Kleinbahn Haspe–Voerde–Breckerfeld

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Hagen-Haspe–Breckerfeld
Kursbuchstrecke: 209-281 (1914)
Streckenlänge: 18,39 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 1200 =
Maximale Neigung: 50 
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Hinweis: es sind nicht alle Stationen aufgeführt
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von Dortmund
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0,00 Hagen-Haspe (ehemals Bahnhof)
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von Wuppertal-Elberfeld
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Verknüpfung mit der Hagener Straßenbahn
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0,30 Haspe Dammstraße
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2,40 Schützenhof
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3,10 Hasperbach
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4,80 Verneis
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Plessen-Viadukt über den Hasperbach
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7,40 Plessen
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9,10 Voerde
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11,60 Bilstein
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12,30 Kotthauser Heide
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13,10 Oberbauer
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14,70 Niedernheede
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15,10 Delle
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Peyinghaus
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Brauck
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Lück
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18,39 Breckerfeld
Der Plessen-Viadukt heute
Ehemaliger Bahnhof Breckerfeld
Ehemaliges Umspannwerk am Schützenhof
Historischer Hagener Straßenbahnwagen auf der Bergischen Museumsbahn

Die Kleinbahn Haspe–Voerde–Breckerfeld war eine meterspurige Kleinbahn, sie verband die Städte Breckerfeld und Voerde mit dem Bahnhof Hagen-Haspe an der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund und wurde zuletzt ähnlich einer Überlandstraßenbahn betrieben. Die Schmalspurbahn führte aus dem engen Tal des Hasperbaches mit einer Kehre in der Nähe der Hasper Talsperre und einer Spitzkehre am Bahnhof Voerde auf die weite Breckerfelder Hochfläche, die in etwa 350 Meter Höhe über Normalnull die Umgebung überragt.

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnung[Bearbeiten]

Die Strecke wurde in den Jahren 1901 bis 1907 von der Kleinbahn Voerde-Haspe Ges. m. b. H. erbaut, die Eigentümer der Gesellschaft waren:

Als erstes Teilstück ging am 1. Mai 1903 der 9,1 Kilometer lange Abschnitt Haspe–Voerde in Betrieb, bevor die Bahn am 30. September 1907 ihre Gesamtlänge von 18,39 Kilometern erreichte. Davon verliefen 2,40 Kilometer auf öffentlichen Straßen, der Rest des Strecke besaß einen eigenen Bahnkörper abseits befestigter Wege. Im Spitzkehrenbahnhof Voerde mussten die Züge dabei ihre Fahrtrichtung wechseln.

Hauptzweck der Bahn war der Güterverkehr im Tal des Hasperbaches sowie auf die Breckerfelder Hochfläche, wo sich diverse Handwerksbetriebe der Kleineisenindustrie angesiedelt hatten. Zu diesem Zweck wurden die normalspurigen Güterwagen der Eisenbahn auf Rollwagen beziehungsweise Rollböcke verladen. Hierzu existierte ab November 1904 ein Anschluss zum Staatsbahnhof Haspe an der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund, wo sich eine Rollbockgrube befand. Der Personenverkehr wurde im Stundentakt bedient. Für weiteren Betrieb auf der Kleinbahn sorgte der zwischen 1901 und 1904 erfolgte Bau der Hasper Talsperre, für deren Sperrmauer die Bahn das Material transportierte.

Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Betreibergesellschaft jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste 1921 den Personenverkehr einstellen. Die Gründe dafür lagen im allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang nach dem Krieg.

Elektrifizierung und Integration ins Hagener Straßenbahnnetz[Bearbeiten]

Die Bahn und die Anteile der zuvor am Bau beteiligten Institutionen wurden 1927 von der Hagener Straßenbahn AG übernommen. Ursache für die Übernahme des angeschlagenen Unternehmens durch die Stadt Hagen war die letztlich 1929 erfolgte Eingemeindung der ehemals selbstständigen Stadt Haspe. Die Stadt Hagen erhoffte sich durch die Übernahme der Kleinbahn eine Ausweitung ihres Einflussbereiches auf die Städte und Gemeinden der Umgebung.

