Klaus-Dieter Baumgarten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klaus-Dieter Baumgarten (* 1. März 1931 in Werna; † 17. Februar 2008 in Zeuthen) war Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung im Ministerrat der DDR und Chef der Grenztruppen der DDR. 1996 wurde er wegen elffachen Totschlags und fünffachen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt.

Leben[Bearbeiten]

1945 bis 1949 arbeitete Baumgarten als Zimmermann in Ellrich. 1946 trat er in die FDJ, zwei Jahre später in die SED ein. Am 7. Februar 1949 erfolgte sein Eintritt in die Deutsche Volkspolizei (VP). Zunächst in verschiedenen Dienststellungen, besuchte er 1953/54 die Hochschule der Kasernierten Volkspolizei und wurde zum Major ernannt. Bis 1959 leitete er die Abteilung Gefechtsausbildung im Kommando der DDR-Grenzpolizei. Danach absolvierte er eine sowjetische Militärakademie. 1963/64 war er 1. Stellvertreter des Kommandeurs der Grenzbrigade Kalbe (Milde). 1964/65 hatte er einen Lehrstuhl an der Militärakademie der NVA in Dresden inne. Von 1965 bis 1970 amtierte Baumgarten als 1. Stellvertreter des Chefs der Grenztruppen der DDR. 1970 bis 1972 studierte er an der Generalstabsakademie der UdSSR. Von 1973 bis 1978 war er Kommandeur des Grenzkommandos Süd und wurde 1974 zum Generalmajor ernannt. 1978 wechselte er als Stabschef in das Kommando der Grenztruppen.

Vom 1. August 1979 bis 31. Dezember 1989 war Baumgarten Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Grenztruppen der DDR (Nachfolger von Erich Peter). Der SED-Bezirksleitung Erfurt gehörte er von 1974 bis 1979 an, ab 1981 war er Kandidat des Zentralkomitees der SED. 1988 wurde er zum Generaloberst befördert. Als Chef der Grenztruppen war Baumgarten verantwortlich für den Ausbau der DDR-Grenzanlagen an der innerdeutschen Grenze mit Splitterminen und Selbstschussanlagen.[1] Auch die Erneuerung des Schießbefehls fiel in seine Amtszeit.

Prozess, Verurteilung und Haftstrafe[Bearbeiten]

Die Staatsanwaltschaft des Landes Berlin ermittelte seit 1993 gegen Baumgarten und andere Generale der Grenztruppen, der Prozess begann am 27. Oktober 1995. Am 10. September 1996 wurde Klaus-Dieter Baumgarten wegen elffachen Totschlags und fünffachen versuchten Totschlags, begangen an DDR-Flüchtlingen, zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Die Mitangeklagten erhielten ebenfalls Freiheitsstrafen.

Seit 1997 war er Freigänger, im Dezember 1999 wurde er von Justizsenator und Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen nach der Verbüßung von etwa der Hälfte der Haftzeit ohne Begründung gegen den Widerstand von Staatsanwaltschaft, des Gnadenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses und des Tatgerichts unter Richter Friedrich-Karl Föhrig begnadigt und am 15. März 2000 aus der Haft entlassen.[2] Seit 1990 verfasste Baumgarten Beiträge für die Tageszeitung Neues Deutschland. An PDS-Zeitungen verschickte er nach seiner Inhaftierung Briefe aus dem Kerker.[3] Baumgarten war auch nach seiner Verurteilung völlig uneinsichtig.[4] In einem Prozess vor dem Erfurter Landgericht sagte er: „Es gibt von mir nicht einen Befehl, keine Weisung, wofür ich mich heute vor mir oder der Geschichte schämen müsste.“ Baumgarten bezeichnete seine Inhaftierung als Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung. Laut Richter Föhrig wurde Baumgarten „in seiner Hartleibigkeit und Uneinsichtigkeit […] von keinem mir einschlägig bekannten Angeklagten […] auch nur annähernd erreicht.“[5]

Schriften[Bearbeiten]

  • Erinnerungen. Autobiographie des Chefs der Grenztruppen der DDR, edition ost, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01095-7
  • Hrsg. mit Peter Freitag: Die Grenzen der DDR. Geschichten, Fakten, Hintergründe, edition ost, Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-55946191.html
  2. Roman Grafe: Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber, S. 201, Siedler, München 2004, ISBN 3-88680-819-X
  3. Roman Grafe: Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber, S. 201, Siedler, München 2004, ISBN 3-88680-819-X
  4. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-55946191.html
  5. Roman Grafe:Deutsche Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber, S. 201
  6. Rezension