Klara Hitler

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Klara Hitler

Klara Hitler (* 12. August 1860 als Klara Pölzl (falsche Schreibweise: Pelzel) in Spital; † 21. Dezember 1907 in Linz) war eine österreichische Hausfrau und die Mutter Adolf Hitlers.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Klara Pölzl stammte aus dem Kleinbauerntum des Waldviertels an der böhmisch-mährischen Grenze in Österreich. Sie wurde 1860 als Tochter von Johann Baptist Pölzl und Johanna Hüttler geboren.

Sie hatte zwei Schwestern: Theresa, die den wohlhabenden Bauern Johann Schmidt heiratete, und Johanna, die buckelig war, unverheiratet blieb und als streitbar und schwierig galt.

Verwandtschaft mit Alois Hitler[Bearbeiten]

Klara war die Enkelin des Bauern Johann Nepomuk Hüttler, dessen Bruder Johann Georg Hiedler der Stiefvater von Adolf Hitlers Vater Alois Hitler gewesen war. Hüttler veranlasste 1876 – Jahre nach dem Tod von Hiedler und Alois Hitlers Mutter Anna Maria Schicklgruber – dass Hiedler als Alois’ leiblicher Vater eingetragen wurde. Hiedler und Hüttler gelten bei Historikern als wahrscheinlichste Kandidaten für die leibliche Vaterschaft Alois Hitlers.

Klara Pölzl war demnach offiziell die Nichte zweiten Grades von Alois Hitler (bei Vaterschaft Hiedlers), oder aber dessen Halbnichte ersten Grades (bei Vaterschaft Hüttlers).

Ehe mit Alois Hitler[Bearbeiten]

Nach dem Pflichtschulbesuch wurde Klara Pölzl im Alter von 16 Jahren Hausangestellte bei Alois Hitler. Auf Drängen von Hitlers Ehefrau Franziska Matzelsberger wurde sie aus dem Haus geschickt. 1884 erkrankte Hitlers Frau an Tuberkulose. Der „Onkel“ bat Klara, seine Frau zu pflegen. Als diese 1884 starb, war Klara schwanger. Sie heiratete 1885 den 23 Jahre älteren Hitler, dessen Geliebte sie gewesen war. Aufgrund des engen Verwandtschaftsverhältnisses musste für die Eheschließung eine kirchliche Dispens erteilt werden.

Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, vier Söhne und zwei Töchter:

Name Geburt Tod Alter in Jahren Alter in Tagen
Gustav 10. Mai 1885 8. Dezember 1887 2 942
Ida 23. September 1886 2. Januar 1888 1 466
Otto 8. November 1887 1. Dezember 1887 0 23
Adolf 20. April 1889 30. April 1945 56 20463
Edmund 24. März 1894 28. Februar 1900 5 2167
Paula 21. Januar 1896 1. Juni 1960 64 23507
Blick auf das Grab von Klara und Alois Hitler in Leonding

Bis auf Adolf und Paula Hitler starben alle Kinder früh. Die ersten Kinder erlagen wahrscheinlich den Folgen einer Diphtherie: Ende 1887 starben der 1885 geborene Gustav und der gerade erst geborene Otto. Am 2. Januar 1888 starb Ida im Alter von 15 Monaten. Erst der am 20. April 1889 um 6:30 Uhr im Gasthof zum Pommer in Braunau am Inn als Klaras viertes Kind geborene Adolf überlebte. Psychoanalytiker wie etwa Arno Gruen gehen davon aus, dass dessen Beziehung zu seinem Vater Alois durch Gewalt geprägt war. Seine Mutter dagegen habe ihn „vergöttert“. Da seine drei älteren Geschwister kurz vor seiner Geburt gestorben waren, habe die Mutter stets gefürchtet, auch ihr viertes Kind zu verlieren.[1] Dieses Spannungsverhältnis habe einen prägenden Einfluss auf Hitlers Persönlichkeitsentwicklung gehabt: Die Mutter habe den Sohn nicht vor den Züchtigungen des Vaters schützen können, ihn aber, ausgleichend, vergöttert und dadurch in einem Machtspiel gegen den Vater benutzt. Das Kind habe die Mutter als schwach und verachtenswert erlebt, so wie sein Vater sie wahrgenommen habe. Gleichzeitig habe der Sohn die Mutter gegen den Vater beschützen wollen. Diese Situation habe das Kind in innere Konflikte gestürzt, denen es nur durch Entfremdung von sich selbst und seinen Bedürfnissen habe ausweichen können. Durch diese Entfremdung habe sich nur eine schwache Identität entwickelt. Die innere Leere sei durch gewalttätige Fantasien und aufgesetzte Posen überspielt worden.[2]

Nach Adolf gebar Klara am 24. März 1894 Edmund, der am 2. Februar 1900 im Alter von nicht ganz sechs Jahren an Masern starb, und schließlich 1896 Paula, die den Bruder Adolf als einzige überlebte.

Klara Hitler wird von dem frühen Hitler-Biografen Fritz H. Chelius als „eine schlichte, arbeitsame Hausfrau“ geschildert, „deren ganze Sorge dem Werden und Wohlergehen der Kinder galt“[3]. Die Ehe Alois Hitlers mit Klara wird von verschiedenen Bekannten, die in Braunau am Inn, Passau, Hafeld, Lambach und Leonding in der Familie verkehrten, als durchaus glücklich bezeichnet. Robert G. L. Waite wies darauf hin, dass Alois Hitler Klara und die Kinder Adolf und Paula sehr häufig verprügelte.

