Kloster Banz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kloster Banz
Westansicht
Hauptgebäude
Innenhof-Panorama mit Eingang
Die Woehl-Orgel
Vertikalpanorama Innenraum Klosterkirche Banz
Kaisersaal

Kloster Banz ist ein ehemaliges Benediktinerkloster, das seit 1978 zum Gebiet der Stadt Bad Staffelstein nördlich von Bamberg gehört. Es gehört zum Ensemble des Gottesgartens im Obermainland. Seit 1978 ist das Kloster im Besitz der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung und dient als Tagungsstätte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die um 1070 durch Gräfin Alberada von Schweinfurt und ihren Mann, den Grafen Hermann von Habsberg-Kastl, gegründete Benediktiner-Abtei war bis zur Säkularisation 1803 das älteste Kloster am Obermain. Zum Besitz des Klosters gehörte im Mittelalter die benachbarte Burg Stachilize, die ihm 1127 auf Bitten des Abtes Baldewin von Bischof Otto von Bamberg zugesprochen worden war.[1] Im Spätmittelalter und darüber hinaus bis 1575 wurden nur Adlige als Mönche aufgenommen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste das Kloster neu gebaut werden. Die Äbte Eucharius Weiner und Kilian Düring beauftragten Leonhard Dientzenhofer und, nach dessen Tod 1707, seinen Bruder Johann. Die Bauarbeiten begannen 1698. 1719 wurde die Kirche konsekriert. Während die auf der anderen Mainseite gelegene Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen (erbaut 1743–1772, i. W. durch Balthasar Neumann) ein Rokoko-Bauwerk höchsten Grades ist, handelt es sich bei der Dientzenhofer'schen Kirche von Banz um ein Musterbeispiel des süddeutsch-böhmischen Barocks zu Beginn des Jahrhunderts.

Der Innenraum der Kirche überrascht, weil er nicht eckig erbaut ist, sondern in vielen 'geschaukelten' Ellipsen. Der Hauptaltar, die Kanzel sowie die Heiligenstatuen in der Kirche und an der Fassade sind ein Werk von Balthasar Esterbauer; die Deckenfresken stammen von Melchior Steidl. Das Chorgestühl mit reichen Intarsienfeldern wurde vom Schönbornschen Hofschreiner und Ebenisten Johann Georg Neßtfell geschaffen.

Die ursprünglich vorhandenen drei Orgeln, die Hauptorgel der Westempore, die Chororgel auf der linken Seite des Mönchschors und die Winterchororgel in dem nördlich an den Mönchschor im Obergeschoss angrenzenden kleinen Winterchor, der sich im Umbau zu einem Krippenkindermuseumsraum der Pfarrgemeinde befindet, sind Werke des Würzburger Hoforgelmachers Johann Philipp Seuffert. Heute befindet sich ein transloziertes Werk Seufferts aus dem abgebrochenen Münster des Klosters Grafschaft auf der Westempore, eingebaut und zu etwa einem Viertel ergänzt von Gerald Woehl, Marburg. Die Chororgel steht, durch Sanierungen des 20. Jahrhunderts in ihrer historischen Substanz wesentlich verändert, in der Pfarrkirche von Oberküps, Gemeinde Ebensfeld. Die Winterchororgel hatte noch bis 1945 in der Kirchengemeinde Ebersdorf bei Coburg gedient und fiel dann einem Kirchenbrand zum Opfer. Die heutige Orgel über dem Mönchschor, im Winter jeweils in der Krypta zu Gottesdiensten benützt, baute Thomas Eichfelder, Bamberg.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genoss Kloster Banz als Stätte der katholischen Aufklärung und wegen seiner gelehrten Mönche reichsweiten Ruf.

1814 erwarb Herzog Wilhelm in Bayern die ehemalige Klosteranlage, die in der Folge als Schloss Banz bezeichnet wurde.

1933 erwarb die Gemeinschaft von den heiligen Engeln, die sich der Auslandsdeutschenseelsorge widmete, die einstige Klosteranlage von Ludwig Wilhelm Herzog in Bayern, während die Ländereien in wittelsbachischem Besitz blieben. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg das Kloster als Depot.

Seit 1978 ist das einstige Kloster im Besitz der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung und dient ihr als Tagungsstätte. Außerdem beherbergt es eine sogenannte Petrefaktensammlung, die allerdings auch zahlreiche andere Exponate wie beispielsweise ägyptische Mumien enthält.

Seit 1987 findet jährlich das zweitägige Musikfestival Songs an einem Sommerabend auf den Klosterwiesen statt.

