Klimaschutz

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Klimaschutz ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die einer durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und mögliche Folgen der globalen Erwärmung abmildern (Mitigation) oder sogar verhindern sollen.[1] Die Erderwärmung ist aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr völlig zu stoppen, sondern nur noch abzumildern und zu begrenzen. Demnach wären neben der Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und Geo-Engineering Maßnahmen zur Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel nötig (Adaption), z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge.

Hauptansätze des Klimaschutzes sind zum einen die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen, die bei der Energieerzeugung sowie beim Verbrauch der Energie in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, im Verkehr und in Privathaushalten freigesetzt werden. Zum anderen geht es um die Erhaltung und um die gezielte Förderung solcher Naturbestandteile, die das mengenmäßig bedeutsamste Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aufnehmen (sogenannte Kohlenstoffsenken, insbesondere Wälder).

Zum Klimaschutz gehören neben großtechnischen Maßnahmen und makroökonomischen Ausrichtungen sowie der staatlichen und internationalen Klimaschutzpolitik auch Aufklärung und Verhaltensänderung der Individuen vor allem in Industriestaaten mit einem vergleichsweise hohen Energiekonsum und entsprechenden Verursacheranteilen an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen.

Möglichkeiten des Klimaschutzes[Bearbeiten]

Auf technischer Ebene existiert eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung der Emission von Treibhausgasen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren.[2] Der als klimaschutztechnischer Idealfall vorzustellende weltweite Verzicht auf fossile Brennstoffe führt allerdings nur mit Verzögerung zum Erfolg. Wegen der Trägheit des Abbaus von Treibhausgasen ist nach gängiger Lehrmeinung mit einer weiteren Erwärmung wenigstens für weitere 25 Jahre zu rechnen. Ein sofortiger, vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme ist auch technisch nicht umsetzbar. Ersatztechnologien für fossile Brennstoffe müssen deshalb noch vor deren Ende entwickelt und gebaut werden.

Energieerzeugung[Bearbeiten]

Nutzung erneuerbarer Energien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Erneuerbare Energien
Windkraftanlagen und Photovoltaiksysteme sind die regenerativen Technologien mit dem größten Potenzial und gelten als große Hoffnungsträger im Klimaschutz.
Weltweite Entwicklung der Windenergie.

Die Nutzung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre. Daher wird aus Gründen des Klimaschutzes ein Umstieg auf CO2-freie oder -arme Energieträger angestrebt. Am ehesten bieten sich hierfür die erneuerbaren Energien an.[3] Auch diese Energiequellen sind nicht völlig CO2-frei (zum Beispiel wird auch beim Bau der Kraftwerke oder bei der Gewinnung der organischen Brennstoffe Energie verbraucht), sie ermöglichen jedoch eine weitgehende Reduktion der CO2-Freisetzung.

Eine vollständig regenerative und damit auch kohlendioxidfreie Energieversorgung weltweit wird theoretisch bis zum Jahr 2050 als technisch realisierbar angesehen.[4] In Deutschland wäre eine klimaverträgliche Energieversorgung sogar bis 2040 zu erreichen (insbesondere durch Einsparung und wegen der sinkenden Bevölkerungszahl).[5] Hierzu müsste aber das Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich erhöht werden.

Laut einem Expertenbericht, der 2014 im Auftrag des UN-Generalsekretärs veröffentlicht wurde, macht der rapide Preisverfall bei Wind- und Solarenergie erneuerbare Energien auch gegenüber Energie aus Kohle in vielen Regionen der Welt konkurrenzfähig. So könnte schon in den nächsten 15 Jahren mehr als die Hälfte der weltweiten Stromerzeugung aus regenerativen Quellen stammen. Aufgrund des technologischen Fortschritts könnten Regierungen und Unternehmen gleichzeitig Wirtschaftswachstum, Klimaschutz und Energieeinsparungen verwirklichen. Investitionen in emissionsarme Technologien brächten nachhaltiges Wachstum und schützten vor negativen Auswirkungen der Erderwärmung, so der Bericht.[6]

