Klepper Faltbootwerft

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47.84883212.115892Koordinaten: 47° 50′ 56″ N, 12° 6′ 57″ O

Aufgenähtes Logo auf einem Klepper-Faltboot der 1960er-Jahre
Ein Klepper-Faltboot Aerius Quattro

Die Klepper Faltbootwerft ist der älteste Faltboot-Hersteller der Welt. Die Werft produziert seit 1907 und trägt den Namen ihres Gründers Johann Klepper. Firmensitz ist das oberbayerische Rosenheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Johann Klepper war einer der ersten, der in Deutschland moderne Faltkajaks produzierte. 1907 erwarb er von Alfred Heurich die Exklusivlizenz für die Produktion von Heurichs Faltboot-Konstruktion und begann auf dem Dachboden der elterlichen Schneiderei mit der Serienproduktion von Booten. 1919 gründete er die Johann Klepper & Co. GmbH. Neben den Faltbooten produzierte Klepper auch eine Anzahl anderer gummierter Artikel wie Gummischuhe und die Klepper-Mäntel, die er aus einem 1926 entwickelten, mit Gummi imprägnierten Stoff fertigte. Als Hans Klepper das Unternehmen 1929 von seinem Vater übernahm, produzierte das Unternehmen täglich bis zu 90 Boote und 1000 Regenmäntel. Es ist mit 3000 Angestellten Rosenheims größter Arbeitgeber.

1928 gelang Kapitän Franz Romer mit einer Faltbootsonderkonstruktion von Klepper eine Atlantiküberquerung in 90 Tagen. Das Faltboot war 6,4 m lang und 1 m breit. Auf der Weiterfahrt von der Karibik nach New York City geriet Romer in einen Hurrikan und blieb verschollen. Bei der Sommerolympiade 1936 in Berlin fanden erstmals auch zwei Faltboot-Wettbewerbe statt, und die jeweils drei ersten Plätze wurden mit Klepper-Faltbooten gewonnen. [1] Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus warben die Klepper-Werke noch mit dem Slogan „Fahre fröhlich in die weite Welt mit Klepperboot und Klepperzelt“. Doch die weitere Entwicklung in Deutschland machte auch vor dem Rosenheimer Unternehmen nicht halt, so endete nach Kriegsbeginn 1939 mit der Zivil- auch die Faltbootproduktion. Weiter hergestellt wurde dagegen aus Sicht des NS-Regimes kriegswichtige Kleidung, neben Wehrmacht und Reichsbahn trug auch die Gestapo Mäntel von Klepper, was diesen im Volksmund die Bezeichnung „Gestapo-Mantel“ einbrachte. Bei einem Luftangriff am 18. April 1945 wurden die Klepperwerke schwer beschädigt.[2]

1949 starb der Gründer Johann Klepper mit 80 Jahren. 1950 kam der bis heute erhältliche Aerius auf den Markt, der ein neuartiges Steck- und Schnappsystem sowie erstmals Luftschläuche besaß, die einen Aufbau deutlich erleichterten.[3] Heutzutage sind fast alle Faltboote nach dem Aerius-Prinzip mit seitlichen Luftschläuchen ausgestattet. Mit einem serienmäßigen Aerius 520 gelang dem Arzt Dr. Hannes Lindemann 1956 eine Atlantiküberquerung in 72 Tagen. Bis heute hält Lindemann den Rekord, mit dem kleinsten Boot den Atlantik überquert zu haben. Sein Faltboot ist im Deutschen Museum in München ausgestellt.[4]

