Kloster Ballindoon

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Nordostansicht des Klosters mit, von links nach rechts, dem Chor, dem Turm, dem nördlichen Querschiff und dem Kirchenschiff

Das Kloster Ballindoon (irisch Prióreacht Bhaile an Dún, englisch Ballindoon Priory) war ein Maria geweihtes Haus der Dominikaner am nördlichen Ufer des Lough Arrow in County Sligo, das 1507 von Thomas O'Farrell gegründet und um 1585 im Zuge der Reformation aufgehoben wurde.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Während die früheren Gründungen der Dominikaner im 13. Jahrhundert überwiegend in Städten oder kirchlichen Zentren erfolgten, kam es im 15. und 16. Jahrhundert zur Bevorzugung ländlicher und abgeschiedener Gegenden, die eine strikte Einhaltung der mendikanten Ideale erleichterten.[2] Das Kloster liegt am nördlichen Ufer des Lough Arrow nur etwa einen halben Kilometer entfernt von Ballindoon Castle, einer Befestigungsanlage, die 1352 von Hugh O'Conor erobert und zerstört wurde, aber später von den MacDonaghs wieder aufgebaut wurde, die dort zur Zeit der Gründung ihren Sitz hatten.[3] Während auf der Nordost-Seite des Klosters das Gelände langsam ansteigt, fällt es zur Seeseite etwa sechs Meter steil herab.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Nordansicht des Klosters mit dem Lough Arrow im Hintergrund

Ballindoon ist die letzte Gründung der Dominikaner in Irland vor der Reformation.[5] Da das Land den MacDonaghs gehörte, gibt der Name des Gründers, Thomas O'Farrell, Rätsel auf, da er der Longford-Familie zugerechnet wird. O'Sullivan weist auf einen Eintrag in den Annalen von Connacht hin,[6] in dem ein Thomas O'Farrell als Prior genannt wird, der zusammen mit seinen drei Söhnen umgebracht wird. Da jedoch die Verbindung eines Amts als Prior mit einem weltlichen Familienleben nur in Form eines Kommendarpriors zulässig wäre, bleibt wieder die Frage offen, wie er so eine Position in einem fremden Herrschaftsgebiet einnehmen konnte.[7]

Bei der Begutachtung wurde 1585 die Kirche, ein Friedhof und etwa vier Acre Land vorgefunden, dessen Wert auf 6 Schilling und 8 Pence geschätzt wurde. Als Melaghlin Oge MacDonagh 1588 verstarb, ging der Besitz als Lehen an seine Witwe. Später fiel Ballindoon an Sir Francis Crofton.[8]

Architektur[Bearbeiten]

Der Zugang zu dem Kloster erfolgt über einen Durchgang mit einem abgeschrägten Spitzbogen und einer Verdachung auf der Außenseite in der Nordwand des Kirchenschiffs. Im Kirchenschiff sind zwei Fenster, das eine mit dreigliedrigem gotischen Maßwerk auf der Westseite und ein einfacheres zweigliedriges Fenster mit Kielbögen.[9]

Der Turm vom Kirchenschiff aus gesehen.

Das Kloster besticht durch seinen ungewöhnlichen Turm, der, so Leask, wegen seiner niedrigen Höhe und ungewöhnlichen Konstruktion eigentlich kein Turm sei, sondern eher ein Schirm zwischen dem Kirchenschiff und dem Chor, der an seiner Spitze eine Glocke aufnehmen kann, sich aber nur leicht über das sonstige Kirchendach erhebt. Er ist ungewöhnlich schmal von West nach Ost und hat Giebel zur Nord- und Südseite und in der Mitte einen erhöhten Bereich, der ebenfalls Giebel nach Westen und Osten hatte. Neben dem Durchgang in der Mitte zum Chor sind zwei Bögen links und rechts davon, die offenbar Seitenaltären dienten. Darüber sind im ersten Stock ebenfalls drei Öffnungen, die wie eine Galerie wirken. Leask vermutet hier, dass links und rechts in den Öffnungen Statuen gewesen sind und in der Mitte ein Kruzifix, das mit dem dahinter beleuchteten Chor kontrastierte. Diese Konstruktion ist in Irland einmalig.[10]

Der Chor hat zwei Fenster auf der Nordseite und ein zentrales Fenster auf der Ostseite, das ähnlich wie das auf der Westseite ist, jedoch viergliedrig ausgeführt ist. Die schmalen Fenster der Nordseite sind ein- bzw. zweigliedrig und durch Rundbögen eingefasst. Auf der Südseite ist ein Durchgang, von dem aus eine steinerne Außentreppe erreicht werden kann, die zur Galerie im ersten Stock des Turms führt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Aubrey Gwynn, R. Neville Hadcock: Medieval Religious Houses in Ireland. Longman, London 1970, ISBN 0-582-11229-X.
  •  Thomas S. Flynn: The Irish Dominicans 1536–1641. Four Courts Press, Dublin 1993, ISBN 1-85182-122-8.
  •  Ursula Egan, Elizabeth Byrne, Mary Sleeman, Sheila Ronan, Connie Murphy: Archaeological Inventory of County Sligo. Volume I: South Sligo, Stationery Office, Dublin 2005, ISBN 0-7557-1942-5.
  •  Benedict O'Sullivan, Hugh Fenning (Hrsg.): Medieval Irish Dominican Studies. Four Courts Press, Dublin 2009, ISBN 978-1-84682-151-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ballindoon Priory – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gwynn, S. 222.
  2. Flynn, S. 4.
  3. Egan et al, S. 486, Eintrag 2893.
  4. Egan et al, S. 397, Eintrag 2610.
  5. O'Sullivan, S. 86.
  6. Der Eintrag ist 1527.21.
  7. O'Sullivan, S. 86.
  8. Gwynn, S. 222.
  9. Egan et al, S. 397–398.
  10.  Harold G. Leask: Irish Churches and Monastic Buildings. Volume Three, Dundalgan Press, Dundalk 1960, S. 54–55.
  11. Egan et al, S. 398.

54.082812-8.323265Koordinaten: 54° 4′ 58″ N, 8° 19′ 24″ W