Klingenberg am Main

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Klingenberg a.Main
Klingenberg am Main
Deutschlandkarte, Position der Stadt Klingenberg a.Main hervorgehoben
49.7833333333339.1833333333333128Koordinaten: 49° 47′ N, 9° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 128 m ü. NHN
Fläche: 21,14 km²
Einwohner: 6188 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 293 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63911
Vorwahl: 09372
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 134
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 9
63911 Klingenberg
Webpräsenz: www.klingenberg-main.de
Bürgermeister: Ralf Reichwein (CSU)
Lage der Stadt Klingenberg a.Main im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Klingenberg am Main ist eine fränkische Stadt im bayerischen Landkreis Miltenberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Untermain unmittelbar an der Grenze zu Hessen und besteht aus dem alten Ort Klingenberg sowie den beiden 1976 eingemeindeten Stadtteilen Trennfurt und Röllfeld. Röllfeld und Klingenberg liegen rechtsmainisch am Fuße des Spessarts, während auf der westlichen Mainseite und genau Klingenberg gegenüber Trennfurt an den Odenwald grenzt.

Auffällig sind der Hohberg (Richtung Erlenbach) und der Schlossberg (Richtung Großheubach), zwei Weinberge oberhalb des Stadtteils Klingenberg mit terrassenförmigen Steillagen, an denen unter anderem der bekannte Klingenberger Rotwein angebaut wird, vorwiegend Spätburgunder und Portugieser.

Klingenberg liegt 12 km von der Kreisstadt Miltenberg, 28 km vom Oberzentrum Aschaffenburg und 67 km von Frankfurt am Main entfernt und gehört – wie der gesamte bayerische Untermain – zum Rhein-Main-Gebiet.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Klingenberg am Main hat drei amtlich benannte Ortsteile:[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Stadt
Wörth am Main
Stadt
Erlenbach am Main
Markt
Mönchberg
Gemeinde
Lützelbach
Nachbargemeinden Gemeinde
Röllbach
Stadt
Michelstadt
Gemeinde
Laudenbach
Markt
Großheubach

,

Nachbargemeinden sind im Norden die Städte Erlenbach (auf der Klingenberger Mainseite) und Wörth (auf der Trennfurter Mainseite), im Osten die Spessartgemeinden Mönchberg und Röllbach, im Süden Großheubach (auf der Klingenberger Mainseite) und Laudenbach (auf der Trennfurter Mainseite) sowie im Westen die hessische Odenwaldgemeinde Lützelbach, die jedoch nur über Wörth zu erreichen ist, und die Stadt Michelstadt (Stadtteil Brunnthal).

Geologie[Bearbeiten]

Die Region um Klingenberg am Main, der Naturpark Spessart, ist vom roten Mittleren Buntsandstein geprägt. Dieses Gestein ist besonders gut in den Weinbergen und der östlich von Klingenberg befindlichen Seltenbachschlucht zu erkennen. Die verschiedenfarbigen Sandsteine sind dort teilweise schräg geschichtet, je nach Fließrichtung des Wassers zur Ablagerungszeit des Gesteins.

Die Seltenbachschlucht ist in die Liste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen worden.[3] Sie entstand im Pleistozän, als sich die Nebenbäche des Mains stark in die Landschaft einschnitten. Die durch Verwitterung freigelegten Schichten zeigen 250 Millionen Jahre Erdgeschichte. Oberhalb der Schlucht lagert besonders reiner und begehrter Ton, der bis vor wenigen Jahren bergmännisch abgebaut wurde.

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Ihren ursprünglichen Namen Clingenburg hat die Stadt Klingenberg am Main von der oberhalb des Ortes liegenden Clingenburg.[4] Der Zusatz am Main unterscheidet sie von weiteren gleichnamigen Orten.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]

  • 1100 Clingenburg
  • 1108 Clingenburch
  • 1241 Clingenberg
  • 1594 Klingenberg
  • 1675 Klingenberg am Meyn
  • 1888 Klingenberg a.Main[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)
Gedenkstein in der Westmauer des Grubinger Friedhofes (Kirchhof)

Ein Weihestein aus römischer Zeit, ein frühmittelalterlicher Ringwall und der wahrscheinlich auf die alemannische Zeit zurückgehende Kirchhof der ehemaligen romanischen Kirche St Michaelis in Grubingen an der Straße nach Großheubach sind die ältesten Zeugnisse der Klingenberger Geschichte. Im 2. Jahrhundert nach Christus errichteten die Römer durchs heutige Deutschland die Grenzbefestigung des Limes, der auf Trennfurter Seite entlang des Mains verlief. Die Palisaden wurden in Trennfurt durch ein Kastell ergänzt.

