Klaus Albrecht Schröder

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Klaus Albrecht Schröder, 2011

Klaus Albrecht Schröder (* 15. September 1955 in Linz) ist ein österreichischer Kunsthistoriker und Museumsleiter. Nachdem er rund zwölf Jahre lang das BA-CA Kunstforum geleitet hatte, wurde er im Jahr 2000 Direktor der Albertina in Wien.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Schröder besuchte in seiner Heimatstadt Linz Volksschule und Gymnasium und maturierte 1975 am BORG Linz und studierte von 1976 bis 1983 Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität Wien. Er promovierte 1995 mit einer Dissertation über den österreichischen Maler Richard Gerstl. Über den ORF, für den er während seines Studiums von 1981 bis 1983 als Radiosprecher tätig war, fand er eine Anstellung bei der Stadt Wien und fungierte 1987/88 als Kabinettchef der Kulturstadträtin Ursula Pasterk. Von 1988 bis 1992 gab Schröder die Zeitschrift Kunstpresse heraus.

Von 1988 bis Juni 2000 leitete er das 1988 unter dem Namen Kunstforum der Länderbank gegründete BA-CA Kunstforum. Der Schwerpunkt der Ausstellungen des Kunstforums lag im Bereich der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts. 1989 baute der Architekt Gustav Peichl die Ausstellungshalle um und setzte mit seinem Eingangsportal ein architektonisches Signal. Die erste Ausstellung des neuen Kunstforums war „Egon Schiele und seine Zeit“ aus der Sammlung Leopold. Die bisher erfolgreichste Ausstellung des Kunstforums war Cézanne. Vollendet - Unvollendet, die von Jänner bis April 2000 knapp 300.000 Besucher verzeichnen konnte.

Seit 1996 ist Schröder der Präsident der Interessensgemeinschaft österreichischer Museen und Ausstellungshäuser (IMA). Von 1996 bis 1999 war er Vorstandsmitglied und kaufmännischer Direktor der Stiftung Leopold und Bau-Koordinator für die Errichtung des heutigen Leopold Museums.

1996 wurde er im Auftrag der Salzburger Landesregierung zum Koordinator des Landesmuseums bestellt mit dem Auftrag neue Standorte und eine neue Positionierung der Museen für zeitgenössische Kunst und für die Salzburger Landes- und Kulturgeschichte zu entwickeln. Auf ihn geht die Errichtung und Planung des Museums auf dem Mönchsberg zurück, die Übersiedelung des Museums in der Residenz und deren Etablierung als Salzburgmuseum. Mit seiner Ernennung zum Direktor der Albertina im Jahre 1999 hat er diese Funktionen zurückgelegt.

Im Jahr 2000 wurde auf seinen Antrag der Name des Museums auf „Albertina“ geändert, um die ursprüngliche Einheit von Gründer der Sammlung, Palais und Museum zum Ausdruck zu bringen. Zudem wurde mit dem Wegfall der „Graphischen Sammlung“ im Museums-Namen der Tatsache Rechnung getragan, dass die Albertina mittlerweile drei große Sammlungen beherbergt: neben der Graphischen Sammlung die Architektur-sammlung sowie die im Jahr 2000 durch Zusammenführung der bedeutenden historischen Bestände der Grafischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt mit dem Fotoarchiv des Langewieschen Verlags (Blaue Bücher) gegründete Fotosammlung.

Im Jahr 1999 wurde Schröder zum Direktor der Graphischen Sammlung Albertina berufen. Zum 1. Januar 2000 wurde das Museum von der Bundesverwaltung ausgegliedert und in eine Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt. Nach Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten wurde die Albertina 2003 wiedereröffnet. Die Kernbestände der Albertina reichen von der Gotik bis zur Gegenwart. Im Bereich der Kunst nach 1970 machte Schröder das Museum zu einem Ort der Begegnung, einem Museum für Künstler.

2007 wurde schließlich erstmals an der Albertina eine Gemäldesammlung mit 500 Werken vom französischen Impressionismus bis zur Gegenwart etabliert. Möglich wurde dies durch die Übergabe der Sammlung der R. u. H. Batliner Art Foundation an die Albertina. Schwerpunkte sind neben der Malerei des französischen Fauvismus und deutschen Expressionismus Positionen der russischen Avantgarde sowie eine große Werkgruppe an Gemälden und Originalkeramiken Picassos.

Unter der Direktion Klaus Schröders wurde die Albertina von ca. 2.500 m² auf über 20.000 m² vergrößert. Vier neue Ausstellungshallen und Galerien wurden ebenso errichtet wie völlig neue Depots, Forschungs- und Studienzentren. Klaus Schröder ließ erstmals seit 80 Jahren die klassizistischen Prunkräume renovieren und kaufte große Teile der nach dem Ersten Weltkrieg in alle Welt zerstreuten, von Herzog Albert 1780 bis 1805 und Erzherzog Karl 1822 bei Josef Danhauser beauftragten, Originalmöbel zurück. Nachdem die Prunkräume 80 Jahre lang als Büros und Depots benutzt wurden, konnten diese erstmals in der Geschichte des Palais der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Klaus Schröder verlegt den Museumseingang wieder auf das historisch ursprüngliche Niveau der Bastei und beauftragt Hans Hollein mit der Errichtung eines neuen und dynamischen Zu- und Abgangs auf die Bastei: dem 70 Meter langen nach dem Sponsor benannte „Soravia Wing“. Die Besucherzahlen steigerte Klaus Schröder um das 60- bis 80-fache auf 650.000 bis 800.000 jährlich. Parallel zur Neubenennung des Museums als „Albertina“ etablierte Klaus Schröder eine neue Präsentationsdoktrin an der Albertina. sie unterstreicht die Unteilbarkeit des Künstlerischen. Die Ausstellungen der Albertina führen daher bewusst die verschiedenen Kunstgattungen der Zeichnung, Druckgrafik mit der Malerei und gegebenenfalls Skulptur zusammen. Nicht zuletzt dieser Umstand hat zum Missverständnis der nachrangigen Behandlung der Graphischen Künste unter Klaus Schröder beigetragen. Zugleich hat sich mittlerweile diese Präsentationsdoktrin weltweit durchgesetzt. Zeichnungen behaupten sich heute selbst in Schausammlungen gleichrangig neben Gemälden oder Skulpturen.

