Klaus Huber (Komponist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klaus Huber (* 30. November 1924 in Bern) ist ein Schweizer Komponist, Violinist, Dirigent und Kompositionslehrer.

Leben[Bearbeiten]

Nach der Ausbildung am Lehrerseminar in Küsnacht und anfänglichem Schuldienst im Berner Oberland studierte er von 1947 bis 1955 Musiktheorie und Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Zürich bei Willy Burkhard, bis 1949 auch das Fach Violine bei Stefi Geyer. Von 1949 bis 1955 war Huber Violinlehrer am Zürcher Konservatorium. 1955/56 schloss sich ein Studienaufenthalt bei Boris Blacher in Berlin an. Mit seiner Kammerkantate Des Engels Anredung an die Seele erlangte Huber bei den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1959 in Rom erstmals internationale Anerkennung. Es folgten Kooperationen etwa mit dem Flötisten Aurèle Nicolet.

Von 1960 bis 1963 lehrte Huber Musikgeschichte am Konservatorium in Luzern, ab 1964 die Fächer Musiktheorie, Komposition und Instrumentierung an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Von 1973 bis 1990 hatte er schliesslich eine Professur für Komposition an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau inne. Zu Hubers Schülerinnen und Schülern zählen unter anderem Brian Ferneyhough, Wolfgang Rihm, Daniel Glaus, André Richard, Reinhard Febel, Ulrich Gasser, Michael Jarrell, Younghi Pagh-Paan, Toshio Hosokawa, Kaija Saariaho sowie Hans Wüthrich.

Klaus Huber lebt mit seiner dritten Frau und ehemaligen Schülerin Younghi Pagh-Paan in Bremen und Panicale (Italien).[1]

Musikalisches Schaffen[Bearbeiten]

Klaus Hubers Ausgangspunkt war die serielle Musik in der Folge Anton Weberns. Er liess jedoch ausserhalb der Reihentechnik immer Gestaltungsspielräume offen. Seit den 1980er Jahren wandte er sich vermehrt der arabischen Musik zu. Daraus resultiert auch seine Beschäftigung mit arabischen Rhythmusmodellen, Mikrotonalität (vor allem Dritteltönen) und arabischer Dichtung.

Hubers Werk orientiert sich an geistlichen Fragen. Seine Kompositionen zeugen von sozialem und politischem Engagement, sind aber trotz ihrer Verwendung geistlicher Texte wie z. B. der Bibel oder mittelalterlicher Mystiker nicht im eigentlichen Sinne christlich-religiös, sondern eher humanistisch motiviert. Eine zentrale Bedeutung besitzen gross angelegte Oratoriumskompositionen wie ...inwendig voller Figur..., sein Beitrag zum Dürerjahr 1971. Daneben nimmt die Kammermusik eine wichtige Stellung ein. In zunehmendem Masse bezog Huber auch die szenische Gestaltung der Musik ausserhalb von Oratorium und Oper ein.

Ehrungen, Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • Schwarzerde (1997-2001) Bühnenwerk in neun Sequenzen. Text: Michael Schindhelm in Zusammenarbeit mit Klaus Huber, basierend auf Gedichten und Prosatexten von Ossip Mandelstam
  • Im Paradies oder Der Alte vom Berge (1975). Fünf schematische Opernakte über einem großen Orchester. Texte: Alfred Jarry, dt. Fassung von Eugen Helmlé

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Quod est pax? - Vers la raison du coeur... (2006/07) für Orchester mit fünf Solostimmen und eine arabische Perkussion. Text: Jacques Derrida, Octavio Paz, Mahmoud Darwisch, Klaus Huber
  • Umkehr – im Licht sein... (1997) Diptychon für Chor/Chorstimmen, Mezzosopran und kleines Orchester. Text: Ossip Mandelstam, Max Frisch, Elias Canetti, Martin Buber
  • Lamentationes de fine vicesimi saeculi (1992/94) für Orchester in vier Gruppen mit Sufi-Sänger
  • Spes contra spem (1986-89) Ein Contra-Paradigma zur "Götterdämmerung". Text: Bertolt Brecht, Elias Canetti, Georg Herwegh, Rosa Luxemburg, Friedrich Nietzsche, Reinhold Schneider, Dorothee Sölle, Richard Wagner, Peter Weiss
  • Protuberanzen (1985/86) Drei kleine Stücke für Orchester
  • Erniedrigt – Geknechtet – Verlassen – Verachtet... (1975/78-1983) für Soli, Chor und Orchester. Text: Ernesto Cardenal, Florian Knobloch, George Jackson, Carolina Maria de Jesús, Prophet Jesaja
  • ...Ausgespannt... (1972) Geistliche Musik für Baritonstimme, fünf Instrumentalgruppen, Lautsprecher, Tonband (2 x 2 Spuren) und Orgel
  • ...Inwendig voller Figur... (1971) für Chorstimmen, Lautsprecher, Tonband (8- oder 4-spurig) und großes Orchester. Texte: Johannes-Apokalypse (deutsch, englisch, lateinisch, griechisch) und Albrecht Dürer
  • Tenebrae (1967) für großes Orchester
  • Soliloquia (1964) Oratorium für Soli, zwei Chöre und großes Orchester. Texte: Aurelius Augustinus

Ensemblewerke[Bearbeiten]