Im Jahr 1100 nennt sich ein Edler namens Heinrich nach der alten Clingenburg; er gehörte dem Adelsgeschlecht der Reginbodonen an. Die staufische Clingenburg wurde 1177 von Conradus Colbo erbaut, der als kaiserlicher Mundschenk zum engen Vertrautenkreis Barbarossas gehörte. Um 1250 zog die Familie derer von Bickenbach auf die Burg, die in der Folgezeit im Heiligen Römischen Reich zahlreiche einflussreiche Ämter besetzte und deren Angehörige des Öfteren als Vermittler in der Reichspolitik auftraten. In der Zeit der Bickenbacher wurde die Stadt Klingenberg unterhalb der Burg erstmals urkundlich erwähnt, nämlich im Jahre 1276.

Nach dem Aussterben der Bickenbacher 1500 fielen Stadt, Burg und Herrschaftsbereich an das Fürstbistum Mainz, das sich über den Großteil des bayerischen Untermains erstreckte – das heutige Oberzentrum Aschaffenburg war bereits seit dem 10. Jahrhundert mainzisch und Zweitresidenz des Mainzer Kurfürsten. 1552 wurde die Klingenberger Altstadt wie zahlreiche andere Städte vom Ansbacher Markgrafen Albrecht Alcibiades im Markgräflerkrieg fast vollständig zerstört. In den darauf folgenden Jahrzehnten fand der Wiederaufbau statt.

Klingenberg in der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Nach Auflösung des Fürstbistums Mainz im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 gehörte Klingenberg zunächst dem neugegründeten Fürstentums Aschaffenburg des Reichserzkanzlers Karl Theodor von Dalberg an, das 1810 in das Großherzogtum Frankfurt mit der Hauptstadt Aschaffenburg umgewandelt wurde. Nach dem Wiener Kongress 1814 kam Klingenberg mitsamt der gesamten Region Aschaffenburg/Miltenberg und dem Großherzogtum Würzburg (dem politischen Nachfolgestaat des Fürstbistums Würzburg) an das Königreich Bayern.

Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Klingenberg lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Klingenberg war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main (Kfz-Kennzeichen OBB). Mit Auflösung des Landkreises Obernburg kam Klingenberg 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

Im 19. und Anfang 20. Jahrhundert brachte der Stadt Klingenberg das 1567 erstmals erwähnte Tonbergwerk großen Wohlstand. So wurden den Bürgern Ende des 19. Jahrhunderts die Steuern erlassen und ein Bürgergeld ausgezahlt, außerdem wurden unter anderem ein Aussichtsturm, eine Mainbrücke, eine Schule, ein neues Rathaus sowie zahlreiche elegante Bürgerhäuser gebaut (Wilhelmstraße, Ludwigstraße). Zudem erhielt Klingenberg als eine der ersten Gemeinden der Region schon 1897 ein unterirdisches Stromnetz mit eigenem Elektrizitätswerk. Die Einwohnerzahl stieg schnell an.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges fanden 1945 in Klingenberg Kämpfe zwischen deutschen Truppen und den vorrückenden Amerikanern statt. Die Deutschen zogen sich schließlich zurück, sprengten jedoch zuvor die Mainbrücke zwischen Klingenberg und Trennfurt, die erst 1950 ersetzt werden konnte. Die historische Bausubstanz der Stadt wurde durch die Kämpfe kaum beeinträchtigt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Gemeindegebietsreform wurde Klingenberg am 1. Januar 1976 mit den bis dahin selbständigen Gemeinden Röllfeld und Trennfurt zur neuen Stadt Klingenberg vereinigt.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weinberg und Clingenburg

