Klever Reichswald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sieben Quellen im Reichswald bei Nütterden

Der Klever Reichswald ist mit etwa 5.100 ha Fläche das größte zusammenhängende Waldgebiet des Niederrheins und der größte zusammenhängende öffentliche Staatsforst in Nordrhein-Westfalen. Er liegt zwischen Goch, Kleve und Kranenburg.

Naturlandschaft[Bearbeiten]

Der Reichswald liegt auf dem Niederrheinischen Höhenzug, der einst von eiszeitlichen Gletschern aufgeschoben worden war. Die Erhebungen dieses Höhenzuges ragen dabei deutlich aus der verhältnismäßig flachen Rheinebene heraus. 31 dieser Erhebungen erreichen dabei Höhen von über 50 Metern. Die höchste ist mit 95 Metern der Rupenberg an der östlichen Grenze des Reichswaldes (Jagen 225, in der Nähe des Parkplatzes am Treppkesweg). Der Reichswald ist ein geschlossenes Laubmischwaldgebiet, das überwiegend von seinem Rotbuchen-Bestand dominiert wird. Auf einigen Flächen befinden sich auch überwiegend Trauben- und Stieleichen. Auf Teilflächen stocken auch Nadelholzforste. Das Kernstück des Reichswaldes bildet das 580 ha große Naturschutzgebiet Geldenberg mit zwei Naturwaldzellen mit einer Größe von insgesamt 49 ha. In diesen Bereichen findet keine Bewirtschaftung statt, so dass sich wild lebende Pflanzen und Tiere ungestört entwickeln können.

Für den Naturschutz bedeutsam ist das Naturschutzgebiet, weil es sich hierbei um den größten, weitgehend geschlossenen, überwiegend von Laubhölzern dominierten Altholzbestand im Reichswald handelt, welcher im niederrheinischen Raum eine herausragende Bedeutung einnimmt. Im Reichswald leben der Schwarzspecht, der Pirol, der Wespenbussard und der Hirschkäfer.

Im Westen ist der Klever Reichswald an die Waldgebiete der Niederlande angeschlossen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Reichswald wird erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt, denn der Reichswald war ursprünglich nur ein Teil des sogenannten Ketelwaldes. Der Ketelwald war ein großes zusammenhängendes Waldgebiet, das von Nimwegen nach Xanten verlief und vorwiegend aus Buchen- und Eichenbeständen bestand. Als erste Spuren menschlicher Besiedlung sind Grabhügel aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit nachweisbar.

Der Reichswald bzw. der Ketelwald gehörte in römischer Zeit zum staatlichen Fiskalbesitz. Mit dem Ende der Völkerwanderung kamen fränkische Siedler, die in diesen urwüchsigen Wäldern jagten. Im frühen Mittelalter gehörte er zum Reichsgut der Kaiserpfalz Nimwegen. 980 wurde der spätere Kaiser Otto III. im Reichswald geboren. Mit der Verpfändung Nimwegens gelangte auch der Wald 1247 an den Grafen von Geldern. Nach mehrmaligem Besitzwechsel ging der Reichswald 1418 an das Herzogtum Kleve über.

Im Februar und März 1945 war der Wald Schauplatz der Schlacht im Reichswald. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beachtliche Teile des Waldes gerodet, um Platz für die Dörfer Reichswalde (heute zu Kleve) und Nierswalde (heute zu Goch) zu gewinnen, in denen vor allem Heimatvertriebene angesiedelt wurden. Eine weitere Rodung heißt Rodenwalde (auf dem Gebiet der Gemeinde Bedburg-Hau gelegen), auf der es aber keine eigene Siedlung des gleichen Namens gibt. Seit einigen Jahren erinnert ein kleines Denkmal an der Triftstraße zwischen Kleve und Goch an diese Rodungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Gorissen: Heimat im Reichswald. Boss-Verlag, Kleve 1950.
  • Werner Kreuer: Der Reichswald. Erholungsgebiet am Niederrhein. Boss-Verlag, Kleve 1985, ISBN 3-922384-15-3.
  • Hans-Joachim Koepp: Siedlungsprojekt Reichswald 1950–2000. 50 Jahre Nierswalde, Rodenwalde und Reichswalde. Boss-Verlag, Kleve 1985, ISBN 3-89413-194-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.7430555555566.0430555555556Koordinaten: 51° 45′ N, 6° 3′ O