Kleinstaaterei

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Karte des Deutschen Bundes, 1815–1866

Kleinstaaterei ist ein in der Regel abwertendes, deutschsprachiges Schlagwort für eine als besonders ausgeprägt wahrgenommene föderale Struktur, insbesondere in Bezug auf die Territorialisierung und den Föderalismus in Deutschland.

Es wurde erstmals 1814 vom alldeutsch-nationalistisch eingestellten „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn als politisches Schlagwort gebraucht und verbreitete sich im deutschen Sprachraum.[1] In Ecce Homo,[2] Die fröhliche Wissenschaft,[3] Götzen-Dämmerung[4] und Jenseits von Gut und Böse[5] wandte Friedrich Nietzsche das Wort auf die gesamteuropäische Situation seiner Zeit an.[6] Das Wort „Kleinstaaterei“ wurde auch auf das Italien vor dem Risorgimento angewandt.[7] Das Werk A kelet-európai kisállamok nyomorúsága von István Bibó über die Situation in Osteuropa aus dem Jahr 1946 erschien 1992 in einer deutschsprachigen Übersetzung unter dem Titel „Die Misere der osteuropäischen Kleinstaaterei“.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Maurer, ‎Heinz Rupp: Deutsche Wortgeschichte, Teil 2, 1974, S. 516 Online
  2. §2
  3. §377
  4. §39
  5. §208
  6.  Werner Stegmaier: Nietzsche, die Juden und Europa. In: Europa-Philosophie. De Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-016900-2, S. 81 (online).
  7.  Der Besitz Venetiens und die Bedeutung des Neu-Italischen Reiches. Verlag von Julius Springer, Berlin 1861, S. 167 (online).
  8. Die Misere der osteuropäischen Kleinstaaterei. Verlag Neue Kritik, abgerufen am 2. Januar 2014.