Kleinbergbau

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Kleinbergbau in Afrika

Als Kleinbergbau bezeichnet man die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen mit einfachen, nicht industriellen Methoden. Weltweit arbeiten derzeit etwa 15 Millionen Menschen im Kleinbergbau.[1] Kleinbergbau, bei dem die bergmännischen Arbeiten nur manuell getätigt werden, bezeichnet man auch als artisanalen Bergbau.

Grundlagen[Bearbeiten]

Um eine Lagerstätte mit großen Bergbaumaschinen bergbaulich nutzen zu können, muss diese eine entsprechende Mindestgröße haben. Ob die Lagerstätte entsprechend abbauwürdig ist, hängt von vielen Faktoren ab. Viele Lagerstätten sind aufgrund ihrer geringen Größe für industriellen Bergbau mit schweren Bergbaumaschinen und langfristige Abbauverfahren ungeeignet.[2] Diese Lagerstätten werden, wenn sie Bodenschätze von höherem Wert enthalten, im Kleinbergbau ausgebeutet. Bevorzugt werden Edelmetalle, Buntmetalle, Stahlveredler wie Chrom oder Nickel und Refraktärmetalle, wie z. B. Tantal, Niob oder Wolfram, im Kleinbergbau abgebaut.[3] Die Bodenschätze werden je nach Mächtigkeit der Deckschicht entweder im Tagebau oder im tagesnahen Untertagebau gewonnen.

Werkzeuge und Maschinen[Bearbeiten]

Der Mechanisierungsgrad der Kleinbetriebe ist gering, meistens werden einfache bergmännische Handwerkzeuge wie z.B. Spitzhacken verwendet. Falls Maschinen zum Einsatz kommen, werden diese aus Kostengründen gebraucht gekauft. Dies führt oftmals zu Produktionsausfällen aufgrund der hohen Stillstandszeiten.[4] Auch die Aufbereitung der Erze weist unterschiedliche Mechanisierungsgrade auf. Diese reichen von einfacher Handarbeit (wie zum Beispiel Zerstampfen des Erzes mit einem Mörser) über mittelalterliche Methoden wie Pochwerke, Waschrinnen und Stoßherde bis zu modernen Maschinen wie beispielsweise Schlagwalzenbrechern.[5]

Kleinbergbau früher[Bearbeiten]

Während der spanischen Kolonialzeit wurde in fast allen lateinamerikanischen Ländern Kleinbergbau betrieben, teilweise reicht dieser Bergbau sogar bis in die vorkolumbianischen Epochen zurück.[4] In Europa wurde schon ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert Eisenerz[6] in Mollkauten, später in Pingen und ab dem 10. Jahrhundert Steinkohle[7] mittels Kohlengräberei in kleinen Pütts abgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vielfach sogenannter Notbergbau betrieben, bei dem im Kleinbergbau mit einfachsten, primitiven Mitteln am Rand der bekannten Steinkohlenreviere eigentlich nicht gewinnungswürdige Restpfeiler abgebaut wurden. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland durch Kleinzechen der Spitzenbedarf an Steinkohle gedeckt.[8] In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland Kupferschieferflöze mit einer Mächtigkeit von drei bis 10 Zentimetern im Duckelbau abgebaut.[9]

Kleinbergbau heute[Bearbeiten]

Kleinbergbau gibt es heute in fast allen Ländern Lateinamerikas. Hier hat der Kleinbergbau einen Anteil von sechs bis acht Prozent an der Goldförderung.[4] Der Anteil des Kleinbergbaus an der weltweiten Goldproduktion beträgt rund 25 %.[10] Im Jahr 2004 wurden etwa 15 bis 20 Prozent der weltweit benötigten mineralischen Rohstoffe im Kleinbergbau gefördert. Zusätzlich zu den 15 Millionen Menschen, die direkt im Kleinbergbau beschäftigt sind, sind Hochrechnungen zufolge weitere 85 Millionen Menschen in Nebenbetrieben des Kleinbergbaus beschäftigt. Insgesamt sind somit rund 100 Millionen Menschen vom artisanalen Bergbau wirtschaftlich abhängig.[11] Von den 15 Millionen Arbeitern in den kleingewerblichen Minen sind etwa 30 Prozent Frauen und Kinder. Während die Männer das Erz in den Gruben hereingewinnen, sortieren die Frauen und Kinder das Erz und trennen es mit einfachen Werkzeugen vom tauben Gestein.[12]

Umweltbelastung[Bearbeiten]

