Klimaschutz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klimaschutz ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die einer durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und mögliche Folgen abmildern (Mitigation) oder sogar verhindern sollen[1]. Weil die Erderwärmung aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr völlig zu stoppen, sondern nur noch abzumildern und zu begrenzen sei, wären neben der Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Geo-Engineering Maßnahmen zur Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel nötig (Adaption), z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge.

Hauptansätze des Klimaschutzes sind zum einen die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen, die durch industrielle und landwirtschaftliche Produktion, durch Energieverbrauch im Verkehr, in Privathaushalten und im öffentlichen Raum freigesetzt werden. Zum anderen geht es um die Erhaltung und um die gezielte Förderung solcher Naturbestandteile, die das mengenmäßig bedeutsamste Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aufnehmen (sogenannte CO2-Senken). Dabei handelt es sich – neben den Ozeanen – zum einen um große Waldareale, namentlich tropische Regenwälder und boreale Wälder, aber auch um Feuchtgebiete wie Moore, Sümpfe und Flussauen.[2][3] Seit der UN-Klimakonferenz auf Bali wird in diesem Zusammenhang das „REDD“-Modell entwickelt, das Kompensationszahlungen für Waldschutzmaßnahmen an Entwicklungsländer und lokale Organisationen vorsieht.

Zum Klimaschutz gehören neben großtechnischen Maßnahmen und makroökonomischen Ausrichtungen sowie der staatlichen und internationalen Klimaschutzpolitik auch Aufklärung und Verhaltensänderung der Individuen vor allem in Industriestaaten mit einem vergleichsweise hohen Energiekonsum und entsprechenden Verursacheranteilen an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen.

Internationale Politik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Klimapolitik

Inzwischen haben die meisten Länder die völkerrechtlich verbindliche Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 unterzeichnet, mit deren Hilfe eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert werden soll. In ihrer Folge wurde und wird vor allem über Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen verhandelt, die im Kyoto-Protokoll verzeichnet sind. Dieses trat offiziell am 16. Februar 2005 in Kraft und enthält Regelungen bis zum Jahr 2012. Im Post-Kyoto-Prozess wird unterdessen über ein Nachfolgeregime für den anschließenden Zeitraum verhandelt.

Technische Möglichkeiten[Bearbeiten]

Verminderung der Treibhausgasemissionen[Bearbeiten]

Auf technischer Ebene existiert eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren.[4] Die Kosten einer solchen Vermeidungsstrategie sind allerdings nicht eindeutig abschätzbar; noch deutlich größere Unsicherheiten treten bei der Bezifferung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels auf und hemmen die notwendigen Investitionen. Gleichwohl schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass ein effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeidbar machte.[5][6]

Energieerzeugung[Bearbeiten]

Erneuerbare Energien wie hier Windenergieanlagen gelten als Hoffnungsträger im Klimaschutz.

Die Nutzung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre. Daher wird aus Gründen des Klimaschutzes ein Umstieg auf CO2-arme oder -freie Energieträger angestrebt. Am ehesten bieten sich hierfür die erneuerbaren Energien, (erdgasbetriebene) Blockheizkraftwerke und Kernkraftwerke an[7]. Auch diese Energiequellen sind nicht völlig CO2-frei (Rohstoffgewinnung, Bau und Wartung der Kraftwerke, ggf. Gewinnung der organischen Brennstoffe), bieten jedoch teilweise eine deutliche Reduktion der spezifischen CO2-Freisetzung. Eine andere Möglichkeit liegt in der Erhöhung der Energieeffizienz von bestehenden Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, besonders in Ländern mit großen Ineffizienzen wie beispielsweise China. Dort werden Kraftwerke genutzt, deren Effizienz ca. 20 % unter dem Stand der Technik liegt.

