Klimagerechtigkeit
Klimagerechtigkeit ist ein normatives politisches Konzept und Teil der Umweltgerechtigkeit. Es sieht unter anderem vor, dass der zur globalen Erwärmung führende Ausstoß von Treibhausgasen stark reduziert und zudem auf alle Menschen einheitlich aufgeteilt werden soll. Darüber hinaus bezieht sich Klimagerechtigkeit auf die ungleiche Verteilung der Folgen der globalen Erwärmung.
Hinter dem Begriff verbirgt sich z.T. die Idee der Kontraktion und Konvergenz, die nach verschiedenen Vorarbeiten bereits 1995 vom Global Commons Institute entwickelt worden war. Im deutschsprachigen Raum wurde Klimagerechtigkeit erst 2007 über den verwandten Begriff der „Kohlenstoffgerechtigkeit“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn zum potenziellen Grundpfeiler einer zukünftigen, weltweiten Klimaschutzpolitik erklärte. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat mit dem Konzept der Greenhouse_Development_Rights einen alternativen Ansatz vorgelegt.
Klimagerechtigkeit würde auf der Emissionsseite demnach dann verwirklicht sein, wenn jedem Menschen ein Kohlenstoff-Budget in Höhe von 1-2 Tonnen Kohlendioxidäquivalenten pro Jahr zugestanden würde, wobei die eventuell nötige Berücksichtigung der sogenannten historischen Emissionen der Industrieländer im Einzelnen umstritten ist. Dieser Wert würde vielen Entwicklungsländern eine zum Teil erhebliche Steigerung ihres Treibhausgas-Ausstoßes ermöglichen. Für die Hauptversursacher des Klimawandels, die industrialisierten Nationen, würde dies hingegen einer Reduktion um bis zu 95% gleichkommen.
Der Vorschlag wurde ebenfalls 2007 auf dem wissenschaftlichen Symposium Global Sustainability - A Nobel Cause erörtert, das vom 8. bis 10. Oktober in Potsdam stattfand. Im dort erarbeiteten Potsdam Memorandum wird eine Entwicklung hin zu gleichen Pro-Kopf-Emissionsrechten gefordert, kombiniert mit gleichzeitig zu erzielender Reduktion des Gesamtausstoßes an Treibhausgasen. „Carbon justice“ ist dem Memorandum zufolge eines von acht Schlüsselelementen, um zu einer Stabilisierung des Klimas zu gelangen.
[Bearbeiten] Weblinks und Literaturhinweise
- BundesregierungONLINE: Wie der Klimaschutz organisiert werden soll vom 9. Oktober 2007
- Website des Symposiums Global Sustainability - A Nobel Cause vom 8. bis 10. Oktober 2007 in Potsdam
- taz: Die Wucht der Wissenschaft vom 11. Oktober 2007
- Felix Ekardt: Theorie der Nachhaltigkeit. Rechtliche, ethische und politische Zugänge - am Beispiel von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Welthandel. Baden-Baden: Nomos Verlag 2011, ISBN 978-3-8329-6032-2.
- Felix Ekardt (Hg.): Klimagerechtigkeit. Ethische, rechtliche, ökonomische und transdisziplinäre Zugänge. Marburg: Metropolis Verlag 2012.