Obwohl 2011 in Deutschland acht Atomkraftwerke vom Netz gingen (Atomausstieg nach Fukushima), sank der Treibhausgasausstoß in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. Der wachsende Anteil von erneuerbarem Strom sowie der milde Winter wurden als Gründe genannt. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 ging der Ausstoß um 26,5 Prozent zurück.[7] Durch Erneuerbare Energie wurden in Deutschland im Jahr 2012 knapp 145 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente eingespart. Dies entspricht mehr als 15 Prozent der insgesamt ausgestoßenen Treibhausgase.[8]

Erneuerbare Energien werden weltweit stark ausgebaut. Die Ausbauraten finden sich in den Artikeln Windenergie, Photovoltaik und Wasserkraft. Eine bedeutsamer regenerativer Energieträger ist ebenfalls die Biomasse in Form der Bioenergie. Bei der Nutzung der Biomasse als Energieträger muss allerdings der potentiell problematische Nutzungskonflikt zwischen Nahrungs- und Futtermitteln sowie für die Gewinnung von natürlichen Rohstoffen berücksichtigt werden. Die wirtschaftlich interessante Umwandlung von Urwald in Ölpalmenplantagen, wie z.T. in manchen südamerikanischen und südostasiatischen Staaten der Fall, ist auch klimapolitisch kontraproduktiv.

Großtechnische interkontinentale Nutzung der Sonnenenergie[Bearbeiten]

Eine der so genannten großtechnischen Lösungen ist die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome und des Hamburger Klimaschutz-Fonds. Diese setzt sich für die Umsetzung einer kooperativen interkontinentalen Nutzung der Sonnenenergie ein. In Nord-Afrika und im Nahen Osten soll mittels thermischer Solarkraftwerke Strom erzeugt und durch Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HVDC) nach Europa geleitet werden. Satellitengestützte Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigen das überreichliche Angebot an Solarenergie sowie die Notwendigkeit, die Realisierbarkeit und den Nutzen einer möglichst baldigen Umsetzung der von TREC geforderten Maßnahmen. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nordafrika und im Nahen Osten kann genügend Energie und Trinkwasser für den steigenden Bedarf aller beteiligten Staaten erzeugt werden. Dies ermöglicht einen Stopp des Ausbaus von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken in allen beteiligten Staaten.

Effizientere Kraftwerke[Bearbeiten]

Mini-BHKW in gekapselter Bauform

Eine andere Möglichkeit liegt in der Erhöhung der Energieeffizienz von bestehenden Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, besonders in Ländern mit großen Ineffizienzen wie beispielsweise China. Dort werden Kraftwerke genutzt, deren Effizienz ca. 20 % unter dem Stand der Technik liegt.

Blockheizkraftwerke können einen wesentlichen Beitrag zur sparsamen Energieerzeugung leisten. Sie setzen das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung um und erzielen damit einen höheren Nutzungsgrad.

Kernenergie[Bearbeiten]

Der als Beitrag zum Klimaschutz diskutierte Einsatz der Kernenergie ist unter Wissenschaftlern sowie in der Bevölkerung umstritten. Im Jahr 2013 lieferte die Kernenergie 10,8 % des Weltstrombedarfs[9] während der Anteil am globalen Endenergieverbrauch bei unter 2,5 % liegt.[10] Im Vordergrund der Kritik stehen die allgemeinen Probleme der Kernenergie, vor allem die Risiken von möglichen Störfällen, bei denen Radioaktivität freigesetzt wird, und die langfristige Lagerung des radioaktiven Abfalls. Kritisiert wird außerdem, dass auch mit der Gewinnung, der Anreicherung und dem Transport des Urans ein Ausstoß von Kohlendioxid verbunden ist. Mit 9-70 g CO2/kWh liegen die CO2-Emissionen von Kernkraftwerken höher als bei Windkraft-, Solarthermie- und Wasserkraftwerken, jedoch auf ähnlichem Niveau wie Photovoltaik-Anlagen und deutlich niedriger als bei allen fossilen Kraftwerken einschließlich Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung und -Speicherung.[11] In Deutschland waren Anfang 2015 noch neun Kernkraftwerke mit einer elektrischen Leistung von ca 12.000 MW in Betrieb. Diese sollen gestuft bis Ende 2022 abgeschaltet werden (siehe Atomausstieg in Deutschland).[12]

