Kleiderordnung

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Unter dem Begriff Kleiderordnung werden hier Auffassungen zusammengefasst, die Kleidung als Zeichensystem bzw. als nonverbale Sprache verstehen. Im Gegensatz zur „Kleiderordnung“, die Regeln oder Erwartungshaltungen bezüglich in einem Kontext akzeptierter Kleidung bezeichnen, wird hier im weiteren Sinn Kleidung als Bedeutungsträger thematisiert. Darüber bezeichnet sie Regeln und Vorschriften zur gewünschten Kleidung im privaten, gesellschaftlichen, kulturellen und geschäftlichen Umfeld. Der englische Begriff Dress Code umfasst dagegen beide Bereiche.

St George's Basilica Dress Code 2011

Inhaltsverzeichnis

Überblick [Bearbeiten]

Mit dem englischen Begriff Dress Code werden darüber hinaus auch Regeln bezüglich Kleidung bezeichnet, die nicht per Gesetz oder Erlass, sondern aufgrund weicherer Faktoren bestehen: aufgrund von Konvention, aufgrund des Bedürfnisses nach Konformität, aufgrund einer stillschweigenden Übereinkunft, eines gesellschaftlichen Konsenses (bzw. eines Konsenses in einer gesellschaftlichen Gruppe, siehe Kleidercode), oder einer Erwartungshaltung z. B. eines Veranstalters bzw. eines Arbeitgebers.

Die Standards der Kleiderordnung können sich je nach Land, Region, Religion, ethnischer Gruppierung, Unternehmens-, Zunft- oder Branchenzugehörigkeit unterscheiden. In einigen Regionen ist z. B. das Tragen einer Tracht zu öffentlichen Ereignissen erwünscht, wird außerhalb dieser Regionen jedoch als unpassend empfunden oder ist sogar verpönt. Die Kleiderordnung ist modischen Einflüssen und dem Zeitgeist (z. B. Zylinder, Gehstock) unterworfen.

Elemente [Bearbeiten]

Das Zeichensystem der Kleidung beruht auf der Variabilität der Kleidung: eng und weit, lang und kurz, einfarbig und bunt, gemustert und uni, glänzend und matt. An die unterschiedlichen Form-, Farb- und Materialvariablen sind kultur- und konventionsbedingt unterschiedliche Bedeutungen geknüpft: neu und vertraut, männlich und weiblich, alltäglich und feierlich, sowie Assoziationen bezüglich des gesellschaftlichen Status'. Besonders intensiv hat Roland Barthes sich mit der Kleidung als Zeichensystem beschäftigt.

Eine Kleiderordnung ist die Gesamtheit der zeichenhaften Elemente in einem Kleidungsstil oder in der Garderobe eines Individuums. Insgesamt umfasst sie die Variabilität der gesamten äußeren Erscheinung, d.h. alle Kleidungsstücke, Accessoires und sonstige Maßnahmen der Körpergestaltung bzw. der Körpersprache: neben der Gesamterscheinung, einzelnen Kleidungsstücken, Kopfbedeckungen , Haarschnitt, auch Farben und Marken, sowie Formen des Habitus und der Bewegung. Die Kleiderordnung stellt nicht allein Hierarchieansprüche innerhalb der Sozialsysteme dar (Rang, Titel, Insigne, Orden, Gehalt), sondern ist auch für die Orientierung und Funktionsabgrenzung innerhalb der Sozialsysteme notwendig. Daher unterscheiden sich diverse Subkulturen und Szenen sowie „zünftige“ Arbeits-, Geschäfts-, Freizeit- und Festkleidung.