Anfang der 1960er Jahre begann Klepper, auch starre Kunststoff-Einerkajaks zu produzieren. 1967 starb Hans Klepper, und dessen Sohn übernahm die Firma, die er 1972 an Herbert Michalke verkaufte.[5] Ein Jahr später wurde das Unternehmen in die Klepper Bootsbau KG und die Klepper Bekleidungsfabrik KG geteilt. Heutzutage produziert die Klepper Faltbootwerft AG nur noch Faltkajaks und einige Modelle des Klepper-Zeltes. 1978 stellte die Klepper Bootsbau KG die Produktion der Faltboote ein. Hermann Siegesmund Walther gründete 1981 nach einer Übergangszeit die Klepper Faltbootwerft H.S. Walther GmbH und baut den Aerius 450 und 520 sowie den T9 in Lizenz. Außerdem wurde ein verkürzter Aerius-Einer unter dem Namen Aerius 2000 entwickelt, der 1999 in Tramp 380 umbenannt wurde. 1982 wurden Klepper-Faltboote beim Falklandkrieg eingesetzt.[6] Von 1986 bis zur Produktionsverlagerung nach Polen im Jahr 2013 wurden die Holzgerüste (mit Ausnahme der Beschläge) nicht mehr von Klepper, sondern von der Tischlerei Karl-Heinz Gasteiger angefertigt.[7]

1994 starb Walther, und bei einem Großbrand im Oktober 1995 wurde die Produktionsstätte und das werkseigene Museum sowie nahezu alle Ersatzteile und Unterlagen vernichtet. Danach mussten erst alle Schnittmuster wieder beschafft werden. 1998 verkaufte der in den USA lebende Sohn Walthers das Unternehmen an Dr. Henning Isbruch, der schon ab 1981 beratend für die Klepper Faltbootwerft H.S. Walther GmbH tätig war. Aus der Klepper Faltbootwerft H.S. Walther GmbH wurde im Jahr 2000 die Klepper Faltbootwerft AG.[8] Die Klepper Faltbootwerft AG hatte vor der Börsennotierung mit einer Garantiedividende geworben, die aber nur wenige Jahre ausgezahlt wurde. Nach einer vom OLG München bestätigten gerichtlichen Entscheidung durften gezeichnete Aktien zurückgegeben werden.[9]

1999 kam der Alu-Lite 400 auf den Markt, der das leichteste und am schnellsten zu fahrende aktuelle Klepper-Einerfaltboot ist und erstmals Aluminium statt Holz für das Gerüst verwendet. Das gesamte Boot passt in einen Rucksack und ist so wieder ein wirkliches „Rucksackboot“, wie zu Beginn der Faltbootherstellung vor knapp hundert Jahren. Heute fertigt die Klepper Faltbootwerft AG jährlich ca. 400 - 700 Faltboote und seit 2013 nicht mehr in Rosenheim, sondern in Polen. [10] Mit der Verlagerung der Produktion nach Polen entstanden große Lieferschwierigkeiten, so dass mehrere Händler Produkte von Klepper aus ihrem Programm nahmen.

Aktuelle Modelle[Bearbeiten]

Das Programm von Klepper umfasst heute Faltkajaks in verschiedenen Größen, Farben und Ausstattungsvarianten für den Einsatz unter Freizeit- wie Expeditionsbedingungen:

  • Einsitzer: Tramp 380, Aerius 490, Alu 490
  • Zweisitzer: Aerius 545
  • Drei- und Viersitzer: Aerius XXL

Die meisten Modelle sind mit einer Haut aus PVC (Smartline), grauem (Classic) oder schwarzem (Expedition) TPU erhältlich. Vereinzelt werden auch noch Häute aus dem bisher verwendeten CSM hergestellt, auch jeweils in Classic- oder Expeditions-Ausführung. Beim Gerüst kann zwischen Holz oder dem deutlich leichteren Carbon gewählt werden. Nur der Alu 490 wird mit einem Aluminiumgerüst angeboten.

Das Holzgerüst eines aktuellen Modells der Klepper Faltbootflotte besteht aus mehrfachverleimten Birkensperrholz- und Eschenholzteilen, die durch ein patentiertes Steck- und Schnappsystem aus speziell gehärtetem und eloxiertem Aluminium ohne jedes Werkzeug miteinander verbunden werden. Die Bootshaut eines original Klepper Faltboots besteht bei der Oberseite immer aus speziellem, wasserdicht gewebten und imprägnierten Baumwollstoff und an der Unterseite bisher aus CSM, einem Kautschuk, der sehr robust und widerstandsfähig ist, und neuerdings aus TPU, das mindestens so widerstandsfähig ist wie CSM, jedoch nur halb so viel wiegt. Bei einem Unterschiff aus PVC müssen bzgl. der Widerstandsfähigkeit Abstriche gemacht werden.