Oberhalb der Klingenberger Altstadt und des Weinbergs liegt die mittelalterliche Clingenburg. Ab 1177 saßen hier die Herren von Clingenburg beziehungsweise ab 1250 die Bickenbacher, danach residierten die mainzischen Amtmänner in der Burg bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts; anschließend verfiel sie. 1871 erwarb die Stadt die Burgruine. Im 20. Jahrhundert wurde die Burg touristisch erschlossen; so wurden etwa ein Restaurant sowie eine Aussichtsplattform angelegt, von der man einen guten Blick auf die Altstadt und das Maintal hat. Seit 1994 finden auf der Clingenburg die renommierten Clingenburg-Festspiele statt, die mit wechselnden Schauspielstücken und Musicals jedes Jahr überregional viele Besucher anziehen. 287 Stufen führen die Besucher auf dem Fußweg von der Altstadt aus nach oben.

Klingenberg hat eine malerische historische Altstadt mit zahlreichen Fachwerkgebäuden aus dem 16. Jahrhundert, insbesondere in der Hauptstraße, In der Altstadt, in der Kirchengasse und in der Lindenstraße.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Klingenberg am Main und Route der Industriekultur Rhein-Main Bayerischer Untermain.

  • Im wohl schönsten Klingenberger Fachwerkhaus, dem Alte Rathaus aus dem Jahre 1561 mit Krüppelwalmdach und Mittelerker, sitzt nach der Restaurierung seit 2001 die Touristeninformation. Unter den großen Arkaden im Sockelgeschoss beherbergte es einst eine offene Markthalle. Als Rathaus genutzt wurde es bis 1885, danach war es bis 1934 Postamt.
  • Ebenfalls in der Altstadt liegt das Klingenberger Stadtschloss, ein Renaissancebau von 1560, der von den Mainzischen Amtmännern der Familie Kottwitz von Aulenbach, ab 1693 von der Familie von Mairhofen bewohnt wurde (bis 1892). Es erfuhr seither verschiedene Nutzungen und befindet sich heute in Privatbesitz. Zum Schloss gehören der Schlosshof und das Torhaus mit großem Sandsteinportal, ebenfalls aus der Renaissance. Im Schlosshof gab es seit 1741 einen Rosengarten im französischen Stil mit Teehäuschen (1799). Dieser wurde 1981 von der Stadt Klingenberg neu angelegt; hier finden im Sommer Konzerte statt.
  • Die Altstadt war früher von einer Stadtmauer mit drei Stadttoren umgeben, die jedoch teilweise der Entwicklung der Stadt zur Jahrhundertwende zum Opfer gefallen ist. Heute sind noch die Mauern zwischen Burg und Altstadt und ein Mauerabschnitt am Schlosshof erhalten, ebenfalls unversehrt ist das südliche der drei Stadttore, der Brunntorturm (Untergeschoss 12. oder 13., Rest 16. Jahrhundert) mit Arrestzellen im Obergeschoss und einem Zwiebelturm, eine Zutat aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die im Kern spätgotische Kirche St. Pankratius wurde 1467 als Neue Kapelle erbaut; der Kirchturm stammt von 1617. Der Bau wurde 1892 umgestaltet und erweitert.

Ringwall und Aussichtsturm[Bearbeiten]

Im Jahr 1903 wurde im Wald auf dem Schlossberg innerhalb einer keltischen Ringwallanlage in mittelalterlichem Stil der Aussichtsturm Alte Schanze errichtet mit einer Aussichtsplattform in 22 m Höhe, die heute von vielen Wanderern und Touristen aufgesucht wird. Mehrere Wanderwege durch den Wald und dazu der Sonnenweg, ein Panoramaweg von der Burg aus durch die Rebhänge, führen zu diesem Aussichtsturm mit Gaststätte.

Der Turm wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und musste 1998 wegen Baufälligkeit gesperrt werden; nach Restaurierung durch einen lokalen Förderverein kann er seit 2003 wieder bestiegen werden.

Die Aussicht reicht über den Main nach Röllfeld, Trennfurt, Erlenbach und Wörth am Main.

