Klaus Croissant

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Klaus Croissant, 1977

Klaus Croissant (* 24. Mai 1931 in Kirchheim unter Teck; † 28. März 2002 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt. Er erlangte Bekanntheit als Verteidiger von Andreas Baader im Stammheim-Prozess gegen die Anführer der Rote Armee Fraktion. Croissant wurde 1979 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Er war später für die West-Berliner Alternative Liste und anschließend für die PDS politisch aktiv. In den 1980er Jahren war Klaus Croissant inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Leben[Bearbeiten]

Croissant war der Wahlverteidiger Andreas Baaders im Stammheim-Prozess, wurde vom Gericht aber im Laufe des Prozesses ausgeschlossen.[1] Croissant half, das Kommunikationssystem zwischen den inhaftierten RAF-Terroristen durch die Weiterleitung von Zellenzirkularen aufrechtzuerhalten. Nach dem Suizid Ulrike Meinhofs 1976 war er deren Testamentsvollstrecker.

Die Polizei verhaftete Croissant am 23. Juni 1975; der Haftbefehl wurde gegen Sicherheitsleistung außer Vollzug gesetzt. Croissant floh am 11. Juli 1977 nach Frankreich und beantragte dort politisches Asyl. In Frankreich wurde er am 30. September 1977 festgenommen und am 17. November 1977 an die Bundesrepublik ausgeliefert. Am 16. Februar 1979 wurde er wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Oliver Tolmein beschrieb in der Rückschau in der Zeitung Freitag Croissants Haltung als Anwalt folgendermaßen: „Klaus Croissant war ein Rechtsanwalt, der Justiz als etwas politisches begriffen hat und für den deswegen die Grenze zwischen Verteidigung seiner Mandanten und politischem Engagement nie scharf gezogen war.[2]

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erlangte Croissant seine Anwaltszulassung zurück und arbeitete in Berlin wieder als Strafverteidiger.[3] Er begann in dieser Zeit für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu arbeiten, das ihn 1981 als inoffiziellen Mitarbeiter „IM Thaler“ verpflichtete.[4] Er warb auch seine Lebensgefährtin, die taz-Redakteurin und später Europaabgeordnete der Grünen, Brigitte Heinrich, an und führte sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1987.

Croissant war Mitglied der West-Berliner Alternativen Liste und bemühte sich zusammen mit dem Grünen Dirk Schneider, ebenfalls Stasi-IM, dort um politische Mitstreiter. Als seine Spionagetätigkeit für die DDR 1992 bekannt wurde, verlor er die meisten seiner Kontakte und Freunde in der Szene. Dazu sagte er 1992 in einem Interview: "Es ging doch nicht darum, irgendwelche Linken zu verraten. Meine Gesprächspartner waren doch nicht etwa Feinde dieser Leute. Das Ziel war doch, den Kenntnisstand der DDR-Seite über die Linken außerhalb der westdeutschen SED-Bruderpartei DKP zu verbessern, und da hatte Ost-Berlin ein berechtigtes Interesse."[5] Er vermochte nach Einschätzung von Oliver Tolmein bis zuletzt nicht einzusehen, dass die Kooperation mit dem Staat, den er schon immer für das bessere Deutschland gehalten hatte, ein Fehler war.[2] Croissants Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters von Kreuzberg (für die Alternative Liste) blieb erfolglos. 1990 trat er in die PDS ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gaspard Dünkelsbühler: Fern und nah, Gesichter, Stimmen 1950–70; darin über Klaus Cr.: Erinnerung an einen Freund oder die Amsterdamer Gewissenserforschung, 2003.
  • Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus, Verbrecher Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-935843-89-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Christopher Tenfelde, Die Rote Armee Fraktion und die Strafjustiz. Anti-Terror-Gesetze und ihre Umsetzung am Beispiel des Stammheim-Prozesses; Osnabrück: Jonscher Verlag, 2009; ISBN 978-3981139938; S. 163; 204
  2. a b Oliver Tolmein: Beharren. Klaus Croissants Engagement für die DDR bleibt bei seinen politischen Freunden umstritten der Freitag vom 19. April 2002, abgerufen am 30. November 2014
  3. SWR Portrait Klaus Croissant, abgerufen am 8. Januar 2013
  4. http://www.focus.de/politik/deutschland/stasi-akten-besonders-wertvoll_aid_157074.html
  5. Da kommen mir die Tränen. Spiegel online. Abgerufen am 16. März 2010.