Tod[Bearbeiten]

Nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1903 verkaufte Klara Hitler das Haus in Leonding und bezog mit ihren Kindern eine Wohnung in Linz. Sie überlebte ihren Gatten nur um wenige Jahre. Am 14. Januar 1907 konsultierte sie ihren jüdischen Hausarzt Eduard Bloch wegen Schmerzen in ihrer Brust. Bloch stellte Brustkrebs als Ursache für die Schmerzen fest und ordnete eine Brustamputation bei Klara Hitler an. Am 18. Januar 1907 wurde ihr die erkrankte Brust in einer einstündigen Operation im Linzer Krankenhaus Die Barmherzigen Schwestern entfernt. Nach der Operation verblieb sie noch 20 Tage im Krankenhaus.[4]

Von November 1907 an wurde sie täglich von Bloch zu Hause besucht und behandelt. In den letzten sieben Wochen vor ihrem Tod versorgte er die ulzerierende Wunde mit Iodoform-Gaze.[5] Mit dieser damals üblichen, allerdings sehr schmerzhaften Behandlungsmethode wurde versucht den Krankheitsherd zu verätzen. Gegen die Schmerzen erhielt sie Morphin.[6]

Am 21. Dezember 1907 um zwei Uhr morgens verstarb sie im Alter von 47 Jahren in Linz an ihrer Krebserkrankung.[7]

Eduard Bloch erinnerte sich später, er habe nach ihrem Tod „nie einen jungen Menschen so schmerzgebrochen und leiderfüllt“ gesehen wie Adolf Hitler.[8]

Am 28. März 2012 wurde das Grab in Leonding (bei Zustimmung einer Verwandten als Nutzungsberechtigte) aufgelassen, da es eine Pilgerstätte für rechtsextreme Kreise geworden war.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marc Vermeeren: De jeugd van Adolf Hitler 1889–1907 en zijn familie en voorouders. Soesterberg 2007, 420 blz. Uitgeverij Aspekt, ISBN 978-90-5911-606-1.
  • Fritz Heinz Chelius: Aus Adolf Hitlers Jugendland und Jugendzeit. Schaufuß, Leipzig 1933.
  • Oliver Halmburger, Thomas Staehler: Familie Hitler – Im Schatten des Diktators. Dokumentarfilm. Unter Mitarbeit von Timothy Ryback u. Florian Beierl. München: Oliver Halmburger Loopfilm GmBH u. Mainz: ZDF-History 2005
  • August Kubizek: Adolf Hitler mein Jugendfreund. Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart 1953.
  • Christa Mulack: Klara Hitler – Muttersein im Patriarchat. Göttertverlag, 2005, ISBN 3-922-49980-5.
  • Fritz Redlich: Hitler – Diagnose des destruktiven Propheten. Werner Eichbauer Verlag, Wien 1998, ISBN 0-19-505782-1.
  • Robert G. L. Waite: The Psychopathic God: Adolf Hitler. Basic Books, 1977, ISBN 0-465-06743-3.
  • Wolfgang Zdral: Die Hitlers (Die unbekannte Familie des Führers). Campus Verlag, Frankfurt/Main 2005, ISBN 978-3-593-37457-4, bzw. Taschenbuchausgabe: Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-404-61631-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klara Hitler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Vinnai: Kriegstraumata und Faschismus – Zur Genese von Hitlers Vernichtungsantisemitismus. In: Psychosozial 29, 2006, Heft 105, S. 125–134 (PDF; 101 kB).
  2. Arno Gruen: Der Fremde in uns. dtv, München 2002, S. 65 ff.; vgl. Gerhard Vinnai: Hitler. Scheitern und Vernichtungswut. Zur Genese des faschistischen Täters. Psychosozial-Verlag, Gießen 2004, ISBN 3-89806-341-0.
  3. Chelius, S. 10.
  4. Wolfgang Zdral: Die Hitlers: die unbekannte Familie des Führers. Campus, 2005, ISBN 3-593-37457-9, S. 42. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Rudolph Binion: … dass ihr mich gefunden habt: Hitler und die Deutschen, eine Psychohistorie. Klett-Cotta, 1978, ISBN 3-129-10860-2, S. 32.
  6. Wolfgang Zdral: Die Hitlers: die unbekannte Familie des Führers. Campus, 2005, ISBN 3-593-37457-9, S. 45. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. Joachim Fest schreibt, Hitler sei erst nach dem Tod seiner Mutter aus Wien zurückgekehrt: „Selbst als der Zustand der Mutter sich rasch verschlechterte, wagte er sich nicht zurück“ (Hitler. Der Aufstieg. Erstes Buch: Ein zielloses Leben. II. Kapitel: Der gescheiterte Traum. 1973). Werner Maser dagegen behauptet, Hitler sei bereits im November 1907 nach Urfahr zurückgekehrt: „Er führt den Haushalt, überwacht die Schularbeiten seiner Schwester Paula, wäscht, scheuert, kocht das Essen für die Mutter, für seine Schwester und für sich und versieht die Funktion eines Familienvorstands“ (Adolf Hitler. Legende Mythos Wirklichkeit. 2. Kapitel Kindheit und Jugendzeit. 1971, 16. Aufl. 1997)
  8. Bericht von Dr. Eduard Bloch vom 7. November 1938, Bundesarchiv Koblenz (BAK) NS/26/17a
  9. http://ooe.orf.at/news/stories/2526897/