Geschichte [Bearbeiten]

Geschärftes Edict in Betref der Kleider-Ordnung. Arensberg 6. September 1765: Von Gottes Gnaden. Wir Maximilian Friderich, Erz-Bischof zu Cölln, des Heil. Röm. Reichs durch Italien Erz-Canzler und Churfürst, LEGATUS NATUS des Heil. Apostolischen Stuhls zu Rom, Bischof zu Münster, in Westphalen und zu Engeren Herzog, Burggraf zum Stromberg, Graf zu Königsegg-Rottenfels, Herr zu Odenkirchen, Borckelohe, Werth, Aulendorff und Stauffen, u. U. Thuen kund und zu wissen: Demnach wir mißfälligst vernommen, daß nicht allerorten auf die Befolgung der unterm 24ten May 1764 erlassener Kleider-Ordnung von Unseren Beamten und anderen Unter-Bedienten mit gehörigen Ernst getrieben, und befohlener Maßen in vigliert werde; Uns auch ins besondere vorgetragen worden, daß viele auf dem Lande, besonders auf Kirchhöfen wohnende, und andere von der Schatzung befreyete, jedoch mit Edict specialitor nicht ausgenommene Personen, unterm Vorwand, daß sie keine Schatzpflichtigen wären, der Kleiderordnung sich zu entziehen fürchten, ferners daß einiger Orten, anstatt des verbottenen Silber und Goldes die im vorigen Edicto §pho 3tio benennte Weibs-Personen sich kostbarer Bänder sogenannter Blonden, auch Spitzen von Schmelzwerck bedienen, als haben Wir auf treu- gehorsamster Landständen Antrag und Bitt diesem Übel und Mißbrauch zu Steuren keinen Anstand nehmen wollen; Verordnen und befehlen daher gnädigst [...].

Ursprünglich hießen die Erlasse so, die die zulässige Bekleidung und den Schmuck für die einzelnen Stände festlegten. So wurde die gesellschaftliche Hierarchie optisch deutlich gemacht. Neben religiösen und moralischen Gründen spielten auch wirtschaftspolitische Erwägungen eine Rolle: Wenn z.B. in einer freien Reichsstadt ein Bürger durch luxuriösen Lebenssstil verarmte, fiel er der städtischen Fürsorge zur Last, was man eben durch genaue Kleidungs-Regeln verhindern wollte. Außerdem waren Kleiderordnungen ein Instrument des Protektionismus: Viele kostbare Materialien (z.B. Seide) mussten aus anderen Ländern importiert werden, was zu einem unerwünschten Abfluss von Kaufkraft ins Ausland führte. So heißt es in der Reichskleiderordnung von 1577: „So wird durch die gülden Tücher / Sammet / Dammast / Atlaß / frembde Tücher / köstliche Baretten / Edelgestein / Untzgold / ein überschwenklich Geld aus teutscher Nation ausgeführet“.[1]

Schon im Altertum gab es Kleiderordnungen entsprechend dem sozialen Status. Zu einem ständig wiederkehrenden Bestandteil der allgemeinen Gesetzgebung wurden die Kleiderordnungen erst im 14. Jahrhundert, in Deutschland waren es wohl zuerst die Speyerer und Frankfurter Verordnungen von 1336 sowie Göttingen mit Verfügungen von 1340 und 1342. Aus Italien, Spanien und Frankreich sind gesetzliche Bestimmungen über die Kleidung schon aus dem 13. Jahrhundert bekannt.[2] Kleidungsvorschriften wurden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von Landesherren, Reichstagen und Stadträten erlassen.

Für Prostituierte und Juden galten spätestens seit dem Mittelalter bestimmte Kleidungsvorschriften. Karl der Große erließ im Jahr 808 ein „Aufwandgesetz“, das vorschrieb, wie viel jeder Stand für seine Kleidung ausgeben durfte. In Speyer und in Straßburg wurde den Frauen 1356 lang herabfallendes und offen getragenes Haar verboten. 1370 folgte in Straßburg ein Verbot von weiblicher Unterwäsche, die die Brüste anhob.

Im 16. Jahrhundert untersagten Spanien, Frankreich, Italien und England ihren Untertanen Gold- und Silberbrokate sowie Gold- und Silberstickereien. Im Krieg der Bauern von Langensalza forderten diese 1524 vergebens, die rote Schaube der Oberschicht tragen zu dürfen. 1530 beschloss der Augsburger Reichstag eine umfassende Neuregelung der Standestrachten, die 1548 erneuert wurde. Im 17. Jahrhundert gab es in Europa zunehmend Luxus-Beschränkungen, auch aus religiösen Gründen – um Gott nicht durch das Zurschaustellen von zu viel Luxus zu erzürnen und Demut zu zeigen. In Spanien und Frankreich wurden Spitzen verboten, vor allem solche aus Belgien. Im 18. Jahrhundert gehörten gepudertes Haar und das Tragen eines Degens zum Privileg der höheren Stände. Durch die Ideen der Aufklärung gerieten diese Standesvorschriften aber zunehmend ins Wanken, und die Französische Revolution erschütterte sie vollends.

Heute bestehen Ansätze von Kleiderordnung im juristischen Sinne in westlichen Gesellschaften nur noch in äußerst marginalem Maße, z. B. in Deutschland in dem Verbot des Tragens verfassungsfeindlicher Symbole. Dresscodes aufgrund von Vereinbarung, Konsens, Konvention etc. treten aber zum Teil an ihre Stelle.

Beispiele [Bearbeiten]

Das Zeichensystem erlaubt die Unterscheidung zwischen Kellner und Gast genauso wie es den Stationsbeamten als Ansprechpartner ausweist oder im Militär die Verantwortlichkeit (Uniform). Die Kleiderordnung umgrenzt auch Sozialräume (Uniform- und Frackzwang, Tracht der Mönche, Kastenzugehörigkeit) und signalisiert die Ausgrenzung (Judenstern, Gefängniskleidung, Teeren und Federn etc.) genauso die Zugehörigkeit zu Bevölkerungsgruppen, Traditionen und Weltanschauungen (Kopftuch). Die Kleiderordnung als persönliche Reklame (Selbstinszenierung) umfasst Styling und Outfit. Hier gibt es jenseits der Nationaltrachten auch im internationalen Stil deutliche Unterschiede zwischen Europa und anderen Kontinenten.

Eine Variante der Selbstinszenierung ist die Meinungsäußerung durch den Dress Code durch Aufdrucke auf T-Shirts und durch Buttons. Religionszugehörigkeit, Lieblingsverein und vieles mehr können so nach außen gezeigt werden. Eine Besonderheit stellt dabei der soziale Rollentausch anlässlich des Karnevals und der Kostümfeste dar.

Elemente der Kleidung signalisieren darüber hinaus eine rollenspezifische Zugehörigkeit und Zuordnung zu einer oder mehreren Gruppen, zu hierarchisch geordneten Gruppen (Stand, Schicht, Klasse, Kaste, etc.) und zu gleichberechtigt nebeneinander bestehenden Gruppen. Diese durch die Kleiderordnung vermittelten gesellschaftlichen Verweise signalisierten Ansprüchen auf einen gesellschaftlichen Status, indem sie dem Dress Code der Gruppe gerecht werden. Dadurch ist ein gesellschaftlicher Status simulierbar, der durch Kleiderordnungen vermieden werden soll (Hauptmann von Köpenick); bis heute gelten z.B. bestimmte Uniformen mit Staatswappen als Hoheitszeichen, die nicht nur konventionsbedingt, sondern auch juristisch nicht von jedermann getragen werden dürfen.

Das Gegenbild zum zeichenhaften Bekleidetsein ist die Nacktheit, die wie die Entblößung jedoch auch zum Mitteilungspotential des Kleidercode gehört (Hans Christian Andersen: Des Kaisers neue Kleider).

Es gibt starke Unterschiede zwischen Zeitstilen und Alters- bzw. Generationsstilen. So war etwa die Strumpfhose ursprünglich ein rein dem Mann zugeordnetes Kleidungsstück, das im 20. Jahrhundert zunächst hauptsächlich für Kinder und Frauen wieder eingeführt wurde, aber in den letzten Jahrzehnten (im Zuge der Tendenz zur Unisex-Kleidung) wieder zunehmend auch von Männern getragen wird. Die geschlechtsspezifischen Zuordnungsschemata sind also zeitbedingten Wandlungen unterworfen.