Die Expansion der Albertina zu einem Kunstmuseum mit den vier verschiedenen Sammlungen (Grafische Sammlung, Fotosammlung, Gemäldesammlung, Architektursammlung) sowie historischem Erinnerungsort der Prunkräume schlägt sich auch in der Anzahl der Mitarbeiter der Albertina nieder: Nach 60 Mitarbeitern im Jahr 1999 zählt die Albertina heute an die 300 Mitarbeiter. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Berliner Museen und Berat der deutschen Bank Österreich.

Seit Mai 2000 ist Klaus Albrecht Schröder der österreichische Vertreter im Auswahlgremium der renommierten Ausstellungen des Europarates. Der Kunsthistoriker und Kulturmanager hält weltweit Vorträge über Museumsmanagement, rezensiert Buchpublikationen und unterrichtet am Institut für kulturelles Management der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, am Kuratorenlehrgang der Landesakademie Niederösterreich in Krems und an der Webster University Vienna.

Divergenzen[Bearbeiten]

Bestimmte Maßnahmen Schröders sind bei einigen österreichischen Denkmalschützern umstritten, so der Abbruch des Bibliotheksgangs sowie das von Hans Hollein errichtete Flugdach über dem Museumaufgang zur Albertina.

Kritisch sehen österreichische Museumsexperten die inhaltliche Überschneidung der Albertina mit dem Kunsthistorischen Museum, dem MUMOK und auch der neuen Galerie Belvedere, die sich aus den Sammlungsbeständen von der Gotik bis zur Gegenwart begründen, und die gleichzeitige Abkehr von einem reinen Ausstellungshaus für Grafik – die Albertina verfügt bereits seit 1920 über eine Architektursammlung, seit dem späten 19. Jahrhundert über eine Miniaturensammlung und seit 1999 über eine Kunst-Fotografie-Sammlung.

Die Leihgabe des konservatorisch äußerst fragilen Feldhasen von Albrecht Dürer von 1502 gemeinsam mit 8 anderen Werken Dürers für die große Albrecht Dürer-Ausstellung an das Prado-Museum in Madrid führte zu einer breiten Diskussion in den österreichischen Medien und unter den österreichischen Denkmalschützern. Alle geliehenen Arbeiten Dürers wurden dank der ausgezeichneten konservatorischen Bedingungen bis zum Ende der Ausstellung gezeigt.

Einige österreichische Restauratoren kritisierten Schröders Vorgehen in Bezug auf die Restaurierung von 5 Blättern Egon Schieles in der Schweiz. Das Bleichen mit Chloramin T sei nicht mehr zeitgemäß, wird jedoch in anderen Museen angewendet. Ethisch nicht vertretbar sei das Entfernen 5 mm geknickten Papiers der Zeichnung. Der dabei entstehende Materialverlust sei irreversibel und als kosmetische Maßnahme nicht zu rechtfertigen, da ein Teil des Bildes dabei verloren gehe. Verteidiger Schröders argumentieren, nur bei einem Blatt habe man eine im Zehntel-Millimeter-Bereich liegende Menge an geknicktem Papier entfernt – die Behauptung der irreversiblen Beeinträchtigung des Blattes sei unrichtig; vielmehr hätten die restauratorischen Maßnahmen alle 5 Schiele Blätter in konservatorischer Sicht stabilisiert und nunmehr auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Alfred Kubin: Leben – ein Abgrund, Wien 1985,
  • Fotografis. Meisterwerke internationaler Fotografie, Wien 1986
  • Die lädierte Welt. Realismus und Realismen in Österreich, Wien 1987 (französische Ausgabe: Brüssel 1987)
  • Die Eisenbahn in der Kunst: die Geschichte einer Symbolfigur zwischen 1850 und 1930, Wien 1987
  • Oostenrijkse fotografie in de 20ste eeuw, Europalis 87, Brüssel 1987
  • Ferdinand Georg Waldmüller, München 1990
  • Richard Gerstl: 1883–1908. Dissertation, Universität Wien 1995
  • Hans Plank: 1925–1993, Baden 1995
  • Egon Schiele: die Verletzung der Scham, München 1995
  • Die Neue Sachlichkeit in Österreich. 1918 – 1938, Wien 1995
  • Cézanne. Vollendet – Unvollendet, Ostfildern 1999
  • Egon Schiele: Eros und Passion, München 1998
  • Franz Grabmayr. Ausstellung der Österreichischen Galerie Belvedere, Wolfratshausen 2002
  • (Hrsg. mit Hans Ottomeyer, Laurie Winters) Biedermeier. Die Erfindung der Einfachheit. Hatje Cantz, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-7757-1795-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur - Expertengutachten zu restaurierten Schiele-Blättern