Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach

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Erklärung der Notenschlüssel in Johann Sebastian Bachs Handschrift

Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach ist eine Sammlung kleinerer Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Bach legte das Heft für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann Bach an; der Originaltitel lautet Clavier-Büchlein vor Wilhelm Friedemann Bach. Oft wird heute der kürzere Titel Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann verwendet. Die Werke sind für verschiedene Tasteninstrumente geschrieben, hauptsächlich wohl für Clavichord und Cembalo.

Entstehung[Bearbeiten]

Auf dem Titelblatt vermerkte Bach den 22. Januar 1720 als Beginn für die Sammlung. Die meisten der enthaltenen Stücke sind Frühfassungen der später zusammengestellten Sammlungen Wohltemperiertes Klavier und Inventionen und Sinfonien. Hinzu kommen einige Suiten anderer Komponisten und viele weitere Einzelsätze, bei denen in manchen Fällen die Autorschaft umstritten ist; teilweise dürfte es sich um Kompositionsversuche Wilhelm Friedemanns handeln. Die Sätze, die die Herausgeber des Bachwerkeverzeichnis noch am ehesten mit Johann Sebastian in Verbindung bringen konnten, wurden dort unter dem Titel Neun Kleine Präludien (BWV 924 bis 932) zusammengefasst; auch sie werden von manchen Forschern Wilhelm Friedemann zugeschrieben.

Zwei Jahre später legte Bach für seine Frau Anna Magdalena ein sehr ähnliches Heft an, das Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, dem wenige Jahre danach noch ein zweites folgen sollte. Für seine anderen Kinder und seine zahlreichen Schüler sind entsprechende Sammlungen nicht erhalten.

Inhalt[Bearbeiten]

Bachs Erklärung der Verzierungen im Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach
Ausschnitt aus dem ersten Takt der Applicatio C-Dur, BWV 994. Bachs Fingersätze sind klar erkennbar.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, das eine Erklärung der Schlüssel und zur Auflösung von Verzierungen enthält. Die Stücke sind im großen und ganzen offensichtlich in einer didaktisch sinnvollen Reihenfolge angeordnet. Zu Beginn fallen besonders die Applicatio C-Dur (BWV 994) und das Präludium g-Moll (BWV 930) auf, weil sie die einzigen erhaltenen Beispiele autographer Fingersätze Bachs darstellen. (Bachs einziges anderes Werk mit erhaltenen Fingersätzen ist das C-Dur-Präludium BWV 870a, doch sind sie dort nicht von ihm selbst geschrieben, sondern möglicherweise von Johann Caspar Vogler (1696–1765), Bachs Schüler und Amtsnachfolger in Weimar[1].)

Es folgen einige leichte Einzelsätze – Präludien, Tänze und Choralbearbeitungen – und dann elf Präludien, die später in überarbeiteter Form Teil des Wohltemperierten Clavier werden sollten. Nach einigen weiteren Einzelsätzen und Skizzen folgen die Zweistimmigen Inventionen in Frühfassungen, dann zwei Suiten anderer Komponisten und abschließend die Dreistimmigen Inventionen. Bach ordnete die Inventionen hier in Reihenfolge einer auf- und absteigenden Tonleiter, die Präludien des späteren Wohltemperierten Klaviers als zweimalig zur Quart aufsteigende Leiter an.

Übersicht in der Folge der Handschrift[Bearbeiten]

Vorwort:

  • Claves Signatae“ (Erklärung der Notenschlüssel)
  • Explication unterschiedlicher Zeichen, so gewisse manieren artig zu spielen, andeuten.

Einzelne Sätze:

  • 1. Applicatio C-Dur (BWV 994): Sechzehntaktige präludienartige Komposition aus Tonleitern und Akkorden, mit Fingersätzen
  • 2. Präambulum C-Dur (BWV 924, Neun kleine Präludien Nr. 1)
  • 3. Wer nur den lieben Gott lässt walten (Choralpräludium für Orgel, BWV 691a)
  • 4. Präludium d-Moll (BWV 926, Neun kleine Präludien Nr. 3)
  • 5. Jesu, meine Freude (Choralpräludium für Orgel, BWV 753. Unvollständig)
  • 6. Allemande g-Moll (BWV 836. Möglicherweise von Wilhelm Friedemann Bach)
  • 7. Allemande g-Moll (BWV 837. Fragment, möglicherweise von Wilhelm Friedemann Bach)
  • 8. Präambulum F-Dur (BWV 927, Neun kleine Präludien Nr. 4)
  • 9. Präambulum g-Moll (BWV 930, Neun kleine Präludien Nr. 7)
  • 10. Präludium F-Dur (BWV 928, Neun kleine Präludien Nr. 5)
  • 11. Menuett 1 G-Dur (BWV 841, fremde Handschrift, möglicherweise nicht von Johann Sebastian Bach; auch enthalten im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach von 1722)
  • 12. Menuett 2 g-Moll (BWV 842, fremde Handschrift)
  • 13. Menuett 3 G-Dur ( BWV 843)

Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier, 1. Band:

Suite:

  • 25. Piéce pour le Clavecin, composée par J. C. Richter. – Suite für Cembalo von Johann Christoph Richter[2], besteht nur aus einer Allemande und einer unvollständigen Courante.