Moderne Kleiderordnungen [Bearbeiten]

Ausdrücklich geforderte Kleiderordnungen

Heute bestehen Kleiderordnungen im Sinne von Vorschriften eher im Rahmen von Veranstaltungen oder im Arbeitsleben.

  • Im Bereich von Veranstaltungen wird versucht, durch Dress-Codes eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. Dazu wird mitunter auf Einladungen die gewünschte Kleiderordnung angegeben, oftmals wird die Einhaltung der passenden Kleiderordnung jedoch auch stillschweigend vorausgesetzt. So existiert in Casinos häufig eine Kleiderordnung für männliche Besucher, die ein Jackett und eine Krawatte zwingend vorschreiben und in Ermangelung ausleihbar sind.[3]
  • Im Arbeitsleben wird die Kleidung der Mitarbeiter über Vorschriften von Arbeitgeberseite dem angestrebten Image, der angestrebten Unternehmenskultur oder der Corporate Identity eines Unternehmens angepasst. Was dabei vorgeschrieben ist, kann sehr unterschiedlich sein: von der geforderten Farbwahl über einen bestimmten Stil oder bestimmten Standard-Kleidungsstücken bis hin zur kompletten, standardisierten Uniform liegt alles im Bereich des Üblichen.

Im deutschen Bundestag tragen die Saaldiener stets Frack.

Im Sport

Praktisch bei allen Sportarten, bei denen organisierte Wettkämpfe durchgeführt werden, existieren Kleiderordnungen. Diese werden vom Zuschauer in der Regel nicht als solche wahrgenommen, da sie schon so sehr verinnerlicht oder aus praktischen Gründen selbstverständlich erscheinen. (Schienbeinschoner beim Fußball oder gleiche Trikofarbe einer Mannschaft). In der Regel steht dabei die Funktionalität ein geregelten Wettkampf durchzuführen, sowie die Sicherheit der Athleten im Vordergrund.

Im Bereich des Mannschaftssports (z. B. Handball, Fußball, Hockey) sind die Mannschaften durch die Kleidung, meistens die Trikotfarbe gekennzeichnet. Diese werden vor dem Spiel oder Wettkampf vereinbart, wobei häufig die Vereinsfarben verwendet werden. Die Heimmannschaft hat hier in der Regel das Recht ihre Farbe auszuwählen. Schiedsrichter, sofern sie keine reservierte Farbe tragen und die Gastmanschaft wählen dann möglichst eine andere Farbe. Grundsätzlich ist der Schiedsrichter für die Einhaltung der Kleiderordnung zuständig. Er überprüft vor dem Beginn des Wettkampfes die Vollständigkeit und Richtigkeit der Spielerkleidung.

Teilweise gehen die Kleiderordnungen aber auch über die Anliegen der Funktionalität und Sicherheit hinaus. So regelt in ästhetischen Sportarten, wie dem Tanzsport, eine Kleiderordnung sehr genau, ab welcher Startklasse (Leistungsstärke), sowie Startgruppe (Alterseinteilung) bestimmte Kleidungsstücke getragen werden dürfen. Auch sind Schnittformen für Kleider, Absatzhöhen und Make-Up in den Startgruppen der Kinder und Jugendlichen genau regelmentiert (Sexualisierung, Jugendschutz). Hierzu kommt noch die Tradierung der Geschlechterrollen. So waren Damen im Eiskunstlauf bis zur Regeländerung 2004 verpflichtet, im Wettbewerbsprogramm einen Rock zu tragen, seitdem sind Rock, Hose oder Trikot erlaubt.[4] Männliche Eiskunstläufer müssen Hosen tragen. Accessoires wie Hüte, Stolas, Stöcke etc. sind ausschließlich beim Schaulaufen gestattet.[5][6]

Besonders auffällig sind Kleiderordnungen in Sportarten, die eine Tradition mitbringen oder diese besonders betonen möchten: Bei den Wimbledon Championships wurde lange Zeit eine alte Regelung erhalten, wonach die Kleidung der Tennisspieler zu 90 % weiß sein soll. Sie wurde dann doch seit den 1990er Jahren aufgeweicht (Mode, Sponsoren), gelangte aber in den 2010er Jahren wieder in Erinnerung. Auch im Reit- und Fahrsport wird dies deutlich. Dort gilt die Kleiderordnung gemäß Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die sehr detailliert die Kleidung der Sportler vorschreibt.