Unter der hypothetischen Annahme, dass zwecks Dekarbonisierung des Energiewesens bis 2030 der gesamte erwartete Energiebedarf der Erde mittels Kernenergie gedeckt würde, müssten weltweit ca. 15.800 Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 850 MW errichtet werden. Sollte hingegen nur 5 % des Weltenergiebedarfs durch Kernenergie geliefert werden, so müsste die Zahl der Reaktoren gegenüber dem Stand 2010 verdoppelt werden.[13]

Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die Strom aus Kernspaltung erzeugen, sollen Kernfusionsreaktoren die Kernfusion nutzen, werden aber voraussichtlich nicht vor 2050 marktreif sein, so dass sie für den Klimaschutz bis dahin keine Rolle spielen. Mit dem Forschungsreaktor ITER soll nachgewiesen werden, dass die Kernfusion auf diese Weise Energie liefern kann; ITER soll in etwa so viel thermische Energie erzeugen, wie er selber verbraucht, jedoch keinen Strom erzeugen. Außerdem dient er zur Entwicklung und Erprobung eines Verfahrens zur geplanten Erbrütung des als Brennstoff benötigten Tritiums sowie der Suche nach Materialien für den Reaktionsbehälter, der starker Neutronenstrahlung ausgesetzt sein würde.

Maßnahmen zur CO2-Reduktion auf Verbraucherseite[Bearbeiten]

Weitgehend mit Solarthermie beheiztes Sonnenhaus in Bayern
Wärmeverluste durch eine ungedämmte Außenwand
Hauptartikel: Energieeinsparung

Eine Steigerung der Energieeffizienz bedeutet „mehr Output pro Input“ oder „weniger Input für einen konstanten Output“. Letzteres bedeutet Energieeinsparung. Für eine höhere Energieeffizienz in Haushalt, Gewerbe und Verkehr gibt es eine Vielzahl von technischen Lösungen:

  • Gute Isolation der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) und Einsatz von energieeffizienten Brennwertgeräten oder Wärmepumpen führt zum Niedrigenergiehaus oder zum KfW-geförderten Passivhaus. Zum Beispiel könnte (Stand 2007/8) die Stadt Freiburg im Breisgau durch gute Isolation der Wohngebäude 58 Prozent der CO2-Emissionen vermeiden [14]. Zu den in der praktischen Umsetzung erfolgreichsten europäischen Kommunen gehört die Stadt Delitzsch. Dort konnte zwischen 1990 und 2007 die Kohlendioxidemission um 60 Prozent gesenkt, der Endenergieeinsatz um 22 Prozent und der Primärenergieeinsatz um 24 Prozent reduziert werden.[15]
  • Passivhäuser ermöglichen bereits heute eine Reduktion des Energieverbrauchs in Haushalten um bis zu 80 %; für Fabrikgebäude sind ähnliche Konzepte verfügbar (vgl. BINE). Moderne Duschbrausen können den Duschwasserverbrauch um bis zu 50 % senken.
  • Die Nutzung von erneuerbaren Energien ist im Idealfall CO2-neutral.
  • Im Bereich Verkehr: Reduzierung des Transportbedarfs, effizientere Verkehrsmittel. Außerdem gibt es alternative Treibstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl, Bioethanol oder in der Entwicklung befindliche Biomass to Liquids, deren Nutzung allerdings nicht unumstritten ist.
  • Die öffentliche Hand kann durch eine kleinteilige Stadtplanung und Raumplanung Wegezwänge verringern. Mit dem Angebot von öffentlichen Fahrrädern versuchen mehrere Städte, das Fahrrad für kurze Entfernungen attraktiver zu machen. Ein attraktiver Öffentlicher Verkehr kann den Zwang zum Kraftfahrzeug reduzieren. Energiesparende Fahrzeuge können gefördert werden.
  • Organisationen wie KlimaINVEST[16], atmosfair[17] oder myclimate[18] ermöglichen Ausgleichszahlungen für mutmaßliche Klimaschädigungen z. B. durch Flugreisen. Mit den freiwilligen Abgaben werden Klimaschutzprojekte gefördert.

Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen werden von ihren Befürwortern auch mit anderen Initiativen zum Umweltschutz in Zusammenhang gebracht, so mit positiven Nebeneffekten für die Luftreinerhaltung (etwa in Städten).

Siehe auch: Top-Runner-Programm

Erhaltung der natürlichen Kohlenstoffsenken[Bearbeiten]

Die für den Klimaschutz wichtigsten Kohlenstoffsenken sind – neben den Ozeanen – große Waldareale, namentlich tropische Regenwälder und boreale Wälder. Die Flächen, die zur längerfristigen Akkumulation von CO2 in Biomasse geeignet sind, werden weltweit immer geringer. Seit der UN-Klimakonferenz auf Bali (2007) wird in diesem Zusammenhang das REDD-Modell entwickelt, das Kompensationszahlungen für Waldschutzmaßnahmen an Entwicklungsländer und lokale Organisationen vorsieht. Auf diese Weise sollen finanzielle Anreize für die Begrenzung der Waldzerstörung geschaffen werden.

Für Feuchtgebiete wie Moore, Sümpfe und Flussauen ist die Situation komplexer: Sie wirken als starke Nettosenken für CO2, aber zugleich als Nettoquellen für das starke Treibhausgas Methan, so dass ihre Bilanz von Einzelheiten wie zum Beispiel dem lokalen Klima und der Landnutzung abhängt.[19][20][21]

Technische Alternativen zur Bindung von CO2 fehlen bisher bzw. sind energieintensiv, etwa die CO2-Sequestrierung, oder sie sind wenig erkundet und umstritten wie die Düngung von Meeren oder das Geo-Engineering.

Akteure und Handlungsbereiche[Bearbeiten]

Beispiel Deutschland: 2005 betrug der Primärenergieverbrauch 14.238 PJ. Dies entspricht einer mittleren Leistungsaufnahme von 451 Gigawatt bzw. 5473 Watt/Kopf bei einer Bevölkerung von 82,4 Mio. Menschen. Der Verbrauch gliedert sich in etwa wie folgt:

  • Industrie 24,9 %
  • Verkehr 27,0 %
  • Private Haushalte 30,5 %
  • Gewerbe/Handel/Dienstleistungen 17,6 %

Um die international vereinbaren Klimaschutzziele zu erreichen, müssen der Primärenergieverbrauch im Energiemix gesenkt und fossile Energieträger durch CO2-ärmere gezielt ersetzt werden. Alle genannten Bereiche können zur CO2-Reduktion beitragen.

Internationale Politik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Klimapolitik und UN-Klimakonferenz

Inzwischen haben die meisten Länder die völkerrechtlich verbindliche Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 unterzeichnet, mit deren Hilfe eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert werden soll. In ihrer Folge wurde und wird vor allem über Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen verhandelt, die im Kyoto-Protokoll verzeichnet sind. Dieses trat offiziell am 16. Februar 2005 in Kraft und enthält Regelungen bis zum Jahr 2012. Im Post-Kyoto-Prozess wird unterdessen über ein Nachfolgeregime für den anschließenden Zeitraum verhandelt.