Esskastanien-Lehrpfad[Bearbeiten]

Im Sommer 2011 wurde der „Esskastanien-Lehrpfad“ eingerichtet, ein von der Clingenburg ausgehender, 2,6 km langer Rundwanderweg über die Steige und die Alte Schanze mit 13 Erklärungstafeln. Zwischen 1892 und 1902 waren oberhalb der Rebhänge des Schlossberges auf ca. 10 ha Fläche versuchsweise Kastaniensamen ausgesät worden. Klingenberg hat deshalb heute mit noch etwa 8,5 ha Bestand den größten zusammenhängenden Esskastanienwald des Spessarts. Dass Reben und Kastanienhaine beieinander zu kultivieren nützlich ist, war bereits den Römern bekannt, es ist bis heute insbesondere in südlichen Weinanbaugebieten üblich. Früher war vor allem das besonders widerstandsfähige Kastanienholz begehrt, aus dem man Rebpfähle und Weinfässer herstellte. Heute schützt der Kastaniengürtel oberhalb der Klingenberger Rebhänge diese vor kalten Nordwinden, ist ein eigentümliches Biotop und ein landschaftlich anziehendes Wandergebiet. Es tragen nicht alle Bäume Frucht, was jedoch laut Erklärungstafel für den in wärmeren Klimazonen beheimateten Baum auch nicht anders zu erwarten ist.

Religionen[Bearbeiten]

Die Stadt Klingenberg am Main ist mehrheitlich römisch-katholisch, die drei Pfarrgemeinden St. Pankratius in Klingenberg, Mariä Himmelfahrt in Röllfeld und St. Maria Magdalena in Trennfurt gehören zum Dekanat Obernburg innerhalb des Bistums Würzburg.

Älteste der drei Kirchen ist St. Pankratius im Stadtteil Klingenberg, das markant oberhalb der Altstadt steht. Der gotische Chorraum und die Sakristei stammen aus dem 15. Jahrhundert, der Kirchturm und das Langschiff wurden 1617 mit Geld aus dem Vermögen der Mutterkirche St. Michaelis in Grubingen errichtet.[6] Ihren heutigen Grundriss und die spätgotische Ausstattung erhielt die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden Kirchen in Röllfeld und Trennfurt stammen aus der Barockzeit (17. beziehungsweise 18. Jahrhundert); die Trennfurter Kirche wurde nach einem Brand 1975 infolge eines Blitzschlages teilweise neu gestaltet.

1976 erregte Klingenberg weltweite Aufmerksamkeit durch den Fall der jungen Frau Anneliese Michel, die nach Überzeugung von Vertretern der römisch-katholischen Kirche von Dämonen besessen war und nach einem mehrmonatigen Exorzismus zu Tode kam.

Juden lebten in Klingenberg am Main nachweislich bereits im Mittelalter. Die Stadt wird 1298 in einer Liste der Orte aufgeführt, in denen sie beim sogenannten „Rintfleisch-Pogrom“ verfolgt wurden. Auch im 15. Jahrhundert werden Juden genannt, 1429 im Zusammenhang mit der Eintreibung der königlichen Judensteuer. 1461 war ein Jude aus Klingenberg eines Mordes beschuldigt worden. 1671 und 1700 wurden in Klingenberg sogenannte Judenlandtage abgehalten. Im Jahr 1900 zählte die jüdische Gemeinde 26 Personen, was etwa 2,0 % der Gesamteinwohnerzahl entsprach. Die jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge in Form eines kleinen Betsaals und eine Religionsschule. Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Berthold Fried (* 18. Oktober 1890 in Klingenberg, gef. 11. August 1914); sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof der Stadt in der Wilhelmstraße.[7][8]

Wegen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien gegen sie durch die Nationalsozialisten sind zwischen 1933 und 1939 bis auf drei Familien alle Juden aus Klingenberg emigriert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden der Betsaal und die Wohnungen der verbliebenen jüdischen Familien verwüstet, die Bewohner deportiert.[9] Laut dem Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland“ des Bundesarchivs wurden zwischen 1939 und 1942 insgesamt zehn in Klingenberg geborene Menschen jüdischen Glaubens in Konzentrationslager deportiert und ermordet.[10] Die jüdische Gemeinde Klingenberg war nach Ablauf des Jahres 1939 vollständig aufgelöst.[11] Seit dem 9. November 2008 erinnert eine Gedenktafel an den heute nicht mehr vorhandenen Betsaal.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[12]
Wahlbeteiligung: 49,5 %
 %
40
30
20
10
0
33,0 %
18,1 %
15,4 %
19,3 %
14,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-3,76 %p
+5,21 %p
-0,27 %p
+3,91 %p
-5,1 %p