Kleiderordnungen gelten jedoch nicht nur für die Athleten. Teilweise sind auch Kleiderordnungen für Schiedsrichter, Turnierleiter, Wertungsrichter und Kampfrichter vorhanden. Sie unterliegen heute aber dem Diktat der großen Sportmodehersteller: So verließen Fußballschiedsrichter das Schwarz.

Beispiele für übliche Kleiderordnung [Bearbeiten]

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Geschäftlich

  • smart casual (englisch) – legereres Business Outfit. Der Herr trägt einen Tagesanzug mit Hemd, geschlossene Schuhe, bevorzugt dezente Farben, Krawatte möglich. Die Dame trägt Kostüm oder Hosenanzug und kann dazu anstelle der Bluse ein T-Shirt kombinieren.
  • creative casual (englisch) - in kreativen Branchen wie Werbung, Webdesign und Fernsehen übliche Variante von smart casual, die seit Ende der 90er Jahre populär ist. Der Herr trägt T-Shirt/Poloshirt und Sakko, Poloshirt oder langärmeliges Hemd, eine lange modische Jeans und geschlossene Lederschuhe oder Sneakers. Die Dame trägt ein Top und dazu einen Rock oder eine lange Hose sowie hohe Schuhe. Oft wird bei Events in der Medienbranche smart casual gefordert, gemeint ist dann aber meistens creative casual.
  • Bürokleidung (englisch business casual) – stark schwankende Definition, die nahezu alles zwischen voller Business-Kleidung und smart casual meinen können. An der US-Westküste können hiermit teilweise sogar kurze Hosen, hochwertige Sandalen und T-Shirts gemeint sein; in Europa teilweise hingegen nur das zeitweise Recht, d.h. wenn keine Kunden in „Sichtweite“ sind, zum Verzicht auf Krawatte und Anzugjacke.
  • Business-Kleidung (englisch business attire) – Kostüm, Anzug, Krawatte
  • Casual Friday – ist eine amerikanische Erfindung und seit den 1950er Jahren in manchen Unternehmen praktizierte Gepflogenheit, dass am Freitag angesichts des sich nähernden Wochenendes legerere oder sportliche Kleidung getragen werden darf. Der Herr trägt z.B. Jackett und Hose, aber ohne Krawatte. Möglich ist auch eine saubere Jeans.

Privat In der Übersicht, für Herren (mit ungefähren englischen Äquivalenten):

Formalität (abnehmend) Tagsüber (daywear) Abends (eveningwear)
Formell: Großer Gesellschaftsanzug Cutaway (Morning Dress) Frack (White Tie)
Halbformell: Kleiner Gesellschaftsanzug Stresemann (Stroller) Smoking (Black Tie)
Informell: Abendgarderobe Herrenanzug (Lounge suit)
  • „white tie“, „cravate blanche“, „großer Gesellschaftsanzug“ – Abendgarderobe formal (seriös und festlich), für Herren Frack und für Damen langes Abendkleid
  • Cutaway („morning dress“) als großer oder Stresemann als kleiner Gesellschaftsanzug für formelle und festliche Anlässe am Vormittag oder frühen Nachmittag (besonders Hochzeiten)
  • „black tie“, „cravate noire“ oder „Gesellschaftsanzug“ – formal (seriös und festlich), für Herren Smoking (Smoking erst ab 18:00) und für Damen langes Abendkleid, das aber schulterfrei sein darf
  • Abendgarderobe - für Herren dunkler Anzug (mit Krawatte!) und für Damen Cocktailkleid
  • Bieranzug – Anzughose, Polo-Shirt oder Hemd, Jackett von einem Anzug (nicht unbedingt vom gleichen Stoff, wie die Hose) oder Blazer, Lederschuhe
  • leichter Bieranzug – bequeme Hose (auch Jeans), Polo-Shirt oder Hemd, Jackett (möglichst nicht zu einem feinen Anzug gehörend, sondern besser etwas Derberes) – Anstelle des Jacketts geht auch eine wenig gemusterte Strickjacke oder ein wenig gemusterter Wollpullover zum Überziehen, keine Sandalen
  • dresscode frivol – freizügiger Nude-Look-Stil im privaten Bereich mit Betonung auf Erotik
  • dresscode black/dresscode fetisch – auf Szene-Partys der Lack-Leder-Latex-Gummi-Fetischisten (erotisch). Wer sich nicht dem Dresscode entsprechend kleidet, erhält keinen Einlass; so wird dem Problem begegnet, dass Leute nur zum „Gaffen“, ohne wirkliches Interesse an der Szene, kommen.