Maßnahmen im Straßenverkehr[Bearbeiten]

Batteriebus des Typs BYD ebus an einer Ladestation in Shanghai, China. Die Nutzung des ÖPNVs, insbesondere elektrischer Fahrzeuge, bietet großes Einsparpotential gegenüber dem motorisierten Individualverkehr.

Da der motorisierte Straßenverkehr einen sehr großen Anteil am Kohlendioxidausstoß hat, besteht hier ein großes Potential für persönliche Einsparungen.

  • Vermeidung von Autofahrten und Flugreisen, besonders von Inlandsflügen[22]
  • Verkürzung von Fahrtwegen durch effiziente Kombination von Fahrten (Wegeketten)
  • Kauf eines sparsamen Niedrigenergiefahrzeugs
  • Einsatz klimaschonender Kraftstoffe wie beispielsweise Biodiesel oder Pflanzenöl aus nachhaltigem Anbau
  • Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Teilnahme am Carsharing (dadurch kann auch der Energieverbrauch bei der Herstellung und Entsorgung eines Fahrzeugs auf mehrere Benutzer verteilt werden)
  • Energiesparende Fahrweise bei Kraftfahrzeugen (niedertourig fahren; vorausschauend an Ampeln und Hindernisse heranfahren, um unnötiges Bremsen und erneutes Anfahren zu vermeiden; Motorbremse verwenden; hohes Tempo vermeiden; dem Verkehrsfluss anpassen)
  • Nutzung umweltfreundlicherer Verkehrsmittel (z. B. Fahrrad)

Maßnahmen in Privathaushalten und am Arbeitsplatz[Bearbeiten]

Durch Umrüstung auf energieeffiziente Beleuchtung wie z. B. LED-Lampen lässt sich der Stromverbrauch für Beleuchtungszwecke um bis zu 80 % senken.[23]

Unabhängig von der internationalen Klimaschutzpolitik, die bisher nur langsam vorankommt, kann jede/r Einzelne im persönlichen Rahmen und im sozialen Umfeld zur Vermeidung unnötiger Emissionen von Treibhausgasen beitragen. Allein durch persönliche Energieeinsparung kann der Durchschnittsverbrauch – und damit auch der CO2-Ausstoß – um 20 bis 50 Prozent im Haushalt gesenkt werden.

Sparsame Elektrogeräte verbrauchen zwischen einem und zwei Dritteln weniger Energie im Vergleich zu ineffizienten Geräten. Bei der Neuanschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte, Heizungen und Fahrzeuge im Sinne des Klimaschutzes ist dabei zu prüfen, ob eine Weiterbenutzung ohne Neuanschaffung oder eine Second-Hand-Lösung über die Lebenszeit des Produkts betrachtet nicht die effizientere Alternative darstellt. Denn sowohl die Produktion neuer Geräte als auch die Entsorgung der Altgeräte sind meist sehr energieintensiv. Bei einem Neukauf kann der Markt nach Niedrigenergieprodukten abgesucht werden. Die Energieeffizienzklasse der EU gibt außerdem Auskunft über die Verbrauchswerte von Geräten, und für große Haushaltsgeräte gibt das Niedrig-Energie-Institut regelmäßig die Liste „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“ heraus.

Zu den persönlichen Klimaschutzvorkehrungen, die Privatpersonen in ihrem jeweiligen Handlungsbereich treffen können, zählen in den Bereichen der Energieeffizienzsteigerung und des Energiesparens:

  • Effiziente Haushaltsgeräte einsetzen und beispielsweise Energiesparlampen verwenden
  • Zurückhaltender Einsatz von Klimaanlagen (siehe auch „Cool Biz“)
  • Heizungen mit möglichst hohem Wirkungsgrad betreiben, das umfasst ihre regelmäßige Wartung und gegebenenfalls Erneuerung
  • Eine bessere Wärmedämmung der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) in Privathäusern installieren
  • Neubauten im Passivhaus-Standard realisieren
  • Unvermeidbare Emissionen können durch die Finanzierung sorgfältig ausgewählter Klimaschutzprojekte an anderer Stelle kompensiert werden

