Klaus Croissant

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Klaus Croissant, 1977

Klaus Croissant (* 24. Mai 1931 in Kirchheim unter Teck; † 28. März 2002 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt. Er erlangte Bekanntheit als Verteidiger von Andreas Baader im Stammheim-Prozess gegen die Anführer der Rote Armee Fraktion. Croissant wurde 1979 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Er war später für die West-Berliner Alternative Liste und anschließend für die PDS politisch aktiv. In den 1980er Jahren war Klaus Croissant inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Leben[Bearbeiten]

Croissant war der Wahlverteidiger Andreas Baaders im Stammheim-Prozess. Am 4. Dezember 1974 arrangierte er einen medial viel beachteten Besuch des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre bei seinem Mandanten in Stammheim, in dessen Folge Croissant gemeinsam mit Kurt Groenewold das „Internationale Komitee zur Verteidigung politischer Gefangener in Westeuropa“ (IKV) gründete. Noch während des laufenden Verfahrens wurde Croissant am 12. März 1975 vom Gericht ausgeschlossen, am 23. Juni verhaftet und wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Ebenso wie Hans-Christian Ströbele und Kurt Groenewold wurde Croissant vorgeworfen, durch die Weiterleitung von Zellenzirkularen geholfen zu haben, das Kommunikationssystem zwischen den inhaftierten RAF-Terroristen aufrechtzuerhalten. Am 8. August 1975 wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.[1][2] Croissant engagierte sich in der Folge als Testamentsvollstrecker Ulrike Meinhofs[3] und beteiligte sich federführend an der „Internationalen Untersuchungskommission“ zur Untersuchung der Todesumstände. Diese stellte den Selbstmord Meinhofs in Frage und vertrat in ihrem Abschlussbericht die These, Meinhof sei in ihrer Zelle ermordet worden.[4] Am 11. Juli 1977 floh Croissant vor einer drohenden Festnahme nach Frankreich und beantragte dort politisches Asyl. Er wurde dort jedoch am 30. September im Zuge des Deutschen Herbstes festgenommen und am 17. November 1977 an die Bundesrepublik ausgeliefert. Wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung wurde er am 16. Februar 1979 zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.[5]

Nach Einschätzung von Oliver Tolmein war Croissant „ein Rechtsanwalt, der Justiz als etwas Politisches begriffen hat und für den deswegen die Grenze zwischen Verteidigung seiner Mandanten und politischem Engagement nie scharf gezogen war.“[6] Michael März sieht in Croissant die Verkörperung des „Typus des sich selbst aufopfernden, quasi mitkämpfenden Rechtsanwalts“.[7]

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis erlangte Croissant seine Anwaltszulassung zurück und arbeitete in Berlin wieder als Strafverteidiger.[8] Er begann in dieser Zeit für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu arbeiten, das ihn 1981 als inoffiziellen Mitarbeiter „IM Thaler“ verpflichtete.[9] Er warb auch seine Lebensgefährtin, die taz-Redakteurin und spätere Europaabgeordnete der Grünen, Brigitte Heinrich, an und führte sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1987.

Croissant war Mitglied der West-Berliner Alternativen Liste und bemühte sich zusammen mit dem Grünen Dirk Schneider, ebenfalls Stasi-IM, dort um politische Mitstreiter. Als seine Spionagetätigkeit für die DDR 1992 bekannt wurde, verlor er die meisten seiner Kontakte und Freunde in der Szene. Dazu sagte er 1992 in einem Interview: "Es ging doch nicht darum, irgendwelche Linken zu verraten. Meine Gesprächspartner waren doch nicht etwa Feinde dieser Leute. Das Ziel war doch, den Kenntnisstand der DDR-Seite über die Linken außerhalb der westdeutschen SED-Bruderpartei DKP zu verbessern, und da hatte Ost-Berlin ein berechtigtes Interesse."[10] Er vermochte nach Einschätzung von Oliver Tolmein bis zuletzt nicht einzusehen, „dass die Kooperation mit dem Staat, den er schon immer für das bessere Deutschland gehalten hatte, ein Fehler war.“[6] Croissants Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters von Kreuzberg (für die Alternative Liste) blieb erfolglos. 1990 trat er in die PDS ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gaspard Dünkelsbühler: Fern und nah, Gesichter, Stimmen 1950–70; darin über Klaus Cr.: Erinnerung an einen Freund oder die Amsterdamer Gewissenserforschung, 2003.
  • Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus, Verbrecher Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-935843-89-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Christopher Tenfelde, Die Rote Armee Fraktion und die Strafjustiz. Anti-Terror-Gesetze und ihre Umsetzung am Beispiel des Stammheim-Prozesses; Osnabrück: Jonscher Verlag, 2009; ISBN 978-3981139938; S. 163; 204
  2. Pieter Bakker Schut: Politische Verteidigung in Strafsachen: Eine Fallstudie des von 1972-1977 geführten Strafverfahrens gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins und Jan Carl Raspe. Kiel 1986, S. 211ff
  3. Oliver Tolmein: Beharren, Der Freitag, 19. April 2002
  4. Janneke Martens: „Polizei und Justiz drehen völlig durch.“ Die Rote Armee Fraktion in den niederländischen Medien. In: Nicole Colin (Hg.): Der „Deutsche Herbst“ und die RAF in Politik, Medien und Kunst: nationale und internationale Perspektiven, Bielefeld 2008, S. 99
  5. Michael März: Linker Protest nach dem Deutschen Herbst: Eine Geschichte des linken Spektrums im Schatten des „starken Staates“, 1977-1979. transcript Verlag 2014, S. 158ff
  6. a b Oliver Tolmein: Beharren. Klaus Croissants Engagement für die DDR bleibt bei seinen politischen Freunden umstritten der Freitag vom 19. April 2002, abgerufen am 30. November 2014
  7. Michael März: Linker Protest nach dem Deutschen Herbst: Eine Geschichte des linken Spektrums im Schatten des „starken Staates“, 1977-1979. transcript Verlag 2014, S. 162
  8. SWR Portrait Klaus Croissant, abgerufen am 8. Januar 2013
  9. http://www.focus.de/politik/deutschland/stasi-akten-besonders-wertvoll_aid_157074.html
  10. Da kommen mir die Tränen. Spiegel online. Abgerufen am 16. März 2010.