Daneben gibt es auch noch Kleiderordnungen, die technisch bedingt sind. Hierzu gehört zum Beispiel, dass Bereiche von lebensmittelverarbeitenden Betrieben oder anderen Produktionsstätten, in denen hohe Reinlichkeit verlangt wird, nur mit Kopfbedeckungen betreten werden dürfen, offizielle Begründung: damit keine Haare herunterfallen. Andere technisch bedingte Kleidungsvorschriften sind das in manchen Fabriken vorgeschriebene Tragen von Schutzkleidung. In Italien ist in Schwimmbädern Badekappenpflicht, auch für Herrn mit Glatze.

Beispiele für technisch bedingte Kleiderordnungen [Bearbeiten]

Es gibt auch Kleiderordnungen, die sowohl sachlich als auch kulturell bedingt sind. So wird gelegentlich nicht gestattet, Tanzsäle und Diskotheken mit Turnschuhen oder Sneakers zu betreten. Begründet wird es entweder damit, dass sich im Profil der Turnschuhe kleine Steinchen festsetzen, welche die Tanzfläche zerkratzen, oder aber, dass Personen mit Turnschuhen nicht ins gehobenere Erscheinungsbild passen.

Arbeitsrechtlich steht dies auch für den Unterschied zwischen Schutz- und Dienstkleidung. Schutzkleidung wird durch die Unfallversicherung vorgeschrieben und ist vom Arbeitgeber zu stellen (bzw. zu bezahlen; z. B. OP-Kleidung, die vor Kontakt mit Patientenblut schützen soll). Aber Dienstkleidung in diesem engen Sinn dient dagegen nur der „Kleiderordnung“, z. B. wird eine Berufsgruppe dadurch kenntlich gemacht (Pförtner z. B.) und Ähnliches. Diese ist vom Beschäftigten anzuschaffen und zu unterhalten (lfd. Rechtsprechung, z. T. auch Tarifverträge).

Kleiderordnung aufgrund von Konvention und Übereinkunft [Bearbeiten]

Kein Eintritt mit unbedeckten Schultern bzw. kurzen Hosen/kurzen Röcken - Kleiderordnungsschild am Petersdom, Rom

Häufig werden die oben genannten Kleiderordnungen auch stillschweigend erwartet, wenn man sich in eine bestimmte gesellschaftliche Situation begibt, eine bestimmte Art von Veranstaltung besucht oder eine gesellschaftliche Rolle (z. B. eine Funktion in einem Unternehmen) einnimmt.

Gesamtgesellschaftliche und milieuspezifische Kleiderordnungen entstehen auch durch stillschweigende Übereinkunft über Konvention und das Bedürfnis nach Konformität als Ausdruck von Zugehörigkeit infolge sich etablierender Moden. Diese Kleiderordnungen werden oft nicht als solche wahrgenommen, haben aber trotzdem den Charakter stereotypartiger Muster, die in der Außenwahrnehmung und -beschreibung nicht selten zum Klischee stilisiert werden.