Klimafreundliches Konsumverhalten[Bearbeiten]

Mit ihrem Kaufverhalten können die Verbraucher ebenfalls im Sinne des Klimaschutzes wirken, indem sie klimafreundlichere Produkte und Dienstleistungen bevorzugen:

  • Umstellung auf Ökostrom
  • Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere zum Heizen und Kühlen (Photovoltaik, Geothermie, Solarthermie, Biomasse)
  • Regional hergestellte Produkte (z. B. Lebensmittel) bevorzugen, um lange Transportwege zu vermeiden
  • Kauf von Klimaschutz-Wertpapieren[24]
    • Über den Handel von Emissionszertifikaten können Verminderungspotenziale an Orten realisiert werden, an denen dies kostengünstig möglich ist.
    • Ebenso wird bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten weltweit der Technologietransfer gefördert und auf soziale Aspekte, wie die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Verbesserung von Arbeitsbedingungen wird positiv Einfluss genommen.
  • Printprodukte klimaneutral drucken lassen
  • Auf eine nachhaltige Einkaufspolitik im eigenen Unternehmen und am Arbeitsplatz achten

Neuerdings wird die Zurückhaltung beim Konsum von tierischen Produkten, insbesondere aus der Rinderhaltung, als individueller Beitrag zum Klimaschutz betont.[25][26] Weltweit steigt der Fleischverbrauch jedoch rasant, vor allem in Ostasien. Das aus den Tiermägen entweichende Methan trägt erheblich zum anthropogenen Treibhauseffekt bei.[27] Auch die Milchwirtschaft (inklusive Butter- und Käseproduktion) setzt Treibhausgase frei, wie die gesamte europäische Landwirtschaft, das Gros der Treibhausgase kommt jedoch aus der weltweiten Fleischrinderhaltung. Außerdem ist der Regenwald bedroht, wenn Flächen für den Anbau von Viehfutter gerodet werden. Brasilien ist in wenigen Jahren zum größten Fleischexporteur aufgestiegen.

Klimaschutz an Schulen[Bearbeiten]

Mehrere tausend Schulen in Deutschland beteiligen sich am Programm „Klimaschutzschule“ des Bundesumweltministeriums[28] und integrieren Klimaschutz in Schulalltag und Lehrplan, etwa durch schuleigene Photovoltaikanlagen mit Stromzählern oder die Verknüpfung von Technologien wie Biogas oder Geothermie mit Fächern wie Biologie, Chemie und Geographie. Das Bundesumweltministerium stellt Lehrmaterial zur Verfügung.[29]

Wirtschaftlichkeit[Bearbeiten]

Die Gesamtkosten eines globalen Klimaschutzes sind nicht eindeutig abschätzbar; noch deutlich größere Unsicherheiten treten bei der Bezifferung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels auf und hemmen die notwendigen Investitionen. Gleichwohl schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass ein effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeidbar machte.[30][31]

Hauptartikel: Klimafinanzierung

Die Verfechter von Präventivmaßnahmen führen auch ins Feld, dass die ökonomisch tragfähigen Produktionsraten der fossilen Energieträger ohnehin in kurzen (Öl: möglicherweise schon im laufenden Jahrzehnt, siehe Globales Ölfördermaximum) bis mittleren (Gas: max. 60 Jahre, Kohle: siehe Kohlefördermaximum) Zeiträumen an ihre Grenzen geraten, was zufolge von Gutachten wie dem Hirsch Report eine frühzeitige Umstellung auf alternative Energiequellen oder Kernkraftwerke notwendig mache.[32]