Durch den Kleinbergbau kommt es verstärkt zu Umweltbelastungen. Bei der Goldgewinnung wird ebenso wie im industriellen Goldbergbau Quecksilber zur Amalgamierung der goldhaltigen Konzentrate eingesetzt. Nach Schätzungen werden im Kleinbergbau dafür mehrere hundert Tonnen Quecksilber jährlich verbraucht. Das Quecksilber gelangt durch die Aufbereitungsprozesse in den Boden und ins Wasser, beim Brennen des Amalgams gelangt das Quecksilber auch in die Atmosphäre und wird über weite Teile der Region verteilt.[5] Außerdem kommt es durch den Kleinbergbau zu Erosionen und Verschlammung der Flüsse, dies beeinträchtigt die betroffenen Gebiete langfristig schwer.[1] Durch die Verschmutzung und Vergiftung der Flüsse können diese nicht mehr als Trinkwasserreservoir genutzt werden und der Fischbestand wird stark negativ beeinträchtigt.[13] Beim Abbau von Silber im Kleinbergbau fallen bei der Silberaufbereitung große Mengen an Blei an. Durch das Blei werden Luft und Böden der betroffenen Regionen verseucht. Insbesondere in Ländern mit niedrigen Umweltstandards wie z. B. Peru ist dies besonders gravierend.[10]

Ausbildung und Arbeitssicherheit[Bearbeiten]

Im Kleinbergbau werden oftmals nicht oder nur sehr schlecht ausgebildete Bergarbeiter beschäftigt. Gut ausgebildete Bergleute sind für diese Tätigkeiten nicht zu bekommen. Dies liegt häufig an der schlechteren Bezahlung und den niedrigen Sicherheitsstandards in den Kleinbetrieben. Schon Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts war es schwierig, gut ausgebildete Bergleute für den Kohlenbergbau zu bekommen. So hatte ein Hauer in Kleinbergbau einen geringeren Verdienst als ein Fördermann in einem großen Bergwerk.[14] Bei der Arbeit mit den eingesetzten Chemikalien tragen die Bergleute keine Schutzausrüstungen, da für Schutzmaßnahmen in der Regel kein Geld vorhanden ist.[10] Teilweise tragen die Arbeiter weder Schutzhelme noch Sicherheitsschuhe. Auch Arbeitsanzüge sind vielfach nicht vorhanden.[15]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hermann Wotruba: Kleinbergbau und seine Umweltauswirkungen- von traditionellen Methoden zu angepaßter Technologie. RWTH Aachen (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012)
  2. Ernst-Ulrich Reuther: Einführung in den Bergbau. 1. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1982, ISBN 3-7739-0390-1
  3. Alexander Aust: Die Bodenschätze Südamerikas. Studienarbeit, 1. Auflage, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-638-95525-6
  4. a b c Jürgen Vasters: Die Förderung des Kleinbergbaus in Chile durch die Nacional de Mineria (ENAMI). In: bergbau 12/2006. Ring Deutscher Bergingenieure, 2006, S. 542–548, abgerufen am 25. April 2011 (PDF; 327 kB).
  5. a b H. Wotruba: Technische Alternative zur Goldamalgamierung im Kleinbergbau. RWTH Aachen
  6. Wolfgang Stössel & Lars B. Steffens: Bergmannskuh und Himbeerspat: Der Siegerländer Bergbau. Das Erklärbuch, Verlag amadeusmedien, November 2004, ISBN 3-9808936-7-7
  7. Joachim Huske: Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seinen Anfängen bis zum Jahr 2000. 2. Auflage, Regio-Verlag Peter Voß, Werne, 2001, ISBN 3-929158-12-4
  8. Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 1994, ISBN 3-7845-6992-7
  9. Technische Universität Clausthal: Kupferschiefer (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012)
  10. a b c Jörg Eggimann: Fragwürdige Rohstoffe der Schmuckbranche (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012; PDF; 249 kB)
  11. Bundestalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Bedeutung und Probleme des globalen Kleinbergbaus. (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012; PDF; 777 kB)
  12. Terre de hommes: Peru ein Land im Ausverkauf (abgerufen am 22. Oktober 2011)
  13. DNR Themenheft 2008: Glänzende Geschäfte. Der Goldabbau in Guyana hat verheerende Folgen für die indigene Bevölkerung (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012; PDF; 122 kB)
  14. Norbert English: Braunkohlenbergbau und Arbeiterbewegung. Collegium Carolinum, Druck Novotny jun. Söcking, München Wien Oldenbourg 1982, ISBN 3-486-51061-4
  15. Cornelia Reichert: Das blutige Mineral. FAS Wissen (zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2012; PDF; 523 kB)