Kulturelle, subkulturelle, geistige und politische Gruppierungen entwickeln oft eigene Kleiderordnungen. Diese Kleiderordnungen unterscheiden sich vom allgemeinen Standard jenseits der Gruppe und sollen die Zugehörigkeit zur Gruppe nach außen oder nach innen (u. a. auch durch geheime Kleiderordnungen) kenntlich machen. Die Kleiderordnungen werden von den Gruppenangehörigen häufig als kollektiver ästhetischer Ausdruck ihres jeweils individuellen Lebensgefühls empfunden und zeichnen den einzelnen jenseits der Gruppe doch insofern als Individualist aus, dass er den Mut hat, sich zu einer Minderheit einer selbst gewählten Lebensstilgruppe zu bekennen. Ein Beispiel hierfür sind Studentenverbindungen (siehe: Couleur) und ihre Kleiderordnung sowie die Dress-Codes unterschiedlicher Szenen der Jugendkultur, z.B der Punk-, Gothic- oder Skaterszene.

In den meisten Religionen gibt es Kleidungsvorschriften für Gotteshäuser. Während der männliche Besucher einer christlichen Kirche den Kopf entblößt, bedeckt er ihn vor dem Betreten der Synagoge, in der Regel mit der Kippa. Eine Moschee betritt man nicht mit Schuhen, Frauen haben dort ein Kopftuch zu tragen.

Nichteinhaltung und die Folgen [Bearbeiten]

Die Nichteinhaltung der ausdrücklich oder stillschweigend geforderten Kleiderordnung kann z. B. dazu führen, dass Besucher (auf Veranstaltungen, Festen, Konzerten, bei Audienzen, Spielbanken etc.) nicht eingelassen werden. Bei wichtigen persönlichen Ereignissen, wie z. B. beruflichen Vorstellungsgesprächen, kann unangemessene Kleidung die Erfolgsaussichten deutlich reduzieren.

Die Einhaltung der zur jeweiligen Situation passenden Kleiderordnung dokumentiert die Anpassungsbereitschaft an die Gepflogenheiten der die Ordnung verabschiedenden Personen. Je nach Höhe dieser Erwartung an Anpassung bzw. Unterwerfung fallen die Sanktionen des Gegenübers gegen tatsächliche oder vermeintliche Verstöße mehr oder weniger rigide aus, was sich von unterkühlter Behandlung bis hin zum völligen Ausschluß aus der Gesellschaft ausdrücken kann. Die Kleiderordnung spiegelt so in symbolisierter Weise die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen der betreffenden Gruppe wider und muss mit den von ihr vertretenen Verhaltensidealen in Einklang stehen.

Als overdressed wird jemand bezeichnet, der eine zu dem jeweiligen Anlass übertrieben förmliche Kleidung gewählt hat.

Literatur [Bearbeiten]

  • Liselotte Constanze Eisenbart: Kleiderordnungen der deutschen Städte zwischen 1350 und 1700. Göttingen 1962
  • Roland Barthes: Die Sprache der Mode (Originaltitel: Système de la mode, 1967 übersetzt von Horst Brühmann). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-11318-6.
  • Birgit Richard: Die oberflächlichen Hüllen des Selbst. Mode als ästhetisch-medialer Komplex. Online: Jugend Kultur Archiv

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Wikisource: Kleiderordnungen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Ingeborg Petraschek-Heim: Kleiderordnungen. in: Franz C. Lipp et. al. (Hg.): Tracht in Österreich. Geschichte und Gegenwart. Christian Brandstätter Verlag, Wien 1984 ISBN 3-85447-028-2 S. 209-214, hier S. 212
  2. Dr. Eva Nienholdt, Berlin: Pelzwerk in Kleiderordnung. In: Das Pelzgewerbe. Jahrgang XVI Neue Folge, 1965, Heft 2, S. 70–78.
  3.  WestSpiel (Hrsg.): Kleiderordung in der Spielbank Duisburg. (HTML, abgerufen am 30. September 2012).
  4. http://www.bz-berlin.de/archiv/revolution-ohne-rock-article227486.html
  5. www.abendblatt.de: Rockpflicht beim Eiskunstlaufen abgeschafft
  6. www.news.ch: Keine Rockpflicht mehr für Eiskunstläuferinnen