Des Weiteren sind alle Boote bis auf das Alu 490 besegelungsfähig. Vom Einsitzer bis zum Zweisitzer sind Segel von bis zu 5 m² Fläche möglich. Zu wählen ist zwischen einem Treibsegel Pacific, dem Vollsegel S2 (ohne Gaffel) und dem Vollsegel S3 (mit Gaffel). Vereinzelt wird noch das ältere Treibsegel Freewind angeboten. Zusätzlich zu den Booten stellt die Klepper Faltbootwerft alles rund um Faltboote her, von Ersatzteilen über Komfortausstattung zu Paddeln und Steueranlagen.

2013 wählten die Leser des Kanu-Magazins Aerius Classic II 545 2013 zum zweitbeliebtesten Reisebootzweier. [11]

Sonderformen[Bearbeiten]

Für den Zweisitzer kann man seit 2008 zwischen Holz- und Carbongerüst sowie zwischen klassischer Hypalon- oder neuer TPU-Haut wählen. Das Carbongerüst ist von der Funktion identisch mit dem aus Holz, allerdings um ca. 40 % leichter. Die neue Haut aus TPU-Materialien bringt gegenüber der aus Hypalon noch einmal eine Gewichtsersparnis von ca. 50 %. Mit Carbongerüst und einer Haut aus TPU-Material wiegt der Aerius Expedition 545 ca. 24 kg und ist damit das leichteste Zweisitzer-Faltboot seiner Klasse.

Expeditionen mit Klepper-Faltbooten[Bearbeiten]

  • 1909 Überquerung des Ärmelkanals im Einer-Serienfaltboot Delphin durch C.E. Layton
  • 1926 Nordpol-Expedition von Roald Amundsen
  • 1928 Asienreise von Sven Hedin
  • 1928 Atlantiküberquerung in einer Sonderkonstruktion durch Franz Romer (Kapitän)
  • 1929 Befahrung des Colorado und Grand Canyon durch Carl Borro Schwerla
  • 1954 Erstbefahrung des oberen Nil durch Herbert Rittlinger
  • 1955 Amazonasbefahrung durch Hans Ertl
  • 1955 Mittelmeerüberquerung von Marseille nach Tunis durch W. Zimmermann
  • 1956 Atlantiküberquerung durch Hannes Lindemann
  • 1970 Von Singapur nach Australien durch John Dowd
  • 1979 Umrundung von Kap Hoorn durch Charles Porter
  • 1983 Befahrung des Maranon durch G. Kimmich und E. Eckstein
  • 1984 Winterumrundung von Kap Hoorn durch Arved Fuchs und Rainer Neuber
  • 1990 Südseefahrt von Paul Theroux
  • 1996 Befahrung Magellanstraße durch Michael Vogeley [12]
  • 2001 Amazonas-Befahrung durch Brümmer und Glöckner
  • 2005 Halbumrundung Europas durch Franziska und Rainer Ulm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klepper Faltbootwerft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. faltbootbasteln.de:[1], aufgerufen am 27. Dezember 2913
  2. stadtarchiv.de: [2], aufgerufen am 12. Juli 2013
  3. faltboot.org: [3], aufgerufen am 20. Dezember 2013
  4. wdr.de:[4], aufgerufen am 27. Dezember 2013
  5. klepper.de:[5], aufgerufen am 27. Dezember 2013
  6. nva-forum.de:[6], aufgerufen am 27. Dezember 2013
  7. faltboot-teile.de:[7], aufgerufen am 19. Dezember 2013
  8. muenchen.ihk.de:[8], aufgerufen am 27. Dezember 2013
  9. anwalt24.de: [9], aufgerufen am 19. Dezember 2013
  10. kanukarte.de: [10], aufgerufen am 19. März 2013
  11. klepper.de: [11], aufgerufen am 19. Dezember 2013
  12. michael-vogeley.de:[12], aufgerufen am 10. Januar 2014