Im Zuge dieser Übernahme wurde die Kleinbahn elektrifiziert und in das Netz der Hagener Straßenbahn integriert, fortan pendelte die Linie 11 zwischen Breckerfeld und Hagen Markt. Dabei kam aufgrund der großen Streckenlänge eine vom Hagener Stadtnetz, wo mit 550 Volt gefahren wurde, abweichende Spannung von 1200 Volt Gleichstrom zur Anwendung. Für den daraus resultierenden Mischbetrieb beschaffte die Hagener Straßenbahn – auf Kosten des restlichen Straßenbahnbetriebs – in den Jahren 1927 und 1928 bei Killing 16 spezielle Zweisystemtriebwagen mit den Betriebsnummern 200 bis 215.[1] Im Güterverkehr verkehrten fortan Elektrolokomotiven, die zuvor auf der Strecke verkehrenden Dampflokomotiven wurden verkauft.

Nominal unterstand der Betrieb auf der Überlandstrecke der Hagener Vorortbahn GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Hagener Straßenbahn AG. Eine Betriebserleichterung stellte die ebenfalls 1927 eröffnete Wendeschleife im Bahnhof Vorde dar, die den neuen Personenwagen den Fahrtrichtungswechsel ersparte. Im Gegensatz dazu konnten die Güterzüge die Kehre aufgrund ihrer engen Radien nicht benutzen.

Wegen des nicht mehr finanzierbaren Kapitaldienstes meldete die Hagener Vorortbahn GmbH 1931 ebenfalls Konkurs an. Die Hagener Straßenbahn AG übernahm daraufhin den Betrieb selbst und deckte das Defizit mit Überschüssen aus anderen Betriebszweigen.

Niedergang[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich für die Kleinbahn die Konkurrenz durch den motorisierten Individualverkehr immer stärker bemerkbar. Dennoch stellte die Gesellschaft ihre Überlandstrecke noch zum 8. April 1951 auf die niedrigere Stadtspannung um, woraufhin sie von allen Straßenbahnwagen flexibel bedient werden konnte. Am 1. Juli 1954 wurde der Güterverkehr eingestellt, die Elektrolokomotiven dienten fortan nur noch zur Schneeräumung. Ab 1955 verkehrte vorübergehend die Linie 3 Emst–Breckerfeld auf der Vorortbahn, bevor am 2. März 1958 wieder die Linie 11 – die jetzt von modernen Duewag-Großraumwagen bedient wurde – auf die Strecke zurückkehrte. Am 2. November 1963 fuhr schließlich die letzte Bahn nach Breckerfeld, als die Linie 11 zur Haltestelle Corbacher Straße in Haspe verkürzt wurde.

Heute ist von der Strecke noch das Breckerfelder Empfangsgebäude, der Viadukt unterhalb der Hasper Talsperre, der Lokomotivschuppen und das Umspannwerk in Hagen-Haspe am Schützenhof vorhanden sowie die Strecke selbst, die zu weiten Teilen als Wander- und Radweg genutzt wird. Die Steigung übersteigt an keiner Stelle die Grenze von drei Prozent, so dass sich die Strecke als Fahrradweg aus dem Ruhrgebiet ins Sauerland anbietet.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Eine Besonderheit der Strecke waren die beiden Mallet-Dampflokomotiven. Eine dieser für deutsche Schmalspurbahnen ungewöhnlichen Maschinen blieb bei der Schweizer Museumsbahn Blonay–Chamby als Lokomotive 105 betriebsfähig erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4 Ruhrgebiet. EK-Verlag, Freiburg i.Br. 1994, ISBN 3-8825-5334-0.
  • Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 5 Bergisches und Siegerland. EK-Verlag, Freiburg i.Br. 2000, ISBN 3-8825-5333-2.
  • Gerd Wolff und Lothar Riedel: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 5 Nordrhein-Westfalen (Nordwestlicher Teil). Freiburg 1998, ISBN 3-88255-662-5, S. 136–152.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleinbahn Haspe–Voerde–Breckerfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.tram-info.de