Eine Studie von Caio Koch-Weser, ehem. Vizepräsident der Weltbank, im Auftrag der UN gelangte 2014 zu dem Ergebnis, dass Klimaschutz wirtschaftlich sinnvoll ist und das Wirtschaftswachstum beleben kann. Im Mittelpunkt der Klimaschutzmaßnahmen müssen den Experten zufolge der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, am besten mit emissionsfeien Antrieben, sowie die Wiederbelebung landwirtschaftlicher Brachflächen für die Sicherstellung der Ernährung stehen.[33]

Verschiedene Beobachter weisen darauf hin, dass Klimaschutz auch ökonomische Chancen bietet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden in Deutschland mit klimaschutzrelevanten Waren und Dienstleistungen 2011 mehr als 45 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Dies entspricht knapp zwei Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes (BIP). In Sachsen-Anhalt wurden vier Prozent des BIP durch klimaschutzbezogene Umsätze erwirtschaftet, in Bayern 3,5 Prozent. Den größten Anteil am Gesamtumsatz hatte die Solarenergiebranche mit einem Umsatz von 14,3 Milliarden Euro, aber auch der Wind- (8,3 Milliarden Euro) und der Bioenergiesektor (2,2 Milliarden Euro) konnten zum BIP beitragen.

Nach Analysen der zur Weltbank gehörenden International Finance Corporation und der Unternehmensberatung A.T. Kearney ist in Osteuropa, Zentralasien, dem Mittleren Osten und Nordafrika ein Investitionspotenzial von rund 500 Milliarden Euro für Klimaschutztechniken vorhanden. Der größte Posten entfällt mit 51 Milliarden Euro auf die Windenergie.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg3/ar4-wg3-frontmatter.pdf
  2. Pacala, Stephen und Robert Socolow (2004):Stabilization Wedges: Solving the Climate Problem for the Next 50 Years with Current Technologies, in: Science 305, 14. August, S. 968-972 (engl.) (PDF; 181 kB)
  3. Uwe R. Fritsche Treibhausgasemissionen und Vermeidungskosten der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Strombereitstellung (PDF; 337 kB) (Öko-Institut, Darmstadt), Tabelle 3 auf Seite 7: Unter ca. 100g CO2(äquiv.)/kWhel liegen erneuerbare Energien, AKW, Blockheizkraftwerke (mit Erdgas betrieben). Ein Teil der CO2-Emissionen wird dabei der Wärmegewinnung zugeschrieben.
  4. Forschungsverbund Erneuerbare Energien: Energiekonzept 2050, FVEE, Berlin, 2010.
  5. Volker Quaschning: So geht Klimaschutz: 100% Erneuerbare Energien bis spätestens 2040, Stand 2013 Auszug aus dem Fachbuch Erneuerbare Energien und Klimaschutz, Hanser Verlag 2009, aktualisierte Internetversion vom 30. November 2011.
  6. The New Climate Report, 2014, chapter 4: energy, PDF
  7. Pressemitteilung Umweltbundesamt (PDF; 161 kB)
  8. a b Klimaschutz nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Agentur für Erneuerbare Energien (Pressemitteilung), 14. November 2013, abgerufen am 11. Februar 2014.
  9. The World Nuclear Industry Status Report 2014. Abgerufen am 4. März 2015.
  10. Nicola Armaroli, Vincenzo Balzani, Towards an electricity-powered world. In: Energy and Environmental Science 4, (2011), 3193-3222, 3200f, doi:10.1039/c1ee01249e.
  11. Mark Z. Jacobson, Review of solutions to global warming, air pollution, and energy security. In: Energy and Environmental Science 2, (2009), 148-173, S. 155, doi:10.1039/b809990c.