Eine vollständig regenerative und damit auch kohlendioxidfreie Energieversorgung weltweit wird theoretisch bis zum Jahr 2050 als technisch realisierbar angesehen[8]. In Deutschland wäre eine klimaverträgliche Energieversorgung sogar bis 2040 zu erreichen (insb. durch Einsparung und wegen der sinkenden Bevölkerungszahl)[9]. Hierzu müsste aber das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich erhöht werden. Zunächst gibt es jedoch Rückschläge, u.a. durch fehlende Vorausplanung im Stromnetz und durch bisher nicht bekannte Wettereinflüsse bei off-shore-Windanlagen. Außerhalb der Stromerzeugung ist eine größere Reduzierung bei fossiler Energie fraglich. Die Nutzung von Biomasse für energetische und Rohstoffzwecke konkurriert mit der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln. Die wirtschaftlich interessante Umwandlung von Urwald in Ölpalmenplantagen ist klimatisch kontraproduktiv. Die Flächen, die zur längerfristigen Akkumulation von CO2 in Biomasse, speziell in Wäldern und Mooren, geeignet sind, werden ebenfalls weltweit immer geringer. Alternative, technische Möglichkeiten zur Bindung von CO2 fehlen bisher bzw. sind energieintensiv, etwa die CO2-Sequestrierung oder sind wenig erkundet und umstritten wie die Düngung von Meeren.

Laut einem Expertenbericht, der 2014 im Auftrag des UN-Generalsekretärs veröffentlicht wurde, macht der rapide Preisverfall bei Wind- und Solarenergie Erneuerbare Energien auch gegenüber Energie aus Kohle in vielen Regionen der Welt konkurrenzfähig. So könnte schon in den nächsten 15 Jahren mehr als die Hälfte der weltweiten Stromerzeugung aus regenerativen Quellen stammen. Aufgrund des technologischen Fortschritts könnten Regierungen und Unternehmen gleichzeitig Wirtschaftswachstum, Klimaschutz und Energieeinsparungen verwirklichen. Investitionen in emissionsarme Technologien brächten nachhaltiges Wachstum und schützten vor negativen Auswirkungen der Erderwärmung, so der Bericht.[10]

Durch Erneuerbare Energie wurden in Deutschland im Jahr 2012 knapp 145 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente eingespart. Dies entspricht mehr als 15 Prozent der insgesamt ausgestoßenen Treibhausgase. [11]

Der als Beitrag zum Klimaschutz diskutierte Einsatz der Kernenergie ist unter Wissenschaftlern sowie in der Bevölkerung umstritten. Neben dem mit der Gewinnung, der Anreicherung und dem Transport des Urans verbundenen Ausstoßes von Kohlendioxid werden die Risiken eines Störfalls, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird und die langfristige Lagerung des radioaktiven Abfalls als Kritikpunkte genannt. In Deutschland liegt der Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung bei rund 26 % und der Gegenwert an vermiedenen Kohlendioxid-Emissionen bei jährlich 100-150 Millionen Tonnen.[12] Nach Ansicht einiger Experten und Politiker sind dabei die mit der Uranbereitstellung verbundenen Treibhausgasemissionen jedoch unberücksichtigt, was von den Betreibern der Kernkraftwerke bestritten wird.[13] Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die Strom aus Kernspaltung erzeugen, sollen Kernfusionsreaktoren die Kernfusion nutzen, werden aber voraussichtlich nicht vor 2050 marktreif sein, so dass sie für den Klimaschutz bis dahin keine Rolle spielen. Mit dem Forschungsreaktor ITER soll nachgewiesen werden, dass die Kernfusion auf diese Weise Energie liefern kann; ITER soll in etwa so viel thermische Energie erzeugen, wie er selber verbraucht, jedoch keinen Strom erzeugen. Außerdem dient er zur Entwicklung und Erprobung eines Verfahrens zur geplanten Erbrütung des als Brennstoff benötigten Tritiums sowie der Suche nach Materialien für den Reaktionsbehälter, der starker Neutronenstrahlung ausgesetzt sein würde.

Internationales Projekt zur Verringerung der Treibhausgasemissionen[Bearbeiten]

Eine der so genannten großtechnischen Lösungen ist die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome und des Hamburger Klimaschutz-Fonds. Diese setzt sich für die Umsetzung einer kooperativen interkontinentalen Nutzung der Sonnenenergie ein. In Nord-Afrika und im Nahen Osten soll mittels thermischer Solarkraftwerke Strom erzeugt und durch Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HVDC) nach Europa geleitet werden. Satellitengestützte Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigen das überreichliche Angebot an Solarenergie sowie die Notwendigkeit, die Realisierbarkeit und den Nutzen einer möglichst baldigen Umsetzung der von TREC geforderten Maßnahmen. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nordafrika und im Nahen Osten kann genügend Energie und Trinkwasser für den steigenden Bedarf aller beteiligten Staaten erzeugt werden. Dies ermöglicht einen Stopp des Ausbaus von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken in allen beteiligten Staaten.

