Klavierstimmer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klavierstimmer

Die Aufgabe eines Klavierstimmers ist es, Klaviere und Cembali zu stimmen, indem er die Spannung der Saiten reguliert und so die Töne harmonisch aufeinander abstimmt. Hinzu kommen sonstige Servicearbeiten vorwiegend beim Kunden und im Konzertbetrieb sowie die Optimierung der Intonation (des Klanges) durch entsprechendes Bearbeiten (Abziehen, Stechen etc.) der Hammerfilze sowie die Regulierung der Klaviermechanik und das Aufziehen neuer Saiten.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum Klavierbauer dauert in Deutschland dreieinhalb Jahre. Der Beruf des Klavierstimmers ist in der EU nicht überall ein Ausbildungsberuf, daher nicht geschützt. Das Erlernen des Klavierstimmens ist aber Bestandteil der Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer. Früher und gelegentlich auch noch heute war bzw. ist das Erlernen des Klavierstimmens eine mögliche Berufsausbildung für blinde Menschen.

Technik[Bearbeiten]

Ein Klavierstimmer arbeitet mit Stimmgabel oder Stimmgerät, Stimmkeilen aus Gummi, Filz oder lederüberzogenem Holz zum Abdämpfen mitklingender Saiten und einem Stimmhammer. Begonnen wird mit dem Anlegen der so genannten Temperatur-Oktave, zum Beispiel im Quintenzirkel vom Kammerton a1 aus:

a^1 \searrow a \nearrow e^1 \searrow e \nearrow h \nearrow fis^1 \searrow fis \nearrow cis^1 \nearrow gis^1 \searrow gis
as \nearrow es^1 \searrow es \nearrow b \nearrow f^1 \searrow f \nearrow c^1 \nearrow g^1 \searrow g \nearrow d^1 \nearrow a^1
Pfeil abwärts: eine Oktave hinunter – Pfeil aufwärts: eine Quinte hinauf

Würde man hier alle Oktaven und Quinten rein, also schwebungsfrei stimmen, so wäre die letzte Quinte erheblich zu eng. Aufgrund dieses so genannten pythagoreischen Kommas wird gleichstufig (in gleichschwebender Temperatur) gestimmt, das heißt, jede einzelne Quinte wird ein wenig zu eng angelegt. Nach dem Anlegen der Temperatur-Oktave stimmt man in Oktavschritten aufwärts und abwärts, bis alle Töne des Instruments richtig klingen, wobei noch zu erwähnen ist, dass die äußeren Oktaven meist „gespreizt“ werden, das heißt, man stimmt die oberen Töne höher, die unteren tiefer, als sie rein rechnerisch wären (siehe Streckung).

Auch andere Methoden, ein Klavier zu stimmen, sind gebräuchlich. Beispielsweise kann man statt des Quintenzirkels (Quinten bzw. Quarten) einen Terzenzirkel (Terzen bzw. Sexten) anlegen. Oder man stimmt a-a1 (Oktave aufwärts), a-e1 (Quinte aufwärts), a-d1 (Quarte aufwärts), e1-h (Quarte abwärts), h-fis1 (Quinte aufwärts), fis1-cis1 (Quarte abwärts), cis1-gis1 (Quinte aufwärts), gis1-dis1, dis1-b, b-f1, f1-c1, c1-g1. Dabei werden verschiedene Kontrollintervalle auf korrekte Schwebungszahlen überprüft. Bei gleichstufig angelegter Stimmung werden die Schwebungen aller Intervalle vom Bass zum Diskant gleichmäßig schneller.

Eine von Laien nicht bedachte Schwierigkeit beim Klavierstimmen ist das so genannte „Setzen“ der Stimmwirbel, das großer Feinfühligkeit und entsprechender Übung bedarf: Wenn die korrekte Position des Stimmwirbels mittels einer präzisen Drehbewegung erreicht wird, hält die Stimmung besser.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Klavierstimmer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen