Kleinwallstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Kleinwallstadt
Kleinwallstadt
Deutschlandkarte, Position des Marktes Kleinwallstadt hervorgehoben
49.8716666666679.1677777777778123Koordinaten: 49° 52′ N, 9° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kleinwallstadt
Höhe: 123 m ü. NHN
Fläche: 15,77 km²
Einwohner: 5738 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 364 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63839
Vorwahl: 06022
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 133
Marktgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Hauptstr. 2
63839 Kleinwallstadt
Webpräsenz: www.kleinwallstadt.de
Bürgermeister: Thomas Köhler (CSU)
Lage des Marktes Kleinwallstadt im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Kleinwallstadt ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Kleinwallstadt liegt in der Region Bayerischer Untermain.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Es gibt drei Ortsteile[2]:

Die Gemarkungen sind Hofstetten und Kleinwallstadt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Markt
Sulzbach am Main
Gemeinde
Leidersbach
Gemeinde
Großwallstadt
Nachbargemeinden Gemeinde
Hausen
Markt
Elsenfeld

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Kleinwallstadt setzt sich aus den althochdeutschen Wörtern Walah für Romane und stat für Wohnstätte zusammen. Als Erklärung ergibt sich daraus Wohnstätte der Romanen. Die zeitweise verwendeten Namenszusätze Klein, Wenig und Bischofs sowie die Lateinisierten Differenzierungen minori (das kleinere) und Episcopi oder Episcapi (des Bischofs) sollten es von Großwallstadt unterscheiden. Der Zusatz Bischofs bezieht sich auf die Grundherrschaft des Bischofs.[3]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1000 Ualohostat
  • 1184 Walhestat
  • 1248 Walstat
  • 1282 Walgestat
  • 1291 Walhenstat
  • 1305 Walhestad Episcopi
  • 1306 Byschouis-Walstad
  • 1310 Walhestad minori
  • 1310 Kleinwalhestad
  • 1345 Cleinem Walstat
  • 1348 wenigin Walestad
  • 1352 kleynen Wallestadt
  • 1391 Minoriwalstat
  • 1401 Walstad Episcopi
  • 1458 Cleyn Walstat
  • 1504 Walstat Episcapi
  • 1561 Kleinwallstadt

Geschichte[Bearbeiten]

Kleinwallstadt war schon sehr früh besiedelt. Bodenfunde aus der Hallstattzeit weisen auf die vorgeschichtlichen Bewohner hin. Bei einem neuen Fund (1980) wurden weibliche Skelettreste mit schönen Grabbeigaben aus alemannischer Zeit (4.–5. Jahrhundert) zu Tage gefördert.

Wappen der Focke von Wallstadt aus dem Fenster im Rittersaal des Schlosses Mespelbrunn

Kleinwallstadt, auch Bischofswallstadt, wurde schon im frühen 8. Jahrhundert von den Klöstern Lorsch und Amorbach missioniert. Im Jahre 1023 setzte der Erzbischof von Mainz dort eine Vogtei und ein Zehntgericht über einen großen Teil des Spessarts ein. Im 12. und frühen 13. Jahrhundert waren die Herren von Waldenberg mit dem Ort belehnt. Sie errichteten um 1185 auf einem Bergvorsprung östlich des Ortes die Burg Wallberg (Waleberc), die aber schon Mitte des 13. Jahrhunderts zerstört wurde. Die Reste des Alten Schlosses wurden 2006 bis 2010 archäologisch erforscht. Teile der Burgmauer und Gebäudefundamente in den Fundamenten sind ansatzweise restauriert. Eine Anschauungstafel erläutert Aufbau und Geschichte der Burg. Seit dem 16. Jahrhundert waren die Focke von Wallstadt im Ort ansässig.[4] Ihren Wohnsitz, den Ingelheimer Hof neben dem Rathaus und die zugehörigen Güter verkaufte der letzte seiner Familie, Philipp Albrecht Focke von Wallstadt, Domherr in Mainz, 1587 an die Echter von Mespelbrunn, mit deren Aussterben ging der Besitz an die Reichsgrafen von Ingelheim.

Unter Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg wurden 1611 in Kleinwallstadt 84 Hexen hingerichtet. Da während der Schwedenkriege (Dreißigjähriger Krieg) Kleinwallstadt sehr mitgenommen wurde und sämtliche Aufzeichnungen und Urkunden vernichtet wurden, erließ der Erzbischof von Mainz im Jahre 1733 für Kleinwallstadt und seine umliegenden Dorfschaften eine neue Zunftordnung. Daraus geht hervor, dass vormals in Kleinwallstadt und Umgebung schon reges Gewerbetreiben herrschte, denn sie zählt 17 Berufe auf, wie Bender, Bierbrauer, Zimmermann, Maurer, Hafner, Färber, Glaser, Strümpfweber und Leineweber. Die sicher schon früher gewährten Marktrechte bestätigte und verbriefte der Kurfürst von Mainz 1737 neu.

Das Vogteiamt Kleinwallstadt des Erzstifts Mainz fiel mit diesem im Reichsdeputationshauptschluss 1803 an das neugebildete Fürstentum Aschaffenburg, mit dem es 1814 als Departement des Großherzogtums Frankfurt zu Bayern kam.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Kleinwallstadt lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Kleinwallstadt war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main (Kfz-Kennzeichen OBB). Mit Auflösung des Landkreises Obernburg kam Kleinwallstadt 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Hofstetten eingegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1840 1900 1939 1950 1970 1987 2001 2005 2010
Einwohner 1812 1881 2452 3569 4778 4876 5789 5844 5757

Politik[Bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern, die sich wie folgt aufteilen (Wahlperiode 2014-2020):

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Thomas Köhler (CSU). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Karlheinz Bein (SPD). Thomas Köhler wurde 2008 sowie 2014 für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 3.315.000 Euro, davon waren 611.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnergemeinde von Kleinwallstadt ist die französische Gemeinde Saint-Pierre-sur-Dives in der Normandie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 2010 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 537 und im Bereich Handel und Verkehr 198 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 390 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2101. Im verarbeitenden Gewerbe gab es vier, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden sechs landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 328 Hektar, davon waren 170 Hektar Ackerfläche und 158 Hektar Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Kleinwallstadt

Der Bahnhof Kleinwallstadt liegt an der Maintalbahn (AschaffenburgWertheim). Durch den Ort führt die Staatsstraße 2309.

Bildung[Bearbeiten]

Es gab 2011 folgende Einrichtungen:

  • Vier Kindergärten mit insgesamt 297 Plätze, in denen 257 Kinder betreut und gefördert wurden.
  • Zwei öffentliche Volksschulen, in denen insgesamt 473 Schülerinnen und Schüler von 33 Lehrern unterrichtet wurden (Schuljahr 2010/2011).

In Kleinwallstadt geboren[Bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten]

Kleinwallstadt

Alle Bürger der unmittelbar am Main gelegenen Orte hatten den Spitznamen „Mainbrunzer“ wobei nach Dialekt der Main (Maa, Mää, Mee, Moo, Moa) variierte, denn alle ließen einmal ihren Strahl in der Nähe des Mains ab.

Die Kleinwallstädter und die Großwallstädter beschimpften sich über den Main hinüber und herüber als „Pollacken“[6]. Das Wort hat eine positive wie negative Bedeutung; wurden doch die Studenten der königl. Forstlichen Hochschule Aschaffenburg nach ihrer Couleur „Forstpollacken“ genannt. In ihrem Wichs bereicherten sie das Stadtbild von Aschaffenburg und Umgebung.

Hofstetten

Die Hofstettener haben in ihrem Gemeindegebiet einige Lehmvorkommen, so fertigten sie die Steine für ihre Häuser selbst. Die im Handverfahren hergestellten Backsteine wurden als „Russen“ bezeichnet. So kamen die Bürger zu ihrem SpitznamenOrtsnecknamen[7].

Dialekt[Bearbeiten]

Die vielseidisch Grumbiern

Es Kind freescht: "Mudde wous koche mer haid?

Mudde: Grumbiern!

Woans sou bleibd wis is, gidds Grumbiern!

Woans zu dinn wärd, gidds oafach Grumbiernsubbe!

Woans oubrennt, gidds noch woas gans gurres,

Grumbiernpoannekuche!"[8]

Die vielseitige Kartoffel

Das Kind fragt: "Mutter was kochen wir heute?

Mutter: Kartoffeln!

Wenn sie so bleiben wie sie sind, gibt es Kartoffeln!

Wenn sie zu dünn werden, gibt es einfach Kartoffelsuppe!

Wenn sie anbrennen, gibt es noch etwas ganz Gutes,

Kartoffelpuffer!"

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleinwallstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111123/191126&attr=OBJ&val=1694
  3. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 120–121.
  4. Dazu findet sich mehr bei Bernhard Peter: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1728 Kleinwallstadt (Landkreis Miltenberg, Unterfranken)
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 544.
  6. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr.Miltenberg 2003
  7. s.o.
  8.  Rita Lebert: Im Kloawällschder Dialekt gebabbeld. 2 Auflage. Eigenverl., Kleinwallstadt 2002.