Klimaskeptizismus

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Klimaskeptizismus bezeichnet eine zweifelnde oder ablehnende Haltung bezüglich der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung zur globalen Erwärmung.

Als Klima(wandel)skeptiker oder Klima(wandel)leugner werden Personen bezeichnet, die in der Kontroverse um die globale Erwärmung einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreiten, nicht für relevant halten oder die Folgen nicht für relevant halten, bzw. (insbesondere bis in die 1990er Jahre) einen Klimawandel überhaupt bestreiten.[1] In diesem Zusammenhang wird daneben zwischen „Trend-“, „Ursachen-“ und „Folgenskeptiker“ unterschieden: Ein Trendskeptiker leugnet den Erderwärmungstrend generell, ein Ursachenskeptiker zweifelt an der Ursächlichkeit menschlicher Aktivität an der gegenwärtigen globalen Erwärmung und ein Folgenskeptiker zweifelt an den in der Wissenschaft für wahrscheinlich angegebenen Folgen der globalen Erwärmung.[2]

Gesellschaftliche Folgen[Bearbeiten]

Simon Kuper schrieb 2011 anlässlich der UN-Klimakonferenz in Durban, dass die dabei offensichtliche mangelnde Handlungsbereitschaft der Weltgemeinschaft keineswegs durch die wenigen noch verbliebenen klimaskeptischen Stimmen in der Wissenschaft zustandekomme. Es sei ein grundsätzlicher Irrtum, zu glauben, politische Entscheidungen wie über den Umgang mit dem Klimawandel hätten mit wissenschaftlichen Befunden zu tun.[3]

Kuper verweist auf Daniel Sarewitz’ These, wonach politisches Interesse und Gestaltungswillen bei einem Thema wie etwa dem Umweltschutz in den 1970er Jahren deutlich wichtiger gewesen seien als das damals im Vergleich zu heute viel geringere Wissen dazu.[3] Es sei auch bei der Klimapolitik nicht mehr Forschung, sondern mehr politisches Bemühen nötig. Dafür sollten vorhandene politische Interessenkonflikte offener ausgetragen werden, um aus dem derzeit vorhandenen Dilemma herauszukommen.[4]

Dem Soziologen Matthew Nisbet zufolge hat die Haltung zur Klimapolitik und zum Klimawandel, ob skeptisch oder befürwortend, in den USA wie das Waffenrecht, die Steuerpolitik und das Abtreibungsrecht die Rolle einer politischen und sozialen Wegmarke bekommen. Mike Hulme führt ebenso den Hintergrund des Umgangs mit dem Klimawandel und den Skeptizismus nicht auf Wissenschaft, sondern auf unterschiedliche Weltanschauungen und Glaubensvorstellungen zurück.[5] Damit ist aber die Möglichkeit, einander bei solchen Fragen mit wissenschaftlichen Argumenten zu überzeugen, sehr begrenzt.

Kuper betont zudem, dass zwar die Anhänger des menschengemachten Klimawandels deutlich zahlreicher als die Skeptiker seien. Wesentlich für die globale Untätigkeit in Klimafragen sei aber schlicht die mangelnde Handlungsbereitschaft der Mehrheit, die Regierungen eingeschlossen.[3]

Maßnahmen und Aktionen gegen Klimaskepsis und Klimaskeptiker[Bearbeiten]

Eine Broschüre[6] des deutschen Umweltbundesamtes enthält ein Kapitel über Publizisten in Deutschland, die Ursachen und Folgen des Klimawandels bestreiten. Vorgestellt werden Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning; Dirk Maxeiner und Michael Miersch, Günter Ederer und das „Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE)“. Henryk M. Broder, der mit Maxeiner und Miersch ein gemeinsames Weblog betreibt, bezeichnete diese Veröffentlichung als ein Anprangern und staatlichen Eingriff in die Pressefreiheit, die ihn an die Reichskulturkammer erinnern würden.[7]

ClimateNameChange ist eine Initiative in Kooperation mit der Organisation 350.org, die die Offenlegung der Namen von Politikern, die den Klimawandel bezweifeln, zum Inhalt hat.[8] Die Initiative veröffentlichte Ende August 2013 ein humoristisches Video, in dem vorgeschlagen wird, Wirbelstürme nach bekannten Klimawandelleugnern zu benennen. Namentlich benannt werden die US-Politiker Michele Bachmann, John Boehner, Paul Broun, James Inhofe, Darrell Issa, Rick Perry, Collin Peterson, Marco Rubio, Paul Ryan, Jeff Sessions, Lamar Smith und David Vitter. Auf der Homepage werden zusätzlich Martha Roby, Mo Brooks, Robert Aderholt, Spencer Bachus, Richard Shelby, Don Young, Trent Franks, Paul Gosar, Rick Crawford, Timothy Griffin, John Boozman, Ken Calvert, Jeff Denham, Devin Nunes, Dana Rohrabacher, John Campbell, Mario Diaz-Balart, Rand Paul, Steve Scalise, Bill Cassidy, Mary Landrieu, Fred Upton, Joe Heck, Michael Grimm, Tim Scott, Joe Barton, Ted Poe, und Morgan Griffith genannt.[9] Das Video wurde bis Ende September 2013 über zwei Millionen Mal abgerufen.[10] Der Journalist Andrew Revkin merkte in der New York Times kritisch an, dass er das Video trotz guter Absichten als problematisch ansehe, weil der Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und zunehmenden Wirbelstürmen noch nicht eindeutig erwiesen sei.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen[Bearbeiten]

Argumente von Skeptikern und Stellungnahmen dazu[Bearbeiten]

Reportagen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiele der Verwendung durch Süddeutsche, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel, Tagesschau (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, Focus und online Die Welt
  2. Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. C. H. Beck, 6. Auflage 2007, S. 42 ff
  3. a b c Simon Kuper: Squabbling while the world burns. FT, 25. November 2011
  4. Daniel Sarewitz: The Trouble With Climate Science : More research makes the controversy worse. Slate, 10. März 2010
  5. Mike Hulme: Why We Disagree About Climate Change, Understanding Controversy, Inaction and Opportunity. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-52172-732-7
  6. Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel? (PDF; 3,4 MB)
  7. Henryk M. Broder: Eine Behörde erklärt die Klimadebatte für beendet, DIE WELT vom 19. Mai 2013
  8. Satire of climate skeptics becomes viral hit. Auf philly.com, 10. September 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  9. Climate Name Change (mit Video, 2 min 38 sek) auf climatenamechange.org, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  10. 2 Climate Change Efforts Hope To Impact Policy, Public Auf: Media Post, 27. September 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  11. Andrew Revkin: '‘Hurricane Marco Rubio’ – A Winning Climate Campaign?' In: The New York Times, 30. August 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  12. Brandon Keim: The Psychology of Climate Change Denial. Interview mit Kari Marie Norgaard. In: Wired, 12. September 2009, abgerufen am 11. November 2013.
  13. Irene Quaile: Warum wir den Klimawandel nicht wahrhaben wollen. In: Deutsche Welle. 17. Februar 2014.