Klaviersonate Nr. 12 (Beethoven)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 12 op. 26 in As-Dur entstand um die Jahrhundertwende im selben Zeitraum wie die Arbeiten an der Ersten Sinfonie. Beethoven widmete sie dem Fürsten Karl von Lichnowsky. Stand die vorhergehende Klaviersonate op. 22 (Nr. 11) noch ganz im Zeichen klassischen Aufbaus, so fügen sich nun drei sehr experimentelle Sonaten an (diese und op. 27). Beethoven stellt dabei formale Prinzipien auf den Kopf und überrascht mit noch nie Dagewesenem.

Aufbau[Bearbeiten]

  • Erster Satz: Andante con Variazioni, As-Dur, 3/8 Takt, 219 Takte
  • Zweiter Satz: Scherzo, Allegro molto, As-Dur, 3/4 Takt, 96 Takte
  • Dritter Satz: Marcia Funèbre, as-Moll, 4/4 Takt, 75 Takte
  • Vierter Satz: Allegro, As-Dur, 2/4 Takt, 169 Takte

Erster Satz[Bearbeiten]

Recht ungewöhnlich beginnt Beethoven die Sonate mit einem Variationssatz (wenngleich auch Mozart dies schon getan hatte, in seiner berühmten A-Dur-Sonate). Das Thema ist dreiteilig und kontrastiert getragene Achtel mit kleineren, punktierten Rhythmen und Verzierungen. In den folgenden fünf Variationen benutzt Beethoven sehr gegensätzliche Techniken – mal fügt er kleine Läufe hinzu, dann ertönt das Thema in alternierenden Akkorden, dann rhythmisch verschoben, einmal auch nach as-Moll transponiert und durch dissonante Vorhalte verzerrt und schließlich in der letzten Variation in Zweiunddreißigstelfiguren aufgelöst.

Zweiter Satz[Bearbeiten]

Das Scherzo ist Beethovens Ersatz für das bis dato übliche Menuetto. Ein typischer Beethovensatz voller Sforzandi und plötzlicher Wechsel insbesondere in der Dynamik.

Dritter Satz[Bearbeiten]

Dieser Satz ist ein kleines Geheimnis für sich. Ein Trauermarsch tritt nur an dieser Stelle in Beethovens Klavierschaffen auf, hinzu kommt noch, dass Beethoven ganz einmalig hier einen Zusatz der Satzüberschrift anfügt: „sulla morte d’un Eroe“ (auf den Tod eines Helden). Ob dieser Held tatsächlich existierte (es sei der Vergleich zum Trauermarsch der Dritten Symphonie gewagt, die ursprünglich dem von Beethoven zeitweise verehrten Napoleon gewidmet war) oder ob sich dieser Marsch eher allgemein auf den Typus des „Helden“ bezog, der gerade erst durch die Französische Revolution populär geworden war, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Im Gegensatz zum dunklen und hochernsten Pathos des Trauermarschs in der 3. Sinfonie erscheint dieser Trauermarsch durchaus ein wenig „theaterhaft“, es ist mehr eine Art von gespielter oder dargestellter Trauer.

Entsprechend der Überschrift ist der Satz von punktierten Notenwerten geprägt, im Trio kann man dann vom Klavier imitierte Trommelwirbel und Fanfarenstöße ausmachen.

Vierter Satz[Bearbeiten]

Der Satz basiert auf einem Terz-Sexten-Wechsel in Sechzehntelketten. Er ist auffallend kurz (Friedrich Gulda benötigt in seiner Einspielung der Sonaten von 1967 weniger als 2½ Minuten) und kommt recht „etüdenhaft“ daher. Formal ist der Satz ein Rondo; jedoch, wie so oft bei Beethoven, finden sich auch hier Zeichen einer Auseinandersetzung mit der Sonatenhauptsatzform. Als Kontrast zum Trauermarsch geschrieben, ist dieser Satz heiter und kräftig. Pianissimo endet er in einem zufriedenen Murmeln.

Weblinks[Bearbeiten]