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Stadtrat hat (ohne Bürgermeister) 20 Mitglieder: Nach der Kommunalwahl am 16 März 2014 ergab sich folgende Sitzverteilung:[13]

Partei / Liste Sitze G/V
CSU 6 − 1
Grüne 4 + 1
SPD 3 ± 0
Freie Wähler Trennfurt 4 + 1
Freie Wähler Klingenberg-Röllfeld 3 − 1

G/V: Gewinn oder Verlust gegenüber der Wahl 2008

Am 30. September 2012 wurde Ralf Reichwein (CSU) zum ersten Bürgermeister gewählt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Klingenberg hält seit 1980 eine Partnerschaft mit der französischen Weinbaugemeinde Saint-Laurent-d’Arce bei Bordeaux.

Wappen[Bearbeiten]

Das Klingenberger Wappen stammt aus dem 16. Jahrhundert und enthält das Mainzer Rad. Die drei grünen Berge stehen für Schloss- und Hohberg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Große Firmen in Klingenberg sind WIKA, ein Hersteller für Druck- und Temperaturmesstechnik, der Keramikhersteller Klingenberg Dekoramik in Trennfurt sowie der Lackhersteller Hemmelrath in Röllfeld. Neben der Industrie ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Stadt liegt an der Route der Industriekultur Rhein-Main.

Weinbau[Bearbeiten]

Weinbau- und Heimatmuseum und Brunntorturm

In Klingenberg werden etwa 30 ha Weinberge bewirtschaftet, deren teils uralte Terrassen das Erscheinungsbild der Stadt prägen. Es gibt hier drei Weinlagen, den „Schlossberg“ (25 ha) und den „Erlenbacher Hohberg“ (2 ha) auf der Klingenberger Seite sowie die Lage „Einsiedel“ (2 ha) im Stadtteil Trennfurt. In den drei Stadtteilen gibt es rund 15 Winzer. Fast durchgehend finden die in Klingenberg traditionellen Häckerwirtschaften statt, dazu wechseln sich mehrere Winzer in regelmäßigen Abständen ab. In Klingenberger Lagen wird überwiegend (auf ca. 23 ha) Rotwein angebaut, wobei Spätburgunder und Blauer Portugieser dominieren. Bei den Weißweinen überwiegt die Sorte Müller-Thurgau.

Die auf das Mittelalter zurückgehende Terrassierung mit Trockenmauern aus Buntsandstein wurde 1986 unter Denkmalschutz gestellt. Schmale Mauer-Querterrassen wie hier am Ort mit einer Hangneigung von durchschnittlich 100% und Zugängen über bis zu 250 Stufen können allein in Handarbeit bewirtschaftet werden und erfordern bis zu 2000 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr. Auf 10 % der Flächen (3 ha) werden Ökoweine erzeugt. Ein gesonderter „Museumsweinberg“ stellt seltene Rebsorten vor.

Das Klingenberger Weinbau- und Heimatmuseum dokumentiert den kompletten Ablauf der Weinerzeugung. Zu sehen sind dort die Gerätschaften der Weinherstellung, ein rekonstruierter Rebhang, eine Weinpresse von 1806, Küferei und Weinkeller, Fässer, Abfüllanlage, Gläser und Flaschen sowie eine rekonstruierte Häckerwirtschaft.

Seit 1950 findet einmal jährlich im August das Klingenberger Winzerfest statt, eines der größten Weinfeste der Region. Klingenberg liegt am Fränkischen Rotwein Wanderweg.