Weitere Zusammenhänge[Bearbeiten]

Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen werden von ihren Befürwortern auch mit anderen Initiativen zum Umweltschutz in Zusammenhang gebracht, so mit positiven Nebeneffekten für die Luftreinerhaltung (etwa in Städten). Die Verfechter von Präventivmaßnahmen führen auch ins Feld, dass die ökonomisch tragfähigen Produktionsraten der fossilen Energieträger ohnehin in kurzen (Öl: möglicherweise schon im laufenden Jahrzehnt, siehe Globales Ölfördermaximum) bis mittleren (Gas: max. 60 Jahre, Kohle: siehe Kohlefördermaximum) Zeiträumen an ihre Grenzen geraten, was zufolge von Gutachten wie dem Hirsch Report eine frühzeitige Umstellung auf alternative Energiequellen oder Kernkraftwerke notwendig mache[14].

Der als klimaschutztechnischer Idealfall vorzustellende weltweite Verzicht auf fossile Brennstoffe führt nach gängiger Lehrmeinung wegen der Trägheit des Abbaus von Treibhausgasen zu einer wenigstens für weitere 25 Jahre ungebremsten Erwärmung. Ein sofortiger, vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme gilt als nicht möglich, so dass Ersatztechnologien mit Hilfe fossiler Brennstoffe noch vor deren Ende entwickelt und gebaut werden müssen.

Auch die Reduktion von tierischen Produkten (wie beim Veganismus) kann zum Klimaschutz beitragen. Eine grobe Faustformel sagt: Wenn die Sojaernte eines Feldes der menschlichen Ernährung direkt dient, können fünfmal so viel Menschen davon leben als auf dem Umweg über Rindfleisch. Weltweit steigt der Fleischverbrauch jedoch rasant, vor allem in Ostasien.

Maßnahmen zur CO2-Reduktion[Bearbeiten]

2005 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 14.238 PJ. Dies entspricht einer mittleren Leistungsaufnahme von 451 Gigawatt bzw. 5473 Watt/Kopf bei einer Bevölkerung von 82,4 Mio. Menschen. Der Verbrauch gliedert sich in etwa wie folgt:

  • Industrie 24,9 %
  • Verkehr 27,0 %
  • Private Haushalte 30,5 %
  • Gewerbe/Handel/Dienstleistungen 17,6 %

Um die Ziele des Kyoto-Protokoll zu erreichen, müssen der Primärenergieverbrauch im Energiemix gesenkt oder fossile Energieträger durch CO2-ärmere gezielt ersetzt werden. Obwohl 2011 in Deutschland acht Atomkraftwerke vom Netz gingen (Atomausstieg nach Fukushima), sank der Treibhausgasausstoß in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 ging der Ausstoß um 26,5 Prozent zurück. Der wachsende Anteil von erneuerbarem Strom sowie der milde Winter wurden als Gründe genannt (siehe auch Photovoltaik in Deutschland).[15]

  • 2011 wurden Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) mit einer Leistung von insgesamt rund 7.500 MW neu installiert. 2010 waren es 7.400 MW.
  • 2011 wurden Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2085 MW neu installiert. 2010 waren es 1551 MW, 2009 1917 MW, 2008 1665 MW.

[16] [17]

Eine Steigerung der Energieeffizienz bedeutet 'mehr Output pro Input' oder 'weniger Input für einen konstanten Output'. Letzteres bedeutet Energieeinsparung. Für eine höhere Energieeffizienz in Haushalt, Gewerbe und Verkehr gibt es eine Vielzahl von technischen Lösungen:

Gute Isolation der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) und Einsatz von energieeffizienten Brennwertgeräten oder Wärmepumpen führt zum Niedrigenergiehaus oder zum KfW-geförderten Passivhaus. Zum Beispiel könnte (Stand 2007/8) die Stadt Freiburg im Breisgau durch gute Isolation der Wohngebäude 58 Prozent der CO2-Emissionen vermeiden [18]. Zu den in der praktischen Umsetzung erfolgreichsten europäischen Kommunen gehört die Stadt Delitzsch. Dort konnte zwischen 1990 und 2007 die Kohlendioxidemission um 60 Prozent gesenkt, der Endenergieeinsatz um 22 Prozent und der Primärenergieeinsatz um 24 Prozent reduziert werden.[19]

Passivhäuser ermöglichen bereits heute eine Reduktion des Energieverbrauchs in Haushalten um bis zu 80 %; für Fabrikgebäude sind ähnliche Konzepte verfügbar (vgl. BINE). Moderne Duschbrausen können den Duschwasserverbrauch um bis zu 50 % senken.

Die Nutzung von Erneuerbaren Energien ist im Idealfall CO2-neutral.

Reduzierung des Transportbedarfs, effizientere Verkehrsmittel.

Die öffentliche Hand kann durch eine kleinteilige Stadtplanung und Raumplanung Wegezwänge verringern. Mit dem Angebot von öffentlichen Fahrrädern versuchen mehrere Städte, das Fahrrad für kurze Entfernungen attraktiver zu machen. Ein attraktiver Öffentlicher Verkehr kann den Zwang zum Kraftfahrzeug reduzieren. Energiesparende Fahrzeuge können gefördert werden.

Im Verkehr werden – nicht unumstrittene – alternative Treibstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl, Bioethanol oder in der Entwicklung befindliche Biomass to Liquids eingesetzt.

Organisationen wie KlimaINVEST [20], atmosfair [21] oder myclimate [22] ermöglichen Ausgleichszahlungen für mutmaßliche Klimaschädigungen z. B. durch Flugreisen. Mit den freiwilligen Abgaben werden Klimaschutzprojekte gefördert.

Siehe auch: Top-Runner-Programm

Maßnahmen in Privathaushalten und am Arbeitsplatz[Bearbeiten]

Hauptartikel: Energieeinsparung

Unabhängig von der internationalen Klimaschutzpolitik, die bisher nur langsam vorankommt, kann jede/r Einzelne im persönlichen Rahmen und im sozialen Umfeld zur Vermeidung unnötiger Emissionen von Treibhausgasen beitragen. Allein durch persönliche Energieeinsparung kann der Durchschnittsverbrauch – und damit auch der CO2-Ausstoß – um 20-50 Prozent im Haushalt gesenkt werden. Auch Zurückhaltung beim Konsum von tierischen Produkten insbesondere aus der Rinderhaltung wird als individueller Beitrag zum Klimaschutz neuerdings deutlich unterstrichen.[23][24] Auch die Milchwirtschaft, Butter- und Käseproduktion setzt Treibhausgase frei wie die gesamte europäische Landwirtschaft. Das Gros kommt jedoch von der weltweiten Fleischrinderhaltung; durch das aus den Tiermägen entweichende Methan, das zum anthropogenen Treibhauseffekt beiträgt. Brasilien ist in wenigen Jahren zum größten Fleischexporteur aufgestiegen, der Regenwald leidet. Unvermeidbare Emissionen können durch die Finanzierung sorgfältig ausgewählter Klimaschutzprojekte an anderer Stelle kompensiert werden.

Steigerung der Energieeffizienz und Möglichkeiten des Energiesparens[Bearbeiten]

Sparsame Elektrogeräte verbrauchen zwischen einem und zwei Dritteln weniger Energie im Vergleich zu ineffizienten Geräten. Bei der Neuanschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte, Heizungen und Fahrzeuge im Sinne des Klimaschutzes ist dabei zu prüfen, ob eine Weiterbenutzung ohne Neuanschaffung oder eine Second-Hand-Lösung über die Lebenszeit des Produkts betrachtet nicht die effizientere Alternative darstellt. Denn sowohl die Produktion neuer Geräte als auch die Entsorgung der Altgeräte sind meist sehr energieintensiv. Bei einem Neukauf kann der Markt nach Niedrigenergieprodukten abgesucht werden. Die Energieeffizienzklasse der EU gibt außerdem Auskunft über die Verbrauchswerte von Geräten, und für große Haushaltsgeräte gibt das Niedrig-Energie-Institut regelmäßig die Liste „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“ heraus.[25]

Da der motorisierte Straßenverkehr einen sehr großen Anteil am Kohlendioxidausstoß hat, besteht hier ein großes Potential für persönliche Einsparungen. Hier bestehen je nach Anlass der Fahrt die Möglichkeiten, ganz auf eine Fahrt zu verzichten, sie durch Kombination mit anderen Zwecken zu verkürzen (Wegeketten), sie mit umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln zurückzulegen oder sich ein sparsames Niedrigenergiefahrzeug zuzulegen. Durch Teilnahme am Carsharing kann der Energieverbrauch bei der Herstellung und Entsorgung eines Fahrzeugs auf viele Benutzer verteilt werden.

Zu den persönlichen Klimaschutzvorkehrungen, die Privatpersonen in ihrem jeweiligen Handlungsbereich treffen können, zählen in den Bereichen der Energieeffizienzsteigerung und des Energiesparens:

  • Effiziente Haushaltsgeräte einsetzen[25] und beispielsweise Energiesparlampen verwenden;
  • zurückhaltender Einsatz von Klimaanlagen (siehe auch „Cool Biz“);
  • eine bessere Wärmedämmung der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) in Privathäusern installieren und Neubauten im Passivhaus-Standard realisieren;
  • Heizungen mit möglichst hohem Wirkungsgrad betreiben, das umfasst ihre regelmäßige Wartung und gegebenenfalls Erneuerung;
  • Vermeidung von Autofahrten und Flugreisen, besonders von Inlandsflügen[26];
  • energiesparende Fahrweise bei Kraftfahrzeugen (niedertourig fahren; vorausschauend an Ampeln und Hindernisse heranfahren, um unnötiges Bremsen und erneutes Anfahren zu vermeiden; Motorbremse verwenden; hohes Tempo vermeiden; dem Verkehrsfluss anpassen);
Umweltfreundliches Konsumverhalten[Bearbeiten]

Mit ihrer Nachfrage, ihrem Kauf- und Mobilitätsverhalten können die Verbraucher individuell ebenfalls im Sinne des Klimaschutzes wirken, indem sie klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen verwenden:

  • Verkürzung der Nahrungskette durch vermehrten Konsum pflanzlicher statt tierischer Produkte[27]: weniger Fleisch und Tierprodukte wie Milch und Käse essen;
  • Umstellung auf Ökostrom sowie anderweitige Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere zum Heizen und Kühlen (Photovoltaik, Geothermie, Solarthermie, Biomasse);
  • Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel;
  • Einsatz klimaschonenderer Motoren bzw. Kraftstoffe wie beispielsweise Biodiesel oder Pflanzenöl aus nachhaltigem Anbau
  • regional hergestellte Produkte bevorzugen, um lange Transportwege zu vermeiden (z. B. Lebensmittel aus der Umgebung gegenüber importierten vorziehen);
  • Chemische Dünge- und Spritzmittel im Garten vermeiden;
  • beim Kauf auf umweltschonende Verpackung achten;
  • Kauf von Klimaschutz-Wertpapieren[28];
    • Über den Handel von Emissionszertifikaten können Verminderungspotenziale an Orten realisiert werden, an denen dies kostengünstig möglich ist.
    • Ebenso wird bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten weltweit der Technologietransfer gefördert und auf soziale Aspekte, wie die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Verbesserung von Arbeitsbedingungen wird positiv Einfluss genommen.
  • Printprodukte klimaneutral drucken lassen
  • Auf eine nachhaltige Einkaufspolitik im eigenen Unternehmen und am Arbeitsplatz achten

Klimaschutz an Schulen[Bearbeiten]

Mehrere tausend Schulen in Deutschland beteiligen sich am Programm "Klimaschutzschule" des Bundesumweltministeriums[29] und integrieren Klimaschutz in Schulalltag und Lehrplan, etwa durch schuleigene Photovoltaikanlagen mit Stromzählern oder die Verknüpfung von Technologien wie Biogas oder Geothermie mit Fächern wie Biologie, Chemie und Geographie. Das Bundesumweltministerium stellt Lehrmaterial zur Verfügung.[30]

Geo-Engineering[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geo-Engineering

Das Copenhagen Consensus Center an der Copenhagen Business School empfiehlt Geo-Engineering als effizientere Alternative zu Emissionsreduktionen.[31]

Wirtschaftlichkeit[Bearbeiten]

Verschiedene Beobachter weisen darauf hin, dass Klimaschutz auch ökonomische Chancen bietet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden in Deutschland mit klimaschutzrelevanten Waren und Dienstleistungen 2011 mehr als 45 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Dies entspricht knapp zwei Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes (BIP). In Sachsen-Anhalt wurden vier Prozent des BIP durch klimaschutzbezogene Umsätze erwirtschaftet, in Bayern 3,5 Prozent. Den größten Anteil am Gesamtumsatz hatte die Solarenergiebranche mit einem Umsatz von 14,3 Milliarden Euro, aber auch der Wind- (8,3 Milliarden Euro) und der Bioenergiesektor (2,2 Milliarden Euro) konnten zum BIP beitragen.

Nach Analysen der zur Weltbank gehörenden International Finance Corporation und der Unternehmensberatung A.T. Kearney ist in Osteuropa, Zentralasien, dem Mittleren Osten und Nordafrika ein Investitionspotenzial von rund 500 Milliarden Euro für Klimaschutztechniken vorhanden. Der größte Posten entfällt mit 51 Milliarden Euro auf die Windenergie. [11]

Eine Studie von Caio Koch-Weser, ehem. Vizepräsident der Weltbank, im Auftrag der UN gelangte 2014 zu dem Ergebnis, dass Klimaschutz wirtschaftlich sinnvoll ist und das Wirtschaftswachstum beleben kann. Im Mittelpunkt der Klimaschutzmaßnahmen müssen den Experten zufolge der schnelle Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, am besten mit emissionsfeien Antrieben, sowie die Wiederbelebung landwirtschaftlicher Brachflächen für die Sicherstellung der Ernährung stehen. [32]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Valentin Crastan, Weltweite Energiewirtschaft und Klimaschutz 2009. Berlin - Heidelberg 2010. ISBN 978-3-642-10786-3.
  • Matthias Dietz & Heiko Garrelts (Hrsg.): Die internationale Klimabewegung: Ein Handbuch. Springer VS, 2013. ISBN 978-3658019693
  • Hartmut Graßl: Wetterwende. Vision: Globaler Klimaschutz. Campus, 1999, ISBN 3-59336-035-7.
  • Mojib Latif: Herausforderung Klimawandel – Was wir jetzt tun müssen. Heyne, München 2007, ISBN 3453615034
  • Misch-Wertheim, Claudia und Bernd Reuter: Energieversorgung der Zukunft - zwischen Klimaschutz und Ökonomie. Stuttgart: Hirzel, April 2005. - 1. Auflage. ISBN 3-77761-367-3
  • New Economics Foundation (2005): Mirage and oasis. Energy choices in an age of global warming, London (PDF, 1,2 MB) (englisch)
  • Volker Quaschning (2013): Erneuerbare Energien und Klimaschutz. Hanser Verlag, München, 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-446-43809-5
  • Umweltbundesamt (Hrsg.) (2006): Wirtschaftsfaktor Umweltschutz: Leistungsfähigkeit der deutschen Umwelt- und Klimaschutzwirtschaft im internationalen Vergleich (PDF, 3 MB)
  • BINE (2001): Projektinformation IKARUS – Instrumente für den Klimaschutz (PDF; 752 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg3/ar4-wg3-frontmatter.pdf
  2. STANDARD-Interview: Sind die Moore weg, ist’s fürs Klima schlecht
  3. Feuchtgebiete (DOC)
  4. Pacala, Stephen und Robert Socolow (2004):Stabilization Wedges: Solving the Climate Problem for the Next 50 Years with Current Technologies, in: Science 305, 14. August, S. 968-972 (engl.) (PDF; 181 kB)
  5. Kaemfert, Claudia und Barbara Praetorius (2005): Die ökonomischen Kosten des Klimawandels und der Klimapolitik, in: DIW, Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung 74, 2/2005, Seite 133–136 (PDF)
  6. Pressemitteilung des DIW Berlin vom 10. August 2005, abgerufen am 22. November 2010: „Eine schnell aktiv werdende Klimaschutzpolitik hingegen könnte gesamtwirtschaftliche Schäden von bis zu 200 Billionen US-$ bis zum Jahre 2050 abwenden.“
  7. Uwe R. Fritsche Treibhausgasemissionen und Vermeidungskosten der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Strombereitstellung (PDF; 337 kB) (Öko-Institut, Darmstadt), Tabelle 3 auf Seite 7: Unter ca. 100g CO2(äquiv.)/kWhel liegen erneuerbare Energien, AKW, Blockheizkraftwerke (mit Erdgas betrieben). Ein Teil der CO2-Emissionen wird dabei der Wärmegewinnung zugeschrieben.
  8. Forschungsverbund Erneuerbare Energien: Energiekonzept 2050 FVEE, Berlin, 2010.
  9. Volker Quaschning: So geht Klimaschutz: 100% Erneuerbare Energien bis spätestens 2040, Stand 2013 Auszug aus dem Fachbuch Erneuerbare Energien und Klimaschutz, Hanser Verlag 2009, aktualisierte Internetversion vom 30. November 2011.
  10. The New Climate Report, 2014, chapter 4: energy, PDF
  11. a b Klimaschutz nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Agentur für Erneuerbare Energien (Pressemitteilung), 14. November 2013, abgerufen am 11. Februar 2014.
  12. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Kernenergie in Deutschland
  13. Deutsches Atomforum e. V.: [1], 16. März 2006
  14. Zitat Al Gore, US-amerikanischer Politiker: „Wenn Sie die Wahrheit über die Benzinpreise wissen wollen, hier ist sie: Die explodierende Nachfrage nach Öl, besonders in Ländern wie China, ist so viel höher als die Geschwindigkeit und das Ausmaß neuer Ölfunde, dass die Ölpreise mit größter Wahrscheinlichkeit weiterhin im Lauf der Zeit steigen werden“, A Generational Challenge to Repower America, (deutscher Übersetzung eingefügt), Ansprache vom 17. Juli 2008 in der DAR Constitutional Hall, Washington D.C.; Originaltext und Video der Rede hier: http://www.wecansolveit.org/content/pages/304/
  15. Pressemitteilung Umweltbundesamt (PDF; 161 kB)
  16. www.wind-energie.de
  17. wirtschaftsswoche: Flaute in der Windkraftbranche (12. April 2012)
  18. Fitz, S. (2008): GIS-gestützte Analyse der Energieeinspar- und Klimaschutzpotentiale der Gebäudetypologie der Stadt Freiburg i. Br.; Institut für Physische Geographie; Universität Freiburg im Breisgau (
  19. Manfred Wilde: Nachhaltige kommunalpolitische Handlungsstrategie. In: Manfred Wilde (Hrsg.): Die Nachhaltige Stadt. Zukunftssicherndes kommunales Ressourcenmanagement. De Gruyter Oldenbourg, München 2014, S. 21. ISBN 978-3-11-035382-2, e-ISBN 978-3-11-035404-1
  20. http://www.klima-invest.de/ Homepage Fa. Klimainvest
  21. http://www.atmosfair.de/ Homepage der Fa. atmosfair
  22. http://www.myclimate.org/ Homepage der Fa. myclimate
  23. Gunhild Lütge: Treibhausgase durch Fleischkonsum: Biokost allein löst die Klimafrage nicht. In: die tageszeitung. Abgerufen am 11. Februar 2014.
  24. Nicola Liebert: Öko-Produkte: Essen fürs Klima? In: Die Zeit. 13. September 2008, abgerufen am 11. Februar 2014.
  25. a b Besonders sparsame Haushaltsgeräte 2006/2007 (PDF, 340 KB)
  26. Die Organisation atmosfair nimmt Ausgleichszahlungen für Klimaschädigungen durch Flugreisen entgegen und fördert mit solch freiwilligen Abgaben Klimaschutzprojekte.
  27. FAO (2006): Livestock’s Long Shadow - Environmental Issues and Options (PDF, 19 MB)
  28. Stern: Klima-Ablasshandel - Der Deal mit dem schlechten Gewissen 12. März 2007
  29. Klimaschutzschulen-Atlas
  30. BMU: Bildungsmaterialien
  31. Top Economists Recommend Climate Engineering. Press Release. Copenhagen Consensus. 4. September 2009 (PDF; 188 kB)
  32. The New Climate Report