Kleine Präludien:

  • 26. Präludium C-Dur (BWV 924a, Frühfassung des ersten der Neun Kleinen Präludien)
  • 27. Präludium D-Dur (BWV 925, Neun Kleine Präludien 2)
  • 28. Präludium e-Moll (BWV 932, Neun Kleine Präludien 9)
  • 29. Präludium a-Moll (BWV 931, Neun Kleine Präludien 8)

Skizze:

  • 30. Zehn Takte einer unbetitelten Bassstimme g-Moll (ohne Bezifferung; im Bachwerkeverzeichnis nicht enthalten)

Fuge:

  • 31. Fuga a 3 C-Dur (BWV 953)

Zweistimmige Inventionen:

  • 32. Präambulum 1 C-Dur (BWV 772, Invention 1)
  • 33. Präambulum 2 d-Moll (BWV 775, Invention 4)
  • 34. Präambulum 3 e-Moll (BWV 778, Invention 7)
  • 35. Präambulum 4 F-Dur (BWV 779, Invention 8)
  • 36. Präambulum 5 G-Dur (BWV 781, Invention 10)
  • 37. Präambulum 6 a-Moll (BWV 784, Invention 13)
  • 38. Präambulum 7 h-Moll (BWV 786, Invention 15)
  • 39. Präambulum 8 B-Dur (BWV 785, Invention 14)
  • 40. Präambulum 9 A-Dur (BWV 783, Invention 12)
  • 41. Präambulum 10 g-Moll (BWV 782, Invention 11)
  • 42. Präambulum 11 f-Moll (BWV 780, Invention 9)
  • 43. Präambulum 12 E-Dur (BWV 777, Invention 6)
  • 44. Präambulum 13 Es-Dur ( BWV 776, Invention 5)
  • 45. Präambulum 14 D-Dur (BWV 774, Invention 3)
  • 46. Präambulum 15 c-Moll (BWV 773, Invention 2)

Zwei Suiten:

  • 47. Suite A-Dur von Georg Philipp Telemann. Drei Sätze: Allemande, Courante und Gigue (BWV 824)
  • 48. Partia di Signore Steltzeln, Cembalosuite g-Moll von Gottfried Heinrich Stölzel. Vier Sätze: Ouverture, Air Italien, Bourrée, Menuett. Das Menuett wurde von Bach um ein Trio erweitert (BWV 929, wo es als Neun Kleine Präludien 6 geführt wird); es findet sich auch in einer Abschrift in der 3. Französischen Suite.

Dreistimmige Sinfonien:

  • 49. Fantasia 1 C-Dur (BWV 787, Sinfonia 1)
  • 50. Fantasia 2 d-Moll (BWV 790, Sinfonia 4)
  • 51. Fantasia 3 e-Moll (BWV 793, Sinfonia 7)
  • 52. Fantasia 4 F-Dur (BWV 794, Sinfonia 8)
  • 53. Fantasia 5 G-Dur (BWV 796, Sinfonia 10)
  • 54. Fantasia 6 A-Moll (BWV 799, Sinfonia 13)
  • 55. Fantasia 7 h-Moll (BWV 801, Sinfonia 15)
  • 56. Fantasia 8 B-Dur (BWV 800, Sinfonia 14)
  • 57. Fantasia 9 A-Dur (BWV 798, Sinfonia 12)
  • 58. Fantasia 10 g-Moll (BWV 797, Sinfonia 11)
  • 59. Fantasia 11 f-Moll (BWV 795, Sinfonia 9)
  • 60. Fantasia 12 E-Dur (BWV 792, Sinfonia 7)
  • 61. Fantasia 13 Es-Dur (BWV 791, Sinfonia 5)
  • 62. Fantasia 14 D-Dur (BWV 789, Sinfonia 3)
  • 63. Fantasia 15 c-Moll (BWV 788, Sinfonia 2)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Quentin Faulkner: J.S.Bach's Keyboard Technique: A Historical Introduction. Concordia Publishing House, St. Louis 1984.
  2. Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. 2. Auflage 2007. S. Fischer, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-596-16739-5, Seite 246.