  • Erinnere dich an Golgatha... (2010) für Kontrabass, 18 Instrumente und Live-Elektronik
  • Miserere hominibus... (2005/2006) Kantate für sieben Solostimmen und sieben Instrumentalisten. Text: Altes Testament (51. Psalm), Octavio Páz (Il Cántaro Roto), Mahmoud Darwish (Murale), Carl Améry (Global Exit), Jacques Derrida
  • Die Seele muss vom Reittier steigen... (2002) für Violoncello solo, Baryton solo, Contratenor (oder Alt) und 37 Instrumentalisten. Text: Fragmente eines Gedichtes von Mahmoud Darwish
  • L'ombre de notre âge (1998/1999) Kontrafaktur für Kammerensemble
  • Lamentationes Sacrae et Profanae ad Responsoria Iesualdi (1993/1996-97) für sechs Sänger und zwei Instrumentalisten Text: Jeremiah, Klaus Huber, Ernesto Cardenal, Mahmud Doulatabadi
  • La terre des hommes (1987-89) für Mezzosopran, Countertenor/Sprecher und achtzehn Instrumente. Text: Simone Weil, Ossip Mandelstam
  • Intarsi (1993/94) Kammerkonzert für Klavier und siebzehn Instrumentalisten
  • Die Erde dreht sich auf den Hörnern eines Stieres (1992/93) Assemblage für vier arabische und zwei europäische Musiker und Tonband. Text: Mahmud Doulatabadi
  • Die umgepflügte Zeit (1990) In memoriam Luigi Nono. Raummusik für Viola d’amore, Mezzosopran, hohen Tenor, Sprecherin, 2 gemischte Ensembles, Chorstimmen und Instrumente im Raum verteilt. Text: Ossip Mandelstam
  • Auf die ruhige Nacht-Zeit (1958) für Sopran, Flöte, Bratsche und Violoncello . Texte: Catharina Regina von Greiffenberg
  • Des Engels Anredung an die Seele (1957) Kammerkantate für Tenor, Flöte, Klarinette, Horn und Harfe. Texte: Johann Georg Albini
  • Abendkantate (1952) für Baß, 2 Flöten, Viola, Violoncello und Cembalo

Kammermusik[Bearbeiten]

  • A Voice from Guernica (2003/08) für Bariton und Mandola/Mandoloncello (in Scordatura). Alternative Version für Altstimme, Langhalslaute und arabische Perkussion. Text: Ariel Dorfman
  • Ecce homines (1997/98) für Streichquintett
  • Agnus Dei cum recordatione (1990/91) für Singstimmen und Instrumente. Text: Gösta Neuwirth (in altfranzös. Übersetzung), lat. Messe
  • Des Dichters Pflug (1989) für Violine, Viola und Violoncello (alle dritteltönig)
  • ...von Zeit zu Zeit... (1984/85) Zweites Streichquartett
  • Ein Hauch von Unzeit IV (1976) für Sopran mit Akkordeon ad. lib.
  • Ein Hauch von Unzeit III (1972) für 2-7 Spieler (variable Besetzung)
  • Ein Hauch von Unzeit I (1972) Plainte sur la perte de la réflexion musicale - quelques madrigaux pour flûte seule ou flûte avec quelques instruments quelquonques...
  • Askese (1966) für Flöte, Sprechstimme und Tonband. Texte: Günter Grass
  • Noctes intelligibilis lucis (1961) für Oboe und Cembalo
  • Sechs kleine Vokalisen (1961) (1955) für Altstimme, Violine und Violoncello

Vokalmusik[Bearbeiten]

  • Kleines Requiem für Heinrich Böll (1991) für Chor a cappella und Bassbariton (ad lib.). Text: Hildegard von Bingen (lat.)

Solowerke[Bearbeiten]

  • Intarsimile (2010) für Violine solo
  • Winter seeds (1993) für Akkordeon
  • ...Plainte... (1990) für Viola d'amore in Dritteltonstimmung
  • Blätterlos (1975) für präpariertes Klavier
  • Ein Hauch von Unzeit II (1972) Plainte sur la perte de la réflexion musicale pour piano à une main et demie... für Klavier

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

Texte von Klaus Huber[Bearbeiten]

  • Klaus Huber: Umgepflügte Zeit. Gesammelte Schriften, hrsg. von Max Nyffeler. Verlag MusikTexte, Köln 1999, ISBN 978-3-9803151-5-9
  • Klaus Huber: Von Zeit zu Zeit. Das Gesamtschaffen. Gespräche mit Claus-Steffen Mahnkopf. Wolke Verlag, Hofheim 2009, ISBN 978-3-936000-36-8

Sammelbände und Lexika[Bearbeiten]

Weitere Schriften über Klaus Huber[Bearbeiten]

  • Ulrich Tadday (Hrsg.): Klaus Huber. edition text + kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-888-4, (Musik-Konzepte NF 137/138).
  • Jörn-Peter Hiekel, Patrick Müller (Hrsg.): Transformationen - Zum Werk von Klaus Huber. Edition Neue Zeitschrift für Musik, Mainz 2013, ISBN 978-3-7957-0823-8
  • Michael Kunkel (Hrsg.): Unterbrochene Zeichen. Klaus Huber an der Hochschule für Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel, Saarbrücken 2005. 272 S., ISBN 3-89727-304-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Neuhoff: Man muss sich immer wieder neu erfinden (Deutschlandradio Kultur am 28. März 2009).