Klatsch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Klatsch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Klatschweiber und der Teufel (Holzschnitt von Hans Weiditz Anfang 16.Jh.)
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Klatsch ist eine Form der gesellschaftlichen Unterhaltung, bei der absichtsvoll Informationen über nicht anwesende Personen ausgetauscht werden. Neben der Bedeutung ‚trivial‘ steht Klatsch aber auch ausdrücklich für ‚Gerücht‘, also Unbelegbares, bis hin zu beabsichtigt Falsches. Dies unterscheidet ihn vom Tratsch, der eher zielloses Schwatzen und Erzählen bezeichnet. (Daher auch das unterscheidende „und“ in der Redensart „Klatsch und Tratsch“.) Der englische Begriff Gossip wird inzwischen auch im Deutschen benutzt, häufig im Zusammenhang mit internationalen Berühmtheiten, und eher mit einer freundlich-harmlosen Konnotation.

In vielen Kulturen, etwa im Judentum, wo er als Lashon hara (hebräisch לשון הרע) bezeichnet wird, gilt Klatsch als ein ernstes Vergehen.[1] So straft Gott Mirjam, als diese ihren Bruder Mose wegen dessen kuschitischer Frau verklatscht, mit Aussatz.[2]

Sozialwissenschaftliche Ansätze[Bearbeiten]

Die Ethnologie und Soziologie, insbesondere die Sozialpsychologie, beschäftigen sich mit dem Thema Klatsch, seinen Kommunikationsformen, seiner sozialen Funktion und gesellschaftlichen Rezeption. Namentlich im Umkreis oder unter Einfluss der Manchester School haben ihr Begründer Max Gluckman sowie J. Clyde Mitchell und Jörg Bergmann u. a. den Klatsch gründlich analysiert.

Soziale Kontrolle durch Klatsch[Bearbeiten]

Der Klatsch an sich und die Furcht vor Klatsch bilden die Grundlage für soziale Kontrolle innerhalb einer Gemeinschaft. Die soziale Kontrolle ist in der Regel wechselseitig, da im Normalfall jeder gleichermaßen Furcht vor Klatsch hat, auch wenn es sich manche nicht eingestehen. Werden Norm- und Wertvorstellungen einer Gemeinschaft verletzt, erleichtert dies den Klatsch; doch kann er auch unzutreffende Gerüchte schaffen und weitergeben. Klatsch ist somit auch ein Mittel der Intrige, also zur Abwicklung von Feindseligkeiten und Rivalitäten, ohne dass, wer hinterrücks klatscht (daher die veraltete Bezeichnung „Afterrede“), mit dem Betroffenen selber konfrontiert ist. Somit dient Klatsch auch der Nivellierung von Macht- und Statusunterschieden.

Historische Scherz-Postkarte mit „Ehren-Diplom“ vom „Klatschbasen-Bund“, um 1900

Klatsch gilt gesellschaftlich als Untugend. In vielen religiösen Gemeinschaften gibt es Regeln, die den Klatsch verbieten. Gleichwohl dient Klatsch als sozialer Kitt, und ist im Rahmen mündlichen Erzählens in jeder Kultur aufgefunden worden. Einfachere Klatschformen in dichten sozialen Netzwerken entsprechen primär dem Begriff Neuigkeiten (über Bekannte und die nähere Gemeinschaft) austauschen („Dorfklatsch“, „Küstenklatsch“).

Klatsch über Prominente ist das Gebiet der Klatschpresse (Boulevardpresse, Yellow Press, Regenbogenpresse) bzw. der Klatschspalten bestimmter Zeitungen, und nimmt heute eine bedeutende globale Rolle ein. Die soziale Funktion, die hinter dem offenbar enormen Bedürfnis, Details auch privater bis intimer Natur über die gesellschaftlichen Leitpersönlichkeiten erfahren zu wollen, ist ein sehr komplexes Phänomen, und wird noch nicht ganz verstanden. Studien über die Sozialstruktur der Menschenaffen legen nahe, dass Einblick in die Spannungen in der Führungshierarchie von großer Wichtigkeit für jedes Gruppenmitglied – und die Gruppe als Gesamtkörper – sind, und genau registriert werden.

Hohe Anforderungen an den Klatsch[Bearbeiten]

Da die erläuterten Funktionen und die Wechselspielchen beim Klatsch sehr komplex sind, erfordert Klatsch nach soziologischer Ansicht eine gewisse kommunikative Kompetenz der redenden Personen. Jörg Bergmann geht sogar so weit, dass er von einer Kunst von Enthüllungen über Dritte spricht. So ist es zu erklären, dass Geheimnisse innerhalb einer Gemeinschaft auch „Geheimnisse“ bleiben können, auch wenn eigentlich jeder davon weiß. Denn Klatsch enthüllt unmittelbar und im Inoffiziellen, im Gegensatz zu Skandalen, die Geheimnisse der öffentlichen Meinung als einem Tribunal vermitteln.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. What is the Jewish view on gossip?; Speech and Lashon Ha-Ra
  2. Auflehnung Mirjams und Aarons