Zitat aus einem Reiseführer des frühen 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

In seinem Reiseführer über Bamberg und Umgebung aus der Zeit um das Jahr 1912 beschreibt der Verfasser Dietrich Amende auch Kloster Banz:

Scheffel hat den ganzen Zauber dieses begnadeten Erdenfleckes im „Mönch von Banth“ geschildert. Wie Bruder Nikodemus im Anblick der holden Wunder der fränkischen Landschaft von Hypochondrie und Melancholie genas, so sprechen mit ihm auch heute die vielen Tausende, welche die Banzhöhe als Jungbrunne nach des Alltags Müh’ und Ärger aufsuchen…
Jedoch nicht allein die herrliche Lage in „buchenumfriedeter Einsamkeit“ und die wundervolle Aussicht – die man am schönsten von der Schloßterrasse genießt – stempeln Banz zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Die weitläufigen Anlagen des ehemaligen Benediktinerklosters, das sich jetzt im Besitz der bayer. Herzogsfamilie befindet, sind auch architektonisch überaus bemerkenswert; sind sie doch von den berühmten fränkischen Baumeistern Leonhard Dientzenhofer und Balthasar Neumann errichtet. Nach Neumanns Entwürfen sind die den Schlosshof einfassenden Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude 1752 ausgeführt worden. Man beachte die hübsche Rokokoornamentik des Einfahrtstores. Der mächtige Hauptbau ist das 1698 – 1704 errichtete Werk Leonhard Dientzenhofers, des Erbauers der Bamberger Residenz.

zitiert aus Dietrich Amende: Bamberg und das Frankenland. Bamberg o. J. (ca. 1912)

Klosterkirche[Bearbeiten]

Die Klosterkirche von Banz trägt das Patrozinium St. Dionysius und St. Petrus. Die berühmte Kirche, deren Grundstein 1710 gelegt wurde, verrät sich schon durch die geschickte Ausnutzung der landschaftlichen Lage und durch die Gestaltung des Außenbaus mit einer hochragenden Doppelturmfassade von weitem als Meisterwerk. Wie das Benediktinerstift Melk das Donautal, so beherrscht in entsprechend kleinerem Maßstab Banz das Obermaintal. Die besondere Bedeutung der 1719 konsekrierten Klosterkirche liegt in der Raumgestaltung durch Johann Dientzenhofer, der in genialer Weise räumliche Gegebenheiten und Begrenzungen aufgriff. Obwohl die Kirche nicht übermäßig groß ist, glänzt sie durch ihre besondere Raumwirkung. Im Inneren der Klosterkirche St. Dionysius und St. Petrus hat Dientzenhofer durch die kurvierten und durch Kapellen unterbrochenen Wandflächen und insbesondere durch die Gewölbebildung einen Raumeindruck geschaffen, den Richard Teufel wie folgt geschildert hat: „Der Innenraum, der sich dem Eingetretenen dunkel unter der Orgelempore auftut, führt zwischen mächtigen Pfeilern, unter lebhaft bewegtem Gewölbe, in lichte Tiefe. Kuppeln scheinen sich zu reihen, Wände bauschen sich nach außen, Balkone dringen gegenläufig nach innen, Gurte steigen schräg ins Gewölbe hinein. Unter der ‚Hauptkuppel‘ ist geheimnisvoll der Mittelpunkt des Raumes, um den sich alle Teile ordnen, auf den sie bezogen sind; vier Kapellennischen empfangen den Strom, geben ihm Sinn und Weisung zum Hochaltar, durch dessen Triumphsäulen hindurch er weiterschwingt in den Mönchschor hinein“. Der Hochaltar, der, ohne Altarblatt, den Blick freigibt auf das Blatt des Choraltars, geht sicherlich auf eine Idee Dientzenhofers zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Dippold: Kloster Banz. Natur, Kultur, Architektur. Obermain Buch- und Bildverlag, Staffelstein 1991, ISBN 3-9801257-3-4.
  • Hans-Werner Alt: Kloster Banz. Verlag Langewiesche, 5., revidierte u. erweiterte Aufl. Königstein i. Ts. 2013, ISBN 978-3-7845-0195-6.
  • Wolfgang Wüst: Kloster Banz als ein benediktinisches Modell. Zur Stiftsstaatlichkeit in Franken. In: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte. 70 (2001) S. 44–72.
  • Niklas Raggenbass: Harmonie und schwesterliche Einheit zwischen Bibel und Vernunft, Die Benediktiner des Klosters Banz: Publizisten und Wissenschaftler in der Aufklärungszeit (44. Ergänzungsband von Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige) St. Ottilien 2006, ISBN 3-8306-7235-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig August Schultes: Directorium diplomaticum oder chronologisch geordnete Auszüge von sämmtliche über die Geschichte Obersachsens vorhandenen Urkunden von dem Jahre 704 bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. Band 1, Altenburg 1820, S. 287, Nr.73.

Bedeutende Benediktiner aus Kloster Banz[Bearbeiten]

Äbte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Banz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kloster Banz – Reiseführer

Siehe auch[Bearbeiten]

50.13288055555611.000738888889Koordinaten: 50° 7′ 58″ N, 11° 0′ 3″ O