

Die Funktionsweise des Klappenschrankes war einfach und trotzdem sehr wirkungsvoll:

  • Die Signalisierung des Verbindungswunsches verbrauchte keinen Strom der Ortsbatterie.
  • Der Verbindungswunsch blieb auf einfache Weise gespeichert. Es war nicht erforderlich, dass die Vermittlungskraft den Schrank ununterbrochen beobachtete.

Die Vermittlungskräfte in großen Ortsnetzen mussten ihre Tätigkeit zunächst im Stehen verrichten. Später, mit der Einführung von Vielfachfeldern, durften sie auch sitzen. Mit dem schnell steigenden Bedarf an Fernsprechanschlüssen am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Klinken und Fallklappen immer weiter verkleinert. Bis zu 10.000 Verbindungsmöglichkeiten konnten von einer Vermittlungskraft beherrscht werden.

Ab 1895 wurden, mit Einführung des Zentralbatteriebetriebes, zur Signalisierung auch Glühlampen eingesetzt. Aus dem Klappenschrank wurde ein Glühlampenschrank.

Es gab auch zwischenzeitlich Versuche, die Klinken und Signaleinrichtungen in Tischen unterzubringen, an denen von zwei Seiten aus gearbeitet wurde. Vom Amt III Berlin ist bekannt, dass die Tische dort 85 Meter lang waren und 570.000 Klinken enthielten. Wenig später ging man wieder zur Schrankbauform über.

Mit dem Ausbau der automatischen Vermittlungsstellen, in Europa, ab 1908 in Hildesheim beginnend, verlor der Klappenschrank immer mehr an Bedeutung. Bei der Deutschen Bundespost wurde am 29. April 1966 im niedersächsischen Uetze der letzte Klappenschrank außer Betrieb genommen. Dort hatten sechs Telefonistinnen in drei Schichten rund um die Uhr 374 Teilnehmer miteinander und mit der Außenwelt verbunden. Bei der Deutschen Post der DDR ging der letzte Klappenschrank im Jahr 1987 in Falkenrehde außer Betrieb.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wurde die erste Telefonanlage mit Handvermittlung am 1. Dezember 1881 im 1. Wiener Gemeindebezirk in Betrieb genommen. Die Automatisierung begann wiederum in Wien am 1. April 1905, wo sie am 27. Juni 1925 abgeschlossen war. Österreichweit wurde die letzte Handvermittlung am 14. Dezember 1972 abgeschaltet. Die Bezeichnung "Klappe" für eine Durchwahlnummer hält sich bis heute im österreichischen Sprachgebrauch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vorschrift H.Dv. 95/27, Der Klappenschrank zu 10 Leitungen (Entwurf), 1926

Weblinks[Bearbeiten]