Klareis

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Klareis an einen Grashalm
Klareis mit Eiszapfen auf einem Busch

Unter Klareis, auch Glatteis (im engeren Sinne), englisch glaze, glaze ice, glaze frost, versteht man in der Meteorologie diejenige wetterbedingte Eisabblagerung, der sich als völlig durchsichtiges, glasartiges Eis bei gefrierendem Regen, Sprühregen und ähnlichem Niederschlag bildet.

Ursachen und Entstehung[Bearbeiten]

Klareis entsteht typischweise bei unterkühltem Regen (Regen, der sich aus unterkühlten Nebelwassertröpfchen bildet), wenn er als trübungsfreies Eis beim Auftreffen auf Oberflächen spontan kristallisiert und anlagert,[1][2][3] seltener bei gefrierendem Regen (im engeren Sinne: normaler Regen, der auf gefrorenen Untergrund trifft), gefrierender Luftfeuchtigkeit und ähnlichem: Dabei entsteht meist ein eher diffuses Gefüge mit Lufteinschlüssen oder starken Kristallitationsgrenzen, bei dem man stattdessen von Rauheis oder Raufrost spricht. Beide Phänomene sind von gefrorenem Tau, Reif und Raureif zu unterscheiden.

Da bei der Eisbildung die als Kristallisationswärme gebundene Energie wieder freigesetzt wird, überschmilzt die Oberfläche, und die folgenden Tropfen können ohne sichtbare Kristallflächen weiter anfrieren und die Schichte sukzessive verdicken. Das macht das charakteristische Erscheinungsbild von Klareis aus.

Im alltäglichen Wettergeschehen, mit den verschiedenen Niederschlagstypen und besondern beim Schwanken um die Nullgradgrenze können sich alle diese Formen mischen und überlagern, ausschliessliche Klareis-Ereignisse sind vergleichsweise selten.

Naturphänomene[Bearbeiten]

Charakteristische waagerechte Klareiszapfen nach Eissturm

Besonders wenn dieser Niederschlag auf Asphalt und anderem dunklem Untergrund liegt, spricht man auch von Schwarzeis, einen Ausdruck, der aber primär aus der Schifffahrt kommt und die Eisschicht von Gewässern bezeichnet (wo dieses Eis als besondere kompakt und scharfkantig eine besondere Gefahr darstellt) und umgedeutet wurde. Klareis lagert sich wie auch Raufrost aber auf allen Oberflächen, auch Pflanzen, Bauwerken und technischen Anlagen, wie Ästen und Freileitungen an, wo es durch die mitunter erhebliche zusätzliche Gewichtsbelastung zu Schäden führen kann (Eisbruch). Aufgrund seiner höheren Dichte und Festigkeit wie auch der durchwegs schnellen Eisbildung ist bei Klareis eine solche Gefahr besonders ausgeprägt.

Klareisbildung am Wasser

Neben explizitem Niederschlag bildet sich Klareis – bei ausreichend kalter Luft und in länger anhaltenden starken Kältephasen – besonders stark auf Pflanzen, die an oder über offenen Gewässern wachsen, alleine durch die Luftfeuchte durch Verdunstung. Dort, wo Wasserspritzer oder Sprühnebel aus Wassergischt die Äste erreicht, entsteht eher trübes Eis, desgleichen an Meeresküsten und Seeufern (Gischt-Eis). Überhängende Äste können dabei so stark vereisen, dass sie vom Gewicht des Eises noch näher an oder teilweise ins Wasser gezogen werden, sodass der umspülte Teil des Eisbelags wieder abschmilzt, sich aber knapp oberhalb der Wasseroberfläche mächtige Eisschollen bilden.

Dass beim Überfrieren Energie frei wird, wird auch in der Frostschutzberegnung in der Landwirtschaft eingesetzt (anthropogener Niederschlag): Auch der umhüllte Pflanzenteil wird gewärmt, das kann Frostschäden etwa an der Blüte vermeiden. Hierbei entsteht ebenfalls typisches Klareis.

Klareis und Luftfahrt[Bearbeiten]

Klareis, das sich vor und während des Fluges auf Tragflächen und Steuerflächen von Flugzeugen anlagert und diese „vereist“, ist für den sicheren Flugbetrieb gefährlich, da die Ruder durch das Eis blockiert werden können. Auch kann durch blitzartige Klareisbildung an den Cockpitscheiben die Außensicht vollständig behindert werden, sodass der Pilot nicht sicher landen kann. Das Fluggewicht eines Flugzeuges kann durch Klareis so stark zunehmen, dass es selbst mit voller Triebwerksleistung nicht mehr steigen kann. Klareis kann das Tragflächenprofil so nachteilig verändern, dass ein Strömungsabriss schon bei erheblich höheren Fluggeschwindigkeiten als üblich droht. Man unterscheidet je nach Schwere der Klarvereisung „leichte Vereisung“ (light clear ice), „mäßige Vereisung“ (moderate clear ice) und „starke Vereisung“ (severe clear ice). Dasselbe betrifft natürlich auch Rauhvereisung, die Klareisbildung ist in der Luftfahrt das größere Problem, weil das Flugzeug selbst den mechanischen Kristallisationsauslöser beim Durchfliegen unterkühlten Regens bildet, und durch die hohe Fluggeschwindigkeit die Klareisbildung dann besonders intensiv ist.

Für das Auftreten von Vereisung gibt es in speziellen Luftfahrt-Wetterkarten ( Significant Weather Chart, SWC) eigene Symbole.[4]

Maßnahmen gegen den Ansatz von Eis vor und während des Fluges werden als Flugzeugenteisung bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Blüthgen, Wolfgang Weischet: Allgemeine Klimageographie. Band 2 von Wolfgang Weischet (Hrsg.): Lehrbuch der allgemeinen Geographie. Walter de Gruyter, 1980, ISBN 978-311006561-9, Abschnitt Ablagerungen, S. 281 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. International Cloud Atlas. Secretariat of the World Meteorological Organization, Geneva 1975.
  3. Rachelle Oblack: Glaze Ice definition. Abgerufen am 18. Juli 2009.
  4. bsp. Broschüre Flugwetterinformationen in der Schweiz von Meteoschweiz, November 2013, Seite 14