  12. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Kernenergienutzung in Deutschland
  13. Mark Z. Jacobson; Mark A. Delucchi, Providing all global energy with wind, water, and solar power, Part I: Technologies, energy resources, quantities and areas of infrastructure, and materials. In: Energy Policy 39, Vol. 3, (2011), 1154–1169, S. 1156, doi:10.1016/j.enpol.2010.11.040.
  14. Fitz, S. (2008): GIS-gestützte Analyse der Energieeinspar- und Klimaschutzpotentiale der Gebäudetypologie der Stadt Freiburg i. Br.; Institut für Physische Geographie; Universität Freiburg im Breisgau (
  15. Manfred Wilde: Nachhaltige kommunalpolitische Handlungsstrategie. In: Manfred Wilde (Hrsg.): Die Nachhaltige Stadt. Zukunftssicherndes kommunales Ressourcenmanagement. De Gruyter Oldenbourg, München 2014, S. 21. ISBN 978-3-11-035382-2, e-ISBN 978-3-11-035404-1
  16. http://www.klima-invest.de/ Homepage Fa. Klimainvest
  17. http://www.atmosfair.de/ Homepage der Fa. atmosfair
  18. http://www.myclimate.org/ Homepage der Fa. myclimate
  19. William J. Mitsch et al.: Wetlands, carbon, and climate change. Landscape Ecology 2013; 28 (4), S. 583–597. doi:10.1007/s10980-012-9758-8
  20. J. Hommeltenberg, H. P. Schmid, M. Drösler, P. Werle: Can a bog drained for forestry be a stronger carbon sink than a natural bog forest? Biogeosciences 2014; 11, S. 3477–3493. doi:10.5194/bg-11-3477-2014
  21. Kenneth A. Byrne et al.: EU Peatlands: Current Carbon Stocks and Trace Gas Fluxes. Carboeurope GHG, Report 4/2004. PDF
  22. Die Organisation atmosfair nimmt Ausgleichszahlungen für Klimaschädigungen durch Flugreisen entgegen und fördert mit solch freiwilligen Abgaben Klimaschutzprojekte.
  23. Martin Pehnt (Hrsg), Energieeffizienz. Ein Lehr- und Handbuch, Berlin – Heidelberg 2010, S. 154.
  24. Stern: Klima-Ablasshandel - Der Deal mit dem schlechten Gewissen 12. März 2007
  25. Gunhild Lütge: Treibhausgase durch Fleischkonsum: Biokost allein löst die Klimafrage nicht. In: die tageszeitung. Abgerufen am 11. Februar 2014.
  26. Nicola Liebert: Öko-Produkte: Essen fürs Klima? In: Die Zeit. 13. September 2008, abgerufen am 11. Februar 2014.
  27. FAO (2006): Livestock’s Long Shadow - Environmental Issues and Options (PDF, 19 MB)
  28. Klimaschutzschulen-Atlas
  29. BMU: Bildungsmaterialien
  30. Kaemfert, Claudia und Barbara Praetorius (2005): Die ökonomischen Kosten des Klimawandels und der Klimapolitik, in: DIW, Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung 74, 2/2005, Seite 133–136
  31. Pressemitteilung des DIW Berlin vom 10. August 2005, abgerufen am 22. November 2010: „Eine schnell aktiv werdende Klimaschutzpolitik hingegen könnte gesamtwirtschaftliche Schäden von bis zu 200 Billionen US-$ bis zum Jahre 2050 abwenden.“
  32. Zitat Al Gore, US-amerikanischer Politiker: „Wenn Sie die Wahrheit über die Benzinpreise wissen wollen, hier ist sie: Die explodierende Nachfrage nach Öl, besonders in Ländern wie China, ist so viel höher als die Geschwindigkeit und das Ausmaß neuer Ölfunde, dass die Ölpreise mit größter Wahrscheinlichkeit weiterhin im Lauf der Zeit steigen werden“, A Generational Challenge to Repower America (deutsche Übersetzung eingefügt), Ansprache vom 17. Juli 2008 in der DAR Constitutional Hall, Washington D.C.
  33. The New Climate Report