Klingenberger Ton[Bearbeiten]

Der Klingenberger Ton entstand im Pliozän vor ca. 5 Millionen Jahren durch in den Buntsandstein versenkte Bodenlösungen. Er wurde zum Beispiel in der Bleistiftindustrie als Beimischung zu Graphit verwendet. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts bis zur Schließung des Bergwerkes am 16. Dezember 2011 wurde er unter Tage abgebaut. Bis zum Ersten Weltkrieg war der Ertrag so hoch, dass die Stadt den Bürgern Steuerfreiheit und ein zusätzliches „Bürgergeld“ zwischen 200 und 400 Reichsmark gewähren konnte. Der begehrte Klingenberger Ton wurde bis in die Vereinigten Staaten und nach Indien exportiert.

Das Tonbergwerk musste schließen, da es technisch auf dem Stand der 50er Jahre zurückgeblieben und unrentabel geworden war. Es fand keinen Investor, eine Modernisierung hätte Millionen Euro gekostet. Zuletzt arbeitete das Werk, das in seiner Blütezeit rund 80 Bergleute beschäftigt hatte, mit nur noch 9 Kumpeln, die am 16. Dezember 2011 den letzten vollen Hunt herausfuhren, eine vorweihnachtlich geschmückte Grubenlore.

Im Weinbau- und Heimatmuseum sind in zwei Schaustollen die historischen und zeitgenössischen Abbaumethoden dokumentiert. Unterstützt wird die Schau durch Exponate wie Grubenlampen, Keramik, Uniformen, Schriftstücke und eine Bleistiftsammlung.

Das stillgelegte Tonbergwerk befand sich am oberen Ende der Seltenbachschlucht. Die dort aufgegebenen Anlagen (Mundloch, Förderturm, Fabrikgebäude) sind noch vorhanden, derzeit aber weder erklärt noch zu besichtigen (Stand September 2012).

Verkehr[Bearbeiten]

Die von Klingenberg aus durchgehend vierspurige Bundesstraße B469 verbindet die Stadt mit Aschaffenburg und den Autobahnen A3 Frankfurt am Main-Würzburg, A45 Dortmund-Aschaffenburg und A66 Hanau-Fulda. Der Abschnitt in die Gegenrichtung nach Miltenberg ist nur zweispurig (2008), ein Ausbau der dicht befahrenen Straße auf drei Spuren wird jedoch geprüft. Durch Klingenberg führt die Staatsstraße 2309.

Klingenberg hat im Stadtteil Trennfurt einen Bahnhof, der von der Maintalbahn Aschaffenburg-Miltenberg-Wertheim angefahren wird.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Entlang dem Main führen durch den Stadtteil Trennfurt vier Radwanderwege:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten]

Die Einwohner Klingenbergs werden auch „Klingenberger Spatzen“ genannt. Diese Bezeichnung wird von den Einheimischen selbst auch verwendet, so z. B. in dem noch in den 1970er Jahren von Schulkindern erlernten Lied „Wir Klingenberger Spatzen, wir sind vergnügt und froh!“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Berninger: Chronik der Stadt Klingenberg am Main. Band 1–3, Stadt Klingenberg 1994–1996, DNB 963469797.
  • Katholisches Pfarramt Trennfurt: Trennfurter Kirchengeschichte : 250 Jahre St. Maria Magdalena Trennfurt. Trennfurt 2005, OCLC 634850109.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. bayerische-landesbibliothek-online (abgerufen im Jan. 2013)
  3. Seltenbachschlucht in Liste der 100 schönsten Geotope aufgenommen. 250 Millionen Jahre Erdgeschichte. Main-Netz, 20. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011.
  4. a b c  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 121.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 751.
  6. Würzburger Diözesan Geschichtsblätter, Band 55, 1993, S. 64 als PDF
  7. Walter Hermann: Juden in Klingenberg. In: 700 Jahre Stadt Klingenberg. Klingenberg 1976, S. 177–179.
  8. http://www.alemannia-judaica.de/klingenberg_synagoge.htm
  9. http://www.gruene-miltenberg.de/startseite/pressebericht/article/gedenktafel-fehlt-noch.html
  10. http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945)
  11. http://www.yadvashem.org/ Website der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem
  12. Klingenberg – Stadtratswahl 2014
  13. Klingenberg – Kommunalwahl 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klingenberg am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien